Kapitel 63

1K 55 18
                                        

"Alles gut ? Soll ich einen Krankenwagen rufen ?",fragte sie mich hektisch und lief im Wohzimmer überfordert auf und ab.
"Geht schon wieder",murmelte ich, ließ aber trotzdem nicht von meinem Bauch ab . Es hatte sich wie ein Stich angefühlt und dann ließ der Schmerz sofort wieder nach .
"Wirklich? Wollen wir nicht trotzdem ins Krankenhaus? Nur so zur Sicherheit ? "
"Ich ruf nachher noch bei meiner Frauenärztin an und frag sie ob sie morgen einen Termin für mich hat" Ich war vor wenigen Stunden noch bei der Kontrolle . Mit dem Baby konnte unmöglich etwas sein,weshalb ich nicht so aufgeregt wie Liv war.
"Ich erledige das für dich. Du nimmst ein Bad oder eine Dusche und dann legst du dich schlafen . Keine Widerrede",meinte sie und schob mich sanft zur Treppe,die ich mich mühsam hoch quälte.

Bevor ich ins Bad ging, sah ich noch bei Lukas vorbei . Friedlich ,ohne zu wissen was dort unten eben vor sich gegangen ist ,spielte er in seinem Zimmer.
"Alles gut mein Kleiner ?"Ich bekam eine Nicken seinerseits .
"Liv hat gesagt, alle schwangeren Frauen sind manchmal komisch. Stimmt das ?",fragte er mich.Dieses Mal war ich diejenige,die nickte.
"Das ist irgendwie komisch",meinte er und widmete sich wieder seinen Spielzeugautos.

***

"Bitte versuch zu schlafen,okay? Deine Frauenärztin hat gesagt du brauchst viel Ruhe",sagte Liv streng. Es war komisch wenn sie mich so bemutterte . Eigentlich war ja ich die Mama unter uns beiden. Immerhin hatte ich ein Kind und ließ da oft schonmal die Mama raushängen. Aber sie war dafür älter als ich .

"Ich versuch's"
"Gute Nacht. Wenn wann ist ,schrei einfach",meinte sie noch bevor sie die Tür hinter sich schloss und mich alleine ließ, obwohl ich nicht alleine sein wollte. An schlafen war gar nicht zu denken. Meine Gedanken gaben mir keine Chance zu Ruhe zu kommen. In meinem Kopf gab es nur noch Erik und diesen was-wäre-wenn Gedanken. War also wirklich jedes 'ich liebe dich' und jeder noch so gefühlsvolle Kuss oder andere Geste nur gespielt . Oder bildete ich mir die schöne heile Welt nur die ganze Zeit ein ? Wo er wohl hingefahren ist nachdem Liv ihn rausgeschmissen hat.

Mich überraschte es nicht,dass ich mit dem Gedanken an Erik in einen unruhigen Schlaf fiel .

Mitten in der Nacht schreckte ich hoch und setzte mich im Bett auf . Ich knipste meine Nachttischlampe an und sah auf die Uhr .Irgendwie fühlte ich mich unwohl . Etwas stimmte nicht.Ich rutschte im Bett zur Seite und erkannte einen großen Fleck .Ich konnte durch das schwache Licht ,das meine Lampe ausstrahlte nicht erkennen ob es Blut oder die Fruchtblase war .

"Liv, komm schnell",rief ich panisch . Was wenn doch etwas mit dem Baby war und ich ins Krankenhaus hätte fahren sollen ?
"Was ist passiert?",fragte sie mich und musste danach erstmal kräftig Luft holen . Sie war echt schnell aus der Puste fiel mir auf,aber die schlechte Kondition meiner Freundin war gerade definitiv mein kleinstes Problem.

"Die Fruchtblase ist geplatzt",informierte ich sie etwas ruhiger als zuvor . Sie hatte beim Reinkommen das Licht angemacht, sodass ich den Fleck besser erkennen konnte. Gott sei Dank war es kein Blut,sondern meine Fruchtblase die eben geplatzt war. Aber zwei Wochen zu früh . Das Baby sollte doch erst in zwei Wochen kommen.

"Ab ins Krankenhaus . Kannst du gehen oder soll ich dir helfen ?" Sie wirkte erstaunlich entspannt.
"Ich schaff's allein runter. Weck du Lukas auf und such deinen Autoschlüssel"
Ich schwang meine Beine über die Bettkante und wechselte meine nasse Jogginghose gegen eine frische . Langsam um ja nichts zu überstürzen ging ich die Treppe runter und bekam mit wie Liv unten mit jemanden telefonierte. Ganz wichtig jetzt zu telefonieren , stattdessen könnte sie mir auch helfen . Du wolltest aber keine Hilfe , erinnerte mich meine innere Stimme.

"Liv",murmelte ich und hoffte einfach nur,dass sie mich gehört hat 
"Ich muss auflegen",sagte sie ohne jegliche Emotionen ins Telefon und stützte mich,sodass ich ohne einen Sturz die Treppe runter kam .

"Lukas sitzt schon im Auto und Erik hab ich informiert",meinte sie, schloss die Haustür hinter uns und half mir beim Einsteigen ins Auto.
"Auf was wartest du",patzte ich sie an.

"Wohin fahren wir, Mama ?",nuschelte Lukas verschlafen und rieb sich seine Augen .
"Deine kleine Schwester kommt fürher als gedacht ",erklärte ich ihm mit einem Lächeln, verzog jedoch gleich wieder mein Gesicht,da die nächste Wehe kam.

"Kannst du mal ein bisschen schneller fahren, sonst krieg ich das Baby noch in deinem Auto ",motzte ich rum. Sonst fährt sie auch wie ein Irre und bei einem Notfall kroch sie wie eine Pensionisten Oma herum.
"Ich fahr ja schon ",meinte sie lachend und stieg endlich mal aufs Gas.

Sie blieb irgendwo im Parkverbot stehen, schnallte Lukas vom Kindersitz ab und öffnete mir die Autotür. Dankend sah ich sie an und ergriff ihre mir entgegen gestreckte Hand.

"Ist hier irgendwo so ein scheiß Arzt ,der meiner besten Freundin helfen kann ?",rief sie aufgebracht und stürmte mit Lukas an der Hand zu der nächst besten Krankenschwester. 
"Was hat ihre Freundin denn ?"
Was ich habe ? Ist mein Babybauch irgendwie zu übersehen? Da hat wohl jemand vergessen die Brille aufzusetzen.

"Ich bekomm gleich mein Baby also bringen sie mich sofort in den Kreissaal",presste ich unter den ständigen Wehen hervor.

***

"Sie sind zwei Wochen zu früh dran",meinte der Arzt .
"Weiß ich"
"Nun ich denke,dass sollte aber keine Probleme darstellen . Möchten Sie Ihre Freundin dabei haben?",fragte er mich . Ich nickte. Der Arzt informierte die Krankenschwester darüber und kurz darauf trat Liv zögerlich ins Zimmer. Ich deutete ihr näher zu mir zu kommen . Jemand musste meine Hand halten , so wie es Erik beim letzten Mal gemacht hatte , anders pack ich das nicht .
"Wo ist Lukas?"
"Eine Krankenschwester kümmert sich um ihn " Beruhigt nickte ich.

"Ich will wissen wo meine Freundin ist . Ist das so schwer zu verstehen?",rief jemand laut und platzte danach einfach ins Zimmer rein . Ich erkannte schon an der Stimme,das es Erik war . Liv hatte ihn ,onwohl ich es nicht wollte, angerufen.

"Hör mir nur kurz zu, okay? Ich hab mich mit Lena getroffen und wir waren früher auch mal zusammen,aber der Grund weshalb wir uns getroffen haben war ein anderer.Ich liebe nur dich ",sagte er ohne Luft zu holen.
"Rauß",meinte ich kalt und deutete auf die Tür .  Seine Ex . Schön er traf sich mit seiner Ex .
"Was ?"
"Bringen Sie ihn bitte raus",richtete ich mich an eine der Krankenschwestern.

"Fassen Sie mich nicht an",fuhr er diese an .
"Ich möchte dabei sein wenn meine Tochter auf die Welt kommt"
"Ich will dich bei der Geburt aber nicht dabei haben",flüsterte ich .

"Hast du mir eben nicht zugehört? Lena und ich sind befreundet, nicht mehr.Ich liebe nur dich",fragte er mich verzweifelt und kam näher an mein Bett ran .
"Okay. Ich will trotzdem das du jetzt gehst",brachte ich schweren Herzens über meine Lippen. Ich wich seinem Blick aus und wartete bis er endlich den Raum verließ.

"Ich weiß,dass du nicht willst ,dass ich gehe. Irgendjemand muss ja deine Hand halten",lächelte er zaghaft und nahm meine Hand in seine,die ich gleichmal fast zerquetschte ,da die nächste starke Wehe kam.
"Liv ist doch bei mir",meinte ich zu ihm worauf er langsam seine Hand wegzog und ein paar Schritte zurück ging . Das Zimmer verließ er trotzdem nicht ,aber ich sagte nichts.

"Oh verdammte scheiße. Wieso musstest du mich wieder schwängern?",rief ich angepisst in seine Richtung worauf er ,so wie alle anderen im Raum , herzaft zu lachen begann.

A little too much | Erik DurmGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt