28. Verzweigte Wege

131 14 11
                                    

So, der große Cut, hier ist er.

Ich bin sehr gespannt, was ihr von der ‚neuen' Megan haltet. Was glaubt ihr, wie es Chester geht? Was habt ihr erwartet?

<3

_______________________________

"Just stuck, hollow and alone - And the fault is my own and the fault is my own - I wanna heal, I wanna feel - What I thought was never real - I want to let go of the pain I felt so long – Somewhere I belong"

Linkin Park – Somewhere I belong

2004

„Hau schon ab, den Rest schaffe ich auch ohne dich!"

„Danke Meg, du bist die Beste!"

Megan lachte und warf das feuchte Handtuch, mit dem sie gerade die Theke abwischte, nach Paul, ihrer Küchenhilfe, der dem alkoholdurchtränkten Stoff gekonnt auswich und mit einem letzten Winken die Bar in Richtung der langsam aufgehenden Sonne verließ, sein Surfboard unter den braungebrannten Arm geklemmt.

Megan schüttelte lächelnd den Kopf und kam dann hinter dem Tresen hervor, um den Lappen aufzuheben, der auf den ausgetretenen, dunklen Holzdielen lag. Als sie sich wieder aufrichtete, stemmte sie die Hände in die Hüften und sah sich um. Ihr Blick wanderte über die dunkel vertäfelten Wände, die über und über bedeckt waren mit Band- und Filmpostern, Gitarren, Fotos, Plakaten, einem unechten Eberkopf, Landkarten mit Punkten an all jenen Orten, die sie je besucht hatte, Zeitungsausschnitten und jeder Menge Kram, den Besucher hier hinterlassen hatten. Die amerikanische Flagge, ein Surfboard als Regal, Zeichnungen einiger ortsansässiger Tätowierer. Die Tische in den Nischen waren ebenfalls aus dunklem Holz, die Stühle und Bänke rot bezogen. Gäste hatten Namen, Daten und Obszönitäten in die Platten geritzt, aber Megan fand das vollkommen in Ordnung. Sie wollte, dass dieser Ort lebte. Geschichten erzählte, die sie selbst nicht kannte.

Die Jukebox in der Ecke wurde nur selten angeworfen, genau wie die Dutzenden Flaschen, die über der Theke auf einem Regal vor sich hin staubten. Die meisten Gäste, die hier her kamen, wollten keine Cocktails, sondern Bier oder etwas Härteres.

Megan mochte diese seltenen, ruhigen Stunden im Rooftops, ihrer Bar, die sie vor zweieinhalb Jahren eröffnet hatte und seitdem als alleinige Chefin führte. Sie hatte drei Angestellte, Paul, der gerade mit ihr die Nachtschicht beendet hatte und zum Surfen aufgebrochen war, Suzy, die mit ihrem guten Aussehen und ihrer großen Klappe schon die eine oder andere Kneipenprügelei angezettelt hatte, und Aiden, den Megan bei Bedarf auch gerne mal als Türsteher einsetzte. Aiden war knappe zwei Meter groß und passte kaum durch einen Türrahmen, hatte aber das Gemüt eines Bernhardiners – durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

Nun war es halb fünf, vor einer halben Stunde hatten sie die letzten Gäste rausgeworfen und abgeschlossen. Wie jeden Tag hatte Megan erst aufgeräumt und sich dann an die Abrechnung gemacht. Der Laden lief überraschend gut. Vom ersten Tag an hatte das Publikum die verwohnte, etwas heruntergekommene Bar gemocht, außerdem war das Bier gut und die Preise moderat und niemand hatte etwas dagegen, wenn auf den Tischen getanzt wurde. Und so kam es, dass Megan nun schon zweieinhalb Jahre lang direkt an der Küste Santa Monicas lebte, im Herzen Kaliforniens, einem der Staaten, um den sie eigentlich immer einen großen Bogen hatte machen wollen.

Wisconsin – Arizona – Kalifornien.

Die Orte, an denen Menschen von Megans Vergangenheit wussten, und die sie deshalb auf ihren Reisen kreuz und quer durch die USA gemieden hatte, wie der Teufel das Weihwasser. Sie war nie lange an einem Ort geblieben. Die ersten vier Jahre ihrer Flucht waren ein ständiges Fürchten um ihre Anonymität gewesen, dann war sie endlich 21 geworden und hatte anfangen können, sich eine eigene Existenz aufzubauen. Sie hatte viele Menschen getroffen und auch wieder verlassen, doch ihr Netz von Kontakten spannte sich über ganz Amerika, und irgendwann hatte jemand jemanden gekannt, dessen Schwester einen Bekannten hatte, der...und so war sie an die kleine Bar in Santa Monica gekommen. Eigentlich hatte sie nur einen kurzen Blick auf den Laden werfen wollen und sich bei Gelegenheit ein Tattoo von einem der Künstler aus Kat von D's High Voltage Tattoo Shop in LA stechen lassen, doch irgendwie war sie hängengeblieben. Und eigenartigerweise spürte sie noch nicht diese innere Unruhe, die sich bei ihr nach spätestens einem Jahr am selben Ort stets einstellte. Dieser Drang, weiter zu müssen, die Zelte abzubrechen und ein neues Abenteuer zu starten.

Pushing me away (Chester Bennington)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt