Zitternd erwachte ich aus dem Schlaf und hörte nur dumpf die Schritte auf dem Boden, die zu mir eilten und für einen kurzen Moment zuckte ich erschrocken zusammen, als eine große Gestalt sich vor mir aufbaute.
Bis ich realisierte, dass es Darcen war, der mich besorgt musterte.
>>Du hast schlecht geträumt<< versuchte er klarzustellen und ließ sich ganz vorsichtig neben mir nieder.
>>Du willst wissen, was ich gesehen habe<< sprach ich aus, denn ich sah es in seinem Blick.
Er wollte nachsichtig sein, mir Zeit geben, doch dennoch sah ich den Drang.
>>Das kann warten<< erwiderte er nur und beugte sich etwas weiter vor.
Er griff nach meinem zerzausten Haar und forderte mich mit einer sanften Bewegung auf, meinen Kopf zu drehen.
>>Was tust du da?<< fragte ich verblüfft, als er leicht durch mein Haar strich und die Strähnen teilte.
>>Dein Haar verknotet, weil du so unruhig schläfst. Morgen wirst du dir wieder deine Haare dabei herausreißen, weil du keine Geduld beim Bürsten hast.<<
Ich riss verblüfft meinen Kopf zur Seite, woraufhin sein tadelnder Blick mich traf und er meinen Kopf wieder zur Seite drehte.
>>Woher weißt du das?<<piepste ich, als er tatsächlich begann meine Haare zu flechten.
Verblüfft stellte ich fest, dass er das auch ziemlich gut konnte.
>>Lia, es ist ja nicht so als wäre es ein Geheimnis, dass wir Unsterblichen so gut hören.<<
>>Ja, aber du müsstest dich schon auf mein Zimmer konzentrieren und auf mich, damit das der Fall...warte. Du konzentrierst dich Morgens auf mein Zimmer?<<
Er stockte in seiner Bewegung und schien zu realisieren, was er mir preisgegeben hatte.
Darcen hatte sich auf eine Weise nach mir erkundigt und mir Aufmerksamkeit geschenkt. Er hatte sich so etwas banales, wie meinen Kampf mit meinen Haaren angehört und kümmerte sich nun darum, damit ich am Morgen nicht wieder einen halben Nervenzusammenbruch bekam.
Wärme breitete sich in meiner Brust aus, als mir klar wurde, was er gerade für mich tat.
Es war nichts Lebensbedrohliches, nur etwas nervig kleines in meinem Leben und trotzdem sorgte er gerade dafür, dass mich diese Kleinigkeit nicht belastete.
Stillschweigend begann er mein Haar weiter zu flechten, bis er fertig war und mir meinen Zopf vorsichtig auf meine Schulter legte.
Unsere Blicke trafen sich, blieben aufeinander liegen, während die Spannung zwischen uns zunahm.
>>Sei ehrlich zu mir. Ich will wissen was du denkst. Was du dachtest und was du denken wirst. Ich will wissen woran ich bei dir bin. Lass mich verstehen und sehen, wer du bist.
Denn auch wenn ich es im Herzen weiß, mein Kopf muss es verstehen.<< bat ich ihn.
Denn so war es.
Mein Herz wusste von Anfang an, dass er gut war und diese Anziehung zu ihm verfolgte mich unaufhörlich.
Ich musste wissen und ich musste verstehen warum und noch mehr musste ich hören, wie es ihm ging und geht.
Dankbar atmete ich auf, als er meinem Wunsch schließlich nachging.
>>Zum Beginn war ich wütend, als ich dich sah und der Tanz mit dir...es machte mir Angst.<<
>>Warum?<< hörte ich mich flüstern, während ich gebannt seine Gefühle erspürte und meine Augen nicht von seinen Lösen konnte.
>>Weil ich den Drang hatte dich mit mir zu nehmen.
Du warst und bist unglaublich lebensmüde und teilweise wollte ich dich heftig schütteln, aber irgendwas zog mich enorm zu dir. Ich konnte dich nicht hassen, denn mit jedem Wort wollte ich mehr hören und mit jedem Tag, wollte ich mehr von dir sehen.
Mehr von deinem Spiel auf der Harfe hören und dir öfter dabei zusehen, wie du auf einen Baum kletterst, während mein Herz dabei unaufhörlich schlägt, in ständiger Alarmbereitschaft du könntest fallen.
Und ich wollte diese Wortgefechte mit dir, ich wollte deinen trotz und ich wollte dein Lachen.
Wirklich realisiert habe ich es erst, als ich Liam dabei beobachtete, wie er dich ansah.
Ich wollte ihn allein dafür umbringen und möchte es immer noch.
Du willst die Wahrheit?
Ich will dich von Tag eins und je länger ich warte, desto schlimmer wird der Drang.
So schlimm, dass ich vielleicht nicht besser als Liam wäre und dich einsperren würde.<<
Stille legte sich über das Zimmer, bis ich merkte, dass ich meinen Atem angehalten hatte.
>>Eine Sache macht in dieser Gleichung keinen Sinn<< flüsterte ich mehr zu mir selbst, aber als sein fragender Blick mich traf beschloss ich, diesem letzten Puzzle auf den Grund zu gehen.
>>Lass deine Mauern fallen. Ich muss dir eine Frage stellen und ich muss wissen, ob ich den Verstand verloren habe oder ...lass bitte deine Mauern fallen und beantworte mir noch diese eine Frage.<<
Nickend befolgte er meine Anweisung, stützte mich dabei kurz, als die Welle an Emotionen mich zum Wanken brachte.
Seine Gefühle füllten mein innerstes und ließen mich teilweise dahinschmelzen, ja mich sogar selbst auf eine Weise lieben und sehen, wie ich es noch nie gekonnt hätte.
Darcens Gefühlswelt war eine Lawine, sodass ich mich nun fragte, wie er es schaffte diese zu unterdrücken.
Als ich mich schließlich halbwegs gesammelt hatte, richtete ich mich auf und konzentrierte mich auf ihn.
>>Hättest du mich umgebracht Darcen? An dem Tag in dem Saal vor den ganzen Gästen. Hättest du mich getötet, wäre mein Vater nicht dazwischen gegangen?<<
Er schloss kurz seine Augen, schien sehr lange zu überlegen.
>>Ja<< flüsterte er und dieses Ja sorgte dafür, dass ein Stein von meinem Herzen fiel.
Mein Lächeln schien Darcen nun komplett aus der Fassung zu bringen, weshalb er seine Mauer schloss und wütend abstand zu mir gewann.
>>Wie kannst du das belächeln Liara? Verdammt ich hätte dich fast getötet und du lächelst? Du hast mich nicht einmal dafür fertig gemacht, obwohl du das solltest.<< fluchte er.
Er sah zur Seite, als ich mich erhob und nach ihm griff.
Behutsam umfasste ich sein Gesicht mit meinen Händen und zwang ihn zu mir herunter zu sehen.
Noch immer Lächelnd schüttelte ich den Kopf.
>>Du denkst so schlecht von dir, obwohl du tief im Herzen die Wahrheit verborgen hast.
Ich hatte an diesem Tag keinen Moment Angst vor dir und auch danach nicht, denn ich habe einen Teil in dir wahrgenommen, den du nicht hinter einer Mauer verstecken konntest.
Wie denn auch, wenn du von dessen Existenz nichts wusstest.<<
>>Was meinst du?<< flüsterte er und beugte sich leicht zu mir herunter.
Umfasste ebenfalls meine Hände und wartete gebannt auf meine nächsten Worte.
>>Du bist kein Mörder Darcen. Dein Herz weiß das und ich wusste es.
An diesem Tag hättest du es niemals über dein Herz gebracht.<<
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Tanz mit einem Vampir
Vampiro>>Brich mir niemals das Herz>Niemals<< Man möchte meinen, dass die Unsterblichkeit als Vampir seine Vorzüge hat. Man möchte meinen, dass dir mächtige Gaben und eine herzzerreißende Liebe alle Türen öffnet. Doch wer flüstert dir die Wahrheit zu? Wer...
