Alec hat eine schlimme Krankheit. Eine die nicht heilbar ist, weil es sie nicht gibt. Die selbe Krankheit von der auch ich befallen bin. Auf alle Fälle ist es das, was mir Alec jedesmal erzählt wenn wir zusammen sind. Dabei fühle sich das, was wir tuen, gar nicht krank an. Ganz im Gegenteil, wenn er bei mir ist, fühle ich mich lebendig. Als würde ich nur dann erwachen, aus meinem komatösen Zustand, in dem sich meine Gefühle jeden Tag befinden.
Es ist wieder einer dieser langweilen Collegeversanstaltungen, auf der wir uns befinden. Selbstverständlich nicht zusammen, denn Alec behandelt mich in der Öffentlichkeit wie Luft. So wie die meisten Menschen in meinem Umfeld. Dem schüchternen, schlaksigen Jungen mit dem hellbraunen Lockenkopf, hat noch nie jemand viel Beachtung geschenkt. Ich rücke meine Brille, mit den runden Brillengläsern, auf meiner mit Sommersprossen gesprenkelten Nase zurecht. Durch die blicke ich durchdringend zu Alec herüber und niemand würde denken, dass es nicht der Neid ist, der mich dazu veranlasst.
Langsam lasse ich meinen Blick über seinen Körper schweifen. Die schwarzen Haare liegen perfekt und glänzen genau so, wie seine Zähne, die bei jedem Lächeln aufblitzen. Eine Hand hat er in der Hosentasche vergraben. Die andere Hand liegt lässig auf dem Stehtisch, an dem er mit einer Gruppe Kommilitonen steht.
Sein Blick ist von oben herab. Es ist seine Art die Menschen in seinem Umfeld zu betrachten. Das fällt einem bestimmt leicht, wenn man ganz oben ist. Als Kapitän der Rudermanschaft und Mädchenschwarm des College, für Alec also kein Problem. Er muss immer und überall der Beste sein, es wurde ihm sozusagen mit in die Wiege gelegt. Für ihn ist alles ein Wettkampf.
Ich bin eigentlich kein Mensch, der über andere urteilt, aber ich gebe seiner Mutter, die wie er mir erzählte, hinter jedes Lob immer ein „aber" setzte, auf jeden Fall, eine Mitschuld.
Aber ich kenne auch einen anderen Alec. Wenn sein Blick die Härte verliert und seine sensible, verletzliche Art zum Vorschein kommt. Er lässt es nicht oft zu, dabei ist es gerade der Mensch, der mich wirklich interessiert. Der nicht vor Selbstsicherheit strotzt, sondern sich auf meine Ebene begibt und es zulässt sich berühren zu lassen; nicht nur körperlich.
Das Körperliche zwischen uns war nie das Problem und ist zeitgleich das größte Problem.
Vieles hat sich in letzter Zeit verändert und ich spüre, dass ich ihn mehr und mehr verliere. Meine Besuche bei ihm werden immer kürzer, der Abstand zwischen ihnen immer größer und so sage ich ihm jedes Mal Lebewohl mit der traurigen Gewissheit, dass wir uns zum letzten Mal geliebt haben. Doch dann steht er eine Woche später, so ausgehungert wie eh und je wieder vor mir.
Nun verschränken sich unsere Blicke miteinander, aber nur kurz, dann wandert sein Blick weiter durch den Raum, bevor er ihn senkt.
Der Blick der mich dann trifft, lässt meine Gefühle innerlich toben. Es ist kein Blick von oben herab, denn sein gesenkter Blick trifft mich auf dem Weg nach oben. Ein kurzes Nicken, welches nicht seinem gegenüber gilt sondern nur mir, lässt mich wissen, dass ich immer noch sein schmutziges Geheimnis bin.
Aber nicht mehr für lange. Nur noch ein paar Wochen.
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Nur dein schmutziges Geheimnis
Romance„Ich hätte mich glücklich schätzen sollen, dass es etwas gab, was er nur mit mir teilte. Doch alles was ich wollte, war kein Geheimnis mehr sein." Michael und Alec besuchen zusammen das College. Dies scheint auch schon die einzige Gemeinsamkeit, den...
