Ah, nichts geht über ein wenig Drama ;)
In dieser Geschichte passiert wirklich in jedem Kapitel neuer Herzschmerz, beinahe tut ihr alle mir ein wenig leid - aber nicht genug, dass ich die Storyline ändern würde... ;)
Enjoy!
_________________________________
So if I survive, then I'll see you tomorrow, yeah I'll see you tomorrow - My legs are dangling off the edge - The bottom of the bottle is my only friend"
Hollywood Undead – Bullet
Der Ausblick von der alten Fabrik war noch genauso atemberaubend wie beim ersten Mal, als Megan am Rand des Daches gestanden und einfach bis an den Horizont gesehen hatte. Manche Dinge gingen wohl nie vorbei. Ihr Blick wanderte nach unten, und, ebenfalls wie beim ersten Mal, fragte sie sich, wie lange es wohl dauerte, bis man unten ankam. Irgendwo hatte sie mal gehört, dass man den Aufprall gar nicht mehr spürte.
„Hey, wenn du planst, da runter zu springen, dann mach das irgendwann dann, wenn ich nicht dabei bin! Das hier ist einer der wenigen Orte, an dem ich noch meinen Frieden hab!"
„Idiot", antwortete Megan nur und trat dann zurück von dem gähnenden Abgrund, hin zu Chester, der auf dem sicheren Zementblock saß und sich konzentriert einen Joint anzündete.
Neben ihm stand eine angebrochene Flasche Whiskey, die er auf der Fahrt hierher vorsorglich unter dem Fahrersitz versteckt hatte. Doch kein Polizist hatte sie angehalten, und hier oben würde sie auch keiner finden. Kein Polizist, und auch nicht Megans Mutter. Falls sie überhaupt mitbekommen hatte, dass ihre Tochter nicht mehr da war. Sie hatte sich aus der offenen Terrassentür geschlichen, als Chester vorgefahren war und ohne den Motor auszustellen vor dem Nachbarhaus gehalten hatte. Mit Problemfamilien kannte er sich aus, und so hatte er Megans verheultes Gesicht nicht weiter kommentiert, als sie neben ihm auf den Beifahrersitz geklettert war und sich erst einmal geräuschvoll die Nase geputzt hatte, noch bevor sie ihn murmelnd begrüßte.
Chester saß im Schneidersitz auf dem noch warmen Beton und bot Megan die Flasche an, deren goldgelbe Flüssigkeit in der untergehenden Sonne glitzerte.
Als Megan daran schnupperte, verzog sie angewidert das Gesicht. Allein der Geruch brannte bereits in der Nase.
„Das trinkst du?", fragte sie angeekelt und stellte die Flasche wieder zurück.
„Stimmt ja, du trinkst nicht. Na, ist egal, dann bleibt mehr für mich."
Sie schwiegen eine Weile, dank Chesters Körperwärme war ihr nicht kalt und sie genoss es, einfach mal nichts sagen zu müssen. Sie hatte ein wenig Angst gehabt vor dieser erneuten Verabredung – die erste dieser Art war schmerzlich für sie ausgegangen. Nichts, was sie unbedingt wiederholen wollte. Doch diesmal war alles ganz entspannt, vielleicht, weil sie sich mittlerweile etwas besser kannten. Der süßliche Geruch des verbrennenden Grases erfüllte die Luft.
„Sam ist schwanger."
Ein paar Sekunden. Zwei? Länger dauerte es bestimmt nicht, bis man auf dem geteerten, mittlerweile von Gras und Sträuchern überwucherten Boden aufschlug. Niemand würde sie finden. Nicht dort, hinter der Fabrik. Irgendwann, in ein paar Jahren, wenn die alten Gemäuer abgerissen werden würden, dann vielleicht. Bis dahin hatte ihre Mutter vielleicht schon einen neuen Mann und ein neues Vorzeigekind, das alte ersetzt, es war sowieso defekt.
„Ich hör mit der Schule auf, muss Vollzeit arbeiten, mein Dad sagt, er füttert keinen kleinen Bastard mit durch, und Sams Eltern haben sowieso kein Geld."

DU LIEST GERADE
Pushing me away (Chester Bennington)
Fiksi Penggemar1994. Die sechzehnjährige Megan zieht nach der Scheidung ihrer Eltern von Wisconsin nach Arizona. Auf der Greenway Highschool findet sie schnell neue Freunde, lernt jedoch auch den schweigsamen Chester kennen, der von allen anderen gemieden wird. Ei...