67 ~ Engage Targets

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„Six, on position, ready to copy orders." meldet Jumper und ist damit der letzte der Formation, der sich einreiht.

„Turn in at north-east heading 0-8-3. Prepare for refueling action."

Während Blackhole spricht, kann ich nicht anders, als diese surreale Situation aufzusaugen. Der Himmel ist weiß von Kondensstreifen tausender Kampfjets, alle mit Kurs Nordost.

„Copy that, Leader." bestätige ich, während wir in einer Reihe hinter Blackhole aufgereiht, eine Sektion amerikanischer Langstreckenbomber überholen.

„All sections, into formation!" befiehlt der Einsatzführungsdienst, der im Gegensatz zu uns, immer noch dort unten im Shatterdome sitzt und sich die Füße an der Heizung wärmt. Meine Füße hingegen werde ich mit dem Triebwerk einer
IRIS-T wärmen müssen, schätze ich. Das Enviromental Control System ist nämlich in irgendeiner Form fehlerhaft. Es ist arschkalt. Frost setzt sich an der Frontscheibe fest, winzige Eiskristalle an der Scheibe vergrößern sich jede Minute.

„MULTI-4-4 to Six Strong, arm refueling probe."
Während mein Blick noch an den Flugzeugen um uns herum hängt, betätigt mein Finger schon den kleinen unscheinbaren Knopf und mit sanfter Anmut fährt die Treibstoffsonde aus.

„MULTI-4-4, Six Strong inbound at One-Eight-Zero low." kündigt Blackhole unser Aufkreuzen an.

Kurz suche ich nach den Tankern, auf mein Radar kann ich mich dabei leider nicht verlassen. Dieser Eurofighter ist einer der älteren Tranche III, die noch nicht das neuere und somit bessere Radar verbaut haben. Und mit dem Bildschirm voller Radarkontakte wird das sowieso nichts.

Doch dann sehe ich sie. Eine bestimmt Kilometerlange Linie aus Betankungsflugzeugen zeichnet sich aus dem Getümmel ab, die Flügelspitzen scheinen sich fast zu berühren.

„Das müssen 50 Stück sein." keucht auch Crimson ungläubig.

„Alle nur für uns aus Spanien hergeflogen." Hera gibt sich locker, aber den leicht ängstlichen Unterton ihrer Stimme kann sie vor mir nicht verbergen. Doch ich schweige nur.

Der eingebaute Leitstrahl von MULTI-4-4 leitet uns direkt zu der steinalten KC-135 der US-Air Force, welche in ihrer Grundkonfiguration schon seit bestimmt 80 Jahren ihren Dienst tut. Trotzdem bildet das alte Klappergestell das Rückgrat der NATO-Tankerflotte.

Schweigend klinken Blackhole und ich uns ein. Wir sind am längsten in der Luft und somit ist unser Tank auch der leerste der Gruppe. Stumm schaue ich der Treibstoffanzeige beim steigen zu, dann klinke ich mich schließlich aus, fahre die Betankungssonde wieder ein und setze mich an die Seite von Blackholes Jet.

Während die nächsten andocken klebt mein Blick an dem kunterbunten Haufen aus Flugzeugtypen aller Art. Zu meiner rechten eine Gruppe ukrainischer MiG-29 Fulcrum, dahinter eine Sektion amerikanischer F-35 Lightning II. Zu meiner linken eine Gruppe Tornados der Marineflieger dicht hinter einem Haufen russischer Kampfflugzeuge.

Es ist das reinste Durcheinander. Klar, als NATO sind wir im Kampf eingespielt und kennen unsere Taktiken bis ins letzte Detail auswendig. Mit fremden Nationen wie Russland und ein paar Syrern dazwischen ist das schon anders.
Sie sind nicht wie wir.
Sie fliegen nicht wie wir.
Sie sind anders.

Und doch sind sie wie wir.
Sie fliegen wie wir.
Sie sind wie wir.
Weil sie Menschen sind.
Wie wir.

Während mein Kopf mit den philosophischen Fragen der menschlichen Existenz und der Unsinnigkeit der Streitereien und Kriege untereinander im Großen Ganzen beschäftigt ist, geht über Funk der entscheidende Befehl rein.

Six StrongWo Geschichten leben. Entdecke jetzt