-Chapter 9-

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Geh weg von mir!,ertönte es plötzlich von draußen.

Geh weg,du Monster!

Ich sprang auf und schaute aus dem Fenster.

Eine der Frauen drehte völlig durch,schrie und schlug um sich.

Ich rannte die Treppe runter und sah mir das Geschehen im Garten an.

Ihr Blick war wild und verrückt.

Geh weg!Geh weg von mir!

Und bevor einer der Vampire noch ein Wort sagen konnte,gab sie ihm einen Stoß mit aller Kraft.

Er stolperte rückwärts und über seine eigenen Füße.

Reflexhaft streckte er die Hand aus,und seine Finger krallten sich in ihr T-Shirt.

Sein Gewicht riss sie mit und er konnte nichts mehr tun.

So fielen sie ins Wasser.

Die Frau war unter und über ihm und um ihn herum,als sie untergingen,und ihre Arme und Beine verhedderten sich ineinander wie in einem Netz.

Ich wollte rein springen aber ein anderer Vampir hielt mich davon ab.

Hektisch sah ich mich um.

Wo war Samu?

Aber ich hatte keine Zeit nach ihm zu suchen.

Der Vampir wollte sich befreien,doch die Frau hielt ihn fest und zog ihn immer weiter hinunter.

Er konnte nicht schwimmen,keinen einzigen Zug.

Er konnte irgendwie daherdümpeln und er hatte nicht die Kraft,sie mitzuziehen.

Er reckte den Kopf,um an die glänzende Wasseroberfläche zu gelangen,wo die Luft anfing,aber sie hätte ebenso gut eine Meile weit weg sein können.

Die Frau zog ihn hinunter in eine Welt der Stille,als wäre der Pool ein umgedrehtes Stück Himmel-und da kapierte ich es:Genau dahin wollte sie.

Dahin hatte sie die ganze Zeit gewollt.

Was immer sie in der anderen Welt,in der dort über dem Wasser,gehalten haben mochte,jetzt war es endlich gerissen wie eine Schnur eines Windvogels.

Die Welt stand auf dem Kopf,und jetzt stürtzte der Windvogel ab.

Sie zog ihn in ihre Arme,drückte ihr Kinn an seine Schulter,und eine Sekunde lang sahen sie sich in die Augen,in den Strudeln des Wassers und sie sah die furchtbare,unendliche Dunkelheit in seinen Augen.

Mit einem weichen Stoß landeten sie auf dem Grund.

Als sie das erste Mal einatmete,sah ich,wie ihre Schultern zuckten.

Dann tat sie es noch einmal,und ein drittes Mal,und die letzten Luftblasen aus ihrer Lunge schwebten an seinem Ohr vorbei wie ein geflüstertes Geheimnis und dann ließ sie ihn los.

Ich weinte laut und konnte auch nicht aufhören.

Sie war tot,ihre Seele war längst fort,lediglich ihr leerer Körper trieb langsam an die Oberfläche und fand seinen Platz zwischen schwimmenden Laub.

Das alles hatte etwas Friedliches,den schrecklichen Frieden eines gebrochenem Herzens-wie etwas,das zu lange gedauert und schließlich doch zum Ende gefunden hatte.

Der Vampir hob sich aus dem Wasser und brach auf dem Boden zusammen.

Aber er lebte weiter.

Wenn er überhaupt lebte.

Er tat einfach das,was Vampire nun mal machen.

Ich konnte nicht aufhören zu heulen.

Irgendwas zog mich an seinen Körper.

Es war Samu und ich krallte mich in sein Shirt und weinte und schrie gegen seine Brust.

Er versuchte mich zu beruhigen.

Mach,dass sie aufhört!,schrien die anderen Vampire und ich versuchte wirklich mein Bestes.

Samu zog mich in das Haus,wo ich dann endgültig auf den Boden sackte.

Jessica!

Er rief meinen Namen.

Ein kleines Lächeln zierte meine Lippen,als ich mich in die unendliche Dunkelheit führen ließ.

R U NWo Geschichten leben. Entdecke jetzt