Finn
In meinem Kopf hörte ich Noahs fröhliche Lache. Er war Sechs und ich sollte ihn unbedingt schneller anschubsen, denn er wollte die Wolken mit seinen Händen berühren. Immer und immer wieder lachte er, saß unbekümmert auf der Schaukel, während ich ihn anschubste und unsere Eltern zusahen.
"Luke halt an!", rief ich und er drückte erschrocken auf die Bremse. "Was ist passiert?" "Ich glaube, ich weiß wo er ist! Erinnerst du dich an den alten Spielplatz Acht Blocks von meinen Eltern entfernt? Wir waren da oft als Kinder! Noah liebte das Schaukeln!"
Luke verstand und wendete, fuhr wieder zurück.
Hoffentlich war er da!
Mit quietschenden Reifen hielt mein Kollege und da war ich auch schon aus dem Auto gesprungen und rannte das letzte Stück zu dem Spielplatz, sprang über das kleine verrostete Eisentor.
Es war schon längst dunkel, weswegen ich nicht sonderlich viel erkennen konnte.
Doch ich erkannte eine Gestalt, welche auf der Schaukel saß.
Vorsichtig hockte ich mich zu Noah, der Mond schien auf uns herab. Zögernd legte ich meine Hände an seine Wangen und hob seinen Kopf- erschrak, als ich all das Blut an seiner Nase sah.
Noah hatte nur eine graue Sweatshirtjacke an, welche ebenfalls am Arm blutig war. Vorsichtig schob ich den Stoff hoch und die ersten Tränen kamen mir hoch, als ich diese riesige Schnittwunde sah.
Wortlos nahm ich meinen kleinen Bruder in den Arm und schloss meine Augen, drückte ihn fest an mich.
Wie schlecht musste es ihm nur gehen?!
Die nächsten Tage würde ich rund um die Uhr für Noah da sein und ihn nicht in die Nähe von Tyler lassen!
Als ich realisierte, dass Noah zitterte, zog ich meine Jacke aus und legte ihm diese über die Schultern, hob ihn anschließend hoch und lief zurück zu Luke, welcher das Tor geöffnet hatte. "Oh scheiße, der arme Kleine. Er muss ins Krankenhaus." "Kein Krankenhaus. Fahr uns bitte zu mir." "Ach stimmt ja, deine Frau." "Fast Frau."
Luke hielt mir die Tür auf, damit ich mit Noah hinten einsteigen konnte.
"Es wird alles wieder gut, mein Schatz", flüsterte ich, auch wenn Noah das nicht hören konnte.
Bei mir zu Hause schloss Luke die Tür auf. "Finn? Hast du ihn?" Chrissy kam sofort um die Ecke. "Oh mein Gott, Noah!" Sofort eilte sie zu uns. "Ins Schlafzimmer, los. Aber leise, die Kinder schlafen schon."
Ich nickte und schaffte meinen Bruder ins Schlafzimmer, legte ihn auf das Bett. Noch immer sah er mich nicht an. Er starrte einfach an die Decke.
"Morgen gehe ich zu seinem Management", meinte ich und nahm Noahs Hand. "Es geht nicht mehr. Ich muss ihn da raus holen."
Chrissy kam mit einer Schüssel warmen Wasser und einem Lappen zurück. "Okay, lass mich mal ran." Ich stand auf und ließ Chrissy sich setzen, immerhin war sie auch schwanger.
"Finn, ich glaube aber nicht, dass Noah sich das angetan hat", meinte sie nach kurzem Begutachten. "Natürlich hat er das. Er wollte sich umbringen. Gott wie soll ich das nur unseren Eltern beibringen?"
"Finn, vielleicht hat deine Frau recht und er hatte einen Unfall. Immerhin ist er Taub und hört also nicht, wenn hinter ihm jemand ist. Und ich bin der Meinung, dass es ein Überfall war, denn er schaut uns nicht mal an. Als würde er uns nicht wahr nehmen."
"Luke hat recht. Und mehr Erfahrung. Nimm es mir nicht übel Schatz. Noah sollte in ein Krankenhaus."
Nach Minutenlangem Überlegen nickte ich. "Gut. Ins Krankenhaus", seufzte ich und hob meinen Bruder hoch.
DU LIEST GERADE
Deaf 3 | manxman ✔️
RomansaTeil 3 zu DEAF. Bitte Teil 1&2 im ersten Buch lesen, denn es geht da weiter, wo es aufgehört hat! ••••••• Noah und Tyler sind glücklicher denn je. Tommy macht ihr Leben perfekt und sie werden Stück für Stück eine kleine Familie. Können die beiden de...
