Kapitel 28 Flavia

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Leute einfach 1514 Wörter viel Spass.💞🫶🏼

Der Moment, in dem ich das Flugzeug verlasse, fühlt sich wie ein sanfter Übergang in eine andere Welt an. Die Sonne küsst mein Gesicht, als wollte sie mir sagen, dass ich hier nicht mehr die bin, die ich früher war. Ich fühle mich, als ob ich in einen Raum betrete, der für mich geschaffen wurde. Für einen Moment. Doch wie bei allen Momenten, die zu gut sind, um wahr zu sein, zieht die Realität schnell nach. Als meine Augen sich an das grelle Licht gewöhnen, sehe ich ihn - meinen Vater.

Er steht da, wie immer in seinem makellosen schwarzen Anzug, der die Jahre seines Lebens widerspiegelt. Kalt, streng, unveränderlich. Es gibt einen Moment, in dem ich mir wünsche, dass er mich einfach ignoriert, dass er mich nicht so ansieht, als wäre ich nur ein weiteres Problem, das er lösen muss. Aber das passiert nie. Nie, wenn es um mich geht. „Konntest du dir wirklich nicht eine anständige Hose anziehen?" - seine ersten Worte. Wie immer. Keine Begrüssung, keine Anerkennung. Nur eine Kritik. Ich atme tief durch, versuche ruhig zu bleiben, aber in meinem Inneren brodelt es.

„Schön dich auch zu sehen, Vater", erwidere ich, und mein Ton ist genauso kalt und distanziert, wie er es von mir gewohnt ist. Der Blick, den ich ihm zuwerfe, ist leer, emotionslos. Ein Blick, der all die Jahre der Enttäuschung, des Schmerzes und der Kälte widerspiegelt. Der Blick einer Tochter, die ihre Kindheit verloren hat. Die nie wirklich geliebt wurde, nicht auf die Weise, die man sich als Kind erhofft.

Ich laufe die Stufen des Flugzeugs hinunter. Das Haus, das früher mein Zuhause war, taucht vor mir auf. Ein Ort, der so viele Erinnerungen birgt - keine guten. Und trotzdem gibt es in mir keine Wut mehr. Nur ein tiefes Gefühl der Leere, das mich begleitet, seit ich mich von allem befreit habe, was mich schwach gemacht hat. Mein Vater hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Stärker, härter, entschlossener. Aber ich frage mich, ob er jemals darüber nachgedacht hat, was er mir wirklich beigebracht hat. Ob er jemals wirklich verstehen konnte, dass Stärke auch ihre Schattenseiten hat.

Mein Blick fällt auf das Haus, in dem ich aufgewachsen bin. All diese Jahre der Angst und der Schmerzen, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Ein Mensch, der sich nie wirklich sicher war, ob er je wieder in der Lage sein würde, echte Nähe zuzulassen. Aber da war Alex. Er hatte mich auf eine Weise berührt, die ich nicht erwartet hatte. Ich hatte ihn gehasst, weil er mir das Gefühl gab, dass ich mich wieder öffnen könnte. Er war der einzige, der mich für einen Moment von diesem schweren Schatten befreien konnte. Und gleichzeitig der Grund, warum ich mich unwohl fühlte - weil ich ihm nie vertrauen wollte. Ich wollte nie so enden wie mein Vater, aber vielleicht hatte das Leben andere Pläne mit mir. Vielleicht war es an der Zeit, das zu akzeptieren.

„Liebe ist nicht albern, Vater. Nur weil du es versäumt hast, nach ihrem Tod weiter zu leben, heisst das nicht, dass sie keine Bedeutung hat." Ich kann die Worte kaum aussprechen, doch sie kommen aus mir, wie ein Schrei, den ich so lange unterdrückt habe. Meine Mutter - die Frau, die er nie richtig loslassen konnte, deren Tod ihn so sehr verändert hat. Vielleicht war sie für ihn der einzige Mensch, der je etwas in ihm bewegt hat. Aber er hat sich in seiner Trauer verloren, hat sie in einer Weise verarbeitet, die ihn entmenschlicht hat. Und ich? Ich habe immer nur zugesehen und mich in meiner eigenen Welt vergraben.

„Ich habe es nicht aufgegeben. Ich habe einfach realisiert, wie sehr es einen schwächt", antwortet er, und seine Stimme klingt genauso kalt wie immer. Ich habe gelernt, seine Worte nicht mehr zu fürchten. Sie haben keine Macht mehr über mich. Doch tief in mir frage ich mich, ob er wirklich versteht, was er sagt. Was er fühlt. Kann jemand wie er jemals wissen, was wahre Liebe bedeutet? Kann jemand, der seine eigene Menschlichkeit aufgegeben hat, verstehen, dass Liebe auch Heilung bedeutet?

Ich nicke nur und wende mich ab. „Und jetzt geh mir aus den Augen und erscheine pünktlich zu deiner Zeremonie", sagt er mit einem bitteren Ton, der mir nichts mehr anhaben kann. Ich weiss, was er erwartet. Die Zeremonie. Der Moment, der alles verändern soll. Aber ich frage mich, ob dieser Moment für mich jemals kommen wird, oder ob ich für immer in diesem Käfig gefangen bleiben werde, den er für mich gebaut hat.

Später...

Es fühlt sich an, als wäre ich in einem Albtraum gefangen. Ich betrachte mich im Spiegel. Das Zimmer - mein altes Zimmer - das mich immer an diese Kindheit erinnert, die ich lieber vergessen würde. Alles ist dunkelrot und schwarz, Farben, die den Schmerz meiner Vergangenheit widerspiegeln. Doch ich bin nicht mehr der Mensch, der ich einmal war. Ich habe überlebt. Ich habe mich verändert.

Die Zeremonie steht bevor, und ich muss mich darauf vorbereiten. Doch der Gedanke, in diesem Raum zu stehen, mit all diesen Menschen, die nichts anderes von mir wollen, als meine Macht und meinen Einfluss, lässt mich fast erstarren. Doch ich weiss, dass ich nicht schwach wirken darf. Nicht heute. Nicht jetzt.

Das Kleid, das ich auswähle, ist genauso dunkelrot wie der Schmerz, der mich immer noch verfolgt. Es ist eng anliegend und zeigt meine Narben - die Narben, die ich nie wirklich versteckt habe. Sie sind ein Teil von mir. Ein Teil dessen, was mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin. Ich ziehe es an, ohne zu zögern. Ich kann es nicht ändern. Aber vielleicht kann ich die Bedeutung dieser Narben neu definieren. Vielleicht kann ich ihnen eine andere Farbe geben. Eine andere Bedeutung.

Die Rubinkette, die mir Alex geschenkt hat, lege ich um meinen Hals. Zuerst konnte ich sie nicht ertragen, sie erinnerte mich an alles, was ich vermeiden wollte. Aber heute ist sie anders. Sie ist mehr als nur ein Geschenk. Sie ist ein Symbol - für alles, was ich überlebt habe, für die Liebe, die mich geheilt hat. Und auch für die Freiheit, die ich mir selbst erkämpft habe.

„Bist du bereit?", fragt Ivàn, seine vertraute, kalte Stimme hallt durch die Tür. Ivàn. Ein Mann aus meiner Vergangenheit, der mir so viel genommen hat. Doch heute bin ich nicht mehr die Person, die ich einmal war. Ich werde ihm nicht erlauben, mich zu beeinflussen. Nicht mehr.

„Ich bin bereit", antworte ich, und als ich die Tür öffne, sehe ich ihm in die Augen. Es ist kein Zorn mehr in mir, keine Wut. Nur eine leere, kalte Entschlossenheit.

Ich gehe an ihm vorbei, ohne ein weiteres Wort. Keine Konfrontation. Keine Erklärung. Ich muss nicht mehr kämpfen. Alles, was ich brauche, ist, dass er mich in Ruhe lässt.

In der Zeremonie...

Der Saal ist riesig, der Boden glänzt wie poliertes Glas, und die Luft ist schwer von der Erwartung der Anwesenden. Doch als ich die Menge anschaue, erkenne ich niemanden. Es gibt keinen, den ich hier wirklich kenne. Die Gesichter sind fremd, die Augen leer. Doch ich fühle keine Angst. Keine Nervosität. Nur das Dröhnen meines eigenen Herzschlags, das mich daran erinnert, dass dies der Moment ist, den ich schon so lange herbeigesehnt habe.

„Lasst uns beginnen", ruft mein Vater, und der Raum verstummt. Doch bevor irgendetwas passieren kann, spüre ich einen scharfen Schmerz in meinem Bauch, ein brennendes Stechen, das sich durch meinen Körper zieht. Ein kaltes Gefühl macht sich in mir breit, als ob etwas in mir zerbricht. Es ist, als würde mein Körper sich gegen mich auflehnen, als ob er mich warnt.

Ich versuche, ruhig zu bleiben, doch der Schmerz wird unerträglich. Ich taste nach meinem Bauch, und meine Finger finden etwas, das sich anfühlt wie Blut. Mein Blut. Panik steigt in mir auf, aber ich kann sie nicht zulassen. Ich muss stark bleiben. Ich kann nicht schwach wirken. Ich muss diese Zeremonie überstehen. Für mich. Für das, was ich mir aufgebaut habe.

Später, als ich mich in einem Moment der Stille alleine in meinem Raum befinde, greife ich nach meinem Telefon. Der Schmerz ist immer noch da, und ich weiss, dass ich niemanden anders anrufen kann. Nur Alex kann mir vielleicht ein bisschen Ruhe verschaffen, auch wenn er mir in dieser Situation nicht wirklich helfen kann. Aber seine Stimme - sie hat diese seltsame Beruhigung, die mich auf andere Gedanken bringt.

„Alex", flüstere ich, „es ist etwas passiert... Etwas stimmt nicht."

„Was ist los, Lada?" Die Sorge in seiner Stimme ist sofort spürbar, doch ich kann es ihm nicht erklären. Ich kann ihm nicht sagen, was in mir vorgeht, was in meinem Körper vor sich geht.

„Ich glaube, du hast dein Kind verloren", sagt er schliesslich. Und diese Worte... sie treffen mich mit der Wucht eines Donnerschlags. Ein Kind. Was habe ich getan? Was habe ich verloren?

„Ich werde es alleine durchstehen", sage ich, obwohl ich nicht weiss, wie. Aber in diesem Moment weiss ich auch, dass ich es tun muss. Es ist mein Kampf. Mein Leben. Und ich werde nicht zulassen, dass irgendetwas mich davon abhält, weiterzumachen.


Was hält ihr von dem Kapitel?

Ich finde das Kapitel ist bislang mein bestes. :)

Grüsschen Malia🌸

Mafia dancesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt