Kapitel 79

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"Entschuldigung?",hörte ich eine leise Stimme hinter mir sagen und vernahm ein gekünsteltes Räuspern.
"Entschuldigen Sie",wiederholte sich die Person und rüttelte mich leicht an meiner Schulter.
"Ich bin wach",rief ich und fuhr erschrocken mit meinem Kopf hoch, um zu sehen wer mich aus meinem Schlaf gerissen hat. Verwirrt sah ich die Krankenschwester, die vor mir stand an und erst jetzt fiel mir wieder ein,dass ich ja im Krankenhaus war. Ich musste gestern wohl hier eingeschlafen sein. Okay, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich hier einpennt bin, denn meine Nackenschmerzen verraten mir, dass ich wohl im Sitzen eingeschlafen bin,was nicht besonders klug war.

"Morgen",murmelte ich verschlafen und sah zu Erik, der im Gegensatz zu mir schon richtig wach war.
"Gut geschlafen?",versuchte ich ein Gespräch zu beginnen, doch ich hatte ihn schon wieder mit dem falschen Fuß erwischt.
"Wie soll ich denn bitte geschlafen haben wenn du halb auf mir liegst und ich Schmerzen habe?"
"Tut mir leid,dass ich es gut gemeint habe und die Nacht hier geblieben bin damit du nicht alleine bist, aber anscheinend wäre es wohl besser gewesen dich alleine zu lassen, denn dir geht doch sowieso alles und jeder am Arsch vorbei",maulte ich ihn an verschwand im Badezimmer, wo ich mich am Waschbecken abstützte und mein Spiegeblid genauestens musterte. Meine Augenringe waren kaum zu übersehen und meine Mascara war definitiv nicht mehr dort wo sie hingehört. Ganz zu schweigen von dem Vogelnest, das sich auf meinem Kopf gebildet hat. Ich gab mein bestes um wenigstens ganz okay auszusehen, um auf dem Weg zum Kaffeeautomat keine Leute mit meinem Aussehen zu erschrecken.

Gerade als ich mit einem Kaffee in der Hand zurück kam, beobachtete ich wie eine Krankenschwester genervt aus Eriks Zimmer heraus kam. Sie schien wohl auch schon etwas von seiner miesen Lauen abbekommen zu haben , denn eigentlich hatte ich sie ganz freundlich in Erinnerung.

"Er ist normalerweise nicht so",entschuldigte ich mich für ihn.
"Sie müssen sich nicht bei mir entschuldigen .Ihm scheint die Verletzung ziemlich mitzunehmen und jetzt lässt er alles an den anderen raus. Ich bin das eigentlich schon gewohnt, aber sie wirken  so als hätten Sie sich schon so einiges anhören dürfen"
"Da muss ich wohl durch",meinte ich und zwang mir ein Lächeln auf bevor ich zurück zu Erik ging.

"Kann ich irgendetwas für dich tun?",fragte ich ihn und erwartete erst gar keine freundliche Antwort.
"Nein"
"Mats und Marco waren gestern übrigens hier. Ich soll dir ausrichten,dass ihr das Spiel gewonnen habt", meinte ich und versuchte Blickkontakt mit ihm aufzubauen,doch sein Blick war starr auf seinen eingebundenen Fuß gerichtet.

"Ich hab gesagt,dass ihr gewonnen habt",wiederholte ich mich, aber das ganze interessierte ihn kein Stück, denn ich bekam wieder keine Antwort.
"Ist es so schwierig mit mir zu reden? Ich kann doch auch nichts dafür, dass du verletzt bin, also hör auf mich zu ignorieren",fuhr ich ihn angepisst an. Womöglich sollte ich besser nach Hause fahren, denn es war sinnlos länger hier zu bleiben. Außer ein paar Beleidigungen hatte er sowieso nichts zu sagen und auf diese Bemerkungen konnte ich gut verzichten.  Morgen ist ein neuer Tag und Marco meinte ja, dass es von Tag zu Tag besser wird, nur hab ich von gestern auf heute keine wirklichen Unterschied gemerkt. Es war fast so als wäre seine Laune noch weiter gesunken , falls das eigentlich noch möglich war. 

"Ich fahr nach Hause. Wenn was ist oder du etwas brauchst,ruf mich an. Ich komm dann morgen wieder",informierte ich ihn obwohl ich mir sicher war,dass es ihm sowieso egal war. Ich drückte ihm einen Kuss auf die Wange und verließ danach das Krankenhaus. Er tat mir schon ein wenig leid, dass ich ihn jetzt alleine ließ, aber was hätte ich denn tun sollen. Vielleicht wird ihm erst klar, wenn ich nicht mehr da bin,dass er eigentlich doch froh ist, wenn jemand bei ihm ist.

"Was gibt's?",fragte ich ins Telefon.
"Gibt es was Neues von Erik?",kam es neugierig von Christine.
"Die OP ist gut verlaufen und das Knie sollte auch wieder werden"
"Das klingt doch gut. Darf man ihn schon besuchen?"
"Ja, aber falls du das vorhast, rate ich dir davon ab, denn entweder ignoriert er dich oder er motzt dich an"
"Ich wollte ihn eigentlich mit Lukas besuchen gehen, weil er darauf besteht seinen Papa zu sehen, aber wenn er nicht so gut gelaunt ist, sollten wir das eher lassen",stellte sie fest.

"Aber ich könnt ja zu mir kommen. Ich vermiss die beiden eh schon und etwas Ablenkung vom Krankenhaus hab ich dringend nötig"
"Das glaub ich dir sofort"
"Dann mach ich gleich mal Kaffee",meinte ich und legte danach auf.

***

"Wieso können wir nicht zu Papa?",fragte mich Lukas enttäuscht und verschränkte die Arme vor seiner Brust.
"Papa muss doch schlafen,weil sein Knie kaputt ist und du willst doch das Papa wieder gesund wird, oder?",redete ich mich raus um heute nicht mehr ins Krankenhaus fahren zu müssen.
"Das ist voll gemein",schmollte er.
"Wir besuchen ihn doch morgen", versuchte ich ihn aufzumuntern doch das interessierte ihn nicht im geringsten. Er drehte mir den Rücken zu und vergrub sein Gesicht in einem Kissen, was er immer machte, wenn er gerade schmollte.

"Ich kann doch mit Papa wieder Fußball spielen, oder?",fragte er mich und sah mich mit seinen verweinten Augen an.
"Natürlich, mein Schatz, aber Papa braucht jetzt viel Ruhe, okay?"
"Okay",murmelte er woraufhin ich ihn in meine Arme zu und ihm beruhigend über den Hinterkopf strich.

"Möchtest du heute in unserem Bett schlafen?",fragte ich Lukas und wusste von Anfang an schon,dass eine Antwort ja sein wird.
"Und du darfst dir auch aussuchen welchen Film wir gucken",setzte ich noch eins drauf um ihn ein Strahlen zu entlocken.
"Wirklich?",nuschelte er in meine Halsbeuge.
"Na geh schon bevor ich es mir noch anders überlege",lachte ich und sah ihm hinterher wie er ins Schlafzimmer sauste.

A little too much | Erik DurmGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt