Entnervt raufte Draco Malfoy sich seinen hellblonden Haarschopf. ,,Verdammt, wenn das so weiterläuft wie bisher, dann werde ich dieses Kabinett niemals repariert bekommen."
,,Was hast du gesagt Draco?" Sein Freund Blaise Zabini hatte das Buch beiseite gelegt, in welchem er schon den ganzen Abend las und musterte ihn nun mit einem neugierigen Blick. Gedanklich verdrehte Draco die Augen gen Himmel. Musste er denn ausgerechnet jetzt den Kriminalroman zur Seite legen und ihm seine Aufmerksamkeit schenken? ,,Ich habe gar nichts gesagt!", zischte er zornig und bereute es im nächsten Moment bereits wieder, als er sich einen missmutigen Blick von Blaise einfing. ,,Schon gut du musst mich nicht gleich so angehen, weißt du."
,,Es tut mir leid.", sagte er, während er sich nachdenklich die Stelle zwischen seinen Augenbrauen massierte. Wenn er diese Aufgabe wirklich ausführen wollte ohne dass ihm jemand dazwischen funkte – und daran bestand kein Zweifel – dann musste er alles daran setzen unbemerkt zu bleiben. ,,Schon in Ordnung.", erwiderte der schwarzhaarige. ,,Du siehst in letzter Zeit sehr mitgenommen und abgekämpft aus." Abgekämpft? Er konnte spüren wie ein ironisches Lächeln an seinen Mundwinkeln zupfte. Wenn Zabini wüsste was ihn so sehr mitnahm, würde er seinen Zustand nicht abgekämpft nennen. Hoffnungslos und zerbrochen. Das war er.
,,Es sind die Prüfungen, weißt du." Es war eine schwache Lüge, das wusste er. Das Schuljahr hatte gerade erst begonnen und die Prüfungen würden im Sommer nächsten Jahres stattfinden. Dass er deswegen schon gestresst sein sollte, war mehr als nur unglaubwürdig. Es war gerade zu lächerlich. Und doch hätte er in diesem Moment alles dafür gegeben, tatsächlich nur für die Prüfungen lernen zu müssen.
,,Ja. Ich hatte nur keine Ahnung dass du deswegen andauernd am lesen bist. Denn keines der Bücher sah so aus als hätte es etwas mit dem Unterricht zu tun gehabt." Der Hang von Misstrauen, welcher in Zabinis Stimme lag, ließ Draco unwillkürlich aufschnauben. Er wusste das sein Freund nicht aufgeben würde bis er ihm die Informationen entlocken konnte. Wieder einmal, hätte er sich am liebsten dafür geohrfeigt, dass er seinen Freunden das Mal auf seinem Unterarm überhaupt gezeigt hatte. Doch es hatte sich im Hogwartsexpress einfach richtig angefühlt. Er konnte sich noch genau daran erinnern, wie ihn das Gefühl von Geborgenheit auf einmal wie aus dem nichts umhüllt hatte. Es hatte ihn überrollt, wie eine Welle. Und ohne darüber nachzudenken hatte er seinen Freunden erzählt, dass er nun ein Todesser sei. Wie seine Eltern. Dass er einen Auftrag vom dunklen Lord bekäme sobald er in Hogwarts sei und dieser sein ganzes Leben verändern würde.
Wie richtig er damit jedoch lag, wurde ihm erst klar, als er das erste Mal vor dem zerstörten Kabinett gestanden und alle ihm bekannten Reparaturzauber ausprobiert hatte, die jedoch wirkungslos von dem großen Schrank verschluckt wurden, mit dem das Kabinett getarnt war.
,,Draco?" Die Stimme seines besten Freundes riss ihn aus seinen Gedanken. ,,Ja?" ,,Ich habe gesagt dass keines der Bücher den Eindruck erweckt..." ,,Ja, ja schon gut! Du hast recht.", unterbrach er Blaise in schroffem Ton, bevor dieser sich noch weiter in die Sache hineinsteigern würde und ihm am Ende womöglich doch noch Informationen entlockte. ,,Sie waren ein Zusatz zu dem Unterrichtsstoff. Um genau zu sein möchte ich dieses Jahr besonders gut abschneiden. Es ist unser Abschlussjahr, ich möchte nach der Schule eine Stelle im Ministerium antreten. Dafür brauche ich gute Noten." Und das war nicht einmal wirklich gelogen, ein gut bezahlter Beruf war schon immer sein Ziel gewesen.
,,Natürlich.", sagte Blaise gedehnt. ,,Seitdem du ein Todesser bist sind guten Noten wichtiger denn je. Ich verstehe." Seine hochgezogenen Augenbrauen untermauerten die Ironie seiner Aussage. Er glaubte Draco kein Wort. Deprimiert ließ dieser den Kopf hängen. Wenn er das gesamte Schuljahr solche Unterhaltungen führen musste, dann würde er am Ende des Jahres wohl wegen Mordes in Askaban sitzen. Bei diesem Gedanken stieg ihm ein trockenes Lachen die Kehle hinauf. Welch eine Ironie. Am Ende des Jahres würde er auch ohne Blaise und seine Versuche ihn zum reden zu zwingen, mit etwas Pech nach Askaban gehen. Denn wenn der Plan des dunklen Lords wirklich funktionierte, dann wäre er Schuld daran, dass hunderte unschuldige Menschen ums Leben kamen. Und würde er scheitern, nun, dann würde Voldemort nicht nur ihn, sondern auch seine Eltern töten.
DU LIEST GERADE
The Slytherin Diaries
FanfictionDraco Malfoy verzweifelt. Um das Leben seiner Eltern zu retten, muss er das Verschwindekabinett aus dem Raum der Wünsche reparieren. Die Mission scheint jedoch zu scheitern ehe sie richtig begonnen hat. In seiner Verzweiflung weiht Draco seine beste...
