Kapitel 78

609 34 4
                                        

„Sag uns Bescheid sobald du mehr weißt,ja?“,meinte Christine.
„Ich meld mich bei euch, wenn ich bei ihm war. Drück meine Babys von mir“
„Mach ich“,sagte sie noch und legte danach auf. Ich ließ mein Handy zurück in meine Tasche gleiten und stand von dem unbequemen Stuhl auf, um nach einen Arzt zu suchen, denn schon vor einer Stunde hieß es ich könne gleich zu ihm und jetzt warte ich immer noch hier.

„Entschuldigen Sie, könnten Sie mir sagen wie ich zu Erik Durm komme? Ich warte jetzt schon über eine Stunde“,erklärte ich der Krankenschwester.
„Das tut mir sehr leid. Es ist heute ein wenig chaotisch bei uns. Ich bringe Sie sofort zu ihm“,meinte sie freundlich und stoppte nach wenigen Metern vor einem Zimmer.
„Vielen Dank“,lächelte ich und klopfte an der Tür bevor ich sie öffnete und in den Raum ging.

„Hey“,begrüßte ich Erik und versuchte ihn aufmunternd anzulächeln.
„Hi“,kam es nur von ihm und war noch nicht mal in der Lage mir dabei in die Augen zu sehen.
„Wie geht’s dir?“,fragte ich ihn und bekam dafür einen Blick von ihm, der genügte um zu wissen, dass ich diese Frage besser hätte lassen sollen.
„Wie würde es dir gehen, wenn dein Knie komplett am Arsch wäre?“, fuhr er mich an. Ich wusste ja, dass er wahrscheinlich nicht gerade die beste Laune haben würde, aber mich anzumotzen brachte ihm ja auch nichts. Ich war ja nun wirklich nicht Schuld an seiner Verletzung.

„Guten Tag“,wurde ich von dem Arzt, der gerade eben den Raum betrat, freundlich begrüßt.
„Hallo“,meinte ich nur und versuchte nicht so angepisst zu klingen.
„Ich wünschte ich könnte Ihnen bessere Nachrichten überbringen, aber wir müssen sie leider am Knie operieren“
Erik schloss die Augen und nickte nur. Auch er hatte, genauso wie ich, noch ein wenig Hoffnung, das er einer Operation entkommen konnte, doch leider war dies nicht der Fall.
„Wir operieren sie gleich heute Abend noch“,meinte der Arzt.
„Das wird schon wieder“,sagte er optimistisch woraufhin Erik einen gehässigen Lacher ausstieß.

„Vielleicht solltest du deine negative Einstellung mal ablegen. Du kannst an der jetzigen Situation sowieso nichts ändern“
„Tut mit leid, dass mir gerade nicht nach lachen ist“,begann er schon wieder seine schlechte Laune zu verbreiten.
„Ich hab bei dem Hotel angerufen, dass wir leider verhindert sind und die Kinder schlafen dieses Wochenende trotzdem bei deinen Eltern“,brachte ich ihn auf den neuesten Stand und schnappte mir den Stuhl um mich an Eriks Bett zu setzen.
„Super“

„Ich fahr nach Hause und hol dir ein paar Sachen“,beschloss ich kurzerhand, denn mit ihm konnte man sowieso nicht normal reden.
„Brauchst du irgendwas spezielles?“,fragte ich ihn und sah ihn abwartend an doch er blieb stumm, weshalb ich ebenfalls ohne noch ein Wort zu sagen sein Zimmer verließ.

***

Ich versuchte zwar so schnell es ging die wichtigsten Sachen für Erik zu packen um ihn nochmal zu sehen,bevor er operiert wird, doch ich bin zu spät gekommen. Er war nicht mehr in seinem Zimmer als ich zurückgekommen bin, also hätte ich mir den Stress zu Hause auch sparen können,aber es konnte ja niemand wissen,dass die ihn sofort operieren. Es hieß heute Abend und jetzt war es gerade erstmal fünf Uhr.

Nachdem ich Eriks Klamotten in den Schrank geräumt hatte und mir das warten zu langweilig wurde, beschloss ich mir einen Kaffee zu holen. Wer weiß wann Erik wieder in sein Zimmer gebracht wird, womöglich wird es recht spät und dann penn ich auch noch ein. Ich will wenigstens nach der Operation für ihn da sein, wenn ich schon vorher nicht da war.

Gerade als ich dabei war mir einen Kaffee runter zu lassen, hörte ich meinen Namen.
"Hm?",war das einzigste was von mir kam.Zu sehr war ich auf den Kaffee konzentriert.
"Weißt du schon was von Erik?" Ich drehte mich um und wie ich schon vermutet hatte stand Marco vor mir und auch Mats war mitgekommen.

"Er wird gerade operiert",meinte ich und nahm einen Schluck von meinem Kaffee.
"Wir haben gehofft,dass es nicht so schlimm ist",kam es von Mats. Das hab ich auch gehofft.
"An eurer Stelle würde ich wieder nach Hause fahren, denn ich weiß nicht wie lange er noch operiert wird.
Außerdem ist seine schlechte Laune zum Kotzen also würde ich ihn nicht unbedingt besuchen" Es war zwar nett von den beiden,dass sie nach ihm sehen wollten, aber Erik sollte nicht noch mehr Leute vergraulen.

"Das wird besser mit der Zeit. Vielleicht muntert es ihn auf wenn du ihm sagst, dass wir gewonnen haben"
"Ich sag ihm, dass ihr da wart"
"Wenn was ist, ruf mich an, okay? Lukas und Emily können sonst gerne ein paar Tage bei uns bleiben",meinte Mats fürsorglich.
"Danke, aber die beiden sind sowieso bei Erik's Eltern, weil wir dieses Wochenende eigentlich wegfahren wollten" Statt ein paar entspannten Tagen mit Erik darf ich nun anstrengende Tage im Krankenhaus verbringen . Ich könnte mir ja nichts Schöneres vorstellen.

"Du haltest uns doch auf dem laufenden?"
"Ja und jetzt verschwindet und feiert euren Sieg bevor ich euch noch mit meiner schlechten Laune anstecke",meinte ich und machte mir erst gar keine Mühe meine beschissene Laune zu verstecken.

Mit dem Kaffeebecher ging ich zurück in Eriks Zimmer und wartete dort.Keine Ahnung wie lange ich auf dem Stuhl saß und die weiße Wand vor mir anstarrte, aber es musste schon eine Weile gewesen sein, denn die Krankenschwester erkundigte sich ob bei mir alles in Ordnung sei.  Nach einer weiteren halben Ewigkeit ging dann aber endlich die Tür auf und Erik wurde hereingebracht.
"Wollen Sie nicht lieber nach Hause gehen?",fragte mich die Krankenschwester. Ich verneinte ihre Frage und beobachtete noch wie sie die Tür hinter sich leise schloss um Erik nicht zu wecken.

Ich schob den Stuhl noch ein Stück näher an Eriks Bett und nahm vorsichtig seine Hand. Immer wieder strich ich mit meinem Daumen sanft über seinen Handrücken und merkte wie meine Augenlieder immer schwerer wurden.

A little too much | Erik DurmGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt