Seltsame Glasfiguren

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25.Kapitel

Ich hockte angestrengt auf dem Boden und dachte nach. Einen Code. Wie sollten wir an diesen verdammten Code kommen? Cole lief hektisch den Gang auf und ab, und verbreitete eine tiefe Unruhe. Und Chris war auch nicht gerade besser: Er starrte die Wand an und schlug in regelmäßigen Abständen von ungefähr einer Stunde immer wieder seine Fäuste gegen sie.

Unsere Situation war so ausweglos. Aber irgendeine Lösung musste es ja geben! „Wir könnten warten bis jemand kommt, und das Portal benutz“ schlug ich vor. Cole und Chris sahen mich kurz an, und Cole nuschelte: „wenn das überhaupt das Portal zu Yemas Energiezentrum ist, dann werden sicher nicht viele Leute den Code kennen. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass überhaupt jemand kommt.“ Seine Stimme war eiskalt. Wie damals, als wir uns kennen gelernt hatten.  „Fällt dir vielleicht was besseres ein?“ oh Mann, ich brachte wenigstens Vorschläge. Aber zugegebenermaßen hatten wir alle schlechte Laune, waren übermüdet und hatten einfach keinen Bock mehr weiter zu machen. Seine Reaktion war normal. Meine auch. „Ich finde wir sollten es wenigstens versuchen“ schaltete sich Chris in das Gespräch ein.

Wir versteckten uns hinter einem riesigen schwarzen Kristall der aus dem Boden ragte. Und dann warteten wir…und warteten…und warteten.

Natürlich kam keiner vorbei und benutzte das Portal. Auch am nächsten Tag nicht. Und an den folgenden 4 Tagen genau so wenig.

Am fünften Tag hatten wir alle schon die Hoffnung aufgegeben. „Es ist sinnlos. Wir sitzen hier und warten, und die Zeit läuft uns davon. Bald schon ist die Menschheit komplett ausgelöscht…“  Ich schniefte. Nein Luana, nicht weinen. Nicht jetzt! Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben!

Ich ermahnte mich selber, doch es war zwecklos. Heiße Tränen rannen über mein Gesicht. Ich weinte still, wortlos.

Chris und Cole ließen mich in Ruhe. Und das war genau das, was ich wollte. Ich wollte jetzt nicht getröstet werden. Ich wollte einfach mit meinen Gedanken allein sein.  Nachdem ich mich beruhigt hatte, geschah das unmögliche: Einer der Tanti, groß und gut gebaut, aber doch ziemlich unauffällig, schlich sich in Richtung Portal. Er trug eine kleine Glasfigur in den Händen, ein Mädchen, das die Hände an den Kopf hielt, soweit ich es aus der Entfernung erkennen konnte. Zielstrebig lief er auf das Portal zu und murmelte: „formae klarus apperiko“

Das Portal wurde sichtbar: blaues bis schwarzes Licht, das ständig in Bewegung war. Der Mann schritt hindurch und war weg. Das Portal verschluckte ihn, und verschloss sich dann.

Wenig später öffnete es sich wieder und der Mann trat heraus. Die Glasfigur hatte er nicht dabei.

Wir grinsten uns freudestrahlend an. Der Code!

Und tatsächlich: als wir die Worte sprachen erschien das Portal, und wir konnten mühelos durch es treten. Ich hatte zwar stechende Kopfschmerzen dabei, sie waren aber nur von so kurzer Dauer, dass ich es kaum bemerkte. Während wir durch das Portal gingen, spürte ich ein Ziehen im Bauch wie beim Achterbahn fahren. Und dann war es schon wieder vorbei.

Ich öffnete die Augen, die ich unbewusst geschlossen hatte.

Wir standen in einer riesigen dunklen Kammer. „Hallo?“ rief ich. Meine Worte hallten von den Wänden mehrfach wieder, wie ein Echo. „Schsch!“ machte Cole. Ich konnte nichts sehen,  bis Chris plötzlich eine Fackel in der Hand hielt. Wie er in der Dunkelheit zeichnen konnte war mir ein Rätsel, aber irgendwie hatte er es ja geschafft.

Das Feuer warf merkwürdige, tänzelnde Schatten auf sein Gesicht, aber er sah trotzdem unbeschreiblich schön aus.

Er drückte Cole die Fackel in die Hand und lies zwei weitere erscheinen, von denen er selbst eine behielt, und die andere mir reichte. Als wir das Licht auf die Raummitte hielten, erkannten wo wir hier waren.

Überall standen lebensgroße Glasfiguren herum, die einfach täuschend echt aussahen. Man konnte jeden Gesichtszug erkennen, jede Pore. Alle hatten Angstgeweitete oder zusammengekniffene Augen, und hielten die Arme irgendwie schützend über ihre Körper. Ich konnte auch die Glasfigur, die der Mann vorher hierher gebracht hatte erkennen, doch dieses Mal war sie etwa so groß wie ich.

„Lumix“ hauchte Cole, und sofort wurde der Raum erhellt. Wir löschten unsere Fackeln, legten sie weg, und sahen uns weiter um.

Überall standen Glasfiguren, so weit das Auge reichte. Man konnte die Wände nicht erkennen, weil diese Kammer so riesig war, das es mir unmöglich schien, sie hier im Kristallpalast unterzubringen. Aber hier herrschten ja anscheinend keine Naturgesetze.

Was mir noch auffiel, waren die bunten Energiefäden, die von den Glasfiguren auszugehen schienen. Von jeder einzelnen Skulptur stieg die positive Energie auf. Ich war überwältigt von der Schönheit dieses Anblicks. Als ich aber nach oben blickte, dahin wo eigentlich die Zimmerdecke hätte sein müssen, nahm diese Schönheit ein abruptes Ende: Die wunderschöne Energie verblasste zunehmend, je weiter sie sich nach oben annäherte, und wurde schließlich schwarz. Alle Energiefäden bündelten sich an der Spitze eines pechschwarzen Kristalls, der in der Luft schwebte. Eine Decke gab es nicht, und es schien, als würde der Raum nicht nur unendlich breit und lang, sondern auch unendlich hoch war. Von der anderen Spitze des Kristalls, die nach oben gerichtet war, strahlte ein dünner, kompakter, gebündelter schwarzer Energiestrahl nach oben. 

Hier wurde positive Energie in negative umgewandelt.

„Jetzt verstehe ich!“ Hauchte Cole. „Was?“ Ich flüsterte nicht beinahe andächtig, so wie er, sonder sagte es mit einer ganz normalen Stimme. „Die Energie der Dunkelheit… Sie stammt nicht von Yema…Oder zumindest nicht allein von ihr. Sie stammt von den… Glasfiguren. Sie wird nur durch einen der Hauptkristalle in negative Energie umgewandelt. Wie das funktioniert verstehe ich aber immer noch nicht…“ Er starrte auf einen unbestimmten Punkt geradeaus.

Ich wusste nicht wieso, aber ich bahnte mir einen Weg durch die ganzen Glasfiguren. Mein Herz raste, ich hatte einen Adrenalinschub. Auch Cole lief durch den Irrgarten aus Milliarden von Glasfiguren. Sie sahen alle so echt aus, so lebendig. Als wären es eingefrorene Menschen. Chris hatte sich uns angeschlossen, und streifte ziellos in der Gegend umher.

Dann stach mir etwas besonders ins Auge: wenige Meter vor mir stand eine Figur, die Haargenau so aussah, wie das vierjährige Mädchen, das vor einigen Tagen ins Zentrum der Dunkelheit gebracht worden war. Ich trat näher zur Figur hin, um sie genauer betrachten zu können. Wahrhaftig. Genau dasselbe Gesicht! Die Skulptur stand da, den Kopf eingezogen, die Augen weit aufgerissen. Sie hielt die Hände schützend um ihren Bauch. Ich wendete mich ab, und lief weiter.

Mein Blick schweifte suchend durch den Raum. Cole stand etwa 50 Meter von mir entfernt vor einer kleinen Glasfigur. Ich schlenderte zu ihm hin, und beobachtete ihn. Er strich mit Hand sanft über die Wange der Figur, ein kleines Mädchen, ungefähr 16 Jahre alt, mit langen Haaren und der Uniform der Tanti. Sie stand stocksteif da und hatte die Augen geschlossen. Sie waren nicht angstvoll zusammengekniffen, sondern ganz entspannt geschlossen, als würde sie schlafen. Als ich näher zu Cole hintrat, erkannte ich etwas, was ich nie von ihm erwartet hätte: Eine einsame Träne kullerte über sein Gesicht. „Alles okay?“ flüsterte ich. „Geh weg, verzieh dich“ gab Cole mit leiser, brüchiger Stimme zurück.  

Ich wusste nicht, was los war, doch ich entfernte mich wieder von ihm, und hielt Ausschau nach Chris. Als ich ihn entdeckte, ging ich zielstrebig auf ihn zu. Er stand vor zwei Figuren, ein Mann und eine Frau, die sich aneinander klammern. Je näher ich an sie herantrat, desto sicherer wurde ich in meiner Vermutung. Das waren eindeutig Chris´ Eltern. Ich rechnete mit einer ähnlichen Reaktion wie bei Cole, falls ich mich zu erkennen gab, und verschwand aus Chris´ Nähe. Ich stieß gegen einige Figuren, die zu Kippen begannen. Gerade noch im letzten Moment konnte ich sie stützen und vor dem endgültigen zerschellen auf dem Boden bewahren. Als ich sie genauer betrachtete stockte mir der Atem.

HI Leute! 

Ich bin überglücklich über die vielen Reads!!!!

Und ich habe mir deshalb was überlegt: Sobald wir die 2000 knacken, kommt ein Special! Was genau es sein wird, verrate ich natürlich noch nicht, aber so viel sage ich schon: IHR könnt dabei mitwirken! 

Also, je schneller desto besser;)

Eure dreaming_fairy

never-never land -die Welt der Träume-Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt