Kapitel 18

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"Wie geht es dir?", fragte er besorgt. "Besser", sagte ich knapp.

Er wusste genau was hinter diesem Wort steckte.

Angestrengt atmete er durch und raufte sich die Haare. "Ablenkung?", fragte er. "können wir, aber nicht hier", meinte ich. "Wo willst du hin? Zum fliegen ist es zu spät", sagte er.

So oft wollte ich ihn zu einer Nachttour überreden, aber jedes Mal wies er mich ab. Inzwischen hatte ich meinen kleinen Traum aufgegeben.

"ich weiß, komm einfach mit", forderte ich ihn auf. Er hatte das Studio bisher noch nicht gesehen und derzeit fühlte ich mich dort einfach wohl, obwohl sich das vor ein paar Minuten schlagartig geändert hat. Wir liefen durch die Gänge und traten in das Studio. "Wow, ihr habt echt was aus dem Zimmer gemacht", staunte Freyja. "ja, ein schöner Raum bringt schöne Musik hervor nicht wahr?", lächelte ich traurig.

"willst du mal wieder singen?", fragte er lächelnd. Erst jetzt fiel es mir wieder ein. Die vielen Bilder wie ich damals mit Freyja zusammen gesungen hab. Er hatte mich für meine Stimme gelobt, aber das war schon Jahre her. Wenn ich die Aufnahmen heute höre, frag ich mich was mit seinem Gehör falsch ist.

"Freyja, wir wissen beide, dass ich nicht singen kann", meinte ich ernst. "Na und? Es hat dir damals viel Spaß gemacht, probier es einfach mal, vielleicht kannst du es inzwischen", sagte er zuversichtlich. "Na gut", gab ich nach. Freyja würde mich sonst die ganze Nacht damit zureden.

"was willst du singen?", fragte er glücklich. Nach kurzen überlegen hatte ich das perfekte Lied. [God Damn You're Beautiful - Chester See] Freyja sah mich seltsam an, doch suchte mit meinem Mac eine Akustik Version und machte alles soweit fertig. In der Zwischenzeit suchte ich die Lyrik auf meinem Handy und stellte mich in den Aufnahmeraum.

Ich atmete tief durch und schloss die Augen. Freyja startete und ich hörte die Klänge des Klaviers über die Kopfhörer. Ich schluckte ein letztes Mal und fing an aus ganzer Seele und aus ganzem Herzen zu singen.

Meine Augen ließ ich die ganze Zeit geschlossen. Ich hatte das Lied schon zu oft gehört, als dass ich die Lyrik brauchen würde. Während des Singens liefen mir vereinzelt Tränen über die Wangen.

Taddl...ich hab ihm weh getan, dabei war er immer für mich da. Er hatte sich nur Sorgen gemacht und ich fuhr ihn an, als hätte er mir gedroht.

Ich sang die letzte Zeile, setzte die Kopfhörer ab und schlug meine Hände vor's Gesicht, da sich mein Gesicht vor weinen verzog. Wie ich es hasste.Verzweifelt stürzte ich zu Boden und weinte bitterlich in meine Hände.

Hydra Lab (DFA)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt