Kapitel 23

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,, Ich will wissen, was da drin ist." , verkündete Erik und nickte in Richtugn der zwei großen Steinbauten am äußeren Ende der Gejarnsiedlung. Mit auf den Rücken verschränkten Händen lief er vor der kleinen Hütte auf und ab, die er sich mittlerweile mit Cyrus teilte. Das Haus war um einiges kleiner als seine alte Behausung in Vara, aber ihm machte das nichts aus. Im Gegenteil. In den fast zwei Wochen, die sie jetzt schon hier waren, hatte er die leichte Bauweise der Gejarn tatsächlich schätzen gelernt. Die dünnen Mauern hielten die Hitze des Tages erstaunlich gut draußen und sorgten gleichzeitig dafür, dass jeder Lufthauch und vor allem die kühlen Nächte das Innere des Gebäudes erreichten. Draußen sah die Sache schon anders aus. Der Boden unter Eriks Füßen war so trocken, das sich Risse darin gebildet hatten und der Wind wirbelte beständig roten Staub auf, der diesem Ort seinen Namen gegeben hatte. Lediglich direkt am Flussufer, wo die Felder der Gejarn lagen, war es etwas besser und jetzt gegen Mittag zogen die meisten Einwohner sich auch dorthin oder in ihre Häuser zurück um entweder bei der Ernte zu helfen oder daheim im Schatten kleinere Dinge wie Beutel , Kleidung oder Werkzeuge anzufertigen. Und so, war die Siedlung zu diesem Augenblick bis auf den Menschen und den Wolf fast ausgestorben. Wenn es je eine Gelegenheit gegeben hatte, sich anzusehen, was Mhari noch alles vor ihm verbergen wollte, dann jetzt. Immerhin, sie hatte ihm die Tränen gezeigt, also was mochte sich dort nur verbergen, das sie trotzdem nicht wagte, ihn darin einzuweihen?

,, Das hast du jetzt schon ein paar Mal gesagt." , bemerkte Cyrus trocken. ,, Und warum kannst du nicht einfach warten ?"

,, Cyrus... diese Frau hat acht Tränen in ihrem Besitz. Und ich keine Ahnung was sie vielleicht damit vorhat. Die Wahrheit jedenfalls sagt sie uns nicht. Götter sie könnte noch sonst was vor uns verbergen... "

,, Sicher das dir nicht einfach langweilig ist ?" Der Wolf lehnte im Schatten der Hauswand und kaute auf einem abgeknickten Weizenhalm herum. Cyrus hingegen hockte auf einem kleinen, grob gezimmerten Schemel und folgte seinem Hin und her mit den Augen. Im trocknen Staub des Bodens hatte sich bereits eine deutliche Spur gebildet, sie seinen Weg markierte. Öde ja, dachte er. Das Traf den Nagel auf den Kopf. Die meisten Verletzten, die bei seiner Ankunft Hilfe gebraucht hatten, befanden sich mittlerweile wieder auf dem Weg der Besserung... oder würden während ihrer letzten Tage zumindest keine Schmerzen mehr leiden. Er konnte nicht alle retten. Zumindest damit hatte Mhari wohl Recht. Aber er würde sicher niemals die Hände in den Schoß legen und einfach abwarten... Und nachdem er einige Voreilige Gejarn-Heiler davon überzeugt hätte, das es wirklich keinen Sinn hatte einen Fiebernden und an Blutverlust leidenden Gejarn noch mehr Blut abzunehmen, konnten die meisten mittlerweile auch ohne seine Aufsicht arbeiten. Sie lernten schnell... und sie lernten gerne und Erik hatte sich seinerseits von ihnen zeigen lassen, was sie über Heilkunst wussten. Ihre Sammlung an Gedichten und mündlich weitergegebenen Wissen über die Wirkung von Kräutern und Pflanzen war fast unüberschaubar groß , aber dafür verstanden sie wenig davon wie oder wieso etwas wirkte. Erik hingegen konnte dieses Wissen ergänzen. Doch abgesehen davon gab es für ihn fast nichts zu tun und so hatte er begonnen sich Beschäftigung zu suchen.

Ein paar Bögen Pergament lagen zwischen einigen Steinen in der Nähe des Hauses aufgestapelt zum Trocknen. Skizzen und Zeichnungen, die Erik in den letzten Tagen angefertigt hatte, vom Dorf, von den Ruinen, vom Tal selbst und einigen Gejarn bei Arbeit und Zeremonien. Wenn sie noch viel länger hier bleiben würde noch ein kleines Buch daraus, dachte er, während er sich dazu entschloss, endlich etwas nützliches zu tun und die Zeichnungen und Löschpapierstreifen von ihren Gewichten befreite. Eine Skizze des ganzen Dorfes, wie es auf der Halbinsel zwischen den Kurven des Flusses lag, befand sich ganz zu Oberst und Erik hielt sie einen Moment gegen das Licht der Sonne. Und natürlich wanderte sein Blick zu den zwei Steinbauten am äußeren Ende des Dorfes. Die Neugier ließ ihn nicht los, auch wenn Mhari gesagt hatte, das er mit der Zeit schon verstehen würde. Die Gejarn ihrerseits hatte sich in den letzten Tagen ebenfalls rar gemacht. Anscheinend waren die Planungen für die Ankunft ihrer Verbündeten aus den freien Königreichen bereits im vollen Gange. Vorräte mussten herbei geschafft und Feuerholz gesammelt werden und gleichzeitig musste auch für Unterkünfte für ihre Gäste gesorgt werden. Doch Erik ließ man dabei außen vor, selbst wenn er seine Hilfe anbot. Das Vertrauen der heiler hatte er gewonnen und was die übrigen Gejarn angeht, so ließ ihn zumindest niemand spüren, das sie ihm misstrauen würden. Aber sie erlaubten auch nicht, dass er ihnen ins Handwerk pfuschte. Eigentlich sogar verständlich. Er würde auch nichts Derartiges zulassen, wenn es um seine Patienten ginge. Erik legte die Zeichnung wieder bei Seite. Noch war das ganze Dorf wie ausgestorben. Nur ab und an konnte man vereinzelte Gestalten sehen, die von den Feldern zurück kehrten um sich etwas in den Schatten auszuruhen. Jetzt oder nie. Sein Entschluss stand.

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