Kapitel 38 - Warum könnt ihr euch nicht einfach für mich freuen?

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>>Ein jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen:
In der ersten erscheint es lächerlich,
in der zweiten wird es bekämpft,
und in der dritten gilt es als selbstverständlich.<<

-Arthur Schopenhauer-

Ich kam zu spät in den Unterricht und ich wurde ziemlich von meiner Lehrerin angemacht, weil das schon das dritte Mal in Folge war, aber davon ließ ich mir meine gute Laune nicht nehmen und somit grinste ich weiterhin vor mich hin wie ein Trottel. 

Nach meiner ersten Stunde wurde ich am Spind von jemandem abgefangen. Ich sah die Person nur von hinten, aber ich konnte eindeutig eine männliche Gestalt ausmachen. Zuerst hatte ich kurz die Hoffnung, dass es Carter war, aber als ich dort ankam und sich die Person zu mir umdrehte erkannte ich Andrew. Er strahlte mir entgegen, als er mich erkannte und schob sich die Kapuze vom Kopf, die er trug.

„Ich habe gehört unsere Kleine wird erwachsen!" rief er für meinen Geschmack etwas zu laut und ich sah mich automatisch um, ob ihn jemand gehört hatte.

„Ich weiß nicht was du meinst." Murmelte ich und machte mich an meinem Spind-Schloss zu schaffen, das wie immer klemmte.

Ich bemerkte wie Andrew die Augenbrauen hochzog, aber er sagte nichts. Stattdessen gesellte sich nun auch Landon zu uns.

„Reden wir über das neuste Gerücht, dass über unseren Engel in Umlauf ist?" fragte er mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.

Ich verdrehte die Augen und ignorierte die beiden.

„Sie sagt, sie wüsste nicht, wovon wir reden." Erklärte Andrew, mit deutlich hörbarer Skepsis in der Stimme.

„Das ist ja seltsam, denn sie scheint ja die Hauptperson in dem Gerücht zu sein." Bemerkte mein Freund und zwickte mir in den Arm „komm schon kleine Fee, erzähl uns, was an der Story wahr ist und was nicht."

Andrew nickte unterstützend und huschte zu meiner anderen Seite, als ich den Spind schloss und den Gang entlang ging. Er hakte sich bei mir unter.

„Wir wollen alles wissen. Jedes Detail. Wie ist es dazu gekommen. Was hat er gesagt, was hast du gesagt? Wer hat wen geküsst und wie war es?" Andrews Stimme klang so aufgeregt, wie sie nur war, wenn es um seinen neusten Lover ging.

Landon verzog das Gesicht „Wir wollen FAST alles wissen, aber die Details über den Kuss selbst lässt du bitte weg."

Ich seufzte und erneut kroch eine Welle der Euphorie durch mich hindurch. 

Während wir die Pause dazu nutzten, mir an dem Automaten eine Straße von der Schule entfernt einen Kaffee zu besorgen, erzählte ich meinen besten Freunden, was mit Carter vorgefallen war.

Ich fragte mich, wer uns wohl beobachtet hatte, sodass jetzt alle davon wussten. Und warum war es für andere Menschen nur so spannend, wenn ich etwas mit einem Jungen hatte, wo doch an unserer Schule ständig ein Pärchen auseinanderging oder wieder zusammenkam.

„Und seid ihr jetzt zusammen?" fragte Andrew, der vor Begeisterung in die Hände klatschte.

Diese Frage verpasste meiner Euphorie über meinen Kuss mit Carter einen kleinen Dämpfer, denn wenn ich ehrlich über diese frage nachdachte, dann kannte ich keine Antwort darauf. Waren wir zusammen? Klar hatte Carter mir gestanden, dass er mich mochte und wir hatten uns geküsst, aber bedeutete es für ihn automatisch, dass wir nun ein paar waren?

Und wenn wir es jetzt wären, wie sollte ich mich ihm gegenüber verhalten? So wie immer oder anders?

Ich war verwirrt und man schien mir meine Verzweiflung wohl anzusehen, denn Andrew legte mir beruhigend eine Hand auf den Arm. 

