Eine Geschichte über Rivalisierende Mafias eine Zwangshochzeit und Fakedating. Also eine ganz normale Lovestory oder?
Flavia Rousso hat keinen anderen Ausweg: Um ihre Familie zu retten, wird sie an Alex Rodriguez, einen gefürchteten Mafia-Boss, verk...
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„Dad, ich kann nicht mehr", sage ich mit rauer Stimme, während ich auf meine Hände blicke, die von den blutigen Knöcheln unter der Bandage gezeichnet sind. Tränen sammeln sich in meinen Augen, und trotz meiner Bemühungen, sie zu verbergen, verraten meine zitternden Hände, wie erschöpft ich wirklich bin. Ich bin erst neun. Seit dem Tod von Mum macht er mir immer wieder Vorwürfe und versucht, mich gleichzeitig auf das Unvermeidliche vorzubereiten. Doch immer wieder hindert er mich daran, tiefer in das Geschäft einzutauchen. Ich weiss, dass das, was er tut, grausam ist – doch dass er mich so auf das Leben darin vorbereitet, hätte ich nie erwartet.
Deshalb finde ich nach stundenlangem Schweigen endlich den Mut, meine Stimme zu erheben. „Ich kann nicht mehr", flüstere ich fast, doch es fühlt sich an, als würde jeder Laut von mir die Last der Welt heben. Ich bin erschöpft – körperlich, ja, aber vor allem seelisch. Es fühlt sich an, als wäre ich nicht mehr als ein Werkzeug in einem Spiel, das niemals endet. Die Holzpuppe, mit
der ich trainiere, ist nicht nur hart, sie ist für mich zur ständigen Erinnerung an die Unbarmherzigkeit dieser Welt geworden. Mein Blut tropft auf den Boden, die
Wunden an meinen Knöcheln schmerzen bei jedem Schritt, doch ich kann nicht aufhören. Ich kann nicht aufhören, weil ich weiss, dass es nie aufhören wird. Und trotzdem ... an diesem Punkt frage ich mich, wie lange ich das noch durchhalten kann.
Es sind inzwischen zwei Jahre seit dem Tod meiner Mutter vergangen, und mein Vater hat nie wirklich begonnen zu trauern. Stattdessen hat er sich in eine Art Selbstisolierung zurückgezogen, die ihn jeden Tag mehr verändert hat. Ich kann die Trauer in seinen Augen nicht mehr sehen, nur noch eine harte, kalte
Entschlossenheit, die mich erschreckt. Er will mich formen, aber nicht als Tochter. Er will mich als seine Nachfolgerin, als die Frau, die die Familie weiterführt.
Aber ich ... ich will nicht diese Art von Erbe antreten. Manchmal habe ich das Gefühl, er sieht mich nur noch als ein Werkzeug, nicht als ein Kind.
„Du bist eine de Luce, Diana." Dein Name verpflichtet dich, Ehre zu bringen", sagt er mit einer Schärfe, die ich inzwischen gewohnt bin, doch die mich immer wieder trifft. Er war der einzige, der mich Diana nannte. Mein Zweitname, den Namen meiner Mutter, den ich mit aller Ehre trage. Doch es ist der Ton, den er seit dem Tod von Mum nie abgelegt hat – hart, unnachgiebig, von Wut und Enttäuschung durchzogen. Ich blinzele die Tränen zurück, versuche, das Bild eines Lächelns auf mein Gesicht zu setzen, doch es fühlt sich leer an. Es ist nicht mehr der Vater, den ich gekannt habe, der mir bei meinen ersten Schritten geholfen hat, der mich in seinen Armen gehalten hat, wenn ich Angst hatte. Dieser Mann ist jemand anderes. Ein Mann, der nur noch durch seine Trauer lebt, aber niemals in ihr stirbt.
Ich weiss, dass ich mit einer Diskussion nur noch mehr Probleme bekommen würde. Also schweige ich, wie so oft. Die Wut und die Frustration sind so gross, dass es fast wehtut, sie zu unterdrücken, aber ich weiss, dass es keine andere Wahl gibt. Was bleibt, ist nur die ständige
Erschöpfung, das Gefühl, nie genug zu sein und gleichzeitig ständig gefordert zu werden. Es fühlt sich an, als müsste ich über Nacht erwachsen werden – nicht nur in den Augen meines Vaters, sondern in den Augen der ganzen Welt. Denn als Nachfolgerin sahen alle meine Fortschritte, aber auch jeden auch noch so unbedeutsamen Fehler.
Meine Tage sind vollgepackt mit Terminen, die ich niemals selbst gewählt hätte, mit Besprechungen, bei denen mein Vater an meiner Seite ist und ich als Erwachsene in einer Welt verhandeln muss, die mir noch viel zu fremd ist. Ich lerne, Abkommen zu schliessen, zu verhandeln, mich in dieser Welt zu behaupten – all das, was ich eigentlich nie lernen wollte. Ich muss kämpfen, lernen, mich zu verteidigen, zu schiessen, zu fechten. Und das Schlimmste – das tägliche Kampftraining, das oft der einzige Moment in meinem Tag ist, an dem ich mich tatsächlich lebendig fühle, denn trotz der Schmerzen fühle ich etwas. Ich fühle Dinge, die ich den ganzen Tag nicht zu fühlen wage, und auch wenn diese Gefühle Wut und Trauer sind, kann ich fühlen. Aber selbst das fühlt sich nicht mehr wie Leben an. Es ist ein ständiger Kreislauf aus Schmerz und Erschöpfung, aus immer neuen Wunden, die sich mit den alten mischen.
Mein Körper ist erschöpft. Meine Hände bluten regelmässig, und es fühlt sich an, als könnten sich meine Muskeln nicht mehr erholen. Nach jedem Training sinke ich fast automatisch in mein Bett, das sich mehr und mehr wie ein kalter Felsen anfühlt. Es ist kein Ort der Ruhe mehr, kein Zufluchtsort, wie es früher war, als Mum noch da war. Ohne sie scheint alles schwerer, als es sein sollte. Der Verlust von ihr hat einen Raum in mir hinterlassen, der sich nicht füllen lässt.
Als das Training endlich endet, fliehe ich förmlich in mein Zimmer, dann ins Badezimmer. Ich öffne den Spiegelschrank und hole Watte und einen Lappen heraus, um meine Hände zu säubern. Das kalte Wasser, das über die Wunden rinnt, ist ein kleiner Moment der Erleichterung, aber es hilft nicht wirklich. Ich schliesse die Augen, um den Schmerz auszuhalten, während ich versuche, mich zu sammeln. Ich greife nach dem Schnaps, den mein Vater nie mochte und den er immer aus dem Haus verbannte. Aber in dieser Stunde des stillen Widerstands nehme ich ihn mir, weil ich weiss, dass er mir hilft, meine Wunden zu desinfizieren, auch wenn mein Vater das für überflüssig hält. Es brennt, doch ich gewöhne mich daran. Ich habe gelernt, dass Schmerz in dieser Familie eine Art von Normalität ist, die niemand hinterfragt.
Das Blut, das von meinen Händen tropft, hinterlässt Spuren auf dem Boden, und ich sehe, wie die kleinen roten Tropfen langsam den weissen Fliesenboden färben. Es ist nicht das erste Mal, dass ich diesen Boden so hinterlasse, und wahrscheinlich wird es nicht das letzte Mal sein. Ich kümmere mich schnell um die Wunden, trage Salbe auf und wickle die Knöchel erneut in einen Verband. Dann wende ich mich den anderen Verletzungen zu, die ich mir bei Ivàn zugezogen habe. Ivàn – mein Trainingspartner, der mir jeden Tag zeigt, wie zerbrechlich und gleichzeitig wie stark der menschliche Körper sein kann. Ivàn, 32 Jahre alt, ein Mann, der kaum spricht und dessen Blicke schärfer sind als jedes Messer. Manchmal frage ich mich, was ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist. Was muss geschehen sein, damit ein Mensch so leer wird, wie er es ist? So gefühllos und kalt.
Ich starre auf das Blut, das weiter in Tropfen den Boden hinunterläuft. Es ist keine schlimme Wunde, nur eine Schürfung an meinen Knien vom Aufprall mit dem
Boden. In mir fühlt sich ein Teil von mir selbst wie ein Tropfen in diesem Meer des Schmerzes an. Die Leere und diese Kälte, und ich spüre, wie ich Tag für Tag das Leuchten meiner Kindheit verliere. Mit jeder Wunde, mit jedem Schlag, den ich davontrage, verliere ich ein Stück von mir. Ein Stück von der Person, die ich einst war, bevor alles so schwer und unendlich wurde. Ich frage mich oft, wie lange es noch dauern wird, bis auch ich so werde wie mein Vater – kalt und ohne Empathie, leer und nur noch ein Schatten der Person, die ich hätte sein können. Doch wie sollte es anders kommen, denn an einigen Tagen frage ich mic, wie ich noch nicht eingeknickt bin, und ganz ehrlich: Ich kann nicht mehr. Ich bin doch auch nur ein Kind, das sich nach seiner Dosis Aufmerksamkeit und Liebe sehnt. Schon heute erfülle ich Aufträge und Geschäfte, die man nur den besten der Besten anvertrauen würde, denn obwohl ich noch ein Kind bin, behandelt man mich wie eine Erwachsene und normalisiert das Ganze auch noch.
Ich werde versuchen ein Kapitel pro Woche hochzuladen, hoffe ich schaffe das auch.💞💞🫶🏼