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„Scheiß Michael, wach auf! Wir sind eingeschlafen." Ich spüre, das Alec das Bett verlässt noch bevor ich die Augen öffne. Dann der Schock. Draußen ist es bereits hell. „Los zieh dich an, du musst hier raus." Schnell streife ich Hose und Oberteil über und nehme die Brille von der Kommode. Alec steckt derweilen seinen Kopf durch die einen Spalt weit geöffnete Tür. „Das geht nicht", sagt er und läuft nervös im Zimmer rum. Dann wirft er einen Blick aus dem Fenster. Wenn er denkt, dass ich jetzt aus dem Fenster im dritten Stock klettere, hat er sich geschnitten.

„Du musst hier bleiben, bis der Unterricht angefangen hat." Ich schaue ihn irritiert an. „Aber dann komme ich zu spät zu meinem Kurs." Er legt eine Hand an meine Wange und zieht mich zu sich ran. „Michael, es geht leider nicht anders." Jetzt streicht er eine Haarsträhne hinter mein Ohr und seine Lippen suchen meine.

„Bitte, das Risiko, dass dich jemand sieht ist einfach zu hoch." Ich bin ganz und gar nicht begeistert und das spiegelt sich auch in meinem Gesicht wieder. „Bitte Michael, tu es für mich."

Wie soll ich diesen blauen Augen eine Bitte abschlagen? Er putzt sich schnell die Zähne am Waschbecken in der Ecke, schultert seine Tasche und wirft mir nochmal ein Lächeln zu. „Sei vorsichtig, wenn du gleich gehst."

Ich begebe mich in eine Ecke des Zimmers, als er die Tür öffnet und dann ist er verschwunden. Erst überlege ich Theo zu schreiben, aber mir fällt keine passende Ausrede ein. Also sitze ich auf dem Bett und warte geduldig bis 8 Uhr und gehe dann zur Tür.

Aber sie ist verschlossen. Ich rüttele an der Türklinke, aber sie lässt sich nicht öffnen. Ich bekomme Panik. Ich schnappe nach Luft. Ich muss mich beruhigen. Solange es nicht brennt bin ich nicht in Gefahr, es kann mir nichts passieren. Als ich mich halbwegs beruhigt habe, gebe ich mich einem kurzen Heulanfall hin. Ich bin so wütend auf Alec und auf mich, dass ich mich überhaupt darauf eingelassen habe.

Eine nach der anderen Stunde vergeht und ich erhalte mehrere Nachrichten und Anrufe von meinen Freunden. Ich weiß, dass sie sich Sorgen machen, also schreibe ich nur, dass es mir gut geht. Ich pinkele ins Waschbecken, weil die Toiletten auf dem Gang liegen und fühle mich nur gedemütigt.

Dann durchwühle ich sein Zimmer, auf der Suche nach etwas Essbarem. Ich finde einen Schokoriegel und ganz hinten im Schrank noch etwas anderes. Alec's Tagebuch. Soll ich wirklich? Ich hadere wirklich mit mir, aber weil ich so wütend auf ihn bin, schmeiße ich mich zusammen mit dem Buch und dem Riegel aufs Bett und schlage es auf. Ich will nur wissen, ob er was über mich geschrieben hat, also blättere ich gleich zu dem Datum der Party.

Ich habe jemanden kennengelernt und ich weiß nicht was ich tun soll.

Ein paar Tage später finde ich folgendes:

Ich versuche M. zu vergessen, aber es gelingt mir nicht.

Dann wieder ein paar Seiten weiter:

Ich habe M. klar gemacht, dass da nichts zwischen uns ist. Es war das Richtige.

Der letzte Eintrag ist von gestern:

Ich bekomme M. nicht aus meinem Kopf. Aber es darf nicht sein. Ich weiß das M. mich auch mag und das macht es nur umso schwerer.

Nur dein schmutziges GeheimnisWo Geschichten leben. Entdecke jetzt