Blitze zucken um mein Cockpit herum.
Die nächste Salve meiner Bordkanone dröhnt, das Flugzeug zittert scheinbar unkontrolliert und es blitzt in der Entfernung, als der Alienschrott brennend zu Boden fällt.
Um mich herum sieht es nicht so gut aus.
Um mich herum sterben sie.
Einer nach dem Anderen.
Erst Crimson.
Dann Hera.
Dann Blaster.
„Pass auf!" schreit Jumper panisch und ich werfe sofort den Kopf in den Nacken. Ein Alien ist an mir dran. Fuck. Ich muss weg, ich muss hier weg. Ein Manöver nach dem anderen ziehe ich, die G-Kräfte zerdrücken mich fast unter ihrer Last.
Haken um Haken.
Doch er bleibt an mir dran.
„TITAN!"
Mit einem lauten Krachen jagt Jumpers Jet zwischen uns, genau, als der Hurensohn im Alienjäger feuert.
Sofort geht Jumpers Eurofighter in jene Flammen auf, die für mich bestimmt waren. Fassungslos und in Schockstarre gefangen schaue ich nur zu, wie der Jet erst ins trudeln gerät und schließlich mit einem gleißendem Feuerball am Boden aufschlägt.
Einen Fallschirm kann ich nirgendwo sehen.
Er ist nicht rausgekommen.
Er ist tot!
Jumper ist tot!
Langsam lasse ich die Kontrollen los und schließe die Augen.
Es ist vorbei.
„TITAN! MELD DICH ENDLICH!" brüllt mich Blackhole über Funk an. Ich ignoriere ihn.
Ich ignoriere das gewaltige Krachen, als ich getroffen werde.
Ich ignoriere die Angst, die mich zerfrisst.
Ich ignoriere den Schmerz.
Ich ignoriere die Flammen im Cockpit.
Ich ignoriere so viel.
Es blitzt.
Und ich wache auf. Schweißgebadet, zitternd und vollkommen handlungsfähig vor Angst.
Nicht vor dem Kampf, der bald beginnen wird, nein.
Davor, sie sterben zu sehen.
Meine Freunde.
Meine Kameraden.
Die Gesichter, die man jeden Tag hier sieht.
Lange starre ich nur mit leerem Kopf an die graue Decke.
Ist es normal, so zu sein, wenn man in ein paar Stunden im Feuerkampf verreckt?
Keine Ahnung.
„Aufstehen, Jungs." Jumper steht oberkörperfrei in der Mitte des Raumes und verzieht angespannt das Gesicht. Sein Oberkörper weist den einen oder anderen blauen Fleck auf. „Essen, dann fertigmachen, Briefing und dann..."
„...auf direktem Wege in den Tod, wir haben's kapiert." brummt Blaster genervt, der schon schlecht gelaunt seine Stiefel zuschnürt.
Wie in Trance stehe ich auf, ziehe meine sauber vorbereitete Fliegermontur an, rücke ein Patch zurecht und betrachte mich im schmalen Spiegel an der Wand.
Vor mir steht ein bleicher Mann, der trotz seines jungen Alters, aussieht, als wäre er mindestens 15 Jahre älter. Schrammen, Hämatome, Kratzer, Furchen und ein etwas vernachlässigter Bart säumen das kantige Gesicht mit den durchdringenden blauen Augen.
Tiefe Schatten zeichnen sich unter seinen Augen ab.
„Hör auf dich anzustarren, Bruder, wir haben nicht ewig Zeit." unterbricht mich Jumper vorsichtig, während er seine Fliegercombi schließt.
Ich habe mich nicht angeschaut.
Ich habe das angeschaut, was von mir übrig ist.
Eine Hülle.
Kurz mustere ich meine Freunde, die sich ebenfalls immer noch vorbereiten. Sie sehen genauso aus.
An Blasters Wange prangt ein mächtiger Cut, der sich fast über die halbe Wange erstreckt. Jumper hat hingegen seit dem letzten Einsatz gegen diesen Störsender einen fetten Bluterguss unter dem Auge.
Er meinte, er habe „Turbulenzen" gehabt.
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Six Strong
AcciónEin Pilot. Er ist Kampfpilot. Er ist Titan. Eines Tages werden er und die anderen Piloten seiner Staffel zu einem Einsatz gerufen, der ihre Leben, und die aller Menschen für immer verändern wird. Denn ein mysteriöser Radarkontakt ist aufgetaucht. ...
