fiftynine

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Wir verharrten einen Moment eng umschlungen, bevor Ethan sich leicht von mir löste.
,,Hab ich dir eigentlich schon gesagt, wie schön du heute aussiehst?", flüsterte Ethan leise, als er mein Gesicht genauestens musterte.
Meine Brust fühlte sich ganz warm an, von der Zuneigung die mich überkam.
Vorsichtig umgriff er mein Gesicht, so als wäre es zerbrechlich.

,,Ich würde dich wirklich gerne küssen, aber ich trage roten Lippenstift", gab ich ehrlich zu. Ethan starrte einen Moment auf meine Lippen, bevor er mich herausfordernd aussah.

,,Du kannst dir neuen draufmachen", schoss er zurück. Ich wollte gerade erwidern, dass der Lippenstift nicht nur auf meinen Lippen verschmieren würde, sondern auch auf seinen, aber er presste seine Lippen einfach auf meine. So als hätte ich die ganze Zeit nur auf den Kuss gewartet, klammerte ich mich an Ethan und versank einen Moment in dem schönen Gefühl, was mich umgab.
Er löste sich erst von mir, als unser Atem stockend und stoßweise kam und wir nach Luft schnappen mussten.
Als Ethan grinste und meine Lippen musterte, ging ich vom schlimmsten aus.
,,Es ist nichts verschmiert", sagte er dann überrascht.
Ich lächelte zufrieden und lehnte mich noch einen Moment an ihn, bevor ich seufzte und mich von ihm löste.

,,Komm schon, wir müssen rein."
Einen Moment sah Ethan mich an - wie immer einen nachdenklichen Ausdruck auf seinem Gesicht - bevor er nickte und meine Hand ergriff.

Die Wärme die uns empfang, sobald wir wieder eintraten, ließ einen wohligen Schauer über meinen Rücken laufen.
Einen Moment suchte ich den großen Raum sowohl nach Dad und Ridley, aber auch nach meinen Freunden ab.
Mein Blick blieb zuerst an Dad hängen, der stand neben Mister Dempsey, einem langjährigen Freund meines Dad's. Er war der Joker für Ethan und Hanna, denn er war in der Harvard für die Stipendien zuständig.
Zu Ethan's und Hanna's Glück war Mister Dempsey nett und nicht abgeneigt gegenüber neuen Möglichkeiten, auch wenn der zunächst so strenge und autoritäre Mann einen leicht abschrecken konnte.

Sobald wir in die Halle traten, lockerte Ethan unsere umschlungenen Hände und legte mir die Hand auf den unteren Rücken. Gerade wollte er in die Richtung von Hanna und den anderen laufen, als ich stehen blieb und mit meinem Kinn auf Mister Dempsey und Dad zeigte.
Ethan sah stirnrunzelnd zu ihnen, um mich schließlich mit einem fragenden Blick in seinen ausdrucksstarken Augen zu mustern.
,,Ich weiß dass du im Moment noch auf eine Antwort von den Scouts wartest, aber der Mann neben meinem Dad ist Hanna's und deine Chance. Ich kenne Mister Dempsey schon seit ich klein bin und ich weiß, dass er für die Stipendien in der Harvard zuständig ist. Weil er schon so lange mit dabei ist, ist er an der Entscheidung beteiligt und hat nicht gerade wenig zu sagen", raunte ich Ethan leise zu.
Er wusste sofort was das bedeutete und war sich ebenso wie ich bewusst, dass das hier eine wichtige Chance sein könnte.
Ich sah ihm an, dass er überlegte, wie er Mister Dempsey bestmöglich von sich und Hanna überzeugen konnte. Ganz anders als ich Anfangs gedacht hatte, war Ethan manchmal ein echter Stratege. Obwohl er manchmal impulsiv und unüberlegt handelte, wusste er, wie er Leute von sich überzeugen konnte.
,,Ich gehe zu meinem Dad und Mister Dempsey und lege schonmal ein gutes Wort für euch an. In der Zeit holst du Hanna und kommst dann zu uns. Ihr schafft das." Ich lächelte noch einmal aufmunternd, gab Ethan einen schnellen Kuss auf die Wange und ging dann zu Mister Dempsey und Dad.

,,Guten Abend", begrüßte ich den Mann, der für Ethan und Hanna eine wirklich wichtige Entscheidung treffen konnte.
Mit meinem charmantesten und freundlichsten Lächeln reichte ich Mister Dempsey meine Hand. Der ältere Mann ergriff sie bereitwillig und trank einen Schluck aus seinem Champagner Glas, nachdem er mich begrüßt hatte.
,,Was halten Sie von der diesjährigen Charity Gala?", fragte ich ihn, um Smalltalk zu führen. Ich war wirklich schlecht in alldem und hoffte inständig, dass seine Sympathie für mich, meinen Arsch retten würde.

,,Sie ist toll. Etwas anders als die Jahre davor, aber ein bisschen Abwechslung ist manchmal nicht schlecht."
Er lächelte leicht, bevor er seinen Blick einen Moment durch den Saal schweifen ließ.
,,Dave hat mir erzählt, dass du tatsächlich immer noch auf die Harvard möchtest." Mister Dempsey deutete auf meinen Vater, der lächelte und mich ansah.
Jetzt durfte ich bloß nichts falsches sagen.

,,Natürlich möchte ich das. Die Harvard ist eine ausgezeichnete Uni und schon seit meiner Kindheit mein Traum. Ich bin froh, dass ich nicht auf ein Stipendium angewiesen bin, ansonsten wären meine Chancen vielleicht nicht ganz so gut."
Ich lächelte und wartete mit wildklopfendem Herzen Mister Dempsey's Reaktion ab.

,,Ich bin mir sicher, dass du auch für ein Stipendium gute Chancen hättest. Von deinen Noten mal abgesehen, hättest du den Vorteil, dass ich dich kenne und weiß, wie wichtig es dir ist auf die Harvard zu gehen. Aber du hast schon Recht - ein Stipendium zu kriegen wird immer schwieriger bei den Massen an Bewerbern", erwiderte er und nickte bestätigend.

Krampfhaft suchte ich nach einer Überleitung, um auf Ethan und Hanna zu sprechen zu kommen.
Ich grub meine Finger in meinen Arm, überlegte hin und her und sagte schließlich: ,,Viele meiner Freunde würden auch liebend gerne an die Harvard und die meisten haben auch die Möglichkeit dazu, sich das ohne ein Stipendium zu leisten. Aber zwei meiner Freunde..."
Als ich Dad's brennenden Blick auf mir spürte, musste ich kurz Luft holen. Er wusste genau, worauf ich hinauswollte und es gefiel ihm überhaupt nicht. Aber ich musste das tun, denn ich wollte Ethan und Hanna helfen. ,,...haben leider nicht die finanziellen Möglichkeiten. Ich weiß, dass sowas untypisch ist und ich möchte Sie überhaupt nicht in eine unangenehme Lage bringen. Aber würden Sie sich wenigstens einmal mit Ethan und Hanna unterhalten, Mister Dempsey?" Fragend schaute ich ihn an, versuchte seinem prüfenden, autoritären Blick standzuhalten. Es kam mir vor, als wären Minuten vergangen, als er nickte.

,,Wenn du mir die beiden persönlich empfiehlst und das Gefühl hast, dass sie qualifiziert genug für ein Stipendium sind, dann führe ich gerne ein Gespräch mit ihnen. Du weißt ich bin immer offen für Bewerber, aber ich kann ihnen und dir nichts garantieren", antwortete Mister Dempsey zu meiner Erleichterung. Am liebsten wäre ich ihm um den Hals gefallen, stattdessen lächelte ich möglichst freundlich und nickte.

,,Vielen Dank, Mister Dempsey. Ich weiß Ihre Offenheit was das betrifft wirklich zu schätzen. Hanna und Ethan sind..hier."
Genau in dem Moment stießen beide zu uns, mit den offensten und freundlichsten Lächeln die sie zu bieten hatten.

Eins musste man den Carrington's lassen, sie waren Meister darin, den Schein zu wahren und wirklich gut darin, die Leute von sich zu überzeugen.
Einen Moment war ich angespannt und ängstlich, ob Ethan und Hanna wirklich eine Chance bei Mister Dempsey hatten, aber als ich sah, wie ungezwungen sie mit ihm umgangen und wie begeistert er bereits nach ein paar Minuten war, stieß ich erleichtert die Luft aus.

Dad entfernte sich mit mir zusammen von ihnen, um sie in Ruhe reden zu lassen.
Er sah mich an, seine Augen verlangten stumm nach einer Antwort.
,,Ethan und Hanna brauchen diese Möglichkeit, Dad. Ich werde dir erklären warum, versprochen. Aber gerade ist nicht der richtige Zeitpunkt", erwiderte ich leise auf seine unausgesprochene Frage.

,,Ich wünschte du würdest dir so viel Mühe geben, wenn es um meine Geschäftspartner ginge." Er sah mich mit hochgezogenen Brauen an.
Am liebsten hätte ich die Augen verdreht, aber ich atmete nur kurz ein und aus.

,,Das würde ich ja, aber Ridley und du macht das einfach besser als ich. Was das angeht, braucht ihr mich nicht."
Einen Moment lang sah er mich an, bevor er einfach nickte und es dabei beließ.

,,Lass uns das hier zu Ende bringen und deine Mom stolz machen. Ihr war dieses Charity Event immer so wichtig", murmelte Dad dann noch, bevor er mich überrascht zurückließ und das kleine Podest ansteuerte, um seine alljährliche Rede zu halten.

Er hatte sie nicht vollkommen aus seinem Gedächtnis verdrängt. Dad dachte ebenso an Mom, wie ich immerzu an sie dachte und das erleichterte mich so sehr, dass mir beinahe schwindelig wurde. 
Zwar vermied er es, über die zu sprechen, aber die Tatsache dass er sie nicht vollkommen aus seinen Erinnerungen verbannt hatte, reichte mir für den Moment.

the great VictoriaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt