Die große Geburtstagsparty - Teil 2

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Einen wunderschönen guten Morgen ihr Lieben!

...und wie schon so oft eine bedröppelte Entschuldigung wegen der doch längeren Wartezeit als ich eigentlich gedacht hab. Hah. Tut mir leid, ich hoffe, ihr habt noch Geduld mit mir!!

Trotzdem vielen lieben Dank für eure zahlreichen, superlieben Feedbacks beim letzten Mal und für eure vielen Sterne! Ich freu mich wirklich jedes Mal wieder, wie viel Liebe ihr für Sina und unsere Chaoten übrig habt - ich werd mich auf jeden Fall bemühen, dem weiter gerecht zu bleiben und euch nicht zu enttäuschen.

Und hey, die gute Nachricht: das nächste Kapitel ist auch schon fertig! Definitiv keine längere Wartezeit mehr diesmal, der nächste Upload ist save am 21. Juli... bleibt mir also bis dahin gesund und habt eine gute Zeit!

Jetzt aber ganz viel Spaß beim Weiterlesen - bis zum nächsten Mal! <33

GlG
Ancarda


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~Sina~

„Paps, das ist Sina. Sie ist Sabos Schwester und arbeitet in meiner Praxis, ihr habt ja auch schon miteinander telefoniert. Aber vor allem... ist sie die neue Frau an meiner Seite!"



So viel Panik ich die ganze Zeit auch vor diesem Treffen hatte, all die zig Millionen Sorgen, die ich mir deshalb gemacht hab, und wie viele Horrorvisionen sich mein Kopf zusammengesponnen hat... jetzt, in diesem Augenblick, als Marco diese Worte ausspricht, ist kurioserweise nichts davon auch nur annähernd relevant oder präsent. Mein einziger Gedanke, während ich von der Seite her zu ihm hochschaue, ist:
Gott, war ich dämlich!'
Jede Silbe, jeder Blick, ja, seine ganze verdammte Haltung strahlt so viel Freude und Stolz aus, dass ich mir wie die allergrößte, egoistischste Idiotin vorkomme, weil ich ihm das hier am liebten verwehrt hätte. Diesen Moment, der ihn so offenkundig so unglaublich glücklich macht, dass es selbst ein Blinder ohne Probleme gesehen hätte! Ich schäme mich tatsächlich dafür, auch wenn ich erst in den vergangenen Minuten so richtig verstanden hab, wie viel Marco seine Familie wirklich bedeutet. Und er ihnen. Allein der euphorisch klingende Jubel vorhin, als er und Izou sich wieder vertragen haben! Es sind so viele Leute hier, aber jeder einzelne hat sich über das Ende dieses Streits gefreut, als hätte es ihn selbst betroffen.

...und nach einem kurzen Augenblick verblüffter Stille beweisen sie es mir gleich nochmal. Bevor ich überhaupt reagieren kann, bricht ein Tumult über uns herein, der mich im ersten Moment sogar direkt erschreckt. Marcos Brüder johlen, klatschen und brüllen ihm (oder vielmehr uns) begeistert irgendwelche unverständlichen Sachen zu, die in dem Lärm chancenlos untergehen. Hände regnen von allen Seiten auf uns herab, klopfen uns fröhlich auf Arme, Schultern und Rücken, greifen nach meiner freien Hand und schütteln sie so übermütig, dass ich nach kurzer Zeit schon kein Gefühl mehr darin habe.
Aber all die greifbare Freude um uns herum lässt mich nach dem ersten Schreck durchgehend lächeln. Ich kann gar nicht anders! Es ist wie damals in Rayleighs Bar, nachdem Marco und ich uns als Paar geoutet haben... nur mal hundert. ‚Du wirst eher froh sein, dass du keine Berührungsängste hast, glaub mir!' hallt Izous Prophezeiung durch meinen Kopf und bringt mich tatsächlich kurz zum Lachen. Denn ja, das hätte mir zweifellos größere Probleme beschert!! Im Sturm ihrer übermütigen Begeisterung fragt hier niemand erst nach, ob mir das recht ist oder nicht – die Freude muss einfach raus und genau das tun sie impulsiv einfach so, wie es ihnen grade in den Sinn kommt.

Für manche Menschen vielleicht übergriffig, erdrückend oder gar rücksichtslos... für mich einfach nur erleichternd ehrlich. Ohne irgendwas zurückzuhalten, ohne Hintergedanken, ohne Berechnung, ohne Scheinheiligkeit und ohne sich irgendwie zu verstellen.

Das alles haben sie nicht nötig. Sie stehen sich wirklich nah... obwohl sie gar nicht wirklich verwandt sind und nur sechzehn von ihnen tatsächlich adoptiert sind und zumindest auf dem Papier denselben Nachnamen tragen. Sie sind trotzdem eine Familie... eine riesige Familie sogar, mit nur einem einzigen Vater für alle. Das wird mir jetzt erst so richtig klar, als ich durch den Strom aus fröhlichen Gesichtern einen Blick auf ihn erhaschen kann, während sein dröhnendes, ausgelassenes Lachen das Einzige ist, das durch den Lärm konstant zu hören ist.
Es hat mir ja schon irgendwie gefallen, was Marco bisher über seine Familie und seinen Vater erzählt hat, aber... wirklich geglaubt hab ich ihm ehrlich gesagt nicht. Nicht, weil ich ihn für einen Lügner gehalten hätte, aber... ich hab einfach gedacht, dass er als Heimkind mehr in das Verhalten der anderen und dem seines Ziehvaters reininterpretiert, als eigentlich dort ist. Zwei Elternteile haben es schließlich bei mir nicht geschafft, ihre zwei leiblichen Kinder auch nur ein bisschen zu lieben - aber ein einiger Mann soll es fertigbringen, sogar hunderte von Kindern zu lieben, die nicht einmal seine eigenen sind? Und hunderte Kinder sollten in der Lage sein, für so viele andere Kinder eine ähnliche Geschwisterliebe zu empfinden wir ich und Sabo es füreinander tun? Eine schöne Geschichte... aber eben nur eine Geschichte. Zuneigung, Sympathie, herzliche und offene Freundlichkeit – ja, das hab ich mir vorstellen können. Mehr jedoch nicht.

Wie sehr ich mich doch getäuscht hab!

Und wie gut es sich doch anfühlt, mich getäuscht zu haben... ich bin wirklich, wirklich froh darüber. Weil ich mich einfach so wahnsinnig für Marco freue, dass er so ein unglaublich schönes, tief verbundenes Umfeld hat! Es ist überwältigend, das mitzuerleben und sogar ein Teil davon zu sein.
Ich hab keine Ahnung, wie lang es am Ende eigentlich dauert, bis der Ansturm nachlässt und der Lärm sich legt... was ich aber weiß, ist, dass mir die Ohren klingeln und mein Körper nur noch aus schmerzenden oder gänzlich gefühllosen Teilen besteht. Und ich ausgesprochen froh bin, dass Marco die ganze Zeit über meine Hand festgehalten hat, weil ich mir nicht sicher bin, ob ohne überhaupt noch stehen könnte. Vielleicht ist ‚überwältigt' ein bisschen zu milde ausgedrückt für meinen Gemütszustand – es fühlt sich eher nach einer Mischung aus platt, zermatscht und erschlagen an. Marco hat den Aufruhr zumindest besser weggesteckt; er sieht zwar genauso zerrupft aus wie ich, aber er steht noch deutlich entspannter aufrecht... und falls es überhaupt möglich ist, sieht er jetzt sogar noch glücklicher aus als zuvor.

Gott, ich fühle mich immer noch schrecklich, dass ich ihm das beinahe vorenthalten hätte...

„So, dann bin ich jetzt aber endlich dran..." Edward Newgate pflügt sich nun endlich einen Weg durch seine aufgekratzte Kinderschar und bleibt direkt vor uns stehen, wo er die Hände in die Hüften stemmt und auf uns herabblickt – und zwar wortwörtlich, denn er überragt vor allem mich auf fast schon absurde Weise. Ich muss echt meinen Kopf in den Nacken legen, um sein Gesicht sehen zu können!! Und als wäre seine reine Höhe noch nicht genug, scheint sein massiger Körper nur aus Muskeln zu bestehen, von den baumstammdicken Armen und Beinen bis zu den deutlich sichtbaren Bauchmuskeln, die sich unter seinem schwarzen Shirt abzeichnen. Er ist wirklich der größte und vor allem imposanteste Mann, der mir je begegnet ist... mit weitem Abstand. Aber trotz seiner übermächtigen Präsenz lässt er mir gar keine Chance, mich irgendwie eingeschüchtert zu fühlen oder ihm mit einer gewissen Distanz zu begegnen. Allein das breite Grinsen, das von einem Ohr zum anderen reicht und nur von seinem gewaltigen, weißen Schnurrbart übertrumpft wird, macht ihn sofort sympathisch und lässt erahnen, wie sehr ihn die jüngsten Ereignisse begeistert haben... seine Augen sind jedoch der endgültige Todesstoß für meine letzten, hartnäckigen Zweifel an seiner Person.

Obwohl Marco nicht sein echter Sohn ist, strahlen seine hellbraunen Augen dennoch eine so intensive Wärme aus, dass ich eine Gänsehaut bekomme. Ihm steht der Stolz, das Glück und die Begeisterung so deutlich ins Gesicht geschrieben, dass nicht mal ich mir einreden kann, dass irgendwas davon nur gespielt sein könnte.
Nein.
Der Mann, der mir da gegenübersteht, Edward Newgate, platzte grade fast vor Freude... und das ‚nur', weil Marco und Izou sich versöhnt haben! Und weil Marco grade auch noch erzählt hat, dass er wieder glücklich vergeben ist. Und Fakt ist: so viel Stolz, so viel ehrliche Freude kann man einfach nicht für jemanden empfinden, dem man nur oberflächliche Zuneigung entgegenbringt.

„Du bist also Sina... die angenehme Abwechslung am Telefon statt dem feuerspeienden Motzdrachen?" Höchst interessiert und nach wie vor sichtlich vergnügt mustert er mich, was mich dann doch wieder angespannt schlucken lässt. Bei seiner direkten Ansprache kommt die Angst und die Nervosität sofort wieder, aber seltsamerweise weniger schlimm als befürchtet... obwohl mir jetzt doch genau der Moment bevorsteht, vor dem ich doch die ganze Zeit am meisten Schiss gehabt hab. Doch Marco drückt meine Hand sofort aufmunternd fester und rückt zugleich dichter an mich heran, sodass sich unsere Arme und Beine berühren und er mir so ein sichereres Gefühl geben kann. Vielleicht bin ich aber auch von dem ganzen brüderlichen Trubel grade eben so geplättet, dass für Panik grade gar nicht mehr genug Platz ist. Mein Kopf fühlt sich an wie mit Watte gefüllt... aber ich straffe mich trotzdem entschlossen und bringe immerhin ein nervöses Lächeln zustande. Das hier ist schließlich immer noch Marcos Moment... und ich will, dass er so perfekt wie möglich ist!
Es ist Marcos Vater. Nur Marcos, nicht meiner. Wie Izou gesagt hat!', rufe ich mir sicherheitshalber dessen beruhigenden Worte ins Gedächtnis und fühle mich auch dadurch auch wieder etwas besser.

„Ja, die bin ich. Freut mich sehr, Sie persönlich zu treffen, Mister Newgate!", entgegne ich so freundlich, respektvoll und höflich wie nur irgend möglich und hoffe, dass sich auch meine Stimme nicht ganz so offensichtlich unruhig anhört. Aber hey: allein die Tatsache, dass ich mich in seiner Gegenwart überhaupt vernünftig artikulieren konnte, noch nicht kopflos die Flucht ergriffen hab und auch alle Körperflüssigkeiten noch da sind, wo sie hingehören, ist ermutigend... und entkräften einige meiner schlimmsten Horrorvisionen.
„GUARHARHAR! Lass die Förmlichkeiten weg, Mädchen, die braucht keiner hier. Du darfst mich nennen, wie du willst... nur bloß kein Herr, Mister, Sir und was-weiß-ich-was-noch für solcherlei hochgestochenen Quatsch. Wir sind hier keine Fremden", korrigiert er mich lachend, obwohl sein Blick auf einmal irgendwie nachdenklich wirkt. Allerdings nur kurz, dann ist es schon wieder verschwunden und sein vergnügter Blick richtet sich zu meiner Erleichterung auf Marco. Warm und stolz. „Du hast dich also doch endlich wieder getraut, was, Junge? Karten auf den Tisch: wie lang verheimlichst du mir das schon?"

Ertappt, aber gänzlich reuelos grinst der Angesprochene.
„Erst ein paar Wochen. Nenn mich altmodisch, aber ich wollte sie dir persönlich vorstellen und nicht am Telefon von ihr erzählen, yoi?", erklärt er sich und wirft mir einen liebevollen, unglaublich intensiven Blick zu, der zuverlässig meine Knie weich werden und mich wie von selbst lächeln lässt. Doch entgegen meiner Erwartung ist er noch nicht fertig, sondern fährt fort. „Immerhin hat sie es innerhalb kürzester Zeit fertiggebracht, dass ich sie trotz aller Ängste und Zweifel nach vier Jahren Alleinsein um ein Date gebeten hab. Und sie hat es nicht nur geschafft, dass ich mein Vertrauen in Partnerschaft wiedergewonnen hab, sondern seitdem auch glücklicher bin als überhaupt jemals zuvor!"

Warte... was?!
Diese völlig unerwartete, unglaublich süße und offenkundig aus tiefstem Herzen kommende Liebeserklärung hier vor allen anderen erwischt mich nun wirklich kalt. Perplex weiten sich meine Augen, während mein Gesicht heiß wird – ein Vorgang, der gleich noch effektiv beschleunigt wird durch die vielen „Aaaawwww"s um uns herum, die Pfiffe und das vereinzelte, verhaltene Gelächter. Und nicht einmal das klingt irgendwie spöttisch, eher ungläubig und überrascht, was eindeutig daran liegt, dass genau wie ich niemand hier solche Worte von Marco erwartet hätte! Das ist ja auch wirklich überhaupt nicht seine Art, weswegen ich in tiefster Verlegenheit und völliger Ahnungslosigkeit plus maximaler Überforderung wie eine glutrot glühende Salzsäule vor ihm stehenbleibe und kein Wort herausbringe. Was ihn zum Glück kein bisschen zu stören scheint, denn er grinst lediglich breit und – küsst mich auch noch.

„GUARHARHAR! Ach, Kinder... ich freu mich so für euch! Genießt es, meinen Segen habt ihr!", Laut lacht Marcos Vater auf, bevor nun er als letzter seine gewaltigen Arme um uns beide wirft und kräftig umarmt. Und trotz meiner Überrumpelung kann ich ganz kurz ein verdächtiges Glänzen in seinen Augenwinkeln sehen, bevor er sich wieder aufrichtet. „UND JETZT LASST UNS ENDLICH FEIERN – MEHR ODER BESSERE GRÜNDE HABEN WIR NIE GEHABT, ALSO GENIESST DIESE NACHT IN VOLLEN ZÜGEN!", donnert er geradezu übermütig, was mit mindestens genauso lauten und euphorischen Jubelrufen quittiert wurde, bevor sich die Menge endlich wieder über den ganzen Garten verstreut... oder sich vielmehr um die riesigen Grills schart, auf denen nun haufenweise Fleisch, Kartoffeln und Würste landeten. Auch wenn mir viele brennend interessierte Blicke zugeworfen werden, ist die Priorität klar: erst essen, dann Fragen stellen.
Und mir schwant, dass da noch eine ganze Menge auf mich zukommen wird! Bloß leider fühle ich mich dem grade nicht wirklich gewachsen...

„Wie jetzt... wir gehen noch nicht ins Bett?", murmle ich in einer Art geplättet-leidendem Sarkasmus, was Marco ein Glucksen entlockt. Aufmunternd drückt er meine Hand.
„Ich fürchte, nein... aber den schlimmsten Teil hast du überstanden, yoi? Ab jetzt wird's entspannter... zumindest, bis der Hunger gestillt wurde. Willst du... vielleicht auch erst mal was essen? Als kleine Stärkung, bevor der zweite Ansturm auf dich zukommt?", fragt er halb belustigt, halb mitfühlend, weil ich vermutlich genauso fertig aussehe, wie ich mich grade fühle. Bei seiner Frage sehe ich ihn jedoch erst mal ungläubig an.
Essen?
Ich?
JETZT?!
Bei aller Liebe, aber bevor die Chance besteht, dass ich wieder sowas wie Hunger empfinde, würde ich als ersten Schritt lieber gern erst einmal alle meine fünf Sinne wieder zu einer halbwegs funktionstüchtigen Masse zusammenkratzen, wieder in der Realität ankommen und dann wenigstens ANFANGEN, die letzte halbe Stunde zu verdauen! Danach können wir gern weiter über Hunger reden...

Während ich aber noch nach den richtigen Worten suche, um ihm das verständlich zu machen, erklingt ein ärgerliches Seufzen und einen Augenblick später steht eine hübsche, hochgewachsene Frau in den Dreißigern mit rotblonden Haaren vor mir – und verpasst dem überraschten Marco einen energischen Klaps auf den Hinterkopf.
„Ihr seid allesamt unsensible Idioten... ernsthaft", schimpft sie ihn trocken, ehe sie eine scheuchende Handbewegung Richtung der Tische macht. „Du verdrückst dich jetzt einfach und suchst für euch einen Platz, den du brav warmhältst. Um deine Liebste werd ich mich besser erst mal kümmern, bevor du sie ganz kaputt machst... die Arme weiß doch gar nicht mehr, wo ihr der Kopf steht!" Ohne auf sein verdutztes Gesicht zu achten, wendet sie sich mir zu und lächelt mich fürsorglich an. „Ich bin Marianna, die Frau von seinem Bruder Vista, falls dir der Name schon was sagt. Also wie klingt folgendes für dich, Schatz: nur wir beide, ein Raum voller Stille, eine Couch, zwei Gläser Caipirinha und alle Zeit der Welt. Was sagst du dazu?"
Vermutlich starre ich dieses wundervolle, außerweltlich weise Wesen ziemlich entrückt an, aber das kümmert mich im Augenblick herzlich wenig. Viel wichtiger ist:
„Ich liebe dich, Marianna... schön, dich kennenzulernen!"
Mit einem heiteren Auflachen legt sie mir einen Arm um die Schultern.
„Ich dich auch, meine Liebe. Dann gehen wir dich erst mal aufpäppeln und flüchten eine Weile vor dem penetranten Testosteron hier... uns läuft hier schon nichts weg. Bis später, Marco – du bekommst sie wieder, sobald sie wieder in der Lage ist, euch Chaoten bei der Stange zu halten!"

*******

~Marco~


Noch immer etwas perplex sehe ich den beiden Frauen hinterher, wende mich dann jedoch schmunzelnd ab und fahre mir selbst etwas geplättet durchs Haar. Bei Marianna ist Sina definitiv in den allerbesten Händen und noch dazu freut es mich sehr, dass die beiden sich offenbar auf Anhieb gut zu verstehen scheinen. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass Sina sich hier in meiner Familie wohlfühlt, nachdem sie doch schon sehr viel früher ein Teil davon geworden ist, als ich erwartet hätte.
Ein glückseliges Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, als ich die letzten Ereignisse revuepassieren lasse. Himmel... im Leben hätte ich nicht erwartet, dass dieser Abend gleich so fantastisch verlaufen würde!! Erst die völlig unerwartete Blitzversöhnung mit Izou, dann auch noch das langersehnte Vorstellen von Sina bei der ganzen Familie... besser hätte ich es mir doch überhaupt gar nicht wünschen können! Aber all das sorgt auch grade noch dafür, dass ich vermutlich grade mit Glückshormonen überflutet bin und mich dementsprechend hibbelig fühle. Hinsetzen ist deshalb auch für mich grade keine besonders reizvolle Option und wirklich Hunger hab ich auch noch nicht; ich hätte mich eher wegen Sina gesetzt. Sie hat nämlich wirklich ziemlich fertig ausgesehen. Aber nachdem sich ja jetzt Marianna um sie kümmert – vielleicht kann ich die Zeit ja nutzen, um...

„Lust auf einen kleinen Spaziergang?"
Noch bevor ich den Gedanken fertiggedacht hab, stehen plötzlich Izou und Thatch vor mir. Ersterer mit genau dem Vorschlag auf den Lippen, den ich ihm kurze Zeit später wohl ebenfalls unterbreitet hätte, weshalb ich unwillkürlich grinsen muss.
„Genau das kam mir auch grade in den Sinn... aber du warst schneller, yoi?", stimme ich zu und nicke auffordernd Richtung Schwimmteich, hinter dem das weitläufige, eingezäunte Gelände und der Fußballplatz angenehm ruhig und leer langsam in der Abenddämmerung versinkt.
„Gehen wir... und damit meine ich wirklich WIR, denn ich lass euch Torfköpfe garantiert nicht allein! Am Ende steh ich wieder vor zwei Streithähnen... aber in dem Fall würd ich euch beiden einfach den Hals umdrehen und mir den Stress sparen", grummelt Thatch drohend. Eine Rüge, die wir beide schuldbewusst hinnehmen und ihn nach einem kurzen, einvernehmlichen Blick in unsere Mitte nehmen, während wir uns von dem Trubel entfernen.

„Tut mir leid Thatch... das war nicht fair von uns, yoi?", seufze ich bedauernd, was Izou mit einem geknickten Laut quittiert.
„Stimmt, das war ziemlich mies dir gegenüber. Mir tuts auch ehrlich leid... aber danke dafür, dass du das Ganze so lang mitgemacht hast, ohne einen von uns hängen zu lassen", ergänzt er ernst, was den Koch immerhin etwas besänftigt. Trotzdem, allein die Tatsache, dass er vorhin tatsächlich Tränen vergossen hat vor lauter Erleichterung, als er Sina zusammen mit Izou und damit das Ende dieses Streits hat kommen sehen, hat uns wohl beiden ziemlich schmerzlich klar gemacht, wie sehr ihn das die ganze Zeit über belastet haben muss. Thatch ist nämlich wirklich nicht nahe am Wasser gebaut; nicht mal mit gebrochenen Knochen und blutbeschmiert hab ich ihn je weinen sehen.
„Nehm ich zur Kenntnis, aber verzeihen werd ich euch erst, wenn wir dieses ganze verkackte Thema ein letztes Mal ohne jede Geheimniskrämerei und unausgesprochenen Dingen durchgehen - und es dann für alle Ewigkeit in irgendeiner Güllegrube vergraben. Ich meins ernst: ich will von dieser ganzen, beschissenen Scheiße nach diesem Abend nie wieder irgendwas hören, kapiert?" So grimmig und ernst kennen wir ihn beide nicht... geschweige denn, dass er irgendwann schon einmal ernsthaft wütend auf uns gewesen ist. Allerdings hat er diesmal wirklich jedes Recht dazu, weshalb Izou und ich uns einen weiteren Blick zuwerfen und nicken.

„Einverstanden. Wir sprechen jetzt ein letztes Mal darüber, legen alle Karten auf den Tisch und sobald wirklich alles gesagt ist, verlieren wir nie wieder ein Wort darüber, yoi?", stimme ich ernst zu, ehe ich Izou schief zulächle. „Ich will wirklich nicht mehr streiten. Du hast mir all die Jahre über unheimlich gefehlt, auch wenn ichs erst nicht zugeben wollte..."
Der Angesprochene schnauft resigniert, ehe er mein Lächeln erwidert. Müde, aber aufrichtig.
„Geht mir ganz genauso. War eine beschissene Zeit... und ich werd alles tun, was nötig ist, damit sich sowas nicht wiederholt!", entgegnet er entschlossen – was Thatch allerdings ein pissiges Knurren entlockt.
„Oh, na schau einer an, wie einfach das plötzlich ist, wenn man endlich mal den verdammten Mund aufmacht... hat ja nur vier Jahre und eine zehn Jahre jüngere Frau gebraucht, die euch zum Reden bringt! Da könnt ihr euch wirklich auf die Schulter klopfen!"

Unangenehm berührt verziehen wir beide das Gesicht; es sieht ganz so aus, als würde da auch in Thatch noch einiges stecken, dass er uns um die Ohren hauen will... zumal er ja auch noch recht hat. Das war alles andere als eine Glanzleistung und spricht wirklich nicht für uns, dass es erst Sina gebraucht hat, damit wir wieder aufeinander zugehen. Also murmeln wir beide erneut eine Entschuldigung, die Thatch aber mit einer unwirschen Handbewegung abtut.
„Lasst den Scheiß. Ich will nur eine einzige Entschuldigung von jeden von euch am Ende dieses Gesprächs hören, zusammen mit einem verdammten Schwur auf Pops Schnurrbart, dass es nie wieder soweit kommt. So, und jetzt bringen wirs hinter uns. Marco, fang an! Und keiner von uns wird dich unterbrechen, bis du fertig bist! Potenzielle Fragen erst hinterher und wenn alles geklärt ist, ist der nächste dran. Also los jetzt", verlangt er knapp. Und weil wir grade den Zaun erreicht haben, hockt er sich schwungvoll auf das robuste Holz und sieht mich grimmig-abwartend an.

Unschlüssig, wo genau und wie ich anfangen soll, fahre ich mir durch den Schopf und lasse alles von damals nochmal Revue passieren. Wann hat es angefangen, dass ich mich scheiße verhalten hab? Bitter schnaube ich.
„Hah... im Grunde genommen tut mir alles leid, was ab dem Moment passiert ist, in dem ich dieses Miststück getroffen hab, yoi?", beginne ich schließlich stockend und lehne mich mit düsterem Gesicht an den Zaun. „Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet hätte ich wohl gleich merken sollen, dass da was faul ist und ich mich da in etwas verrenne. Ich hab schon zwei Jahre lang heimlich für sie geschwärmt, hatte aber nie irgendwelche Hoffnung, dass sie mich mögen würde... immerhin war sie wirklich hübsch und noch dazu sehr beliebt und begehrt – und damit für einen eher unauffälligen Streber aus dem Waisenhaus unerreichbar. Vermutlich war das der ausschlaggebende Punkt für meine vollständige, spätere Blindheit. Und ja, ich weiß..." Verzeihend hebe ich beide Hände, als mich gleich zwei empörte Blicke treffen. „...ich hab keinem von euch je davon erzählt. Und das tut mir leid, yoi? Wie gesagt, ich hab es ja selber für aussichtslos gehalten und daher keinen Sinn darin gesehen, das an die große Glocke zu hängen oder mehr Gedanken als nötig daran zu verschwenden. Mittlerweile... vermute ich ganz stark, dass Celine das Ganze wohl schon länger geplant hat; während meiner mittellosen Collagezeit hat sich mit den ‚heißeren' Typen vergnügt und mir grade genug Aufmerksamkeit geschenkt, dass ich die Hoffnung nie ganz aufgegeben hab... und kurz vor meinem Abschluss als Klassenbester – und kurz bevor ich von allen Mitstudenten mit der höchsten Wahrscheinlichkeit gutes Geld verdienen werde - hat sie sich aus heiterem Himmel plötzlich doch für mich interessiert..."

Grimmig verengen sich meine Augen.
„Eigentlich hab ich mit all dem abgeschlossen... aber ein paar Sachen würden mich eben doch noch interessieren: liege ich mit meiner Vermutung richtig und sie war wirklich doch so eine Art kriminelles, vorausplanendes Genie? Oder war das alles Zufall? Warum ausgerechnet ich, obwohl sie durchaus noch mehr potenziell lukrative Kandidaten gehabt hätte? Und ich würde wirklich gern wissen, wie egal ich ihr wirklich war..." Verächtlich schüttle ich den Kopf und schiebe diese Gedanken energisch beiseite; ich muss damit leben, dass ich nie Antworten auf diese Fragen bekommen werde, also will ich meine kostbare Lebenszeit auch nicht damit verschwenden. „Egal. Jetzt wisst ihr, warum ich... warum es mir wie ein verdammtes Privileg vorgekommen ist, dass sich Celine nach so langer vergeblicher Schwärmerei doch noch für mich entschieden hat, yoi? Und auch, wenn ich es mir anders wünschen würde, aber... in den ersten JAHREN hab ich überhaupt nichts hinterfragt. Dinge, die mir eigentlich gegen den Strich gegangen sind, hab ich gern ignoriert; schließlich hab ich mir gesagt, dass keine Beziehung perfekt ist und das alles sowieso nur ein kleiner Preis ist im Vergleich zu dem Glück, überhaupt an ihrer Seite sein zu dürfen...", fahre ich mit mühsam unterdrückter Wut fort und widerstehe dabei nur mühsam den Drang, mich selbst zu ohrfeigen.

„Wie furchtbar falsch das alles war – und wie viel falscher es im Laufe der Jahre wurde! – ist mir im vollem Ausmaß erst so richtig bewusst geworden, seit ich Sina hab. Seit sie mir gezeigt hat, wie sich eine richtige Beziehung anfühlt... aber das wusste ich damals nicht und ich hab mich von ihr bereitwillig manipulieren lassen. So sehr, dass ich... meiner eigenen Familie nicht mehr vertraut hab..." An dieser Stelle wende ich mich direkt an Izou und sehe ihn gequält an. „Ich weiß nicht, ob du mir das glauben kannst, aber... es gibt nichts, wirklich GAR NICHTS in meinem Leben, das ich mehr bereue als mein Verhalten während dieser Zeit! Du und Thatch wart nie einfach nur meine Brüder, sondern auch immer meine besten Freunde - aber als es wirklich drauf ankam, hab ich grade dir nicht geglaubt. Und mich außerdem auch noch immer mehr von euch beiden und dem Rest der Familie entfernt. Zuerst hab ich es nicht bemerkt, aber je mehr vor allem du dich mit Celine gestritten hast, desto müder hat es mich gemacht... und desto seltener bin ich bei euch aufgekreuzt und... und war sogar froh drum. Gott, es tut mir so leid, aber ich... ich hatte einfach nicht die Nerven dafür! Das war genau die Zeit, als ich meine eigene Praxis mit Shanks eröffnet hab. Die ersten Jahre waren... waren wirklich schwierig, bis es sich endlich eingespielt hat und auch die gröbsten finanziellen Engpässe überstanden waren... und ich eine gute Balance zwischen Arbeit und Erholung gefunden hab. Das hab ich zuerst nämlich überhaupt nicht hinbekommen und ich... ich... ähm... hah... verdammt..."

Erneut unterbreche ich mich, weil ich wirklich überlegen muss, wie ich ihnen das erklären soll – ohne, dass sie mir den Kopf abreißen. Was sie aber vermutlich doch tun werden, also kommt es auf die Formulierung wohl nicht an. Präventiv besänftigend hebe ich die Hände, woraufhin sie prompt misstrauisch die Augen zusammenkneifen.
„Nicht vergessen... keine Unterbrechungen, bevor ich nicht fertig bin mit meinem Teil! Das gilt auch für potenzielle Prügel, yoi?", erinnere ich sie ein wenig resigniert, ehe ich es hinter mich bringe. „Erinnert ihr euch, als ich erzählt hab, dass ich mir einen Monat Auszeit zum Wandern gönne? Ich hab euch angelogen... euch alle, nur Vater und Shanks wissen bis heute davon. Und es tut mir wahnsinnig leid, aber ich... oh, man. Ich war nicht beim Wandern, sondern war in der Zeit stationär wegen Burnout in einer Klinik..."

„Du... WAS?!"

Immerhin sind sie sich beide einig in ihrer entsetzten Wut... und ich kann es ihnen nicht verübeln. Auch nicht, dass es eindeutig zu viel verlangt ist, dass sie das bis zum Ende unkommentiert lassen.
„Und WIESO verdammt nochmal... erzählst du uns das nicht?! Wenigstens mir??", faucht Thatch mühsam beherrscht, während Izou mit den Zähnen knirscht und aussieht, als müsse er gleich auf irgendwas (oder irgendwen) einschlagen. Verdient hätte ich es wohl.
„Weil... weil ich wirklich niemanden sehen wollte. Denn irgendwie... versteht das jetzt bitte nicht falsch, aber... irgendwie war jeder Teil des Problems! Die Praxis hat mich unheimlich gestresst, weil ich mir anfangs schlicht zu viel Arbeit aufgehalst hab und noch keine Erfahrung und Routine hatte, eine Praxis zu führen. Wenn ich dann nach Hause gekommen bin, hat Celine mich beansprucht und sich entweder über irgendwas endlos beschwert – allem voran meine Familie! -, oder aber sie wollte Geld oder Aufmerksamkeit von mir, ungeachtet von meinem eigenen Zustand oder dem meines Geldbeutels... und wenn ich bei euch war, kamen auch ständig spitze Bemerkungen über Celine oder Beschwerden darüber, dass ich zu wenig Zeit für euch hab, yoi? Ich wollte es allen recht machen, hab aber bei allen versagt; weshalb ich mich noch mehr versucht hab, reinzuhängen und noch krachender gescheitert bin", versuche ich ihnen meinen Zustand von damals zu erklären und lächle freudlos; froh, dass sie sich wieder soweit im Griff haben, mich nicht nochmal zu unterbrechen. Leicht fällt mir das hier nämlich nicht.

„ich bin selber Psychologe und hab die Gefahr nicht erkannt, bis ich mich schon komplett drin verloren hatte... aber ich hab noch rechtzeitig die Reißleine gezogen und mich selbst eingewiesen. Shanks hat die Praxis damals mit Hilfe von ein paar alten Freunden allein geschmissen, euch hab ich die Lüge von meinem Wanderurlaub erzählt und auch Celine hab ich gebeten, mir diese vier Wochen Freiraum zu geben... und ich war überrascht und dankbar, dass sie damit überhaupt kein Problem hatte und sogar nur ganz sporadisch angerufen hat..." Mein Lächeln wird bitter; inzwischen kann ich mir ganz gut vorstellen, warum sie meine vierwöchige Abwesenheit kein bisschen gestört hat. „Immerhin hat das alles gefruchtet; ich hab mich erholt und festere Regeln, erreichbarere Ziele und strikte Pausen in mein Leben integriert. Ich war wieder auf dem Damm und alles lief wieder besser... vor allem, weil ich meine Zeit bei euch noch mehr beschränkt hab. So hab ich weniger Kritik von euch UND Celine bekommen, die sich jedes Mal vernachlässigt gefühlt hat, wenn ich bei euch gewesen bin. Für mich der einfachste und im Nachhinein leider gleich der mehrfach beschissenste Weg: mehr Manipulation durch sie, mehr (berechtigte) Kritik und Abneigung von eurer Seite und mehr Unsicherheit für mich, weil ich euch doch überhaupt nicht vor den Kopf stoßen und es eigentlich auch euch recht machen wollte, es aber einfach nicht geschafft hab. Ich hab wieder begonnen, mich einzuigeln oder in Arbeit zu stürzen, um mich zu drücken... tja, und dann..."

Tief atme ich durch und fahre mir angestrengt über die Augen, ehe ich mich zwinge, Izous Blick zu suchen. Er wirkt jetzt schon gequälter als erwartet, was mir einen Stich versetzt.
„Dann stands du auf einmal mit diesen Fotos und Dokumenten vor meiner Tür. Es... es gibt keine Entschuldigung für mein Verhalten und noch viel weniger für das, was ich dir da alles an den Kopf geworfen habe – ich kann dir nur sagen, wir unfassbar leid es mir tut, Izou! Ich... ich war überrumpelt und überfordert von all den Dingen, die du mir da gesagt hast, aber das ist keine Entschuldigung für irgendwas. Ich war so unglaublich scheiße zu dir und glaub mir, wenn es irgendwas gibt, das ich tun kann, damit ich das wenigstens ansatzweise wiedergutmachen kann, dann sag es mir, yoi? Ich bitte dich auch auf Knien um Verzeihung... du wolltest mir nur helfen und ich..."

„STOPP!!! LASS DAS, HÖR SOFORT AUF!"

Abrupt verstumme ich, als Izou auf einmal schwer atmend aufspringt und sich erst aufgebracht die Haare rauft, ehe er sichtlich aufgewühlt unter unseren besorgten Blicken auf und ab läuft.
„Hey! Schaffst du's, Marco den Rest auch noch erzählen zu lassen? Wir hatten doch ausgemacht...", setzt Thatch stirnrunzelnd an, doch der Schwarzhaarige wirbelt herum und knurrt aggressiv.
„Mir scheißegal – nein! Ich weiß, was passiert ist und ich weiß vor allem auch, WARUM es passiert ist – sogar besser als jeder andere. Ich ertrag das alles hier jetzt schon kaum; die Wiederholung des großen Finales können wir uns also sparen", faucht er ungewohnt heftig und fährt sich mit manisch glänzenden Augen durch die Haare. Seine Stimme ist untypisch hoch, fast schon hysterisch, was mich alarmiert und besorgt einen Schritt näher auf ihn zugehen lässt, während er nun auch noch bitter auflacht. „Burnout-Klinik UND Depressionsklinik... ist ja fantastisch, wo ich dich überall hingebracht hab! Die reinste, medizinische Sightseeingtour innerhalb weniger Jahre... tolle Leistung, die mir da gelungen ist... wirklich herausragend! Man, kann ich mir auf die Schulter klopfen..."

„IZOU!", bremse ich ihn scharf, denn was er da von sich gibt, klingt bedenklich. „Ich weiß nicht, was du dir da einredest, aber lass das! Ich hab mich in diesen Schlamassel selbst r..."
„NEIN HAST DU NICHT!", unterbricht mich Izou jedoch erneut... und diesmal klingt er einfach nur verzweifelt. „Hör um Gottes Willen auf, dich für Dinge zu geißeln, die andere verbockt haben! Ich weiß, dass es dir fast körperliche Schmerzen bereitet, auch nur ansatzweise negativ über irgendwen in dieser Familie zu denken und du stattdessen immer und überall den Fehler bei dir selber suchst. Nötigenfalls biegst du dir in Gedanken die absurdesten Dinge zurecht, Hauptsache, niemand anderer ist schuld außer du. Aber manchmal liegt der verdammte Fehler eben nicht bei dir, verstehst du das?! Oder eben nicht nur... so wie damals auch. Ja, du hast dich blenden lassen und falsche Entscheidungen getroffen, aber aus Unwissenheit und aus blinder Liebe. Das ist kein Verbrechen – das passiert tagtäglich so vielen Menschen! Aber der ausschlaggebende Punkt dieser ganzen Misere ist: nicht DU bist schuld an dem, wie es gekommen ist. ICH war das! Nichts davon wäre passiert, wenn ich mich anständiger verhalten hätte. Oder klüger. Oder wenn ich wenigstens die Eier gehabt hätte, meinen verdammten Mund aufzumachen und die Wahrheit zu sagen!", platzt es regelrecht aus ihm hervor, ehe er wortlos fluchend eine Hand vor die Augen legt und sich gegen den Zaun fallen lässt.

Sofort lehne ich mich besorgt neben ihn; und auch Thatch springt von seinem Sitz, stellt sich auf seine andere Seite und legt ihm den Arm um die Schulter. Warnend fest, als dieser unwirsch versucht, ihn abzuschütteln.
„Lass den Scheiß! Beruhig dich erst Mal und dann spucks aus, was du deiner Meinung nach so schlimmes...", setzt er beruhigend an, doch Izou wartet seinen Satz gar nicht ab, sondern seufzt tonlos, ohne aufzusehen.
„Marco, ich war damals total verliebt in dich!"

Sowohl Thatch als auch mich erwischt dieses Geständnis so unerwartet, dass es mehrere Sekunden braucht, bis wir wirklich realisiert haben, was er grade eben gesagt hat. Vor allem mich trifft es, denn auch wenn wir von Anfang an gewusst haben, dass er auf Männer steht und es sich ziemlich dämlich anhört: ich wäre überhaupt nie auf den Gedanken gekommen, dass das auch für MICH hätte gelten können! Zumindest bis jetzt. Geräuschvoll stoße ich die Luft aus und durchforste meine Erinnerungen, ob mir im Laufe unserer gemeinsamen Jahre irgendwelche Anzeichen entgangen sein könnten, die mir Hinweise hätten geben können, finde aber nichts.

Izou, der sich langsam wieder zu beruhigen scheint, schnauft mit leidvoller Belustigung und wirft mir zwischen seine Finger hindurch einen müden, vorwurfsvollen Blick zu.
„Da! Du tust es schon wieder. Dabei hab ichs dir eben noch gesagt... hör auf, die Fehler von anderen bei dir zu suchen!", weist er mich ernst zurecht, ehe er sich angestrengt über die Stirn reibt; sein Ausbruch ist offenbar abgeklungen, scheint ihn aber ordentlich geschlaucht zu haben. „Du wirst ohnehin nichts finden. Ich hab mich – normalerweise – sehr gut im Griff und kann problemlos kontrollieren, wem ich was zeigen will oder eben nicht. Ich hab immer gewusst, dass du Hetero bist, und du warst einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben - lieber hab ich heimlich von dir geschwärmt, als wegen etwas Aussichtslosem unsere Freundschaft zu riskieren. Und ich konnte auch eigentlich ganz gut damit leben... oder zumindest dachte ich das. Bis Celine auf der Bildfläche erschienen ist..."

Thatch entkommt ein ahnungsvolles Stöhnen, gefolgt von einem deftigen Fluch, während nun er sich sichtlich frustriert über die linke Schläfe reibt.
„Wenn was scheiße läuft, dann wohl so richtig, was?", lautet sein trockener Kommentar, während er Izou mitfühlend und ohne jeden Vorwurf betrachtet – auch seine Wut scheint verraucht zu sein. „Lass mich raten... du hast Celines falsches Spiel gar nicht durchschaut, hab ich recht? Du warst... einfach nur eifersüchtig..."
Izou lächelt matt, ehe er unendlich reuevoll meinen Blick sucht.
„Genau das. Verstehst du's jetzt, Marco? Ich war lodernd eifersüchtig... nicht mehr und nicht weniger. Ich hatte keinen blassen Schimmer von ihren falschen Spielchen oder ihrem miesen Charakter! Wärst du damals schon Sina begegnet oder irgendeiner Lisa oder einer Pamela... es hätte überhaupt keine Rolle gespielt, ich hätte jede Einzelne einfach nur dafür gehasst, dass sie das bekommen hat, was ich so gern für mich haben wollte..."

„Oh Mensch, Izou...", entkommt es mir leise, während sich das Bild nun immer klarer vor meinem inneren Auge aufzeigt. „Trotzdem wusstest du vor mir, dass Celine ein falsches Spiel mit mir treibt... aber wann?"
„Keine zwei Monate, bevor ich dir meine gesammelten Beweise vor den Latz geknallt hab", antwortet er nüchtern und schüttelt bedauernd den Kopf. „Ich wurde erst tatsächlich misstrauisch, als sie dich wiederholt um Geld angepumpt hat. Davor... hab ich einfach nur alles dafür getan, um deine Beziehung zu sabotieren und sie zu vergraulen. Ich war der allergrößte Arsch, ohne jede Rücksicht auf dich oder sonst wen... ich hab genauso versucht, dich zu manipulieren, wie Celine es getan hat – und bedauerlicherweise war sie besser darin, was mich immer weiter frustriert hat. Ich hab nicht begreifen wollen, dass ich dich mit meinem Verhalten und meinen ständigen Diffamierungen, Beleidigungen, Intrigen und Sticheleien nicht von Celine weggetrieben hab, sondern stattdessen von uns. Was meinen Hass wieder weiter angefacht und mich zu weiteren Sabotageaktionen getrieben hat... ein zerstörerischer Kreislauf, und der einzige, dem ich damit wirklich geschadet hab, warst du... aber ich habs einfach nicht bemerkt!"