„Keine Panik süße, sicher bedeutet das für ihn, dass ihr zusammen seid, er hat es nur noch nicht offiziell ausgesprochen, aber das wird er bestimmt noch tun." Er lächelte mir zu und machte zum wiederholten male einen kleinen Sprung in die Luft.

Nur Landon war auf einmal still geworden und runzelte nachdenklich die Stirn.

„Und wie ist das jetzt mit Kyle?" sprach er aus, worüber er sich den Kopf zerbrach. „Ich dachte du magst ihn." Sein Blick lag forschend auf mir, so als würde er versuchen in ihm zu lesen.

Ich hob die Schultern. „Ich habe euch doch schon gesagt, dass da nichts zwischen uns ist." Entgegnete ich und merkte dabei, wie sich etwas in mir zusammenzog. „wir sind nicht mal befreundet." Hängte ich dann noch an meine Aussage an.

Landon schüttelte den Kopf. „Ich glaube aber nicht, dass er dir wirklich so egal ist. Du hast dich noch nie so gut mit einem Jungen außer mir verstanden."

Andrew machte Anstalten zu protestieren, aber Landon schnitt ihm das Wort ab „du zählst nicht, weil du ein halbes Mädchen bist." Er sah wieder zu mir „Fey, du verbringst viel zeit mit ihm und ihr versteht euch augenscheinlich ganz gut. Außerdem hat er sich um dich gekümmert, als du auf dieser Party neulich total durch warst. Du kannst mir nicht erzählen, dass ihr keine Freunde seid."

Landons Stimme war viel zu ernst du irgendwie nervte es mich, dass er jetzt mit Kyle anfing, wo ich mich doch über Carter unterhalten wollte.

„Na und?" entgegnete ich ein wenig schroffer als beabsichtigt. „Und wenn wir Freunde wären, was hat das denn mit der Sache zwischen Carter und mir zu tun?"

Landon hob abwehrend die Schultern „Ich meine ja nur. Da ist ja auch noch die Sache mit eurem Deal. Alle an der Schule denken du wärst mit Kyle zusammen und jetzt geht das Gerücht rum, dass du Carter geküsst hast." Erklärte Landon. Er sah ein wenig besorgt aus und als er die Worte ausgesprochen hatte, wurde mir etwas bewusst. Kyle würde auch von dem Kuss erfahren haben, so wie alle anderen. Er wusste zwar, dass ich Carter mochte, schließlich hatte er mir ja selber geholfen, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass er begeistert davon war, dass nun die ganze Schule glaubte ich hätte ihn mit seinem besten Freund betrogen. Und ich selbst wollte genauso wenig, dass die Leute so von mir dachten.

„Das ist ein gutes Argument." Stimmte Andrew zu und ich wusste, dass die beiden recht hatten.

Und obwohl ich einsah, dass ich einen Fehler gemacht hatte, wollte ich es dennoch nicht zugeben.

„Warum könnt ihr euch denn nicht einfach für mich freuen." Fauchte ich und funkelte die beiden wütend an. „Ich erlebe einmal etwas, dass mich wirklich glücklich macht und ihr versucht direkt es mir kaputt zu machen." 

Mir war klar, dass ich überreagierte und nicht berechtigt war meine freunde so anzumachen, aber eine innere Wut auf mich selbst hatte sich in mir breit gemacht und suchte sich den Weg nach außen.

Landon und Andrew starrten mich überrascht an und schienen nicht zu verstehen, was in mir vorging. Ich verstand es ja selbst nicht richtig.

Überrascht von mir selber wich ich einen Schritt zurück und schüttelte den Kopf. Ich hatte nicht mitbekommen, dass mein Kaffeebecher mittlerweile seinen Weg zum Boden gefunden hatte und bevor einer meiner Freunde etwas sagen konnte schüttelte ich den Kopf.

„Sorry, ich weiß nicht was mit mir los ist. Ich glaube ich lasst mich jetzt am besten in Ruhe." 
Sagte ich mit belegter Stimme und plötzlich spürte ich Tränen meine Wange hinunterlaufen. 

Bevor einer der beiden etwas sagen oder mich aufhalten konnte, drehte ich mich um und lief Richtung Schule davon.

faking itGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt