Alles verloren

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29. Kapitel

Wieso musste das so enden?

Wieso?

W

I

E

S

O

?

War es meine “Bestimmung” hier und jetzt zu sterben? Auf meiner Mission, die zum Scheitern verurteilt war?

Anscheinend schon. Aber ich wollte mich meinem Schicksal nicht stellen. Nicht jetzt.

Es musste doch eine Möglichkeit geben. Irgendeine!

Bis jetzt war meine einzige Chance Königin Yema zu besiegen, die Glasfiguren zu zerstören.

Mir war so einiges klar geworden.

Königin Yema stellte nicht die ganze negative Energie her, sie war nicht in der Lage dazu.

Sie brauchte die Glasfiguren, deren positive Energie in negative umgewandelt wurde.

Und das geschah wiederum durch schwarze Kristalle, die auch als Kristallsplitter an den Köpfen der Monster gewesen waren.

Genau so einen Kristall hatte Yema auch an ihrem Zepter, mit dem sie Menschen und Traumelfen in Glasfiguren verwandeln konnte, und genau solche Kristallsplitter waren an ihrem Kleid.

Die Welt stand kurz vor dem Verschwinden der Menschen, und Somniorbis kurz vor dem Untergang.

So, und was brachte mir das jetzt? Höchstens noch mal eine dicke Ladung Angst.

Mir bleib keine andere Wahl.

Aber was sollte ich machen?

Würde ich auf einer Welt leben wollen, auf der es keinen Chris, keinen Cole gibt?

Würde ich mit der Gewissheit leben wollen, tausende Menschen endgültig getötet zu haben? Würde ich überhaupt noch leben wollen?

Würde ich mit der ständigen Angst leben wollen, es stünde wieder kurz vor der Zerstörung?

Könnte ich Königin Yema damit wirklich besiegen?

Ein für alle mal?

Sie würde geschwächt werden, keine Frage, doch wäre die Gefahr damit endgültig beseitigt?

Was, wenn es sie wieder soweit kommen würde, wie sie jetzt war?

Was dann?

Brachte es überhaupt was, jetzt noch um mein Leben zu kämpfen?

Jetzt, da ich überhaupt nichts mehr ausrichten könnte?

Ich sackte in mich zusammen.

Nein. Es würde nichts bringen.

Königin Yema würde ihre Kräfte zurückgewinnen, und dann würde sie Somniorbis wieder vergiften.

Oder die Tanti würden einfach eine neue Königin krönen.

Einfach einen Ersatz finden, jemanden ,der die Aufgaben genau so gut erledigen konnte, wie Yema.

Es

Würde

Nichts

Bringen

.

Es wurde mir schlagartig klar.

Ich konnte nichts ausrichten, niemals.

Ich wollte die Heldin spielen, alles was verloren war, retten.

Doch es ging nicht.

Was verloren war blieb verloren, und die Heldin würde sterben.

Ein tragisches Ende, aber ich könnte es nicht mehr ändern.

Ich konnte es zu keinem Zeitpunkt ändern.

Ich konnte nichts machen. Gar nichts.

Ich war kraftlos, verlassen, allein, schwach.

Meine Hoffnung war gestorben, sie existierte nicht mehr.

Meine Hoffnung war tot, Chris und Cole, meine Eltern, bald die ganze Menschheit, und bald ich auch.

Das war eine Tatsache, wie „Gras ist grün“

Ich hatte es akzeptiert, ich hatte mich damit abgefunden.

Doch dann loderte eine Flamme in mir auf, zuerst war es nur ein kleiner Funken Hoffnung, er wurde größer zu einer kleinen Kerzenflamme, sie breitete sich aus, und schließlich brannte ein helles Feuer in mir.

Da war sie wieder. Hoffnung.

Nein! Ich konnte doch jetzt nicht aufgeben! Ich durfte nicht aufgeben.

Es stand zu viel auf dem Spiel. Und vielleicht gab es noch Hoffnung für die Glasfiguren, vielleicht gab es noch Hoffnung für Somniorbis und vielleicht gab es noch Hoffnung für die Menschheit.

Aus dem „Vielleicht“ wurde ein „Bestimmt“.

Ich schlug meine zusammengekniffenen Augen auf und starrte genau in die kalten, leblosen, gruseligen Augen von Königin Yema.

„ Es ist noch nicht vorbei!“ flüsterte ich, und funkelte sie böse an.

Ihr Blick verfinsterte sich erneut.

„Hoffnung! Das gibt es nicht! Unmöglich!“ zischte sie hysterisch.

„Ich hasse dich!“ kreischte sie los.

Und dann durchzuckte mich ein Geistesblitz. Jetzt wusste ich genau, was ich machen musste, um sie zu besiegen.

never-never land -die Welt der Träume-Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt