Vorhin habe ich Chase angerufen und er hat mir versprochen gegen drei Uhr da zu sein, also haben Lisa und ich uns beeilt und uns noch schnell fertig gemacht. Lisa hat uns vorausschauend ein paar Brote geschmiert die wir mitnehmen können, um unterwegs nicht verhungern zu müssen. Und wirklich. Nach nur zwei Stunden klingelt mein Handy.
Eine SMS von Chase:Hey :))
Ich stehe vor der Tür."Wir müssen los!!", rufe ich Lisa noch hastig zu, ehe ich mir meinen Turnbeutel schnappe und raus humpeln kann. Den blöden Rollstuhl lasse ich links liegen. Er stört mich nur. Außerdem ist ja nur ein Bein gebrochen, weswegen ich auch prima mit den Krücken klar komme. Ich laufe ja ohnehin schon die ganze Zeit sogar ohne diesen Dingern in Lisas Haus herum. Warum auch immer die Ärzte mich in den Rollstuhl hinein degradieren müssen, obwohl es auch prima ohne zu gehen scheint. Übervorsichtige Maßnahmen waren noch nie meine Stärke.
Aber was soll's. Ehe ich aus der Tür verschwinden kann kommt ein lautes Gepolter aus der Küche.
„Haaaalt!! Sylvia willst du ernsthaft gehen ohne dich von uns zu verabschieden??" Lisas Mutter Marissa nimmt mich in die Arme und drückt mich ganz fest. Mira kommt auch auf mich zugeschnellt: „Ich will nicht das du gehst.", sagt sie mit weinerlicher Stimme. Ich hocke mich zu ihr auf den Boden um ihr in die Augen sehen zu können:„Ach Miramaus. Ich komme bald wieder versprochen."Als Lisa den Flur nun auch endlich betritt, lassen die beiden von mir ab und engen sie stattdessen mit ihrer Umarmerei ein. Ich stehe im Türrahmen und schaue mir das ganze lächelnd an. Diese Familie ist doch wohl der Inbegriff des Süßen. Sie sind das Süßeste was mir je untergekommen ist, und das will schon was heißen so viele Süßigkeiten wie ich schon in mich hinein gestopft habe. Als wir zwei dann endlich und nach einer gefühlten Ewigkeit, doch entlassen werden, treten wir beklommen auf die Straße. Wenn wir uns bis eben noch sicher waren unseren Plan durchzuziehen, dann ist davon jedenfalls in diesem Moment nichts mehr übrig. Unsicher schaue ich die Straße hinunter und kann Chase' Wagen ein Stück weit von der Auffahrt entfernt ausmachen. Chase selber lehnt lässig an der Motorhaube. 'Jetzt gibt es wohl kein Zurück mehr', denke ich mir während ich diesen Anblick eine Weile auf mich wirken lasse. Ganz langsam nähere ich mich dem Wagen. „Hey Sylvia. Das ging ja schnell mit dem wiedersehen was??", begrüßt er mich gut gelaunt mit einem breitem Grinsen im Gesicht.
„Oo ja stimmt. Danke das du direkt gekommen bist.", bedanke ich mich bei ihm.
„Klar! Hab dir doch gesagt, dass ich gerne helfe. Ich war sowieso noch in der Stadt und habe mir die Gegend angeschaut." Kurz schaut er Lisa an. Lisa starrt zurück. „Ich bin übrigens Chase und du bist wohl Sylvias Freundin die mitkommen soll??", begrüßt er nun auch Lisa und hält ihr mit einem schiefen Grinsen die Hand hin. Zögerlich gibt Lisa ihm die Hand. Noch nie habe ich sie derart schüchtern erlebt wie heute.„Wie heißt du denn?"
Ich stupse Lisa leicht in die Seite, die wie erstarrt dasteht und einfach nichts auf seine Frage antwortet. „Ich bin Lisa.", gibt sie irgendwann ganz verklärt von sich, was Chase sichtlich zu amüsieren scheint. Sein Grinsen wird noch breiter als er ihre Hand länger als nötig schüttelt und auch sie keine Anstalten macht ihm diese zu entziehen.
„Na dann setzt euch mal ins Auto.", dirigiert er uns zur Anfahrt. Lisa schenkt Chase ein unsagbar schönes Lächeln und lässt sich dann gemütlich auf die Rückbank fallen. Ich setze mich zu ihr nach hinten.
Chase mustert uns lachend: „Ihr seid wohl gern unter euch was?"
„Bist du doch schon von mir gewohnt oder?", erwidere ich, wobei ich auf die Situation von heute morgen anspiele, als ich mich erst auf die Rückbank gesetzt habe und er mich dann nach vorne gelotst hat. Daraufhin muss Chase lachen und auch Lisa schmunzelt vor sich hin. Heute morgen war ich noch ein anderer Mensch. Da habe ich ihm nicht vertraut. Noch nicht einmal meinen Namen wollte ich ihm verraten. Und jetzt keine 10 Stunden später sitze ich wieder in demselben Ledersitz seines Cabrios. Schon merkwürdig das er in weniger als einem Tag mein Vertrauen soweit für sich gewinnen konnte. So weit, dass er mich bis nach NRW fahren soll. Etwas derartiges hat sonst noch niemand geschafft. Aber was soll ich sagen, ungewohnte Situationen fordern ungewohnte Maßnahmen. Nur so kann ich mir meine plötzliche Bereitschaft erklären mich fremden Menschen so schnell anzuvertrauen. Vielleicht liegt es aber auch ein klitzeklein wenig an Chase der mit seiner lockeren Art, Menschen schnell für sich gewinnen kann. So sagt es mir mein Gefühl jedenfalls, dass er diese besondere Gabe auf ein breites Spektrum der Massen ausweiten kann. Ich bezweifle keineswegs, dass er einer der beliebteren auf seiner früheren Schule gewesen sein muss.
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doomed fighter- zum Scheitern verurteilt
Genç KurguSylvia ist Mitte 18. Auch wenn sie rund um die Uhr mit der Familie zusammen war, fühlte sie sich alleine. Bei diesen scheint doch etwas anderes im Vordergrund zu stehen als das Glück der Tochter. Sogar als Sylvia beim harten Kickboxtraining ern...