Am nächsten Morgen fühle ich mich genau so beschissen, wie am Abend zuvor. Meine Nase ist verstopft, die Augen verquollen. Ich werde heute nirgendwo hingehen. Ich werde im Bett liegen bleiben und mich in Selbstmitleid suhlen. Außerdem vermeide ich es auch so, Alec über den Weg zu laufen. „Was ist los mit dir?", fragt Theo mich, als ich keine Anstalten mache aufzustehen.
„Ich bin krank", antworte ich nur kurz und knapp. „Ich verstehe, wenn du nicht drüber reden willst, aber bitte lüg mich nicht an."
Ich setze mich im Bett auf und reibe mir über die Augen, während ich überlege was ich Theo sagen kann, was nicht gelogen, aber auch nicht die Wahrheit ist. Denn die Wahrheit ist zutiefst demütigend. Alec hat jetzt eine Freundin, weil ich ihm nicht reiche.
„Was ist das an deinem Handgelenk", sagt er mit erschrockenen Blick. Erst jetzt bemerke ich die roten Striemen von der Handschelle. „Was hat der Scheißkerl dir angetan?" „Nein Theo, so ist das nicht. Wir hatten nur Streit, weil Alec eine Entscheidung für uns beide getroffen hat."
„Auch wenn du mich dafür hasst, aber der Typ tut dir nicht gut." Ich weiß, dass er recht hat. Denn erst jetzt wird mir bewusst, dass Alec immer alle Entscheidungen für unsere Beziehung getroffen hat.
Eine ganze Woche herrscht Funkstille zwischen uns. Auch gehe ich ihm im College aus dem Weg. Ich hoffe, dass er mich irgendwann so vermisst, dass er nicht anders kann, als sich für mich zu entscheiden.
Doch dann kann ich ein Zusammentreffen nicht mehr verhindern, denn das Rudertraining steht an. Klar könnte ich auch einfach Schwänzen, aber ich weiß, dass sie ganz sicher nicht da sein wird, sondern nur ich. Vielleicht muss ich ihm nur ins Gedächtnis rufen, was er verlieren wird.
Als ich ankomme, steht er mit seinen Teamkollegen über einen Plan gebeut da und der Blick von unten nach oben, der mich trifft, lässt mich fast in die Knie gehen. Wild tanzen hunderte von Schmetterlingen in meinem Bauch und ich merke, wie mir das Blut in den Kopf steigt.
Alec grinst mich kurz an, bevor er sich wieder der Besprechung widmet. Die meiste Zeit habe ich nicht viele Berührungspunkte mit Alec, aber nach dem Training, als ich die Boote abtrockne, sehe ich ihn. Er redet mit den anderen über die Party, die am Wochenende stattfinden soll. „Bist du auch dabei?", fragt Alec mich plötzlich. „I-Ich?" „Ja klar. Du gehörst doch zum Team." Das was ich immer wollte, mich zusammen mit Alec in der Öffentlichkeit zeigen ist in greifbarer Nähe.
„Kann ich jemanden mitbringen?" „Nein, nur fürs Team." Dann wendet er sich wieder ab und spricht mit seinen Freunden. „Und bringst du die Kleine mit?", wird Alec gefragt. „Weiß nicht, ich habe ihr noch nicht von der Party erzählt", sagt er und guckt dann wieder unauffällig in meine Richtung.
Ich will mit Alec auf diese Party und zwar ohne die Tussi. Den ganzen Abend hadere ich mit mir und werfe schlussendlich doch meine Prinzipien über Board.
Ich vermisse dich.
Ich vermisse dich auch.
Gott sein Dank. Es scheint, als hätte er nur auf meine Nachricht gewartet. Wahrscheinlich war er nur zu stolz, sich zuerst zu melden.
Kommst du zur Party?
Kommst du alleine?
Die Jungs haben den Mädels schon Bescheid gegeben.
Ich schluchze laut auf und dann fliegt das Handy im hohen Bogen durch das Zimmer.
„Will ich es wissen?", fragt Theo nur.
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Nur dein schmutziges Geheimnis
Romance„Ich hätte mich glücklich schätzen sollen, dass es etwas gab, was er nur mit mir teilte. Doch alles was ich wollte, war kein Geheimnis mehr sein." Michael und Alec besuchen zusammen das College. Dies scheint auch schon die einzige Gemeinsamkeit, den...
