Kapitel 16 - Du hast doch einfach nur Angst alleine zu sein!

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>>Eine Mutter ist der einzige Mensch auf der Welt,
der dich schon liebt, bevor er dich kennt.<<

-Johann Heinrich Pestalozzi -


„Ich habe dir gesagt du sollst dich von dem Jungen fernhalten." Keifte meine Mutter eine halbe Stunde später durch die Wohnung.

Die Jordans hatten erst seit wenigen Minuten das Haus verlassen, da hatte mich meine Mom schon am Arm gepackt und in die Küche geschleift.

Sie stand nun vor mir, zu ihrer vollen Größe aufgebaut und stemmte die Hände entschlossen in die Hüfte. Und ich stand einfach nur an den Küchentresen gelehnt da und ließ ihre Wutausbrüche über mich ergehen.

Es war nicht angenehm, dass sie mich so anschrie und meine innere Stimme drängte mich dazu etwas zu sagen und mich zu wehren, aber ich wusste, dass man meine Mom in so einer Phase besser nicht unterbrach.

Als sie zum Ende ihrer Schimpftirade kam funkelte sie mir böse entgegen.

„Hast du denn überhaupt nicht dazu zu sagen?" fragte ich grimmig.

Ich seufzte und stieß mich von der Arbeitsplatte ab. „Mom es tut mir leid dass ich dir nichts gesagt habe." Ich bemühte mich überzeugend zu wirken. „aber du hast gesehen, wie ich von seinem Motorrad gestiegen bin und danach hast du so schlecht von ihm geredet, dass ich mich nicht mehr getraut habe es dir zu sagen." Betreten ließ ich meinen Blick zum Boden gleiten. Ich versuchte die opferrolle einzunehmen, um das Muttergefühl in meiner Mom zu wecken, aber es klappte nicht.

Sie schnaubte „Oh, du wusstest genau ich habe was gegen diesen Jungen, aber es hat dich nicht interessiert. Er ist ein schlechter Umgang für dich."

Ich veränderte meine Taktik und versuchte es mit Trotz. „Und wenn schon. Ich bin sechzehn und mittlerweile alt genug, um selber zu entscheiden wer gut und wer schlecht für mich ist."

„Siehst du?" meine Mutter reckte den Finger in die Luft als wolle sie diesen Momentunterstreichen „Er färbt bereits auf dich ab. Du hast nie Wiederworte gegeben. Du bist gut erzogen und dieser Typ macht dich zu einem genauso großen Egoisten wie er es ist."

Ich wurde langsam ein wenig wütend „Ja, ich habe nie Wiederworte gegeben und jetzt tue ich es, aber wer sagt, dass das etwas Schlechtes ist. Immerhin stehe ich jetzt mal für meine Meinung und meine Taten ein. Du tust als wäre ich ein Kleinkind das bemuttert werden muss!" zum Ende hin wurde meine Stimme immer lauter, bis ich beinahe schrie.

„Du hast keinerlei Respekt." Keuchte meine Mom. „Du hast zu tun was ich dir sage und ich möchte, dass du deine- deine Beziehung zu diesem Kyle beendest."

„Nein." War das einzige was ich hervorbrachte.

„Nein? Ich bin deine Mutter und ich erwarte, dass du mich auch dementsprechend behandelst."

Ich schüttelte den Kopf „Du verstehst es einfach nicht oder? Du bist zwar meine Mutter, aber du kannst nicht über mein ganzes Leben bestimmen! Ich bin kein Baby mehr."

Meine Mutter kniff die Augen zusammen. „Ein anderer Ton Fräulein!"

„Soll ich dir was sagen? Ich glaube du versucht nur deshalb mein ganzes Leben zu steuern, weil du Angst hast, dass ich sonst gehe, denn dann hast du niemanden mehr. Dad ist Tot und ich bin das Einzige was dir noch bleibt, deshalb klammerst du dich an mir fest, aber das funktioniert nicht, denn indem du das tust stößt du mich nur immer weiter von mir weg! Du hast einfach nur Angst alleine zu sein!" spie ich ihr entgegen, doch sobald die Worte raus waren bereute ich sie auch schon.

Meine Mutter starrte mich still an, Tränen stiegen ihr in die Augen.

Erschrocken schlug ich mir eine Hand vor den Mund und streckte die andere nach ihr aus. „Mom es tut mir leid." Begann ich, aber die blickte nicht zu mir.

„Geh." Meinte sie mit ruhiger, aber ausdrucksloser Stimme.

Als ich mich nicht rührte, sah sie doch zu mir auf „Ich habe gesagt du sollst in dein Zimmer gehen." Sagte sie nun mit strengerer Stimme und ich gehorchte.

Als ich die Küche verließ begegnete ich Peter, der wohl unser Gespräch mitangehört hatte. Er lächelte mich zwar aufmunternd und freundlich an, aber ich glaubte in seinen Augen auch einen Vorwurf erkennen zu können.

Tränen stiegen mir in die Augen.

unschlüssig stand ich im Flur. Ich wollte nicht in mein Zimmer, ich wollte mich nirgendwo in diesem Haus aufhalten.

Kurzentschlossen nahm ich meine Jacke vom Haken und schlüpfte in meine Schuhe. Dann griff ich nach Schlüssel und Handy und zog die Haustüre hinter mir zu.

faking itWo Geschichten leben. Entdecke jetzt