Die große Geburtstagsparty - Teil 3

379 20 4
                                        

Einen wunderschönen guten Morgen ihr Lieben!

Tadaa - wie versprochen und angekündigt geht es zügig weiter! Und sofern nichts unvorhergesehenes dazwischenkommt, KÖNNTE auch das nächste Kapitel zeitnah fertig werden. Immerhin ist es zu drei Dritteln schon fertig. 
Aber ich garantiere lieber für nichts, dieses "unverhofft kommt oft" hat mich dafür eindeutig viel zu lieb. ^.^' 

Auf jeden Fall hoffe ich, dass euch das Kapitel wieder gefällt - habt viel Spaß beim Weiterlesen, bis hoffentlich bald!! <3

GlG
Ancarda



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*



~Marco~


„Ja, jetzt kann die Party losgehen... schauen wir mal, ob die Fressmaschinen uns überhaupt noch was übriggelassen haben!", gluckse ich nur halb im Scherz – ich weiß ja, was meine Brüder verdrücken können.

Zum Glück ist meine Sorge unbegründet. Obwohl das Buffet bei unserer Rückkehr bereits deutlich zusammengeschrumpft ist, können wir unsere Teller plus einen weiteren für Sina noch mit den köstlich marinierten Steaks von Thatch und anderen Leckerbissen füllen, bevor wir uns dann endlich auf unsere extra freigehaltenen Plätze an Vaters Ehrentafel setzen. Sein breites, über beide Ohren vergnügtes Grinsen, das er uns dabei zuwirft, spricht Bände... er hätte grade wohl kaum glücklicher sein können. Aber auch unsere Brüder begrüßen uns erneut mit fröhlichen Rufen und triumphierendem Getrommel mit ihren Fäusten auf den Tischen, was mir und Izou nochmal eine gute Portion schlechtes Gewissen verpasst, als wir ihnen entgegenlächeln. Dieser lange Streit hat leider doch alle irgendwie belastet, obwohl wir uns bemüht haben, das Ganze möglichst unter uns zu halten. Aber wir sind nun mal eine Familie...

„Na endlich... unser Dreiergespann ist wieder vereint!", ruft Rakuyou uns gut gelaunt entgegen und grinst, während Haruta dagegen streng den Zeigefinger hebt.
„Hat ja lange genug gedauert, ihr Dickköpfe!"
„Bitte sagt, dass der ganze Mist ein Ende hat und ihr euch wieder ganz, ganz doll liebhabt!", bittet Curiel gespielt jammernd, aber sein Unterton ist ernst. Thatch, der zwischen uns sitzt, verpasst uns als Antwort darauf synchron (noch immer etwas fester als nötig) eine Kopfnuss.
„Jawoll, der ganze Scheiß ist jetzt Geschichte und wird garantiert nie, nie wieder vorkommen, weil ich den beiden sonst den Schädel einschlagen werde!", erklärt er trocken und absolut todernst. Izou und ich werfen uns ein reumütiges Lächeln zu und nicken ergeben.
„Ja, ist alles vergeben und vergessen. Und es kommt garantiert nie wieder vor, das schwören wir, yoi? Tut uns ehrlich leid...", seufze ich ernsthaft zerknirscht.
„...wirklich, WIRKLICH leid sogar. Aber wir haben uns ausgesprochen und uns diesmal ungebrochene, ewige Liebe und Treue geschworen! Von nun an wird uns nichts mehr entzweien, sondern wir werden aneinanderkleben wie siamesische Drillinge!", schließt sich Izou feierlich-dramatisch an, was die Anwesenden in lautes Gelächter ausbrechen lässt.

„GUARHARHAR! Das will ich verdammt nochmal auch hoffen – sonst leg ich euch Bengel übers Knie, bevor Thatch euch die Schädel einschlagen kann!", droht uns auch Vater gut gelaunt an.
„Wobei du das mit den siamesischen Drillingen nicht ganz so wörtlich nehmen solltest, immerhin braucht unser Commander ja jetzt auch wieder Zeit für andere Dinge...", ergänzt Dew, der stets braungebrannte Hüne mit den blonden Haaren, und zwinkert mir verschmitzt zu. Ich grinse breit.
„Die nehm ich mir schon, keine Sorge!"
„Und falls er sie vernachlässigt, werde ich ihn sehr, SEHR nachdrücklich darauf aufmerksam machen!", ergänzt Sabo schmunzelnd von der gegenüberliegenden Seite des Tisches und knackt bedeutungsvoll mit den Knöcheln, woraufhin ich jedoch zustimmend den Kopf neige.

„...was ich dann auch eindeutig verdient hätte, yoi? Aber ich bin zuversichtlich, dass das nie nötig sein wird!", gebe ich mit einem Lächeln, aber vollkommen ernsthaft zurück, was Vater ebenfalls warm lächeln lässt. Sein liebevoller Blick streift über uns drei hin zu Ace und Sabo, die direkt neben ihm sitzen.
„Da bin ich auch zuversichtlich, Junge. Ah, ich freu mich wirklich über so viele gute Nachrichten heute!! Und nachdem wir jetzt alle wieder versammelt sind..." Er grinst hinter mich, sodass ich mich ebenfalls umwende und Mariann und Sina entdecke, die sich ihren Weg zu uns bahnen. Als sie meinen Blick bemerkt, lächelt sie mit entgegen, noch immer ein wenig nervös, aber zu meiner Erleichterung wieder deutlich ruhiger und gefasster als zuvor. Mariannas Gesellschaft hat ihr eindeutig gutgetan. Galant ziehe ich den freien Stuhl neben mir nach vorn, sodass sie sich setzen kann. Als auch die Rothaarige neben ihrem Liebsten und ihrem Sohnemann Platz genommen hat, erhebt sich mein Vater.

„KINDER, SPERRT DOCH MAL NEN MOMENT DIE FUTTERLUKEN ZU UND DIE LAUSCHER AUF!", donnert er gut gelaunt und sichert sich damit augenblicklich die volle Aufmerksamkeit. Seine Augen glänzen vergnügt, als er seine versammelte Familie betrachtet. „Schön, dass so viele von euch kommen konnten! Ich sags immer wieder und tus auch heute: nichts macht mich glücklicher, als euch alle um mich zu haben. Darum brauch ich zu meinem Geburtstag auch keine Geschenke, denn DAS HIER ist das einzige Geschenk, das ich je wollte: meine Kinder... meine Familie! Die verdammt nochmal beste Familie, die's auf der ganzen verdammten Welt gibt!" Donnernder Applaus und zustimmendes Grölen schallt ihm entgegen, auch aus meiner Kehle. Dabei lasse ich jedoch keine Sekunde Sina aus den Augen, die zwar noch immer etwas zaudernd zu ihm aufsieht, aber sichtlich gebannt lauscht. Grinsend hebt er die Hände, bis der Lärm verstummt. „Und trotzdem schafft ihr Bälger es immer wieder, mir was zu schenken... Beförderungen, Firmengründungen, neue Bekanntschaften, Verlobungen und sogar Enkelkinder. Und auch heute habt ihrs wieder geschafft – sogar mehrfach! Nicht nur, dass sich eure Dickschädel von Brüder nach verdammt langen Jahren endlich wieder versöhnt haben, wir haben auch Zuwachs bekommen: Ace UND Marco haben mit Sabo und Sina neue Partner gefunden und sind jetzt in festen, liebevollen Händen! Also heiße ich euch herzlich willkommen in unserer Mitte und hoffe, dass ihr gut auf meine Söhne aufpasst! Und sie ordentlich übers Knie legt, wenn sie Scheiße bauen... GUARHARHAR!"

Die Versammelten einschließlich Sabo schließen sich seinem Gelächter heiter an. Und als ich mich zu Sinas Ohr neige und ihr hinterhältig „...oder sie mit Wahrheit oder Pflicht diszipliniert, yoi?" zuflüstere, prustet auch sie los und vergisst ihr leichtes, mir nicht entgangenes Unbehagen bei diesen väterlich klingenden Worten sofort wieder. Wobei mir nicht entgangen ist, dass Vater seine Ansprache leicht abgeändert hat... bei ihm wird jeder neue Partner in einer herzlichen Ansprache willkommen geheißen, aber normalerweise sagt er „herzlich willkommen in der Familie, meine Kinder". Wärme und aufrichtige Zuneigung durchströmen mich, als ich meinen Vater ansehe – ich bin mir sicher, dass er das nicht zufällig heute anders gesagt hat. Er muss Sinas Angst bemerkt haben... und will es ihr so leicht wie möglich machen. Meine Ahnung wird auch direkt bestätigt, als sein viel zu wissender Blick zuerst kurz zu Sina flackert, bevor er mir zuversichtlich zuzwinkert... und mir ein dankbares Lächeln entlockt. Gott, er ist echt der beste Vater, den ich hätte kriegen können!
„So! Aber jetzt haben wir genug geredet. Kinder, genießt diesen Abend, genießt die Gesellschaft eurer Familie und genießt das ganze verdammte Leben – denn ein Zweites kriegen wir nicht und es gehört verdammt nochmal uns allein! ALSO STOSSEN WIR DRAUF AN!! AUF UNSERE FAMILIE UND AUF DAS LEBEN!", dröhnt seine ausgelassene Stimme über den ganzen Garten. Sofort werden sämtliche Krüge, Flaschen und Gläser in den Nachthimmel gehoben.
„AUF UNSERE FAMILIE UND AUF DAS LEBEN!", brüllen wir alle zusammen voller Inbrunst zurück und trinken darauf.

„Deine Ansprachen sind einfach die Besten, Paps!", kommentiert Ace begeistert, als eben jener sich sichtlich zufrieden wieder gesetzt hat. Er grinst.
„Das will ich doch meinen! Wenn ich eins kann, dann euch Bälger motivieren! Oder strammstehen lassen... GUARHARHAR!", lacht er leicht gehässig.
„Notwendigerweise, sonst wärst du mit uns Schlimmsten aller schlimmen Kinder kaum fertiggeworden", gluckst Curiel wahrheitsgemäß und ein klein wenig selbstkritisch. Blenheim zwinkert Sabo und Sina verschwörerisch zu.
„Da übertreibt er nicht! Der Verrückte da hat damals versucht, aus Silvesterraketen und einem alten Abwasserrohr eine Bazooka zu bauen – das Ergebnis war ein hochgejagter Geräteschuppen und weggesengte Haare. Er lief wochenlang mit Glatze und ohne Augenbrauen rum!", berichtete er. Unwillkürlich prusteten die beiden Angesprochenen los, zusammen mit vielen anderen am Tisch.

„Oh Gott... wie kommt man auf sowas?! Zum Glück ist nicht mehr passiert!", kichert Sina und schüttelt ungläubig den Kopf, ehe sie mich angrinst. „Ich hab ja gesagt, dass ihr alle schon wirklich sehr spezielle Brüder seid!"
Sofort schießen meine Brauen nach oben, ehe ich meiner vorlauten Liebsten den Arm um die Schultern lege – und sie nachdrücklich kräftig in den Schwitzkasten nehme, was ihr ein überraschtes Japsen entlockt.
„Nicht speziell, nur ein kleines bisschen unkonventionell, yoi? Und unberechenbar, wie du langsam wissen solltest...", erwidere ich spiellustig und halte sie klugerweise diesmal extra so, dass sie mich nicht beißen kann. Doch sie schnauft lediglich herausfordernd.
„...so wie du wissen solltest, dass ich skrupellos bin!", entgegnet sie unheilvoll – und sorgt für ihre sofortige Freilassung, indem sie mir unter dem Tisch eiskalt in den Schritt greift. Instinktiv krümme ich mich zusammen und bewege mich mit einem entrüsteten Laut schleunigst von ihr weg. Triumphierend grinsend richtet sie sich auf und richtet ihre Frisur. „Muahahaha... netter Versuch!"

Schallendes Gelächter untermauert ihren Sieg, was ihr zwar ein wenig verlegene Röte ins Gesicht treibt, doch sie lacht dennoch mit. Sehr zu meiner Freude, auch wenn der Spott nicht auf sich warten lässt.
„Ui, Respekt! Da hat unser Commander wohl seine Meisterin gefunden!", feixt Dew und auch Haruta grinst mich mit diebischem Vergnügen an.
„Ja, sieht ganz so aus... ich ahne, wer in dieser Beziehung die Hosen anhat!"
„Eindeutig... dabei sieht deine Kleine doch so täuschend harmlos aus... richtig niedlich!", frotzelt Rakuyou.
„Total niedlich... aber eindeutig steckt hinter dieser Niedlichkeit ordentlich Pfeffer!", schließt sich Curiel glucksend an – und mit dieser verhassten Bezeichnung sorgen die beiden prompt dafür, dass sich ihre Augen zu Schlitzen verengen. Doch fast sofort lächelt sie wieder... allerdings auf eine mir nur allzu bekannte Weise, bei der ich ausgesprochen froh bin, dass es nicht mir gilt.
„Izou?", kommt es täuschend freundlich (und verwirrenderweise) über ihre Lippen und bedacht eben jenen mit einem vielsagenden Blick. Der wirkt zuerst überrascht, doch dann grinst er plötzlich, erhebt sich... und verpasst erst Rakuyou und gleich darauf auch Curiel einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf, der beide aufjaulen lässt. Und Sina ein gehässiges Lachen entlockt.

„AU! Ey, was sollte das denn?", beschwert sich Rakuyou und reibt sich über den malträtierten Schädel. Izou lacht höchst belustigt auf.
„Tut mir leid... aber das war Teil unseres Hühner-Deals. Es ist von jetzt an mein ehrenvoller Job, jeden umgehend zu disziplinieren, der sie niedlich nennt! Aber ich muss zugeben, ich bin überrascht, wie schnell diese Situation aufgetreten ist... scheint wohl echt ein größeres Problem zu sein, als ich dachte! ", erklärt er vergnügt und setzt sich entspannt wieder hin.
Diesmal sind es Thatch, Ace, Sabo und ich, die laut auflachen, genau wie Vater und Marianna.
„GUARHARHAR! Sehr gut, Mädchen! Lass dir nichts von den Bengeln gefallen!", grinst ersterer, während die Rothaarige Sina ausgesprochen stolz anstrahlt.
„Ha! Ich wusste doch gleich, dass wir uns wunderbar verstehen. So hab ich mir weibliche Verstärkung vorgestellt!!" Zufrieden wirft sie Sina einen Luftkuss zu, den sie sich grinsend aus der Luft schnappt und ihn sich ans Herz drückt. Vista gluckst und sucht mit zuckendem Mundwinkel meinen Blick.

Willkommen in meiner Welt, Bruder!', formen seine Lippen klugerweise lautlos. Nur mit Mühe unterdrücke ich ein Lachen und klopfe mir als Zeichen stummer Solidarität gegen die Brust. Nicht ganz ernstgemeint, denn zu meinem Glück ist Sina doch deutlich weniger dominant als Marianna.
Währenddessen zieht Thatch übermütig Sina an sich und verpasst ihr einen Schmatzer auf den Schopf.
„Ach, Liebling... mit dir wird's nie langweilig!", grinst er und lässt sie in weiser Voraussicht gleich wieder los. „Aber was genau ist ein Hühner-Deal?"
Sina schnauft und wirft Izou einen schiefen Blick zu.
„Weil mich der Kerl da als feiges Huhn bezeichnet, angegackert und mit den Armen geflattert hat – obwohl er selber doch genauso viel Schiss hatte. Also haben wir einen Hühner-Deal geschlossen, damit wenigstens beide was davon haben!" Ziemlich vorwurfsvoll sieht sie zu mir. „Wie gesagt: dafür, dass du mich nicht gewarnt hast, was das für ein Arsch ist, bekommst du noch einen kräftigen Tritt von mir! Oder zwei..."

Entwaffnend hebe ich die Hände, während Sabo prustend auflacht.
„Ahahahaha! Ehrlich? Das funktioniert immer noch?" Bodenlos erheitert sieht er seine Schwester an, die ihm postwendend die Zunge rausstreckt... sich ein Grinsen aber kaum verkneifen kann.
„Was meinst du? Hast du sie früher auch angegackert?", will Ace feixend wissen. Sabo grinst, doch der Ausdruck in seinen Augen ist liebevoll... und ein wenig schmerzlich.
„Unter anderem. Wenn ich sie unbedingt zu Blödsinn anstiften wollte und meine Argumente nicht gefruchtet haben, war meine Trumpfkarte immer der kindische Klassiker: ‚du traust dich also nicht und kneifst? Ooooh...' – und das hat wirklich IMMER gezogen!", erzählt er, was die anderen zum Lachen bringt. Doch Sinas Lächeln ist genauso erinnerungsseelig und liebevoll wie seins, während sie einander in stillem Verständnis ansehen. Nur Ace und ich wissen von dem ersten Hintergrund dieser Anekdote... nämlich, dass das Sabos Bemühungen gewesen sind, ein wenig kindliche Leichtigkeit und Lachen in ihrer beider Leben zu bringen. Unter dem Tisch greife ich nach ihrer Hand und drücke sie fest, was nun mir ein warmes Lächeln einbringt.

Aber auch Vater wird hellhörig und sieht die beiden aufmerksam an, bevor er Sabo mit dem Ellbogen anstößt.
„Sag mal, Junge: wie kommts eigentlich, dass wir deine Schwester erst jetzt kennenlernen? Du hast uns nie was von ihr erzählt", will er nachdenklich wissen. Und so schnell, wie das Lächeln der beiden verblasst, werden auch die anderen am Tisch sofort ernster. Sie wirken zwar meist ruppig, unbekümmert und wenig sensibel, aber wir alle haben ein feines Gespür für die unsichtbaren Lasten anderer... wir kennen es ja von uns selbst.
Sabo atmet schließlich nach einem Augenblick des Zögerns schwer aus.
„Wir haben uns eine ganze Weile aus den Augen verloren... oder besser gesagt war ich dazu gezwungen, sie im Stich zu lassen. Ich hab keine andere Möglichkeit gesehen; ich war überzeugt, dass meine weitere Anwesenheit sie nur noch mehr in Schwierigkeiten bringen würde. Aber das war ein Fehler... und ich hab mich dafür geschämt, darum hab ich nie von ihr erzählt. Wir sind uns erst vor kurzem durch puren Zufall hier wiederbegegnet und konnten alle Missverständnisse klären", antwortet er unerwartet offen, was Sina zuerst sichtlich überrascht. Doch als sie die grimmigen Mienen meiner Brüder und ihre offensichtliche, solidarische Besorgnis bemerkt, lächelt sie schmal.

„Wir hatten miese Eltern. So mies, dass wir uns wohl beide lieber freiwillig in ein Heim gegangen wären, wenn wir die Möglichkeit dazu gehabt hätten. Aber wo wir herkommen, wäre das ein undenkbarer Affront gewesen, der ihrem Ruf geschadet hätte. Und der RUF war unseren Eltern heilig... ganz im Gegensatz zu ihren Kindern. Solange wir erwartungsgemäß funktionierten, war alles gut, aber wehe, wenn das mal nicht der Fall war... da haben wir ihre ganze Verachtung zu spüren bekommen", erklärt sie verächtlich, ehe sie ihren Bruder zärtlich ansieht. „Sabo hat da aber nicht mitgespielt. Er hat sich das nicht gefallen lassen, sondern hat da absichtlich quergeschossen, Blödsinn gemacht, Regeln gebrochen und ihnen Streiche gespielt... um mich zum Lachen zu bringen und wenigstens ab und zu mit mir Spaß zu haben! Er war schon immer der beste Bruder aller Zeiten! Ohne ihn wärs unerträglich gewesen..."

Marianna entfährt ein aufgebrachtes Zischen.
„Bevor ich Vista und seine Brüder kennengelernt hab, hab ich mir nie vorstellen können, wie viele verabscheuungswürdige Zerrbilder von Eltern es auf dieser Welt eigentlich gibt... und es macht mich jedes Mal aufs Neue so verdammt wütend!! Seit mein kleiner Schatz auf der Welt ist, sogar noch mehr. Das übersteigt einfach meinen Horizont, wie einem als Mutter oder Vater das Wohl seiner Kinder so vollständig am Arsch vorbeigehen kann!", faucht sie ungewohnt obszön und sieht mit grimmiger Liebe zu ihrem Sohnemann, der glücklich mit allen Sinnen und vollem Körpereinsatz sein Essen genießt. Wortwörtlich, denn er hat es nicht nur an Händen und Mund kleben, sondern an seiner Kleidung, seinem ganzen Gesicht und sogar in den Haaren. Unwillkürlich glucksend greift sie zur Serviette, überlegt es sich jedoch anders und legt sie sich lediglich samt einer Packung Feuchttücher bereit, bis er fertig gegessen hat und sich die Mühe wenigstens lohnt.

Sabos Blick ist genau wie meiner ebenfalls auf den kleinen Vigo gerichtet, der uns beiden ein schmales Lächeln entlockt. So sieht ein glückliches Kind aus... ein unbezahlbares, wertvolles Privileg, das keinem Erwachsenen hier am Tisch vergönnt gewesen ist.
„Ja, ‚am Arsch vorbei' triffts ziemlich präzise", stimmt Sabo ihr bitter zu, woraufhin Ace ihn energisch an sich zieht und ihn in einen ziemlich feurigen, leidenschaftlichen Kuss verwickelt, bevor er ihn mit grimmigem Stolz ansieht.
„Du hast dir das aber nicht gefallen lassen und ihnen immer wieder die Tour versaut! An deinem Sturschädel haben sie sich die Zähne ausgebissen... verdient!"
„Und wie kams dann dazu, dass ihr euch trennen musstet?", hakt Blenheim nach und verschränkt finster die Arme.

Sabo lächelt zynisch.
„Ich hab ihren Ruf gefährdet. Wir hatten noch einen Adoptivbruder... eine miese, kleine, kriecherische Ratte, der sich gern als Mustersohn präsentiert und mir nachspioniert hat. Mit Erfolg, er hat rausgekriegt, dass ich auf Männer stehe und es natürlich brühwarm unseren Eltern erzählt. Kurz danach hat jemand eine Bombe an meinem Auto angebracht und ich hab diese schicke Narbe hier kassiert... und Sina wurde gesagt, dass das möglicherweise nicht mein letzter Unfall gewesen ist, wenn sie nicht dafür sorgt, dass ich endgültig verschwinde und jemanden heiratet, der unseren guten Ruf wiederherstellt!"
„...und das hab ich getan, zumindest Ersteres. Ich hab Sabo die gemeinsten Dinge an den Kopf geworfen, als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, auch wenn es mir körperlich wehgetan hat. So lange, bis er gegangen ist... und ich davon überzeugt war, dass der einzige Mensch, den ich immer geliebt hab, mich jetzt hasst. Aber da hab ich mich getäuscht... zum Glück!" Sina gelingt ein kleines Lächeln, obwohl sich ihre Hand bei dem Wort ‚heiratet' merklich verkrampft hat. „Er hat ganz genau gewusst, dass das niemals meine Worte sind. Ich war schon immer eine schlechte Lügnerin, ich hätte eigentlich wissen müssen, dass er mich sofort durchschaut. Aber letztendlich war das der Punkt, an dem mir klargeworden ist, dass ich auch von da abhauen muss. Es hat aber gedauert, bis ich den Mut dazu hatte... ich hab ein Studium in Deutschland vorgeschoben, um auf Distanz zu gehen und meine Flucht vorzubereiten. Anderthalb Jahre später war es dann soweit und nach einem letzten Besuch bei meinen Eltern, bei dem ich ihnen endlich mal klar gesagt hab, was ich von ihnen halte, bin ich endgültig von England weg hierhergezogen. Wo ich glücklicherweise eine Stelle in Marcos Praxis ergattern konnte!"

Nach dieser Erzählung ist der sprachloser Unglaube und auch die Wut am Tisch fast greifbar... vor allem Vaters Augen lodern regelrecht, während er seine beeindruckenden Fäuste ballt und jeder einzelne Muskel angespannt ist. Nichts hasst er mehr als feige, gewissenlose, selbstsüchtige, charakterschwache Menschen, die Schwächeren, vor allem Kindern, Schaden zufügen oder für ihre Ziele über Leichen gehen.
„Wow. Ist ja nicht zu fassen... was für ein Dreckspack!", knurrt Rakuyou und schüttelt fassungslos den Kopf. „Und ich dachte, ich hätte schon alles gehört... aber Autobomben und Zwangsehen hatten wir auch noch nicht!"
„Ja, allerdings. Aber ich hätte auch nie gedacht, dass sowas heutzutage überhaupt noch möglich ist! Also in unserer westlichen, angeblich doch so modernen und zivilisierten Welt!", empört sich auch Haruta und sieht zwischen Sina und Sabo hin und her.

Letzterer schnauft.
„Modern ist der Knackpunkt. Unsere Eltern gehören zum alten, englischen Adel, da ist die Moderne fast genauso gern gesehen wie im Vatikan – also gar nicht. Tradition, Ruf, die eigene Familiengeschichte und der Name ist alles, was zählt... ich kann euch also sagen, dass in unserem Umfeld auch heute noch die meisten Ehen reine Vernunftehen sind, meistens arrangiert von den Eltern. Und entsprechend mittelalterlich sind eben auch die Einstellungen zu Dinge wie Homosexualität – immerhin war ich ja eigentlich der Erstgeborene und es wäre meine Verpflichtung gewesen, unsere Blutlinie und unseren Namen standesgemäß fortzuführen!", spottet er und grinst kalt. „Darum ist es jedes Mal wieder ein diebisches Vergnügen für mich zu wissen, dass wir dieser Verpflichtung beide entsagt haben, weil wir unsere Namen und Titel abgelegt haben. Zu dumm... unser feiner Adoptivbruder kann zwar unseren Namen weiterführen, aber unsere Blutlinie endet mit ihnen. Oh, und ich weiß ganz genau, wie sehr sie damit hadern und hart sie das trifft! Würde mich nicht wundern, wenn sie deshalb sogar ihren Stolz runterschlucken und uns aufzuspüren versuchen, um uns vielleicht doch noch zur Vernunft zu bringen... im Augenblick schätze ich aber, dass sie noch immer drauf hoffen, dass WIR wieder angekrochen kommen! Stimmts, Schwesterherz?"

Sina verzieht angewidert das Gesicht.
„Definitiv. Darum haben sie sich bei unserem letzten Treffen ja SOLCHE Mühe gegeben, meine Zukunft ohne ihr Geld und ihren Status möglichst schwarz zu malen! Mir wurde prophezeit, dass ich da draußen in der brutalen Welt nie Fuß fassen können werde, dass ich mir statt schöner Kleider nur noch Lumpen leisten kann, in bettwanzenverseuchten Unterkünften hausen muss, vom Billigessen krank werde und am Ende völlig mittellos auf der Straße lande. Dann werde ich mich an ihre weisen Worte erinnern und einsehen müssen, dass sie recht hatten... und merken, dass sie entgegen meinen kindischen, hysterischen Anschuldigungen zuvor eben doch sehr verantwortungsvolle Eltern sind, wenn sie mich trotz meiner unreifen, entsetzlichen Allüren wieder als ihre Tochter ins Haus lassen! Sofern ich mich aufrichtig bei ihnen entschuldige und ihnen glaubhaft versichern kann, dass ich endlich die nötige Reife an den Tag legen kann, die man von einer anständigen Dame adeliger Herkunft erwartet, versteht sich..." Eher wenig damenhaft steckt sie sich den Finger in den Mund und tut so, als müsse sie sich übergeben.

Mariannas Augenlid zuckt manisch, dann erhebt sie sich abrupt.
„Okay, für so viel Schwachsinn hatten wir eindeutig noch zu wenig Alkohol. Komm Schatz, wir holen uns Nachschub und haben dann den restlichen Abend viel Spaß, dass diese widerlichen Gestalten, die dich in die Welt gesetzt haben, bei unserem Anblick weinen würden! Oder ihnen vor Neid der Schädel explodiert. Würde wenigstens etwas Farbe in ihre sauertöpfisch-triste Schwarz-weiß-Welt bringen!", beschließt sie resolut, während sie um den Tisch herum marschiert und ich schmunzelnd Sinas Hand loslassen muss, weil sie energisch vom Stuhl gezogen wird. Und es sieht absolut nicht danach aus, als hätte sie dagegen etwas einzuwenden. Im Gegenteil, sie grinst boshaft bei der Vorstellung und wirkt erleichtert.
„Ich kann mich nur wiederholen: ich liebe dich, Marianna! Allein schon für dieses herrliche Kopfkino!", entgegnet sie aufrichtig und bringt die Ältere damit zum Lachen, ehe sie sich bei ihr einhakt.
„Ich dich auch, Liebling! Davon kann ich auch noch eine ganze Menge mehr aus dem Hut zaubern... aber das Wichtigste in diesem Augenblick ist: du und dein Bruder seid hier bei uns goldrichtig und in den besten Händen! Wir sorgen schon dafür, dass ihr das Leben ab jetzt so richtig genießen könnt...", verspricht sie entschlossen und zieht ihre neue Freundin einfach mit sich.

„Vista... ohne dir zu nahetreten zu wollen, aber: in irgendeinem Paralleluniversum ist deine Frau definitiv ein gefürchteter Diktator. Oder hat direkt die Weltherrschaft an sich gerissen!", kommt es mit einem lausbubenhaften Grinsen von Haruta – und Vistas sehr aussagekräftiger, komplett ausbleibender Widerspruch – lässt die angespannte Stimmung in lautes Gelächter entladen. Wir sind uns unausgesprochen allesamt einig, dieses Thema nun zu beenden und sich wieder den schönen Dingen des Lebens zu widmen. Ich bin wirklich stolz auf alle beide, aber ganz besonders auf Sina, dass sie vor so vielen, ihr größtenteils noch fremden Menschen so offen gesprochen und ihnen damit eine Menge Vertrauen entgegengebracht hat. Und das nur, weil es meine Brüder, meine Familie ist – und sie MIR vorbehaltlos vertraut. Diese Tatsache bedeutet mir unheimlich viel.
„Aber unsere geliebte Diktatorin hat trotzdem recht! Auch wenn sich die feinen Herrschaften von nun an in Gesellschaft von ganz und gar niederstem Pöbel befinden und vermutlich nie mehr vom goldenen Tellerchen essen können: wir sorgen schon dafür, dass euch das wie ein verdammter Lottogewinn vorkommt!", scherzt Curiel und zwinkert Sabo unbekümmert zu, der daraufhin heiter lacht. Und Ace einen glühenden Blick schenkt, der nicht weniger feurig erwidert wird.

„Oh, das wird nicht schwer. So fühlt es sich nämlich längst an..." Diesmal ist er es, der auf die Anwesenheit der anderen pfeift und seinem Liebsten mit unerwartet viel Leidenschaft küsst und ihm wortwörtlich den Atem raubt.
„Du lieber Himmel... nehmt euch ein Zimmer, es sind Kinder anwesend!", empört sich Vista gespielt und bringt sich als Sichtschutz zwischen den beiden und seinem Nachwuchs, der grade seine Hand in den Ketchup taucht und genüsslich ableckt.
„Solange da noch Bratwurst auf dem Teller liegt, kriegt dein Sprössling überhaupt nichts mit... also ganz der Papa!", stichelt Rakuyou grinsend, ehe er mich anstößt. „Sind die zwei Turteltauben da eigentlich immer so schlimm mit ihrem hemmungslosen Rumgeknutsche oder entwickeln die da grade nen Fetisch und unsere Anwesenheit hat stimulierende Wirkung?"
„Schwer zu sagen... wenn sich gleich unter den Tisch verziehen, wissen wirs, yoi? ODER es ist ein gewiefter Plan von Sabo mit dem er versucht, Ace in Sicherheit zu wiegen, sodass er glaubt, er hätte dessen unklugen Satz bezüglich Sabos Weiblichkeit vergessen... nur, um ihn dann unvorbereitet und umso härter mit seiner Männlichkeit treffen kann!", kommt es grinsend und in doppelter Hinsicht schamlos über meine Lippen, was sowohl Vater als auch meine Brüder losprusten lässt. Erst recht bei Ace entrüstetem und leicht panischen Gesichtsausdruck, weil ich ihn grade schon wieder ins Verderben stürze – ich weiß doch ganz genau, dass er drauf spekuliert hat, dass sein Angebeteter diesen Ausrutscher bei all dem Trubel um Izou und Sina einfach vergisst und er ungeschoren davonkommt.

Was ich grade skrupellos vereitelt hab.

„DU ELENDER VERRÄTER! Wieso zum Teufel tust du mir das an?! Das lass ich dich büßen, glaub mir!!", prophezeit er mir drohend, was allerdings weniger eindrucksvoll rüberkommt als sonst, weil er unter Sabos unheilvollem Lächeln zusammenschrumpft. Reuelos grinse ich ihn an.
„Purer Eigennutz und Schadenfreude. Weißt du Bruderherz, genau dieses Lächeln hab ich bei Sina auch schon mal versehentlich heraufbeschworen... und nachdem ich bei den beiden in diesem Punkt starke geschwisterliche Ähnlichkeit vermute, ahne ich also, was dir blüht - und genieße das beruhigende Gefühl, dass nicht nur mir so ein Fauxpas passiert, yoi?" Ungeniert zwinkere ich ihm zu, während ich mich demonstrativ entspannt zurücklehne und mich meinem fast vergessenen Essen widme. „Aber falls es dich beruhigt: die Lektion wird vermutlich einprägsam und du wirst diesen Fehler garantiert nicht widerholen!"
Dreckiges, kaum unterdrücktes Lachen folgt meinen Worten, während Ace es daraufhin doch nochmal mit seinem besten, reumütigsten, aufrichtigsten Hundeaugen versucht.

„Der blöde Vogel redet Blödsinn, oder? Komm schon, Sabo... so gemein bist du doch nicht. Du weißt doch, dass das nur ein Scherz war!", bettelt er, woraufhin Sabos Ausdruck auch tatsächlich weicher wird. Schmunzelnd beugt er sich vor und küsst liebevoll seine Stirn.
„Natürlich weiß ich das...", antwortet er beruhigend, was meinen kleinen Bruder erleichtert aufatmen lässt. Zu früh, denn im selben Moment kehrt dieses spezielle Lächeln auf seine Lippen zurück. „...darum werd ich dir lieber gleich demonstrieren, wie empfindlich ich auf solche Scherze reagiere – und damit sichergehen, dass dir das nicht nochmal passiert!"
Dieses Mal beschert uns Ace abgrundtief entsetzter Blick einen waschechten Lachanfall, der uns die Tränen in die Augen treibt. Was das Ganze hier für uns gleich doppelt lustig macht, ist die Tatsache, dass sich keiner von uns je hätte vorstellen können, dass es tatsächlich jemand ausgerechnet bei unserem sonst immer so feurigen, ungezähmten, vor Selbstbewusstsein nur so strotzenden und absolut unbelehrbaren kleinen Bruder schaffen würde, ihn dermaßen im Griff zu haben! Und Sabo hat unseren Wildfang hier ganz zweifellos sogar ziemlich gut im Griff.

„GUARHARHAR! Ach, Junge... da wirst du wohl durchmüssen! Aus Schaden wird man klug...", klugscheißert er vergnügt, bevor sein lausbubenhafter Blick auf mich fällt. „...ziemlich klug sogar, wie man ja anscheinend an deinem großen Bruder sehen kann. Dein Mädchen weiß offenbar verdammt gut, wie sie mit dir fertigwird, wenn sie sogar dich noch erfolgreich erzieht. Hab ich recht, Sohnemann?"
Gut, ich sehe ein, dass ich diese Situation selbst heraufbeschworen hab... aber ich bereue nichts! Mein bestes Pokerface aufsetzend hülle ich mich in erhabenes Schweigen, was mir aber wenig bringt.
„Stimmt... erzähl doch mal, Commander: was für eine Lektion hat sie dir denn erteilt?", will Haruta unbestreitbar neugierig wissen.
„Hehe, interessiert mich auch. Und in welches Fettnäpfchen bist du getreten? Ihre Weiblichkeit wirst du ja eher nicht in Frage gestellt haben...", schließt sich Dew lauernd an und auch Rakuyou wackelt anzüglich mit den Brauen.
„Komm schon, Commander... ein paar Details schuldest du uns! Immerhin haben wir uns jahrelang Sorgen gemacht und schon befürchtet, dass du bis an dein Lebensende im Zölibat lebst!"

„...oder in naher Zukunft anfängst, dir Katzen zuzulegen. Viele Katzen. Bis du mit den Viechern um dich werfen kannst wie diese Schrulle bei den Simpsons!", frotzelt Blenheim, was ich nun doch mit einem finsteren Blick quittiere... der Thatch jedoch auflachen lässt.
„Tut mir leid, mein Freund! Aber wir kennen deinen Dickschädel und haben alle schon angefangen, so ein Szenario in Erwägung zu ziehen!", schließt er sich den Sticheleien um mich herum auch noch schamlos an – und klingt dabei auch noch so unverschämt ernst! Wieso das denn schon wieder, um Himmels Willen?
„Ach, kommt schon... jetzt übertreibt ihr maßlos, yoi? Bei einer zweistelligen Zahl könnt ich euch ja vielleicht verstehen, aber es waren nicht mal vier Jahre, die ich Single war – und ich hatte nie vor, für immer allein zu bleiben", murre ich ungehalten und verschränke missmutig die Arme. Diese unnötige und eben wirklich übertriebene Überfürsorge hat mich bei Shanks schon so genervt – und jetzt erfahre ich, dass meine Familie sich zwar besser zurückgehalten, aber trotzdem dieselben Befürchtungen gehegt hat?! OI!

Doch Vista zuckt ungerührt von meinem ärgerlichen Blick mit den Achseln.
„NUR vier Jahre sagst du, aber in diesen vier Jahren hast du dich wirklich gegen jedes weibliche Wesen gesperrt und hast die Flucht ergriffen, sobald auch nur die leiseste Möglichkeit gegeben war, dass wir dich mit irgendwem verkuppeln wollen. Ist dir eigentlich bewusst, wie du dich bis vor kurzem noch verhalten hast? Du wolltest nichts von einer neuen Beziehung hören und hast dich mit einer solchen Vehemenz selbst gegen bloße GESPRÄCHE über dieses Thema gewehrt, dass wir uns selbstverständlich Sorgen gemacht haben! Wie Thatch schon gesagt hat: wir wissen alle, wie eisern und kompromisslos du Dinge durchziehst, die du einmal beschlossen hast... wir haben wirklich befürchtet, dass du dich – bewusst oder unbewusst – dazu entschieden hast, nach dem Desaster mit diesem Drecksstück keine weitere Frau mehr in dein Leben zu lassen!"

Ich... was?! Quatsch, ganz so schlimm ist es doch auch nicht gewesen... oder? Das Thema hat mich natürlich genervt – aber doch nur, weil mich alle Nase lang jemand anderes darauf angesprochen und mir das Gefühl gegeben hat, dass mein Leben ohne Frau irgendwie schlimm wäre. Was es aber überhaupt nicht war!!
Aber sogar Izou sieht mich plötzlich ernst an.
„Ich muss Vista recht geben: genau das hätte zu dir gepasst... und es hätte leider sogar ziemlich gut funktioniert. Du liebst deine Arbeit und gehst darin auf, du packst mit Herzblut hier im Heim an, du hast eine große Familie, viele Freunde und du hast Hobbys, denen du gern nachgehst... du hast also zweifellos ein erfülltes Leben geführt und warst sicherlich auch glücklich. Aber genau deshalb hättest du leider auch sehr lange gebraucht, bis dir aufgefallen wäre, dass da eben doch was fehlt... etwas, das dir vermutlich selbst nicht klar gewesen ist, uns allen aber schon: nämlich jemand, der sich UM DICH kümmert! Jemand, auf den DU dich verlassen kannst, während wir alle uns die meiste Zeit eher auf dich verlassen und nicht umgekehrt", erklärt er mir ganz direkt, ehe er mich gutmütig anstößt. „Und genau so jemanden haben wir dir eben die ganze Zeit gewünscht. Ich ja genauso, obwohl wir nicht miteinander geredet haben. Wir kennen dich nun mal genauso gut wie du uns! Vielleicht kennen wir dich sogar besser als du dich selbst... darum haben wir uns ja solche Sorgen gemacht, verstehst du?"

„Dafür sind wir jetzt aber umso glücklicher, dass wir uns getäuscht haben! Glaub mir, Junge... mir ist da vorhin der halbe Atlantik vom Herzen gekracht, als du da plötzlich doch Hand in Hand mit diesem Mädchen vor mir gestanden und sie so verdammt glücklich und stolz angeschaut hast!" Mein Vater lächelt mich breit und ebenfalls unübersehbar stolz an. „Ich hätt kaum glücklicher sein können! Und außerdem gefällt mir deine Sina. GUARHARHAR, das Mädel hat mir ja schon am Telefon gefallen! Nett, hilfsbereit, unkompliziert, verlässlich und humorvoll... genau so jemanden brauchst du an deiner Seite. Einen Menschen, der dich unterstützt und dir das Leben leichter macht... und dir den Kopf zurechtrückt, wenns notwendig ist! Was sie ja anscheinend schon ziemlich erfolgreich bewerkstelligt hat und uns wieder zum eigentlichen Thema zurückbringt!" Nun wieder breit grinsend sieht er mich an. „Also, Junge? Wie du jetzt gehört hast, schuldest du uns für die vielen Sorgen zweifellos ein paar Details!"

„Treffer und versenkt, großer Bruder! Wie schmeckt die eigene Medizin?", flötet Ace süffisant und grinst triumphierend, weil die Lacher diesmal zweifellos auf seiner Seite sind... und der Sieg eindeutig Pops gehört. Wie eigentlich immer. Mit einem ergebenen Seufzen fasse ich mir an die Nasenwurzel; in einem verbalen Schlagabtausch können es eigentlich nur Izou, Shanks, Ben und Rayleigh mit mir aufnehmen – aber Vater, dieser gewiefte, alte Seebär, steckt uns alle in den Sack. Wobei man fairerweise sagen muss, dass er diesmal leichtes Spiel gehabt hat; was meine Brüder da gesagt haben, hat mir sowieso schon allen Wind aus den Segeln genommen und mir eine Menge Stoff zum Nachdenken gegeben. Im Augenblick hab ich dafür aber keine Zeit, also schiebe ich es vorerst in den Hintergrund – ich hab grade eindeutig andere Probleme.

„Ja, is ja gut... ihr habt gewonnen", gebe ich mich mürrisch geschlagen, doch meine Mundwinkel zucken verräterisch. „Was wollt ihr wissen? Das Vetorecht behalte ich mir aber vor, yoi?"
„Nix Veto... erste Frage: wie lang hat Sina gebraucht, bis sie dich harte Nuss geknackt hat?", will Haruta interessiert wissen, was mich schmunzeln lässt.
„Fünf Tage, bis ich sie nach einem Date gefragt hab, zwei Wochen, bis wir zusammen waren!", antworte ich wahrheitsgemäß – und lache heiter auf bei den einheitlich fassungslos-ungläubigen Gesichtern,
„Du verarschst uns doch...", brummt Blenheim skeptisch, doch mein Grinsen bleibt.
„Keineswegs. Wir haben uns montags in meiner Praxis kennengelernt, dienstags waren wir beim ‚du' und am Freitag haben wir uns zum ersten Mal privat getroffen... was spontan zu einem ersten Date wurde, yoi? Sonntag war dann das Zweite und am Samstag danach das Dritte, bei dem die Sache dann offiziell wurde!"
„Hah... wow... das kam echt unerwartet", spricht Rakuyou das aus, was sie alle denken. „War dann wohl sowas wie Liebe auf den ersten Blick. Wer hätte das ausgerechnet bei dir gedacht?"
„Egal, zweite Frage: was waren das für Dates, die da stattgefunden haben? Erzähl mal, was du dir da so ausgedacht hast!", kommt es diesmal neugierig von Curiel. Belustigt schnaufe ich.

„Erstes Date war wie gesagt spontan; ich wollte ihr eigentlich nur die Bibliothek zeigen, hab sie dann aber noch zum Essen eingeladen. Beim zweiten Date hab ich für sie den Stadtführer durch Dublin gespielt, weil sie nich nicht viel davon gesehen hat... und danach sind wir zu Thatch und haben was gegessen...", beginne ich mit der Aufzählung, werde aber erwartungsgemäß unterbrochen, als sich so einige entrüstete Blicke auf unseren Koch richten.
„EY! Soll das heißen, er hat von Anfang an Bescheid gewusst? Wie unfair!", ruft Haruta und bläst die Backen auf, doch Thatch grinst ihm triumphierend entgegen.
„Der Vorteil derer, die ein eigenes Lokal in bester Lage haben... und hey, sind wir mal ehrlich: Marco musste unser Zuckerstück doch langsam an unsere Chaosfamilie ranführen – alle auf einmal hätten die Arme doch total überfordert! Wie bei einem kleinen Goldfisch...", klugscheißert er fröhlich und grinst seine Brüder an. „Versteht ihr? So einen, den man ans neue Aquarium gewöhnen will... wenn man das zu schnell macht, schwimmt das arme Fischlein mit dem Bauch nach oben!"

Prustendes Gelächter ist zu hören.
„Oooh, die Arme... aber nachdem Marcos Liebste ja noch recht lebendig wirkt und ihr Bauch noch ungefähr da zu sein scheint, wo er hingehört, hat das Fischlein den Umzug ins chaotische Aquarium ja ganz gut verkraftet!", frotzelt Dew und löst die nächste Heiterkeitswelle aus.
„Ach, ich denke, sie passt hier ziemlich gut rein... genau wie ihr Brüderchen!", zwinkert Rakuyou Sabo zu, der eine elegante Verbeugung andeutet.
„Sehr charmant, aber ich hatte ja auch fast ein Jahr Probezeit bei euch, bevor zum offiziellen Anhang wurde. Genug Zeit also, in der ich noch die Flucht vor euch hätte ergreifen können... aber nachdem ich noch hier bin, habt ihr wohl gewonnen!", entgegnet er gut gelaunt, was Ace jedoch herausfordernd grinsen lässt.
„Als ob du mir entkommen wärst... ich hätte dich überall hin verfolgt und zurückgezerrt!", behauptet er großspurig, was in Sabos Augen prompt den Spieltrieb aufleuchten lässt. Ihre Blicke treffen aufeinander und prompt liefern sie sich ein stummes, feuriges Blickduell.

„Kommen wir jetzt wieder zurück zu meiner Frage? Date Nummer drei fehlt noch!", erinnert Curiel seine Brüder schmunzelnd an das Thema. Ich gluckse erheitert und wende mich von den stummen Duellanten ab.
„Date Nummer drei war eine Wanderung mit Picknick. Mit ihr hab ich also endlich jemanden gefunden, der mein Hobby teilt, yoi?", beantworte ich sichtlich zufrieden und versuche gar nicht, die Freude über dieses Detail hinterm Berg zu halten. Hat ja immerhin lange genug gedauert, auch wenn ich prinzipiell auch nichts gegen das alleine Wandern gehabt hab. Aber mit Sina wird es eindeutig noch besser! Wir haben auch schon viel geplant.
„Das freut mich für dich, Junge! Aber jetzt will ich wissen, was...", setzt Vater an, wird aber von Thatch unterbrochen.
„Uh, warte! Da war doch was... Wanderung... Picknick... irgendwas mit Nonnen...", grübelt er, was ihm mehrere skeptische Blicke einhandelt.
„Nonnen? Wär ja mal was ganz Neues, wenn irgendwer von uns mal was mit Nonnen zu tun haben würde... ohne sie entsetzt flüchten zu lassen", grinst Vista, doch genau das erinnert Thatch wieder.

„AHA! Jaaaa... so war das... du hattest Sina damals doch gemeinerweise das Handy weggenommen, als wir miteinander telefoniert haben! Grade wollte sie mir genauer erzählen, was genau ablief, nachdem euch ein Wolkenbruch überrascht hat und ihr in eine Scheune geflüchtet seid... grade wollte sie mir erzählen, warum es gut war, dass in diesem Moment keine Nonnen anwesend waren...", fällt diesmal er mir schamlos in den Rücken – und verursacht prompt eine Welle aus heiter-anzüglichen Rufen und anerkennenden Klopfern auf den Tisch, die mich trotz aller Bemühungen, Thatch vorwurfsvoll anzusehen, unweigerlich grinsen lassen.
„So, so... jetzt versteh ich das mit dem Wandern endlich: unser anständiger, vernünftiger, pflichtbewusster Commander treibts also schamlos in Scheunen! Was ist während meiner Abwesenheit nur aus dir geworden...", stichelt Izou anzüglich und wackelt mit den Brauen, was mir ein Augenrollen entlockt. Und ein reueloses Schmunzeln.
„Ich hab uns pflichtbewusst einen Unterschlupf gesucht und vernünftigerweise dazu geraten, die nassen Sachen auszuziehen, weil wir uns sonst noch erkälten, yoi?", entgegne ich erhaben... ehe mein Grinsen breiter wird. „Und ICH war anständig! Zumindest war ich nicht der erste, der geguckt hat..." Und das ist immerhin nichts als die Wahrheit!

Thatch lacht zusammen mit den anderen laut auf.
„Ha, ich wusste doch, dass die Kleine es faustdick hinter den Ohren hat! Schätze, die zeigt dir, wo der Hase langläuft..."
Sabos demonstratives Räuspern unterbricht ihn.
„Du sprichst da über meine kleine Schwester, schon vergessen?", erinnert er ihn trocken, doch unser aller Lieblingskoch grinst ihm ungerührt entgegen.
„Keineswegs... ändert aber nichts an der Tatsache, dass mein Zuckerstück da ziemlich locker und alles andere als prüde ist. Und nachdem mir eine leise, innere Stimme flüstert, dass du jetzt auch nicht grade eine züchtige Betschwester bist, die sich nur im Dunkeln Missionar traut... also könnte doch da eine gewisse Zügellosigkeit in eurem gemeinsamen Erbgut stecken, meinst du nicht?", fragt er mit einem lauernden Lächeln – und feixt sehr breit, als Ace bei der züchtigen Betschwester sein grade getrunkenes Bier aus der Nase geschossen kommt, weil er so hart lachen muss. Was auch dafür sorgt, dass Sabo sein Pokerface nicht mehr halten kann und ertappt grinst.

„Alles schön und gut, Kinder, aber ich will jetzt trotzdem endlich wissen, in welches Fettnäpfchen du bei ihr schon getreten bist! Und mich interessiert brennend, welche Art Lektion bei dir fruchtet... außer meiner väterlichen Faust!", grinst mich nun Vater an und lehnt sich sogar mit sichtlich neugierigem und belustigtem Blick vor... und bringt mich damit doch ein wenig in Verlegenheit, weshalb ich mir etwas pikiert durch den Schopf fahre.
„Oi, gleich sowas Schlimmes ausgefressen? Tze, tze, tze... und da gönnst du MIR die Lektion wegen einem kleinen Scherz...", tadelt mich Ace oberlehrerhaft und schüttelt in gespielter Fassungslosigkeit den Kopf. Ich schnaube empört.
„Von wegen schlimm! Direkt ausgefressen hab ich ja nicht mal was, yoi? Ich bin nur... unbeabsichtigt in alte Verhaltensweisen gerutscht. Und das hat Sina nun mal nicht gefallen", erwidere ich etwas pikiert, weil ich sofort mehrere besorgte Blicke auf mir liegen fühle.
„Alte Verhaltensweisen? Von deiner Ex?", hakt Izou sofort grimmig nach. Bestätigend verziehe ich das Gesicht, was ihm ein unwirsches Grollen entlockt. „Na, zumindest hat sich Sina einen Extrapunkt damit verdient, dass ihr das was-auch-immer nicht gefallen hat!"

„Was war das für ein Verhalten?", will auch Vater ernst wissen. Ich seufze unbehaglich.
„Ich hab mich untergeordnet. Mich selbst und meine Bedürfnisse hintenangestellt und versucht, es ihr recht zu machen, obwohl sie das gar nicht wollte, yoi?" Es fällt mir schwer, das so offen vor meiner Familie auszusprechen... und in dem Moment, ALS ich es ausspreche, fühle ich noch immer überraschend viel Wut und Bitterkeit aufwallen. Ich hab gar nicht bemerkt, wie sehr mir das bis heute nachhängt...
Aber Wut lodert auch um mich herum auf, gepaart mit wüsten Beschimpfungen und deftig-kreativen Flüchen und Verwünschungen, die mich unweigerlich boshaft schmunzeln lassen. Verdient hätte sie alles davon.
„In dem Fall bekommt deine Sina sogar eine ganze Wagenladung Pluspunkte!!", knurrt Blenheim und klopft mir ruppig auf den Rücken. „Unterordnen... ausgerechnet du! Pah!" Angewidert schüttelt er den Kopf.
„Ich erhöhe sogar auf eine ganze Schiffsladung Pluspunkte, dass sie dem einen Riegel vorgeschoben hat! In einer echten Beziehung ordnet sich keiner dem anderen unter...", stimmt auch Vista zornig zu und schnauft – und es ist bezeichnend für den herrschenden Ernst, weil keine Unkenrufe kommen. Zwar blitzen ein paar belustigte Blicke in seine Richtung auf, doch ausnahmsweise werden die Sprüche über Mariannas Diktatoren-Potenzial und Vistas langer Leine zurückgehalten. Wir ziehen die beiden zwar alle gern und oft damit auf, aber wir wissen alle, dass Marianna Vista aufrichtig liebt und sie ihn in jeder Hinsicht genauso achtet und respektiert, wie er sie. Nie würde sie auch nur auf den Gedanken kommen, seine Wünsche und Bedürfnisse zu ignorieren oder als unwichtiger einstufen als ihre eigenen.

Vater schnauft unwirsch und sieht mich mit väterlicher Strenge an.
„In dem Fall schulde ich dem Mädchen meinen Dank, dass sie dem einen Riegel vorgeschoben hat! Dann war das ja ne sehr viel wichtigere Lektion als ich dachte, die sie dir verpasst hat. Und ich hoffe doch, die hat auch wirklich tief genug gesessen und dir den Mist auch wirklich zuverlässig ausgetrieben...?" Schmunzelnd, aber eindringlich mustert er mich – allerdings wende ich meinen Blick mit einem verlegenen Räuspern ab.
„Ja, keine Sorge... sie hat mir deutlich klargemacht, dass sie mich so mag, wie ich bin und ich mich nie zurückhalten brauche. Und dass sie im Zweifel lieber mit mir streitet, wenn wir uns nicht einig werden, yoi?", fasse ich die Kernaussage grob zusammen, allerdings riecht Izou sofort Lunte und ein diabolisches Lächeln breitet sich bei ihm aus.
„Das hört sich ja wirklich wunderbar an, aber ihre Lektion wird ja wohl keine Moralpredigt gewesen sein. Also? Wir hören?"

Mein finsterer Blick perlt wirkungslos an ihm ab, genau wie an Thatch, der mich höchst interessiert ansieht und mir auffordernd in die Rippen piekt.
„Na los! Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns!", singsangt er in bester Kleinkindmanier... was ein super Aufhänger für die restlichen, lediglich physisch Erwachsenen am Tisch ist, ihm Chor einzustimmen:
„Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns!"
„Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns!"
„Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns!"
„Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns!"
„Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns! Sag's uns!"

„OI! Is ja gut!", rufe ich und reibe mir über die Schläfen.
„Na, dann schieß los! Ich bin ja selber neugierig, was mein Schwesterchen sich ausgedacht hat... vielleicht lasse ich mich ja inspirieren!", feixt Sabo mit einem gewieften Seitenblick zu Ace, der prompt besorgt das Gesicht verzieht.
„Oh man... aber gut, dann hätt ich wenigstens eine Vorwarnung, wie ich gequält werde...", grummelt er schmollend, was an seinem Partner jedoch genauso wenig Eindruck hinterlässt wie sein Hundeblick zuvor.
„Marco, jetzt rück schon raus! Du entkommst uns nicht, also brings hinter dich!", fordert Rakuyou mich energisch auf. Was auch leider der Wahrheit entspricht, weshalb ich peinlich berührt nachdenke, wie ich das ohne zu viele Details zusammenfassen kann.

„Sie hat mich gefragt, ob ich Lust auf ein Spiel hab. Zum Beispiel Wahrheit oder Pflicht, das sie mit ihrem Bruder früher auch immer nur zu zweit und mit einer Münze gespielt hat...", beginne ich schließlich langsam. Sabo hebt interessiert die Braue.
„Stimmt, Kopf war Wahrheit, Zahl war Pflicht..." Er beginnt zu grinsen. „Ich ahne, dass sie da schon eine ganz spezielle Pflicht für dich im Sinn hatte und nur deshalb spielen wollte, bis du fällig warst...?"

„Erraten...", seufze ich und zaudere, aber anhand der gespannt auf mir liegenden Blicke komme ich wohl wirklich nicht aus. Gestresst fasse ich mir an die Nasenwurzel und bringe es hinter mich. „Meine Pflicht war es, volle zwanzig Minuten einfach nur auf der Couch zu sitzen, die Arme auf der Lehne und ohne mich zu bewegen. Und die ersten zehn Minuten davon musste ich auch noch schweigen. Um es kurz zu machen: sie hat beschlossen, mein Verhalten bewusst falsch zu deuten. Nämlich so, dass ich wohl ein komplett passiver Mensch bin, der ungern irgendwas beiträgt und sich in jeglicher aktiver Rolle unwohl fühlt. Und darum... hat sie mir den Gefallen getan, mir zwanzig Minuten lang eben diese vollständige Passivität zu gönnen und mir zu zeigen, wie... toll sich das anfühlt, wenn sie allein die ganze... Arbeit macht, yoi?"

Es dauert ein paar Sekunden, bis der Groschen fällt, doch dann...
„GUARHARHAR!", bricht nicht nur Vater in dröhnendes Gelächter aus, sondern auch alle anderen in Hörweite. Was ich ihnen nicht verübeln kann.
„Das... ist... wirklich einprägsam!", prustet Ace, während er sich die Lachtränen aus dem Gesicht wischt.
„...und ziemlich kreativ!", kichert Haruta und lacht gleich darauf nochmal lauter, als nach Sabos diabolisch-anerkennendem „Respekt, Schwesterchen... mal schauen, ob meine Lektionen auch so einprägsam sind!" Ace' Lachen ziemlich abrupt endet.
„Haha, ja... die Lektion ist... ziemlich sicher angekommen. Oh, Bruderherz – da hast du die Richtige erwischt!", dröhnt Blenheim heiter und prostet mir zwinkernd mit seiner Bierflasche zu, woraufhin ich breit grinsend – und zustimmend - meine Sakeschale in seine Richtung hebe. Sina ist ganz eindeutig genau die Frau, die ich gebraucht hab!
„Seh ich auch so, Junge!", gluckst auch Vater bodenlos erheitert. Seine vergnügt glänzenden Augen liegen warm auf mir. „Diesmal liegt ne ganze Menge Glück vor dir, das kannst du mir glauben! Ihr passt zueinander. Ah, ich freu mich wirklich für euch... und für mich, weil mir wenigstens ein Balg weniger Sorgen macht. Oder vielmehr ja sogar zwei, stimmts, Ace? Und darauf trink ich! PROST KINDER!"

„PROST PAPS!", schallt es von überall ausgelassen zurück – und das sicher nicht zum letzten Mal an diesem Abend. Ein Abend, den wir alle garantiert in vollen Zügen genießen werden!



Trust in MeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt