Kapitel 72

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Als ich meinen Blick von Mario abwandte und wieder nach vorne blickte, sah ich Erik wenige Meter vor mir stehen. Er wirkte angespannt und verwirrt zugleich.
"Wie lange stehst du schon da ?",fragte ich ihn mit kratziger Stimme. Ein Wunder,das ich überhaupt einen Ton rausgebracht habe.

"Lange genug",meinte er nur knapp und vermied es mir in die Augen zu sehen,stattdessen gab er Mario ein Zeichen,der daraufhin die Küche wortlos verließ. Was sollte das jetzt werden ? Das nächste Verhör?

"Ist irgendetwas passiert ?",fragte ich ihn nun wieder mit etwas festerer Stimme und konnte nicht verhindern ein wenig verwirrt zu klingen.
"Das fragst du mich jetzt doch nicht ernsthaft oder ?" Hab ich etwas verpasst oder aus welchem Grund ist Erik gerade alles andere als nett. Ich wüsste nicht,dass ich etwas gesagt hätte,was in so sauer machen könnte. Dachte ich zumindest.

"Ich wäre dir äußerst dankbar,wenn du mir den Grund,weshalb du so sauer bist, verraten würdest"
"Wusstest du,dass Marco dich schon solange liebt ?",ingorierte er meine Bitte.
"Ich versteh nicht w..."
"Wusstest du es ?",unterbrach er mich.

"Ja ...nein. ich meine nein oder ja . Ich hab's erfahren als wir uns getrennt haben ",stotterte ich und wusste nicht auf was er hinaus wollte. Meine Antwort schien ihn ein wenig zu erleichtern,trotzdem wirkte er noch immer sehr nachdenklich. Etwas musste ihn innerlich gerade ziemlich fertig machen ,umsonst is er nicht aufgewühlt. Außerdem verriet ihn die kleine Falte zwischen den Augenbrauen,die immer zum Vorschein kam, wenn er sich über etwas den Kopf zerbrach.

"Ich fass es nicht. Er liebt dich sieben Jahre. Länger sogar. Weißt du was für eine lange Zeit sieben Jahre sind? Wahrscheinlich  liebt er dich sogar immernoch. Einer meiner besten Freunde liebt meine Freundin. Weißt du wie absurd das klingt ",meinte er fassungslos und konnte es nicht lassen am Ende ein wenig zu lachen.

"Und ich dachte immer es wäre nur so eine kurze Phase gewesen, als ihr zusammen wart und dass die Gefühle gleich wieder vergehen . Aber eigentlich liebt er dich schon die ganze Zeit und ich Idiot verhalte mich ihm gegenüber so scheiße, weil ich es lächerlich fand ,dass er dir so sehr hinterher trauert, obwohl eigentlich mein Verhalten lächerlich war. Hätte ich das nur gewusst, hätten wir uns von Anfang an anders verhalten können",kam alles nur so aus ihm heraus.

"Du konntest doch genauso wenig wie ich wissen,was er empfindet"
"Trotzdem und du hast seine Gefühle quasi ausgenutzt ",warf er mir ebenso wie Mario vorhin vor .
"Ja okay, vielleicht wollte ich mich nur ablenken,abee wieso suchte ich denn etwas Ablenkung, hm ? Weil du was mit einer anderen hattest , nur so nebenbei . Also gib mir jetzt nicht die Schuld für was auch immer ",wehrte ich mich . Sowas musste ich mir nun echt nicht gefallen lassen , auch wenn ich wusste, dass die Begründung  unterstes Niveau war.

"Wir sollten das Gespräch wohl eher beenden. Das führt zu nichts ",sagte er kalt und starrte die Wand hinter mir an .

"Da hast du ausnahmsweise mal Recht",murrte ich vor mich hin und hob Emily hoch und ließ mich mit ihr auf dem Sofa nieder.

"Wo gehst du hin ?",fragte ich Erik ,als ich bemerkte,dass er in den Flur ging und dort dann Geräusche vernahm als würde er sich anziehen.

"Keine Angst ich geh nur mit Mario eine Runde Joggen",antwortete er mir knapp und drückte Emily noch schnell einen Kuss auf die Stirn bevor er dann Mario schrie, dass er soweit sei .

"Können wir dann nacher nochmal reden"
"Lukas möchte unbedingt das neue Spiel mit dir spielen"
"Ich hab dich was gefragt",erinnerte ich ihn doch er ignorierte mich nur und zog seine Schnürsenkel nochmal fest.
"Erik",setzte ich etwas genervt nach.  Es war doch nicht so schwer jemanden eine Antwort zu geben.

"Dann lass es doch ",murrte ich und baute so eine Art Mauer mit den Kissen ,damit ich in die Küche gehen konnte ohne Angst zu haben , dass Emily vielleicht vom Sofa fallen könnte.

Ich nahm mir ein großes Stück Kuchen und machte mir dazu noch einen Kaffee. Frustessen musste gerade einfach sein und war auch das einzige was gerade half.

"Wir reden später, okay?",hörte ich Erik plötzlich sagen,der sich von hinten anschlich,sodass ich beinahe den Kuchen fallen gelassen hätte. Gnade ihm Gott ,das dass nicht passiert ist ,denn dieses mal wäre das eindeutig nicht gut für ihn ausgegangen.

"Sei nicht sauer. Ich liebe dich und bis später ",rief er mir noch zu und schenkte mir sein schönstes Lächeln.
Verwirrt von seinem Verhalten nickte ich nur und ging kopfschüttelnd wieder ins Wohnzimmer. 

Wieso redet er nicht gleich mit mir und meint mich vorher ignorieren zu müssen ? Ganz werde ich ihn wohl nie durchschauen,aber es wäre so viel einfacher und wir könnten uns so viele Auseinandersetzungen ersparen.

"Wieso muss dein Papa nur so kompliziert sein ?",fragte ich Emily nachdenklich.
"Vielleicht ist Papa nicht kompliziert,sondern du ",schaltete sich Lukas ein und hatte dasselbe Grinsen wie Erik vorhin auf den Lippen.
"Werd mal nicht frech ",lachte ich und wuschelte ihm leicht durch die Haare.

A little too much | Erik DurmGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt