Mit dem Baumstamm in meinem Rücken presst Alec seine Lippen auf meine und die Tränen rinnen nur so über sein Gesicht. „Warum Michael? Warum hast du das getan? Wenn sie uns jetzt zusammen erwischen, ist für alle klar, was zwischen uns ist."
„Und deshalb musste ich es tun. Damit ich endlich von dir loskomme."
„Aber ich liebe dich doch", schluchzt er und nimmt mein Gesicht zwischen seine Hände. In Tränen aufgelöst schmiege ich mich an seine Hand. „Ich liebe dich auch...Aber mich selbst liebe ich noch ein wenig mehr. Ich will nicht mehr verstecken, wer ich bin."
„Michael, ich will dich nicht verlieren." Wieder suchen seine Lippen meine und ich ziehe ihn feste an mich, versinke in diesen einem letzten Kuss, doch dann löse ich mich von seinen Lippe. „Das hast du schon", flüstere ich, bevor meine Stimme versagt.
Am Ende des Weges nähert sich eine Gruppe Leute. „Und jetzt lauf Alec, lauf so schnell du kannst, bevor dich jemand mit der elenden Schwuchtel erwischt."
Seine Hand löst sich in Zeitlupe von meinem T-Shirt und er sieht mich ein letztes Mal aus seinen rot unterlaufenden Augen an, dann dreht er sich ohne ein weiteres Wort um und verschwindet in der Dunkelheit.
Die Wochen bis zu den Ferien sind die Hölle. Dass ich schwul bin, hat sich schnell rumgesprochen. Ein paar Mal werde ich dumm angepöbelt, aber die meiste Zeit, bin ich für meine Kommilitonen so unsichtbar, wie vorher. Wenn ich Alec auf dem Gang begegne, zerreißt es mich fast. Ich sehe in seinen Augen, wie er leidet und vielleicht ist das der größte Liebesbeweis überhaupt.
Über die Ferien wird mein Gemütszustand etwas besser, aber natürlich vermisse ich ihn und verfluche mich an so manchem Tag wegen meines Outings.
Das nach den Ferien beginnende Schuljahr ist das letzte für Alec. Ein Jahr trennt mich also noch von meinem Seelenfrieden. Aber bis dahin sterbe ich jeden Tag ein Stück mehr.
Immer dann, wenn ich sehe wie er lacht, wenn ich ihn auf einer Bank lesend vorfinde, er im Ruderboot unter der Brücke, auf der ich stehe, hindurchfährt. Seit dem Abend meines Outings haben wir nicht mehr gesprochen und ich glaube, dass wir es auch nie wieder tun werden.
Dann eines Tages im Frühling wache ich auf und es tut nicht mehr weh. Vielleicht habe ich endlich aufgehört ihn zu lieben. Vielleicht habe ich endlich seine Entscheidung sich nicht zu outen akzeptiert. Ich mache meinen Frieden damit. Nicht jede Liebesgeschichte kann ein Happy End haben.
Natürlich gehe ich zur der Zeugnisvergabe der Abschlussklasse, denn ich möchte ihn ein letztes Mal sehen, bevor sich unsere Wege endgültig scheiden.
Er wirkt sehr glücklich und seine Eltern sehr stolz. „Auf Wiedersehen", flüstere ich und mache mich dann auf den Weg nachhause, aber zu meiner Überraschung hat Alec mich wohl entdeckt und tippt mir nun auf die Schulter.
„Hey Michael." „Hey Alec, herzlichen Glückwunsch zum Abschluss." „Danke Michael... Du, ich wollte mich entschuldigen, wie alles zwischen uns gelaufen ist." „Das möchte ich auch." „Ich möchte nicht im Schlechten mit dir auseinander gehen." „Ich auch nicht." „Komm her, eine Umarmung ist doch drin, oder?", fragt er und dann drück er mich kurz; viel zu kurz. „Alles Gute, Michael."
„Leb wohl, Alec."
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Nur dein schmutziges Geheimnis
Roman d'amour„Ich hätte mich glücklich schätzen sollen, dass es etwas gab, was er nur mit mir teilte. Doch alles was ich wollte, war kein Geheimnis mehr sein." Michael und Alec besuchen zusammen das College. Dies scheint auch schon die einzige Gemeinsamkeit, den...
