nine

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Als ich zurück in unser Haus trat, empfang mich sofort Stimmengewirr.
Ich sah mich im Raum nach Ridley oder meinem Dad um, fand aber keinen von ihnen beiden.

Stattdessen entdeckte ich Tracy. Sie sah umwerfend aus, mit ihren perfekt geglätteten Haaren und dem champagnerfarbenen Kleid.
Sie hielt ein Glas in der Hand, redete gerade mit ihrem Dad und irgendeinem von seinen Geschäftspartnern.

Ich ging mit einem Lächeln auf sie zu.
Tracy entdeckte mich und strahlte, als sie mich in die Arme schloss.
,,Ich habe dich schon die ganze Zeit gesucht. Zac meinte du wärst oben, aber ich konnte dich nicht finden."

,,Ich war draußen", sagte ich. ,,Um etwas frische Luft zu schnappen."
Die Begegnung mit Ethan ließ ich aus. Ich wollte nicht, dass Tracy mir nochmal erzählte wie scheiße die Carrigtons waren.

Tracy nickte nur.
Auch ihr Vater, Richard, wandte sich zu mir und umarmte mich kurz.
,,Schön dich wiederzusehen, Vic", sagte er und lächelte mich an.
Kurz führten wir einen Smalltalk, bevor et sich dann endgültig abwandte. Richard hatte vermutlich genauso viel zu tun wie mein Dad und dementsprechend genauso wenig Zeit für seine Familie wie mein Dad.

Tracy kommentierte das nicht, sie verdrehte nur kurz die Augen und wandte sich dann ab.
Wie sahen uns um und mein Blick blieb an Ridley und Zac hängen, zu denen sich nun auch Ethan gesellte. Das pefekte Trio.

,,Lass uns zu ihnen. Ich habe Ridley seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen."
Tracy sah mich bittend an.
Seufzend nickte ich.
,,Rid', ich hab dich so lange nicht mehr gesehen", sagte sie, als sie meinen Bruder in die Arme schloss.
Mir entging nicht, wie genau Ridley sie musterte. Zum kotzen. Mein Bruder strich sich die rot braunen Haare aus der Stirn und grinste. Er sah Dad - abgesehen von den Haaren - so ähnlich, in dem schwarzen Anzug und mit den breiten Schultern.

,,Du hast mir gar nicht erzählt, dass du immer noch mit Tracy befreundet bist", sagte Ridley an mich gewandt. Fast hätte ich die Augen verdreht aber ich ließ es.

,,Muss ich wohl vergessen haben", erwiderte ich trocken.
,,Wo ist Dad?", fragte ich Ridley, aber er war längst damit beschäftigt mit Tracy zu flirten. Der Dummkopf hatte für nichts mehr Augen, außer sie. Tracy war sich hoffentlich genauso wie ich bewusst, dass man mit Ridley nichts festes haben konnte.

Dann wandte ich mich an Zac und Ethan, die Ridley und Tracy nur amüsiert betrachtet hatten.
,,Weißt du wo mein Vater ist?", fragte ich Zac dann.
Er sah mich an und zum ersten Mal seit langer Zeit sah ich keinen Spott in seinen Augen.

,,Nein. Soll ich dir helfen ihn zu suchen?", fragte er.
Fast hätte ich geschnaubt. Warum verhielt er sich so eigenartig?
Auch Ethan sah ihn an, als wäre er verrückt geworden. Zac war sonst nur so nett, wenn mein oder sein Dad dabei waren.

,,Es ist nicht so wichtig", entgegnete ich und wank ab.

,,Schickes Haus habt ihr, Thompson", merkte Ethan an und grinste. Schelm blitzte in seinen Augen auf und ich fühlte mich komisch benommen. Ethan löste etwas in mir aus, ich wusste nur noch nicht was.
Vermutlich Hass oder Ekel, denn er war einer von den reichen, arroganten Typen die ich absolut nicht ausstehen konnte.

,,Danke." Mehr sagte ich nicht. Zeit sich von Ethan zu distanzieren.
Leise seufzte ich. Dieser Abend würde lang werden.

,,Da ist er", sagte Zac dann und deutete mit dem Kinn hinter mich.
Verwirrt drehte ich mich um und sah Dad mit einem Mann sprechen.
Etwas an ihm kam mir komisch bekannt vor. Er hatte breite Schultern, war groß, etwa einen halben Kopf größer als mein Dad und er hatte grau meliertes, schwarzes Haare. Er hatte harte Gesichtszüge und sah meinen Dad zu wütend an, dass ich zusammenzuckte.

,,Wer ist das?", murmelte ich leise zu mir selbst.

,,Mein Vater", antwortete mir Ethan und verzog den Mund. Etwas in seinem Gesicht sah anders aus als sonst. Der Ausdruck in seinen jetzt eher grauen Augen wirkte hart. Sie sahen aus wie kalter Stahl.
Deswegen kam mir der Mann so bekannt vor, er sah fast genau aus wie Ethan, nur älter.
Und etwas an ihm ließ mich nervös auf meine Unterlippe beißen.

,,Ich gehe kurz zu ihm", sagte ich dann leise, bevor ich mich abwandte. Ich spürte Ethans stechenden Blick in meinem Rücken und richtete mich noch ein Stück auf.

,,Ich komme mit."

Überraschung breitete sich in mir aus, aber ich unterdrückte es und ging zusammen mit Ethan zu meinem und seinem Vater.

,,Victoria, ich habe dich schon gesucht", sagte Dad zu mir und legte mir die Hand auf die Schulter.
,,Callum Carrington, das ist meine Tochter Victoria. Victoria, das ist Callum."

Ich streckte dem Mann meine Hand entgegen, obwohl alles in mir sich sträubte. Etwas an Ethans Vater gefiel mir überhaupt nicht.
,,Freut mich Sie kennenzulernen", sagte ich stattdessen und zwang mir ein Lächeln auf die Lippen. Ich wollte weder ihn noch meinen Dad verärgern.

,,Wie ich sehe kennen du und Ethan sich schon?", fragte Mister Carrington und seine Stimme war ähnlich tief wie die von Ethan. Sie waren fast die selbe Person, nur hatte Ethan helle, ausdrucksstarke Augen und die von seinem Vater waren so dunkel, dass sie fast schwarz wirkten. Und sein Vater hatte schwarze Haare, die von Ethan waren dagegen dunkel braun. Aber etwas an ihrer Ausstrahlung war ähnlich.

,,Wir haben ein paar Kurse zusammen", antwortete Ethan vage, bevor er die Hände in die Taschen seiner Anzughose steckte.
Ein paar seiner Haare hatten sich in seine Stirn verirrt und seine Schultern waren angespannt.

Instinktiv stellte ich mich näher zu meinem Dad, atmete unauffällig tief durch und hoffte inständig, dass das alles hier bald ein Ende haben würde.
,,Warum hast du nicht davon erzählt?", fragte Dad und sah mich mit einem komischen Ausdruck an.

,,Ich dachte es wäre unwichtig. Du hast nie erwähnt, dass die Carringtons Geschäftspartner sind", erklärte ich ruhig, obwohl ich am liebsten laut geseufzt hätte.
Mom hätte mir jetzt durch die Haare gestrichen, mir einen Toast mit einer fetten Schicht Nutella gemacht und gesagt, dass ich ruhig in mein Zimmer gehen kann, wenn es mir zu viel wird.
Aber Dad schien nichts von meiner gedrückten Stimmung zu merken.

,,Oh, wir sind keine Geschäftspartner", erwiderte Mister Carrington und lachte leise.
Ich sah unauffällig zu Ethan, aber der sah sich nur ausgiebig um und war ganz still. Ihn schien das alles überhaupt nicht zu interessieren.

,,Ist auch unwichtig, Vicy. Würdest du mir noch ein Glas Champagner bringen?", fragte Dad dann leise.
Es war fast schon lächerlich offensichtlich, dass er mich schnell aus diesem Gespräch haben wollte, aber ich nickte einfach.

Wenn Dad es mir so einfach machte, aus dieser eigenartigen Situation zu fliehen, nahm ich sein Angebot liebend gerne an.

the great VictoriaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt