69 ~ Feuertanz

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Jeder Flug, den ich je im Eurofighter bestritten habe, ob der Erstflug beim Ausbildungsgeschwader im Zweisitzer mit dem Fluglehrer hinten drin, oder die letzte Großübung, bevor all das losging.
All das hat mich hier drauf vorbereitet.
Sollte es jedenfalls.

Doch nichts kann jemanden auf einen Dogfight aus Hunderten Kampfflugzeugen gegen Aliens vorbereiten. Selbst die stressigsten Momente der LFEs -Large Force Exercises- sind nichts gegen das hier.

Nichts hat uns auf die Geräusche im Funk vorbereitet, wenn die Piloten im Todeskampf ihres abstürzenden Flugzeuges in Todesangst schreien.

Nichts hat uns auf die Orientierungslosigkeit vorbereitet, wenn alles außerhalb des Cockpits zu einem einzigen, unübersichtlichen Feuerwerk der Gewalt und Technik verschmilzt und niemand mehr in dem Chaos Freund von Feind unterscheiden kann.

Nichts hat uns auf das Ausmaß an Schüssen, Raketen, Lasern und Explosionen vorbereitet, dass alles dort draußen in einen Nebel aus Rauch, Blitzen und Feuer verhüllt, in einen einzigen brutalen Tanz des Feuers und des Todes.

Doch über all das kann ich nicht nachdenken, dafür knallt, zischt und blitzt es um mich herum viel zu sehr.
Dafür zerdrücken mich die G-Kräfte im Kurvenkampf viel zu sehr.
Dafür ist es alles einfach viel zu viel.

„Hab einen!" schreit jemand, vielleicht Midnight?
Wer weiß das schon?

„Hab zwei im Nacken! Kann mir jemand hel..." der Funkspruch bricht ab und gleichzeitig blitzt es erneut irgendwo in meinem Rückspiegel auf.

Hektisch reiße ich den Kopf herum und suche nach den Feinden in all dem Chaos. Zahlentechnisch sind wir gegen diese Vorhut überlegen, aber das hat noch nie den Sieg garantiert, also verlassen wir uns nicht darauf.

Fieberhaft scannen meine Augen blitzschnell den Himmel ab, und tatsächlich. Zwei dunkle Schatten jagen in einiger Entfernung auf ein paar Flugzeuge hinab. Ohne zu zögern oder den Blick von den Angreifern zu lösen, reiße ich am Steuerstick und augenblicklich rauben mir die G-Kräfte den Atem. Mit zusammengebissenen Zähnen schaffe ich es, die Kiste herumzubekommen und mit dem puren Anschauen des Ziels erfasst es mein Head-Up Display, gibt die Daten an die scharfgestelllte und einsatzbereite IRIS-T weiter und sofort drücke ich den Abzug.

Rauschend jagt die Rakete ihrem Ziel hinterher. In immer wilderen Manövern versucht der Breacher sich aus dem Erfassungssensor der hitzesuchenden Rakete zu lösen, doch es ist vergeblich. Krachend schlägt der Lenkflugkörper in den Alienjäger ein und schickt den Wichser auf den Weg zum Boden.

Sein Kamerad reagiert sofort und reißt nun seinerseits seine Maschine herum, bis wir gerade auf einander zu rasen. Keine Zeit mehr auf Bordkanone umzuschalten, also lasse ich es geschehen. Nur wenige Zentimeter scheinen uns zu trennen, als der Breacher wild um sich schießend an mir vorbeidröhnt. Die Schiffe dieser Wichser machen einen so markanten Sound, wenn sie nah an dir vorbeifliegen. Es ist wie ein Stein, der auf Wasser trifft. Ein Plopp, so banal es auch klingen mag.
Einer der Männer von AzERaT meinte, dass das der Effekt der Raumkrümmung sei, womit sich diese Penner fortbewegen.

Ohne zu zögern reiße ich den Stick herum und begebe mich in die Vertikale, gerade dem Himmel entgegen, die Augen immer noch beim Alien. Er schwingt herum, geht in Feuerstellung.

Fuck, jetzt muss jeder Hangriff perfekt getimt stimmen. Mein Daumen hängt über dem Schalter für die Gegenmaßnahmen, mein Stick reißt den Jet herum, der Alien folgt mir.

Schüsse donnern unliebsam nah an meinem Cockpit vorbei. Ich warte den Bruchteil einer Sekunde, dann drücke ich den Schalter und an den Flügelspitzen schießen ihm die Container mit den Gegenmaßnahmen ein Feuerwerk aus Leuchtkugeln und Metallsplittern entgegen.

Das hat ihn überrascht, jetzt ist er verwundbar. Jet rumziehen, hinter ihn, Rakete scharfstellen, Feuer!
Es blitzt und der Breacher explodiert im Flug.

„Yeah Baby!" johle ich lautstark und rase mitten durch die Explosion.

„Hab zwei erwischt!" melde ich und entferne mich ein bisschen, um wieder auf Geschwindigkeit zu kommen.

„Die Viecher ziehen sich zurück!" schreit jemand.
Kann es sein? Haben wir sie besiegt?

„Schickt die Bomber rein, der Weg ist frei!" grollt Blackhole finster.

„All units, engage primary targets!" kommt es aus dem Funk. Sofort nehmen die Jäger die Verfolgung der fliehenden Überbleibsel der Abfangformation auf. Kampfbomber und Mehrzweck-Kampfflugzeuge donnern wie aus dem Nichts heran und halten auf die mittlerweile an einigen Stellen brennenden Harvester zu.

Der Weg ist frei.

„Two Dragon, inbound on Target!" höre ich die hektische Stimme von Monster aus dem Funk dröhnen. Die mit Bomben beladenen Eurofighter der Asse fegen im Tiefflug über das Land, direkt dem nächsten Harvester entgegen.

Nicht mehr lange, dann werden die Schilde der Schlachtschiffe wieder einsatzbereit sein.
Fuck, beeilt euch Leute.

Ich bin zu weit entfernt, um genau erkennen zu können, was nun folgt, aber es blitzt, dunkle Punkte entfernen sich und ohne Vorwarnung blendet mich ein gewaltiger Feuerball, als mehrere Geschwader Bomber fast gleichzeitig ihre Waffenladung auf den Kreuzer schmeißen, dessen Laser verzweifelt versuchen, den aggressiven Bienenschwarm anzugreifen, der ihn überrennt.

Eine Biene kann einem Mensch nichts anhaben,
50 jedoch können tödlich sein.

Als die Schockwelle mein Flugzeug erreicht, habe ich das Gefühl abzustürzen. Kollisionswarnungen leuchten auf, Alarmsirenen dröhnen um mich herum und Bitching Betty erklärt mir gefühlskalt wie immer, dass ich strukturellen Schaden genommen habe.

Fuck, auch das noch. Für den einen Augenblick, den ich entbehren kann, starre ich auf die Statusanzeige des Kampfjets. Mein Radar hat was eingesteckt und die Elektronik des Interface ist beschädigt.

Ich kann nicht anders, als zu fluchen. Ist ja mal wieder typisch, dass ausgerechnet bei mir alles zu Bruch geht. Jedes beschissene Mal. Bei meinem Glück geht gleich auch erstmal eins der Triebwerke flöten. Naja, ich sollte eigentlich nicht meckern, die liebe Glücksfee zeigt mir schließlich regelmäßig den Mittelfinger.

„Six Strong, formation!" befiehlt Blackhole und nach kurzem Chaos setzen wir uns einer nach dem anderen an die Flanke seines Eurofighters.

„Der erste ist weg, wir müssen den Angriff vorantreiben! Mir nach!" grollt er und bricht zur Seite weg. Wir folgen und prompt sind wir mitten in der Masse aus Flugzeugen, die gegen die verbleibenden beiden Harvester anfliegen.

Wild um sich schießend treiben die beiden Kilometerlangen Gebilde über der Landschaft. Überall lodern glühende Flammen auf, wenn sich ein neuer Schwarm auf sie stürzt. Der eine geht langsam aber brennend in den Sinkflug über. Nein, der stürzt ab!

„Da kommen mehr Jäger! Neun Uhr hoch!" brüllt jemand panisch. Sofort reiße ich den Kopf herum und sehe die Wolke aus kleinen schwarzen Punkten, die erschreckend schnell größer werden. Grüne Quadrate füllen das Head-Up Display in meinem Helm, als das System immer mehr Jäger identifiziert, deutlich mehr als die erste Welle.

„Das sind mehr als beim ersten Mal!" melde ich schnaufend und ohne hinzuschauen tastet mein Finger stumm nach dem Weapon Selector Switch, um auf die Mittelstreckenrakete zu wechseln.

„Ghostrider to forces, all Strong formations, move to intercept bandits. Protect bombers at all costs." dröhnt der Befehl des Kommandos durch den Helm.

„Six Strong, moving to intercept." grollt Blackhole und geht in die Vertikale dem Himmel entgegen. Wir tun es ihm gleich. Fast gleichzeitig lösen sich Dutzende Jäger aus dem Getümmel der Schlacht und rasen auf die ankommenden Feinde zu.

Jetzt sind wir in der Unterzahl, sie sind mehr, nicht nur Breacher, sondern viele Banshees. Das gerade eben war nur die Aufwärmrunde, jetzt, geht es erst richtig los.

Six StrongWo Geschichten leben. Entdecke jetzt