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„Komm schon, sag, wo fahren wir hin?", löchere ich ihn. „Wie fahren ins Kino", gibt Alec schließlich nach. „Aber du fährst raus aus der Stadt...oh verstehe." „Ich will einfach einen unbeschwerten Nachmittag mit dir, irgendwo wo uns niemand kennt, okay?" „Ja, das ist okay."

Wir fahren bestimmt zwei Stunden, aber ich genieße die Zeit mit ihm. Die Gespräche, die Tatsache, dass er noch schiefer singt als ich und die Blicke, die er mir immer wieder zuwirft.

Dann hält er vor dem Kino in irgendeiner Stadt die ich nicht kenne. „Händchen halten ist wohl nicht, oder?", frage ich, bevor wir aussteigen. „Nein, aber wir können doch auch so eine schöne Zeit haben, oder?" Ich ringe mir ein Lächeln ab und laufe dann neben ihm her.

„Welchen Film möchtest du sehen?", fragt Alec mich, als wir dem Ticketschalter immer näher kommen. „Ganz egal. Hauptsache wir gucken den gleichen." Er schüttelt nur grinsend den Kopf. „Zwei mal Kino 4 bitte, letzte Reihe", sagt Alec zu der Kinomitarbeiterin. „Letzte Reihe?", fragt sie und guckt dann zwischen Alec und mir hin und her. „Ja, mein Bruder und ich wollen in der letzten Reihe sitzen. Ist das ein Problem?"

Sie reicht uns die Tickets und wir machen uns, nachdem wir uns Popcorn und Cola geholt haben, auf den Weg zum Kinosaal. „Dein Bruder? Wer soll uns denn den Quatsch glauben?" „Jetzt wo du es sagst. Michael, ich glaube du bist adoptiert", scherzt er. „Super, dann müssen wir uns ja gar nicht mehr verstecken."

Ich erhasche noch einen kurzen Blick in sein Gesicht, bevor das Licht im Kino ausgeht und ich meine in seinem Gesicht ein „es tut mir leid, dass es so ist" erkennen zu können.

Viel bekommen wir nicht vom Film mit, den erst streichen Alecs Finger über die Innenseite meines Oberschenkels und dann finden seine Lippen den Weg auf meine. Ich weiß, dass es für ihn eine große Überwindung ist, denn wir sind nicht alleine im Kinosaal und trotzdem knutschen wir den Großteil des Films. Vielleicht ist das der erste Schritt in die richtige Richtung.

Nach dem Film machen wir uns sofort auf den Weg zurück, immerhin haben wir eine zwei Stunden Fahrt vor uns. Ich kann meinen Blick kaum von Alecs geschwollenem Lippen abwenden.

Nach einer halben Stunde Fahrt kommen wir an einem kleinen Motel vorbei. Kurz nachdem wir es hinter uns gelassen haben, dreht Alec den Wagen. „Ach scheiß drauf", sagt er und hält dann auf dem Schotterparkplatz vor dem Motel.

„Vertraust du mir?" „Warum sagst du das? Bis du es gesagt hast, habe ich dir vertraut und jetzt stelle ich mir vor, wie du mich umbringst, zerstückelst und ein Süppchen aus mir kochst."

„Du bist ganz schön nah dran. Warte hier." Er steigt aus und geht zu der kleinen Rezeption, dann kommt er nach kurzer Zeit wieder raus und winkt mich zu sich. Langsam steige ich aus dem Auto und Alec schließt die Tür mit der Nummer 2 drauf auf.

Ich betrete das Zimmer und meine Füße kleben bei jedem Schritt kurz am Teppichboden fest. Das Zimmer sieht aus wie aus einem schlechten Horrorfilm. Also wenn Alec mich hier nicht ficken will, dann wird er mich hier garantiert zerstückeln.

Nur dein schmutziges GeheimnisWo Geschichten leben. Entdecke jetzt