Izous Stimme bricht am Ende, sodass ich ihn impulsiv in den Arm nehme – genau wie Thatch von der anderen Seite. Ein unheimlich vertrautes Gefühl; genau so haben wir das auch früher schon sehr oft gemacht... eigentlich von dem Tag an, an dem Izou zu uns verfrachtet worden ist. Er hat von Anfang an versucht, der Unverwüstliche, Schlagfertige, Kaltblütige zu sein, der er ja irgendwie auch leider sein musste, um in dieser feindseligen Welt zurecht zu kommen... aber das endgültige Verstoßen vom Elternhaus in ein Heim hat ihm eben doch härter zugesetzt als er verstecken konnte. Wir haben ihn immer wieder beim heimlichen Heulen erwischt... und darum wissen wir ja auch, dass Izou insgeheim eigentlich ein sehr weichherziger, gutmütiger und herzlicher Kerl ist. Und nähebedürftig.
Unsere Geste entlockt ihm diesmal jedoch nur ein gequältes Stöhnen.
„Was stimmt bloß nicht mit euch? Habt ihr... mir nicht zugehört? Oder es nicht begriffen? Ich bin ein boshaftes, intrigantes, skrupelloses, selbstsüchtiges Monster, das andere ins Unglück stürzt... sogar noch schlimmer, als ich bisher dachte!", stößt er verbittert hervor, doch ein aufmerksamer Blick von mir in Thatchs ebenso ruhige, wieder vollkommen geerdete Augen verrät mir, dass er dasselbe denkt: es wird Zeit für einen Schlussstrich. Mehr Aussprache ist nicht nötig... und ich war nie weiter davon entfernt, wegen seinem Verhalten wütend zu sein – die ganze Scheiße mit Celine hat uns doch schon vier Jahre gekostet und ich sehe beim besten Willen nicht ein, ihretwegen auch nur noch eine weitere Sekunde dranzuhängen. Schnaubend stoße ich ihn mit der Schulter an.

„Was mit uns nicht stimmt... oh Gott, du willst jetzt aber keine detaillierte Liste haben, yoi?", antworte ich deshalb langsam und mit verdächtig zuckendem Mundwinkel.
„Oi, bitte nicht... wenns dir wirklich wichtig ist, können wir ja ein paar zusammenfassende Oberpunkte formulieren, aber wenn wir ins Detail gehen, verpassen wir die Party", schließt sich Thatch feixend an, ehe er seinen Kinnbart hinterhältig in Izous empfindliche Halsbeuge reibt. „Und das will unser kleines Monster doch nicht, oder?"
Izou japst drückt Thatchs Gesicht empört weg – oder versucht es zumindest, denn mein plötzlich stählerner Klammergriff lässt ihm kaum Bewegungsspielraum zum Ausweichen.
„Oh, kommt schon!!! Was soll daaaAAAAas??? THATCH UM HIMMELS WILLEN, WEG DA!!", ruft er bemüht böse und wehrt sich verbissen gegen uns, doch wir sehen beide trotz der Dunkelheit den zurückgekehrten Glanz in seinen Augen. Ich lache und greife etwas tiefer, bis meine Finger sich in seine Rippen bohren können – und er hilflos geschlagen aus seinem Selbsthass auftauchen und unter unserer kindischen Spezialbehandlung so heftig lachen muss, bis ihm die Puste ausgeht. Erst da halten wir inne und lassen ihn wieder zu Atem kommen. Mit einem warmen Lächeln sehe ich Izou an.

„So, wir beenden diese verfluchte Geschichte jetzt. Ich denke, jeder von uns versteht nun, was damals warum passiert ist... wir beide haben Fehler gemacht, aber wir haben draus gelernt. Sowas passiert uns nie mehr wieder, yoi?"
Der Angesprochene zögert kurz, schüttelt dann aber mit einem noch etwas schmerzlichen Lächeln den Kopf.
„Ah, Commander... du bist viel zu weich, hat dir das schon mal jemand gesagt?", seufzt er, doch dann grinst er. „Aber in dem Fall will ich mich nicht beschweren – ich hab's echt vermisst, mit euch beiden Idioten rumzuhängen! Und deshalb nein, sowas wird garantiert nie wieder passieren. Mein Wort drauf! Und Thatch, du hast echt noch was gut bei uns, weil du uns hoffnungslose Dummköpfe so lang ertragen hast! Ohne uns notzuschlachten und auf deine Speisekarte zu setzen..."

Nun ist es an Thatch, schnaubend aufzulachen.
„Habs mir überlegt, aber nicht mal ich könnte so zähe, sture Esel irgendwie schmackhaft zubereiten – das hätte mich nur Gäste gekostet und meinen guten Ruf ruiniert", entgegnet er ungerührt, was ihm prompt zwei deftige Schläge beschert.
„Zähe Esel... ich glaub, da ist mal wieder ein Besuch im Fitnesscenter nötig – anscheinend bist du schon zu lang nicht mehr auf der Matte gelegen, yoi?", schnaube ich spiellustig, was sofort ein interessiertes Funkeln in seine Augen treibt.
„Deal! Wir sehen uns nächste Woche... bis dahin sollte die Beflügelung durch deinen wiederentdeckten Sexualtrieb auch langsam abgeklungen sein", frotzelt er – und weicht meinem Tritt elegant aus. Izou lacht schamlos über die Hitze, die mir ins Gesicht gestiegen ist.
„Aha? Na, nach so langer Abstinenz irgendwie nicht verwunderlich... zumal ich mir vorstellen kann, dass deine Liebste ordentlich Feuer hat, hab ich recht?", will er mit einem verschmitzten Zwinkern wissen, was mir auch nicht unbedingt aus der Verlegenheit hilft. Aber abstreiten werde ich es auch nicht.

„Klingt so, als wärst du mit ihrer feurigen Seite schon in Berührung gekommen, yoi?", stelle ich deshalb die lauernde Gegenfrage und sehe ihn unbestreitbar neugierig an. „Wie kams eigentlich, dass ihr euch begegnet seid... und dann auch noch hier zusammen aufschlagt?" Das frag ich mich schon die ganze Zeit.
„Stimmt, das würd mich auch interessieren! Unser Zuckerstück hatte doch solchen Bammel, obwohls ihr trotzdem sichtlich leidgetan hat, dass sie nicht mitkommt", stimmt mir auch Thatch nachdenklich zu. Izou schmunzelt.
„Die Begegnung war purer Zufall. Sina war auf Shoppingtour und ist dabei über meinen Laden gestolpert. Und ich arbeite grade an einer neuen Kollektion und war auf der Suche nach rothaarigen Modellen, aber ihr wisst ja, dass ich ungern richtige Models engagiere. Also hat mein Freund Bentham für mich Ausschau nach passenden Kandidaten gehalten – und mich informiert, sobald sie durch die Tür gegangen ist. Ich hab natürlich nicht geahnt, wer da vor mir steht... sie wusste es allerdings schon. Tja, und natürlich hab ich sie angesprochen und hab meinen ganzen Charme spielen lassen, um sie als Model zu gewinnen... woraufhin sie seltsamerweise etwas verzweifelt gewirkt hat und auf mein Nachhaken, was sie zögern lässt, plötzlich sagte, sie wäre verflucht!"

Thatch und ich lachen gleichzeitig auf. Wir können uns Sinas Dilemma lebhaft vorstellen, in das sie sich offenbar unbeabsichtigt gebracht hatte. Oder ich sie, weil ich ihr ja auch nie gesagt hab, wie Izous Laden heißt oder wo er genau ist.
„Oh weia, ich schätze, sie hatte leichte Panik, oder?", grinst Thatch wissend, was Izou mit einem heiteren Glucksen bestätigt.
„So kleinlaut, wie sie mir dann die Lage erklärt hat, sah es ganz so aus! Aber um der Wahrheit Ehre zu geben: ich war auch ziemlich baff und hab ein bisschen gebraucht... aber dann hab ich sie ins Atelier eingeladen und wir haben uns bei einer Tasse Tee ganz in Ruhe unterhalten. Wo sie mir dann gesagt hat, dass du vorhast, dich mit mir wieder zu versöhnen... und wie du über die ganze Sache denkst. Woraufhin ich ihr meine Version erzählt hab..." Er lächelt mich schief an. „Wie gesagt: nachdem ich mich beim letzten Mal wie der allerletzte Arsch benommen hab, dachte ich, dass ichs diesmal gleich als potenzieller Schwager versuche!"

Offen und dankbar erwidere ich sein Lächeln und verpasse ihm einen gutmütigen Rempler.
„Das bedeutet mir echt viel, yoi? Also hab ich dieses Mal deinen Segen? Und..." Mein Blick wird unweigerlich etwas besorgt. „...bist du noch eifersüchtig?" Das ist grade noch meine größte Sorge, seit er mir gesagt hat, dass er in mich verliebt gewesen ist. Doch zu meiner großen Erleichterung schüttelt er sofort den Kopf.
„Nein, keine Angst... meine Schwärmerei für dich ist schon lange vorbei. Ich bin einfach nur verdammt froh, dich als besten Freund und Bruder zurückzuhaben!", erwidert er ruhig und so aufrichtig, dass ich ihm bedenkenlos glaube. Erst recht, als er meinen Rempler gut gelaunt zurückgibt. „Also jawohl: diesmal steht nichts zwischen uns und du hast auch meinen Segen. Sina ist ne tolle Frau! Sie sieht gut aus, hat Humor, ist clever und hat ordentlich Pfeffer – gab bisher nur wenige, mit denen ich mir einen ordentlichen Schlagabtausch hab liefern können. Wir haben also garantiert noch viel Spaß miteinander!" Mit einem vergnügten, hauchzart diabolischen Lachen reibt er sich die Hände, was mich schmunzelnd die Braue heben lässt.

„Oi, ihr habt euch also schon verbal die Köpfe eingeschlagen? Ich hoffe doch, du hast ihr nicht allzu sehr zugesetzt, um sie hierherzukriegen?", hake ich lauernd nach – und bei seiner Unschuldsmiene werde ich sofort misstrauisch. Ich kenn den Pappenheimer doch... Izou mag ausgesprochen empathisch sein und ein unheimlich guter Menschenkenner, aber er kann auch ziemlich hartnäckig bis skrupellos sein, wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat.
Entwaffnend hebt er die Hände.
„Ach, fast gar nicht... sie hatte doch selber schon so ein schlechtes Gewissen, weil sie gekniffen hat. Ich hab ihr nur einen kleinen Schubser in die richtige Richtung gegeben! Oder einen liebevollen Tritt... sagen wir, einen liebevoll nachdrücklichen Tritt!" Auf meinen zunehmend misstrauischen Ausdruck lacht er unbekümmert.
„Jetzt mach dir mal nicht ins Hemd! Sie ist hier und sie hats überlebt... die Kleine hält schon was aus! Manchmal hilft ein kleiner Tritt mehr als Samthandschuhe, hab ich dir doch früher schon mal gesagt, oder? So wars bei ihr auch... und es hat ihr glaub ich auch sehr geholfen, dass ich klargestellt hab, dass Edward Newgate ausschließlich UNSER Vater ist - und NICHT ihrer!"

Bei seinen letzten Worten halte ich abrupt inne und sehe ihn überrascht und wenig begeistert an, genau wie Thatch.
„Wieso sagst du das? Die Kleine gehört selbstverständlich zur Familie", nimmt er mir die Worte aus dem Mund, doch Izou sieht uns ernst an.
„Ahja? Ganz offensichtlich ist sie aber noch nicht bereit für einen Vater. Sie hat mir ein bisschen was erzählt; offenbar hat sie ja elterntechnisch genauso tief in die Scheiße gegriffen wie viele von uns... und auch, wenn ihr das vermutlich nicht beabsichtigt habt: ihr habt ihr vermittelt, dass sie zwangsläufig einen neuen Vater akzeptieren muss, wenn sie ihm vorgestellt wird. Dass sie automatisch seine Tochter wird, weil sie an deiner Seite ist... und das hat eine Menge Druck bei ihr aufgebaut!", erklärt er ruhig... und ich verziehe schmerzlich das Gesicht. Einerseits, weil es sich falsch anfühlt, Sina NICHT als Teil der Familie zu sehen – aber andererseits, weil ich erkennen muss, dass Izou recht hat. Auch wenn ich es gut gemeint hab: damit hab ich mehr geschadet als geholfen. Schwer atme ich aus und fasse mir an die Nasenwurzel, ehe ich ihm ein leicht resigniertes Lächeln schenke.

„Da bin ich so lang Psychologe und hab das nicht erkannt... und du redest einmal mit ihr und ziehst die richtigen Schlüsse. Ernüchternd, yoi?", seufze ich, doch er schnauft nur und klopft mir mit nachsichtiger Belustigung auf die Schulter.
„Deine Familie ist und bleibt dein Kryptonit – sie ist dir so heilig, dass dir gar nicht in den Sinn kommt, dass sie für jemand anderen etwas angsteinflößendes sein könnte. Aber dafür hast du ja jetzt wieder mich..." Er zwinkert mir verschmitzt zu. „...wir gesagt: ich komm prima mit Sina zurecht. Was du verhaust, bügle ich wieder aus!"
Diesmal ist es Thatch, der wieder auflacht, ehe er uns beiden einen Arm um die Schulter legt und wieder weiterzieht.
„Das hört sich doch gut an! Wie in guten alten Zeiten: zu dritt rocken wir alles. Und das will ich jetzt endlich so richtig feiern, also auf geht's zurück zur Party!! Ich kann mir vorstellen, dass da noch ne ganze Menge mehr ziemlich neugierig auf die ganze Geschichte sein werden", ruft er sichtlich gut gelaunt. Dem können wir nur von Herzen zustimmen und folgen ihm bereitwillig.

„Ja, jetzt kann die Party losgehen... schauen wir mal, ob die Fressmaschinen uns überhaupt noch was übriggelassen haben!", gluckse ich nur halb im Scherz – ich weiß ja, was meine Brüder verdrücken können.


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