Erik blinzelte ins trübe Sonnenlicht und musste die Augen sofort wieder schließen. Langsam ließ er den Kopf zurück auf die Tischplatte sinken, von der er ihn grade erst gehoben hatte. Sein Schädel fühlte sich an, als wollte er zerspringen. Eine Weile lag er einfach nur so da und wartete darauf, dass die schmerzen nachließen. Das kühle, glatte Holz an seiner Stirn tat zumindest etwas, das tiefe Dröhnen zu dämpfen. Erst dann öffnete er die Augen erneut und sah sich um, möglichst, ohne den Kopf dabei schnell zu bewegen.
Sonnenlicht sickerte durch ein Fenster hinter ihm und gedämpfter Lärm drang durch die milchigen Scheiben des Gasthauses. Es war also bereits helllichter Tag.... Dutzende von Tischen und Stühlen, auf denen noch leere Gläser und Flaschen standen, machten den Großteil der Inneneinrichtung aus. Der Dielenboden knarrte, als Erik sich aufrichtete und an sich herab sah. Sofort wurde ihm wieder schwindlig und er sackte zurück, während das Fass auf dem er saß gefährlich schwankte. Götter, was war gestern eigentlich passiert? Langsam griff er nach oben auf seinen Kopf, als ihm schließlich klar wurde, dass der ungewohnte Druck, der darauf lastete, nicht nur von seinem Kater kam. Unsicher betrachtete er den verschlissenen Filzhut den er mit einem Mal in den Händen hielt. Ihm gehörte das Stück sicher nicht...
Er setzte sich vorsichtig ganz auf. Noch in der Bewegung merkte er wie etwas aus den Taschen seines Mantels rutschte und auch aus den Falten seiner Kleidung. Klirrende Münzen schlugen auf dem Boden auf und glitzerten Silbern und Gold in der Morgensonne. Wo kamen die den her? Erik betrachtete sich eines der Geldstücke, das noch in seinen überquellenden Taschen geblieben war, genauer. Das war massives Gold mit einem in Silber gehaltenen Drachen darauf... Das Wappen der Kaiserfamilie.
Erik ließ die Münze wieder in seine Tasche wandern und sah sich nun in die andere Richtung um. Größtenteils bot sich ihm das gleiche Bild wie zuvor. Gläser und Flaschen und Scherben und Tische... Ein paar Säulen stützten eine abgesenkte Decke unter der sich ein einfacherer Tresen befand. Lediglich ein einziger Mann mit hellrotem Bart und Haaren in der gleichen Farbe saß daran und polierte die noch heilen Gläser. Als er Erik bemerkte, war dieser sich nicht sicher, ob er wegen der Sauferei hier besser weglaufen sollte oder nicht. Doch der Fremde, bei dem es sich wohl um den Wirt handeln musste, machte keine Anstalten aufzustehen.
,, Auch endlich wach ?" , fragte er stattdessen und klang dabei alles andere als unfreundlich.
,, Es scheint so..." Er rieb sich den Kopf und rutschte von dem Fass auf die Füße. ,, Ihr könnt mir nicht zufällig verraten ob ihr euch noch an einen Wolf in meiner Begleitung erinnert ? Schwarzes Fell , guckt ziemlich bösartig, versteht keinen Spaß?"
,, Der einzige Gejarn an den ich mich gestern Abend erinnere hat definitiv Spaß verstanden. Und er hat meine halbe Kundschaft unter den Tisch getrunken. Euch übrigens eingeschlossen. Wenn ich mir seinen Namen nur merken könnte. Irgendwas wie Cyrken... Cyarkan...."
,, Cyrus." , verbesserte Erik den Mann rasch, der ihm darauf nur einen verwirrten Blick schenkte.
,, Ich bin mir ziemlich sicher das genau das nicht sein Name war."
,, Solange er mir auf die Nerven geht ist er es." Erik stützte erneut einen Moment den Kopf in die Hände. ,, Ihr hättet nicht zufällig ein Glas Wasser für mich ? Oder könntet mir verraten, wo sich Cyrus jetzt befindet?"
,, Beides." , meinte der Mann, ehe er Wasser aus einem Fass hinter der Theke schöpfte und in ein Glas füllte. ,, Wobei ich euch eigentlich nur das weiter trinken empfehlen kann, wenn ich ihr wäre."
,, Ich muss euch für das alles irgendwie bezahlen." Er winkte in Richtung des verwüsteten Schankraums. Erik graute schon bei dem Gedanken, doch der Wirt lachte lediglich.
