|18|

19 3 0
                                    

Es kostete ihn eine Menge Überwindung sie nicht zu greifen und sie zwischen sich und den Stein zu pressen. Sie zu küssen. Zu Berühren und nie wieder loszulassen.
Er schloss die Augen und drehte sich von ihr weg. Sie kannte es. Sie starrte seinen Rücken an. Seine Muskeln die leider nur schwach von dem Mondlicht beleuchtet wurden.
„Warum bist du mir gefolgt?" Er verstand nicht, wie er das hatte verpassen können. Sie ging zwei Schritte auf ihn zu. Ihre Finger bewegten sich ohne dass sie darüber nachdachte, strichen über seinen Rücken. Hinunter zu seinem Unterrücken. Dann presste sie seine Lippen auf seine Schulter, die nicht von seinem verrutschten Pelz bedeckt waren. Selbst durch den Stoff und das Leder hindurch spürte er ihre Berührung. Ihn durchlief ein Schaudern. Langsam schloss er die Augen und versuchte sich zu beruhigen. Das war ein Traum, sagte eine Stimme in seinem Kopf. Während eine andere Rief: wenn das ein Traum ist dann schnapp sie dir. Doch das wollte er nicht. Er wollte dass sie ihn schnappte.
Ihre Lippen wanderten auf seinem Rücken. Dann spürte er ihre Hände auf seiner Schulter. Sie trat an ihn heran und stellte sich auf die Zehenspitzen damit sie ihm einen Kuss in den Nacken hauchen konnte. Haut auf Haut.
Er stöhnte auf. „Du solltest gehen." Versuchte er zu sagen. Aber es kam nur ein heiseres Kratzen aus seiner Kehle. Nahe an seinem Ohr flüsterte sie: „Nimm mich."
So gerne hätte er nachgegeben. Seine Lenden schmerzten doch er durfte nicht. Ihr Duft ließ ihn beinahe durchdrehen. Ihr Körper an seinem raubte ihm beinahe den Verstand. Mit einem Ruck schob er sie von sich. Sie hatte nicht mal bemerkt wie er sich umgedreht hatte. Sie sollte besser aufpassen. Es schmerzte sie so sehr das er sie von sich schob.
Die Plötzliche Kälte ließ sie beide erschauern. „Warum bist du gekommen? Nimm mir nicht noch den Rest meiner Ehre." Knurrte er. Erschrocken sah sie ihn an. Endlich hatte er seine Stimme wieder. Sie verstand aber nicht was er damit meinte. „Was soll das bedeuten? Willst du mich nicht?" Fragte sie und kämpfte gegen die Tränen. Freya weinte nicht. Niemals.
 Am liebsten hätte er jetzt ihrer Bitte nachgegeben. Er wollte sie. Mehr als irgendwas sonst. „Jeden kleinen Teil meiner Ehre hast du mir geraubt. Aber ich werde niemandes Frau entweihen." Sagte er grimmig. „Aber ich will ihn doch nicht." Verzweifeltes verstehen breitete sich in Freya aus.
„Ich habe das doch wegen dir getan." Ihre Stimme wurde laut. Sie starrte ihn an. Sein Blick drückte Verwirrung aus. Er konnte nicht verstehen was es ihm bringen würde wenn sie diesen Mann heiraten würde. Ihm gefiel es ja nicht einmal wenn jemand sie ansah. Selbst in ihren üblichen Kleidern.
Sie sollte ihm gehören, doch er hatte sie verloren. „Tu nicht so als würde ich dir etwas bedeuten. Du bedeutest mir nichts. Es war ein Teil meiner Ehre dich zu geleiten. Jetzt werde ich gehen. Hier bist du gut aufgehoben."
Schmerz durchschoss seine Adern als er den Blick seiner Freya sah. Noch nie hatte er dieses wunderbare und kampfwütige und starke Wesen so verletzlich gesehen. Er hatte sich geschworen sie zu schützen aber hatte sie verletzt, hielt sich für stark doch konnte er diesen Anblick nicht ertragen. Das hielt er nicht aus. Mit einem letzten Sehnsüchtigen Blick drehte er sich um.
Schmatzend, stapfte er durch den tiefen Schnee. Alles in ihm schrie er solle sich umdrehen und ehrlich sein. Doch er hatte Angst. Als wäre das nicht genug machte ihm das wissen Angst zu haben auch Angst. Er war verändert. War nicht mehr der Mann, der er noch vor einigen Tagen gewesen war. Er war gebrochen.
Sören konnte ihr schluchzen hören, doch wenn er sich umdrehen würde, würde er zu ihr gehen, würde sie in den Arm nehmen und würde zusehen, wie sie einen anderen Mann heiratete.
Sie saß weinend im Schnee. Dabei weinte sie nie. Er hatte sie zum weinen gebracht. Ein Mann der nichts von ihr wusste, aber alles in ihr sah.
Der Schmerz übermannte sie. Sie hatte Angst als er den Saal verlassen hatte. Sie hatte Angst, als sie ihn nicht dauernd gesehen hatte, als er vor ihrer Tür stand und sagte er würde gehen. Er hatte sie angesehen und sie wusste es. Sie wusste, er fühlte es auch. Doch sie hatte sich anscheinend geirrt und es machte sie kaputt das zu wissen.
Wie konnte sie sich so irren? Niemals wollte sie sich so in jemandem Täuschen. Doch das Gefühl, das sie nun schüttelte würde dies auch nicht zulassen. Es war eine tiefe Leere. Sie hörte Geräusche hinter sich, doch sie hatte nicht die Kraft sich zu bewegen. Sie spürte kalte Finger an ihrem Gesicht. Sie spürte gedämpfte Rufe. Doch nichts brachte sie über ihre Lippen.
Jemand hob sie hoch. Freya spürte starke Arme, doch sie wollte nicht mehr denken. So wie sie nichts sah und nichts hörte. Sie wollte auch nichts spüren. Doch der Schmerz den sie spürte brachte sie um. Nie hatte ein Messer ihr solchen Schmerz verursacht. Sehnlichst wünschte sie sich der Schmerz würde sie verschlucken oder er würde verschwinden. Doch er verschwand nicht. Er zog sie in eine dunkle Bewusstlosigkeit. Schwarz und schwer. Erdrückend und angsteinflößend. Und doch sie spürte es kaum. Sie war taub. Dafür dankte sie den Göttern. Beschütz ihn. Lasst nicht zu das ihm etwas geschieht. Bitte. Flüsterte ihr Geist den Göttern zu. Dann war sie weg. Verschwunden in einem tiefen Loch aus Schmerz, Leid und Elend.

FREYA - Im Auge des Sturms (Band 1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt