Tatsächlich kamen sie überraschend schnell voran, wie Erik fand. Was auch daran liegen mochte, das Mhari ein schnelles Tempo vorlegte und wo der Wolf noch leicht mit ihr mithalten konnte, fiel er selbst schon bald hinter die beiden zurück und trottete als Schlusslicht ihrer Gruppe hinterher.
Weit allerdings kamen sie am ersten Tag zum Glück eh nicht mehr. Einige Stunden nach dem sie Aufgebrochen waren, begannen die Wälder langsam dunkel zu werden und sie mussten sich wohl oder übel damit abfinden, sich im freien einen Platz zum Schlafen zu suchen. Immerhin war der Herbst bisher relativ mild geblieben, dachte Erik, als sich die kleine Gruppe im Schutz einiger niedriger Tannen zusammen kauerte. Trotzdem hätte er am liebsten ein Feuer entfacht, aber das ließ Mhari nicht zu und obwohl der Wolf nichts sagte, konnte Erik ihm ansehen, dass er wohl das gleiche dachte. Noch waren sie nicht außer Gefahr, sollte man nach ihnen suchen. Und ein Feuer mitten in der Finsternis würde jeden Verfolger im näheren Umkreis sofort auf sie aufmerksam machen. Also fügte er sich schließlich in sein Schicksal, hüllte sich so gut es ging in seinen Mantel und lehnte sich an einen Baumstamm. Der dünne Stoff bot allerdings nicht wirklich viel Schutz vor der Kälte und das er seit einem Tag nichts gegessen hatte machte die Sache auch nicht besser. Missmutig sah er zwischen den zwei Gejarn hin und her, denen zumindest die Witterung kaum etwas auszumachen schien. Oder besser dem einen. Mhari jedenfalls konnte er nicht mehr erkennen, auch wenn das bei dem schwindenden Licht nichts hieß. Vielleicht war er ja auch wirklich kurz weg genickt. Jedenfalls war im Augenblick nur noch der schwarze Wolf da, der ihn durch das Halbdunkel musterte.
,, Was denn ?" fragte er als er Cyrus fragenden Blick des Wolfs nicht länger ertrug. ,, Da man mir ja leider Verboten hat Feuer zu machen bin ich leider der einzige hier, der frieren muss. Du musst dir keine Sorgen mehr um deine Schuld machen wenn ich bis morgen erstarrt bin. Ansonsten findest du besser was warmes, das wäre jetzt ein Lebensretter..."
Mit diesen Worten lehnte er sich wieder zurück und versuchte halb liegend zumindest so etwas wie Ruhe zu finden. Schlafen würde er jedenfalls nicht, so viel stand fest. Als Erik ein entnervtes Seufzten hörte, öffnete er die Augen allerdings wieder einen Spalt breit und bekam grade noch mit wie sich ein großer, schwarzer Schatten neben ihn setzte.
,, Weißt du man könnte fast meinen du meinst so was ernst, wenn man dich so reden hört. Du hast mir mal gesagt du hältst mich für intelligenter als das was ich.. darstelle könnte man wohl sagen. Das gleiche gilt für dich. "
,, Ich halte die Leute ebne gerne fern." , meinte Erik. ,, Jemanden der mich versteht finde ich ja doch nicht. Selbst du glaubst doch das ich verrückt bin." Wenigstens war ihm mit dem großen Fellknäul neben sich nicht mehr ganz so kalt.
,, Ein wenig seltsam ja. Aber nicht verrückt." Der Wolf grinste. ,, Ich glaube du willst den Leuten wirklich helfen. Und würde ich das nicht glauben wäre ich kaum so lange bei dir geblieben. Meine Schuld zwingt mich nicht anderen zu Schaden. ,, Aber warum ?"
,, Warum was ?"
,, Warum liegt dir so viel daran zu helfen obwohl du immer nur abweisend bist ? Du willst keinen Dank, darum geht es dir nicht. Und wenn es dir um Anerkennung gehen würde, hättest du Aufgegeben nachdem man dich in Vara abgewiesen hat. Du wirst jetzt nie offiziell als Heiler arbeiten. Und seien wir ehrlich es wird dir nicht die Sympathie deines Volkes einbringen, Gejarn zu retten."
,,Nein. Das kaum. Die Leute verurteilen was der Kaiser tut, aber wenn sie ein paar Wälder für Ackerland niederbrennen und niemand die ansässigen Clans auch nur warnt nun... das scheint ihnen nicht verwerflich. Der Großteil aller Menschen und Gejarn ist dumm, Cyrus. Sie suchen sich gegenseitig zu überforteilen und zu vernichten nur aus Angst, jemand anders könnte sonst mehr bekommen als sie. Selbst wenn dieses mehr für denjenigen grade genug zum Leben bedeutet. Und ich habe akzeptiert, dass ich daran nichts ändern werde. Oder will. Aber ich kann meinen Teil tuen, das sie sich dabei nicht gegenseitig in Stücke reißen."
