Kapitel 6

476 11 0
                                    

Wir waren beide erstarrt. Keiner zeigte eine Reaktion. Warum musste es ausgerechnet dieser Kerl sein? Was würde passieren, wenn er Recht hatte? Wenn wir wirklich nicht mehr in der Lage dazu waren, uns auf die Fälle, an denen wir arbeiteten, zu konzentrieren. Das würde dazu führen, dass unsere Quoten sanken, das wiederum würde die Leute, die unsere Ergebnisse analysierten nachdenklich stimmen und dass könnte letztendlich dazu führen, dass man uns Fragen stellte. Fragen, auf die ich nicht unbedingt antworten wollte. Also mussten wir beweisen, dass Mr. Paxton Unrecht hatte. Dass wir sehr wohl weiterhin zu den Besten gehörten.

"Das heute Morgen war...," ich überlegte, als was konnte man es bezeichnen, um es harmlos darzustellen?

"Privat."

Mein Blick fiel auf Booth, welcher überzeugt in Paxtons Richtung sah. Genau. Seine Aussage traf zu. Eigentlich war dieser Moment sehr privat, auch wenn wir bereits auf dem Weg ins Jeffersonian waren. Dieser Kuss hatte nicht während der Arbeitszeit stattgefunden,streng genommen zumindest nicht.

"Ja. Wir sind sehr wohl in der Lage, uns während eines Falles auf das Berufliche zu konzentrieren. Sehen Sie sich unsere Erfolgsquoten an. Das wird Sie überzeugen."

Meine Behauptung traf zwar nicht vollkommen zu, da Booth und ich uns erst seit diesem Morgen in der Situation befanden, aber das konnte Paxton nicht wissen.

Er nippte an seinem Wein, sein Blick pendelte zwischen Booth und mir hin und her. Dann nickte er.

"Gut. Wenn Sie mir Ihr Wort darauf geben, werde ich Ihnen die Möglichkeit geben, sich zu beweisen."

Ich nickte und stand auf. Wollte endlich zu meinen Knochen und mir selbst beweisen, dass unsere Konzentration nicht unter diesen bestimmten Augenblicken zu leiden hatte. Auch wenn ich bereits vom Gegenteil überzeugt worden war. Allerdings konnte man einen steckengebliebenen Aufzug nicht wirklich als Arbeitszeit ansehen, oder doch? Was hätten wir denn tun sollen? Uns waren zu diesem Zeitpunkt beruflich gesehen doch die Hände gebunden gewesen.

Booth stand ebenfalls auf, versuchte eine körperliche Distanz zu mir einzuhalten. Oh, welch gute Schauspieler wir waren.

"Wo finden wir die Knochen?"

"Larry wird Sie hinführen."

"Danke."

Kaum war sein Name gefallen, öffnete sich die Tür und Larry, wie er zu heißen schien, trat ein. Er lächelte uns zu, deutete an, dass wir ihm folgen sollten und ging dann voraus, zurück zum Fahrstuhl. Warum auch immer, kehrte sofort dieses Herzklopfen zurück. Ich wippte von einem Fuß auf den anderen, während wir warteten, bis der Aufzug eintraf. Die Türen öffneten sich und ein wenig Erleichterung kehrte ein, als ich sah, dass Larry ebenfalls einzusteigen schien. Booth warf mir einen kurzen, enttäuschten Blick zu und stellte sich anschließend in die selbe Ecke wie vorher. Ein letzter Atemzug und ich betrat erneut das schwebende, sexuell anziehend wirkende Räumchen. Als Larry die Taste für das Erdgeschoss drückte, fragte ich mich, weswegen wir überhaupt zu Mr. Paxton geführt worden waren. Hatte er irgendwelche wichtigen Informationen für uns gehabt? Eigentlich nicht. Und allein die Tatsache, das wir ihn heute Morgen an der Ampel aufgehalten hatten, konnte auch keine Rolle gespielt haben. Schließlich hatte er nicht gewusst, dass wir diejenigen waren.

Oder doch? War er ein ebenso guter Schauspieler wie Booth und ich? Hatte er womöglich den Auftrag bekommen zu überprüfen, ob wir weiterhin unsere Arbeit machten? Ob wir sie auch erfolgreich und gut ausführten?

Ich schüttelte diese Gedanken ab. Das war absolut lächerlich. Es klang paranoid. Diese Idee könnte von Hodgins stammen, aber nicht von mir.

Die Türen öffneten sich und Larry übergab uns an jenen Herren, der uns vorher in Empfang genommen hatte. Warum veranstaltete man so ein Theater um Mr. Paxton? War er tatsächlich so wichtig?

Bones "Just Friends"Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt