>>Die guten Taten retten die Welt.<<
-Bjørnstjerne Bjørnson-
Ich bedauerte ein wenig, dass Carter nicht bleiben konnte. Ich hatte ganz sicher keine Lust darauf einen weiteren Freitagabend mit den Jordans an einem Tisch zu verbringen. Wobei nicht mal Evelyn oder Jack das Problem waren – ganz im Gegenteil, ich mochte die beiden sehr – sondern vielmehr Kyle. Die Vorstellung ihm erneut schweigend gegenüber zu sitzen war nicht besonders angenehm. Ein Gespräch mit ihm aufzubauen war ohnehin sinnlos, weil er entweder abblockte oder das Ganze in einem erneuten Streit oder Beleidigungen an mich endeten. Aber ich wusste, dass meine Mom mir nie erlauben würde das Essen zu schwänzen und deswegen musste ich wohl oder übel der Situation stellen, mit der Hoffnung, dass von jetzt an nicht jeder meiner Freitage so aussehen würde.
Evelyn und Jack kamen bereits gegen sechs und da Kyle nicht bei ihnen war hoffte ich, dass er es irgendwie geschafft hatte seine Eltern zu überreden, ihn ausgehen zu lassen oder sowas.
Meine Mutter schein denselben Gedanken zu haben, denn mit dem leisen Unterton von Hoffnung erkundigte sie sich bei den beiden.
„Euer Sohn wird nicht kommen?" sie täuschte ein wenig Bedauern vor.
Evelyn lächelte „Oh doch, er wird ein wenig später zu uns stoßen, weil- er muss noch etwas klären."
Ich runzelte die Stirn bei ihren Worten verdrängte meine Überlegungen jedoch.
„Ach, wie schön." Sagte Peter, der versuchte die Situation zu lockern.
Er wandte sich an Jack „Ich wollte dir doch den neuen Grill zeigen, von dem ich dir erzählt habe." Er deutete in Richtung Terrasse „Willst du ihn dir kurz ansehen?"
Jack stimmte zu und die beiden Männer verschwanden eifrig auf die Terrasse.
Meine Mom und Evelyn lächelten sich an und ich verdrehte ein wenig die Augen. Was konnte man an einem Grill den so schrecklich interessant finden, dass man sich dafür sogar freiwillig in die Kälte begab, die um diese Uhrzeit mittlerweile draußen herrschte?
Die beiden Mütter gingen in die Küche, um den Salat für die Vorspeise vorzubereiten und ich folgte ihnen, weil ich sonst eh nichts Besseres zu tun hatte.
„Freya, könntest du bitte schon mal den Tisch decken und den Servietten-Ständer auffüllen?" bat mich meine Mom und erleichtert eine Aufgabe bekommen zu haben verschwand ich in das Wohnzimmer um den großen Tisch einzudecken.
Es klingelte an der Tür und weil ich davon überzeugt war, dass es Kyle war, der da an der Tür stand, wartete ich erstmal ab, ob jemand anders öffnen würde, als jedoch zunächst keiner Anstalten machte, begab ich mich schließlich doch seufzend auf den Weg.
Wie ich erwartet hatte blickte Kyle mir entgegen, als ich die Tür öffnete.
Grummelig und deutlich missgelaunt murrte ich ein „Hallo." Und trat zur Seite, um ihn durch zu lassen.
„Gut gelaunt wie immer, Fey." Gab er nur zurück und trat an mir vorbei in den Flur.
Er trug nur einen Pulli und hatte sich nicht mal einen Schal um den Hals gebunden und ich fragte mich, wie er mit der Bekleidung nicht vollkommen durchgefroren sein konnte.
„So heiße ich nicht." Startete ich einen Versuch ihn doch noch dazu zu bringen, sich meinen Namen zu merken, auch wenn es ein aussichtsloser Versuch war.
Er drehte sich zu mir um und grinste „Ich weiß."
„Warum nennst du mich dann so?"
Gleichgültig hob er die Schultern. „Weil du nicht wichtig oder interessant genug bist, um mir deinen echten Namen zu merken."
Okay, das war gemein.
„Na schön, ist mir auch egal." Gab ich betont neutral zurück und wollte mich an ihm vorbei drängen, aber ich stolperte über seine Schuhe, die er mitten im Weg ausgezogen und dort stehen gelassen hat.
Fluchend versuchte ich mich an der Wand abzustützen, aber ich rutschte ab und verlor den Halt.
Ich konnte den Boden schon vor meinem Gesicht sehen und das Knacken hören, wenn meine Nase vom Aufprall brach. Aber im letzten Moment packte Kyle meinen Oberarm, zog mich zurück und legte mir haltgebend einen Arm um die Taille.
Der erschrockene Laut, der mir im Hals steckte, wollte nicht über meine Lippen kommen, als ich meinen Blick hob.
Kyle sah auf mich herab, ich konnte nicht entziffern, ob sein Stirnrunzeln Sorge, Genervtheit oder doch noch etwas anderes verdeutlichen sollten.
Ich stand eng an ihn gedrückt. So nah, dass fast jeder Zentimeter meines Körpers seinen berührte und ich das Gleichmäßige heben und senken seiner Brust spürte.
Einen Moment lang sahen wir uns einfach nur an und sagten nichts, aber dann hörten wir Schritte näher kommen und so schnell wie Kyle mich vor dem Sturz bewahrt hatte, hatte er mich auch schon wieder losgelassen und ich stolperte einen Schritt zurück.
„Danke." Murmelte ich.
„Pass besser auf, wo du hinläufst, du scheinst ein Talent für ungünstige Situationen zu haben." Sagte er trocken.
Ich wollte ihn gerade darauf hinweisen, dass er Schuld an diesem beinahe-Sturz gehabt hatte, als sie Stimme meiner Mom ertönte.
„Kyle." Sagte sie ausdruckslos „Schön das du da bist." Misstrauisch sah sie zwischen uns hin und her.
„Guten Abend Mrs. Snow." Gab Kyle in derselben Tonlage zurück.
„Deine Mom holt gerade die Männer rein die Vorspeise ist gleich fertig." Sie sah mich an „Freya, du kannst mir beim Salat helfen." Es klang mehr wie ein Befehl als eine Bitte oder ein Vorschlag.
Sie drehte sich um noch bevor ich etwas erwidern konnte und ich warf noch einen kurzen Blick zu Kyle – den er erwiderte – bevor ich ihr hinterher eilte.
Ich wusste, dass sie zu hundert Prozent keine Hilfe beim Salat benötigte und ihn nur als Vorwand benutzte, um mit mir alleine zu sprechen.
Wie zur Bestätigung meines Gedankens, drehte sie sich prompt das sie in der Küche war zu mir um und stemmte die Hände in die Hüften.
„Habe ich nicht gesagt du solltest dich von ihm fernhalten?"
Ich hob die Hände. „Ich habe ihm nur die Tür geöffnet."
Sie zog die Augenbrauen hoch. Ich spürte Wut in mir aufsteigen. Vertraute sie mir denn überhaupt nicht?
„Gut okay, beim nächsten Mal lasse ich die Leute dann einfach vor der Tür stehen." Meine Stimme klang gereizt, als ich diese sarkastische Bemerkung fallen ließ.
„Nicht so frech!" meine Mutter sah sauer aus, dabei hatte sie nicht mal einen Grund dazu. „Und lüg mich nicht an, ich habe gesehen, wie er seinen Arm um dich gelegt hat."
„Weil ich sonst hingefallen wäre, er hat mich festgehalten."
„Spar dir die Ausreden. Denkst du ich bin blöd?"
Ich sah auf den Boden „ne, aber hysterisch." Flüsterte ich leise.
„Wie bitte?"
Ich sah hoch „Nichts. Hör mal Mom, ich verspreche dir, dass ich absolut kein Interesse an Kyle habe. Ich kann ihn ja nicht mal leiden." Versuchte ich es diesmal diplomatisch und meine Mom sah zwar ein wenig besänftigt, aber dennoch misstrauisch aus.
Evelyn streckte ihren Kopf in die Küche. „Ist der Salat fertig?" flötete sie mit ihrer typisch singenden Stimme, die sofort die Stimmung aufhellen konnte.
Meine Mom lächelte ihr zu. „Ja, wir können jetzt anfangen zu essen."
Sie nahm die Salatschüssel und ging damit voraus in den Wohnraum, wo der Rest schon versammelt saß. Mein Platz war natürlich der Platz am Kopfende, direkt neben Kyle.
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Ab nächstem Kapitel beginnt die Story so richtig, also seit gespannt :)
LG Kat
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faking it
Roman pour AdolescentsFreya und Kyle sind von grundauf verschieden. Sie ist fröhlich, brav und fleißig. Die Vorzeigetochter ihrer Mutter und mehr um das Wohl anderer als um das eigene bemüht. Er ist abweisend, gemein und überheblich. Er ist der Junge, den keine Mutter ge...
