Chris' Geheimnis

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10.Kapitel

„Was malst du da eigentlich?“ fragte ich Chris, der schon wieder damit beschäftigt war, irgendwas auf seinen Block zu kritzeln. Er blickte hoch, und lächelte mich verschmitzt an. „Alles mögliche. Ich male Landschaften, Gegenstände, Personen und Gefühle“ Ich blickte ihn verständnislos an. „Gefühle?“ Ich zog meine Augenbrauen hoch. „ Manche Menschen verdrängen Gefühle, andere lassen sie frei raus, aber auf unterschiedliche Weisen. Die einen weinen, lachen, schreien und kreischen, die anderen singen, und noch andere so verrückte Sachen. Ich fange meine Gefühle ein, und bringe sie aufs Papier“ Ich antwortete  nichts, irgendwie schien dass alles ohnehin schon verrückt genug zu sein, ich wollte nicht noch mehr unnötige, verwirrende Informationen in mein überfordertes Gehirn stopfen. „WAS ich eigentlich fragen wollte war, was du gerade malst?“ Er schaute erneut von seinem Block hoch, seine flinken Hände stoppten kurz ihre Bewegungen auf dem Blatt. „ dich“ – „mich?!“ ich starrte ihn entgeistert an. „ Ja. Du bist so wunderschön…“  Ich errötete. Ich und wunderschön?! Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte, also schwieg ich. Chris drehte den Block um, und hielt ihn so, dass ich das Bild ansehen konnte. Es war mit Kohle gemalt, und zeigte mich, wie ich Luisas Tagebuch las. Es sah alles so…echt aus. Als könnte man in das Bild hineingreifen und mich berühren. „ WOW“ platzte es aus mir heraus. „ Das ist noch gar nichts im Vergleich zu dem, was ich noch kann“ Es hörte sich nicht angeberisch prahlend an, was Chris sagte. Bei jedem anderen hätte ich gedacht: „Nicht übermütig werden, du Angeber“, oder so, aber bei Chris hörte sich es einfach nur wie eine sachliche, neutrale Information an. So wie „Gras ist grün“

„Was kannst du denn?“ ich war zugegeben etwas neugierig geworden. „ich… kann Dinge erschaffen…“ er war plötzlich ganz bescheiden, beinahe kleinlaut. „Wie soll das denn gehen?“ schon wieder etwas, das ich nicht kapierte. „Ich zeichne es, dann fasse ich in das Bild hinein, und hole das gezeichnete heraus.“

Ach ja, natürlich! Wie hätte ich nur vergessen können, dass man einfach ins Bild greift, und Gegenstände herausholt! Ich Dummerchen! Das hier war einfach alles viel zu VERRÜCKT!!! Ich wollte mein Gehirn nicht noch mehr überhitzen lassen! Zu viele komische, unlogische Informationen!!!  

„Soll ich dir zeigen, wie es geht?“ Chris wollte mir anscheinend beweisen, dass das hier wirklich funktionierte. Mit blitzschnellen Bewegungen zeichnete er etwas auf das Papier. Dann griff er hinein- ja er fasste wirklich durch das Papier durch wie durch Luft- und zog die Hand augenblicklich wieder heraus. Das Papier war wieder schneeweiß. Chris hielt mir die geöffnete Handfläche hin. Darin lag ein Armreif aus gold. Es war ein etwa fingerbreiter Ring, in den viele Geschwungene Linien graviert waren. In der Mitte war ein blauer Edelstein eingesetzt, der noch schöner war, wie der von meiner Halskette. „Für dich“ ich war sprachlos. Das hier war einfach umwerfend. So winzigartig, so wunderschön, und nur für mich. Ich fasste mich wieder, doch das einzigste, was ich herausbrachte, war „D…Danke…“. Dann standen wir auf und gingen weiter. Ich betrachtete die ganze Zeit meinen Armreif. Ich war überwältigt von seiner Schönheit. „Woher kannst du das eigentlich?“ fragte ich ihn neugierig. „ Dass hat mir mein Vater beigebracht. Er war ja ein Sendatu, ein Heiler von Traumenergie und Traumblasen. Er musste so was können, denn das ist ein wichtiger Schritt um die verseuchte Energie entfernen zu können. Zuerst muss man die Traumenergie oder die Traumblase einfangen, dann die negative Energie entfernen. Weil diese Energie einen Teil von den Blasen oder Fäden verätzt, muss dieser Teil ersetzt werden. Und dann kommt diese Zeichenkunst zum Einsatz. In Traumblasen muss der Teil ersetzt werden, der im Traum fehlt. Der Sendatu zeichnet also ein geeignetes Bild und setzt es in die Traumblase ein. Die Traumenergiefäden werden durch die verseuchte Energie gekürzt. Der Heiler muss in so einem Fall all seine positiven Gefühle und Gedanken auf Papier bringen, und an den Faden ansetzten.“ Erklärte Chris. „ Wie Gegenstände aussehen, wenn sie aus dem Bild kommen kann ich mir ja gut vorstellen. Aber wie sehen Personen oder Landschaften aus?“ wo er schon mal angefangen hat zu erklären sollte er nicht aufhören. „So etwas sieht aus, wie ein Glitzerpulver. Es eignet sich also nur, um in Traumblasen eingesetzt zu werden. Und das ist auch gut so, Stell dir mal vor, was alles passieren könnte, wenn Personen erschaffen werden könnte! Dies würde von den Tanti genutzt werden, sie könnten willenlose Armeen mit unbesiegbaren Soldaten erschaffen! Gefühle sehen aus, wie ein helles, strahlendes Licht. Wenn ich aber traurige Gefühle aus meinem Bild herausholen würde, wäre dass wie ein Schwarzes Licht. Es würde Dunkelheit ausstrahlen, aber es würde auf jeden Fall Lichtpunkte geben, die umso größer wären, je größer die Hoffnungsfunken des Zeichners wären.“ Eine für Chris Verhältnisse lange, ausführliche Erklärung, die man ihm nicht aus der Nase ziehen musste. „Ich bin stolz auf dich! Ich musste keine Zwischenfragen stellen, um das alles zu kapieren!“ Ich grinste. Und er grinste auch. Sein Chris-Grinsen, das meinen Bauch mit hyperaktiven Schmetterlingen- oder Flummis füllte, und meine Knie weich wie Wackelpudding werden lies. „Können das nur Traumelfen?“ fragte ich, um mich abzulenken. „ Ja, aber nur besonders dazu veranlagte. Jede hat so sein spezielles Talent, und meins ist eben das eines Sendatus. Manche können Worte spinnen. Sie inspirieren die Traumenergie zu Träumen. Die Träume selbst können aber nur durch die Phantasie der Menschen beeinflusst werden. Andere machen die Prophezeiungen von Somniorbis. Es gibt so viele Talente, ich kann sie hier gar nicht alle nennen“ gab er wieder eine sehr detaillierte Antwort. Es wurde dunkel. Wieder legten wir uns an ein Lagerfeuer um zu schlafen. Beziehungsweise ich schlief. Chris saß wach, beobachtete den von Traumblasen und Traumenergie leuchtenden Nachthimmel, malte seine wundervollen Bilder, und beobachtete meinen Traum. Ich hoffte, dass er nicht so peinlich sein würde wie die letzten zwei( die identisch waren). Aber andererseits gefiel mir dieser Traum ausgesprochen gut. Mit einem Lächeln im Gesicht schlief ich ein.

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