Es war unser vierter Tag in Miami. Heute stand die Probe für die Hochzeit an, was hiess, dass wir alle zur Kirche fahren und die Trauung durchgehen würden. Anschliessend war es der Plan, zur Location zu fahren und uns alles anzusehen, bevor wir alle am Abend zum Junggesellenabschied gehen würden. Nur leider sah dieser Plan, so toll er auch war, für mich ganz anders aus.
Am liebsten wäre ich den ganzen Tag im Bett geblieben und hätte gar nichts getan, aber ich wollte Ben und Nathalie nicht enttäuschen und raffte mich für sie auf. Von der Besprechung in der Kirche hatte ich praktisch nichts mitbekommen und sass die ganze Zeit vorne auf der Bank, während die anderen besprachen, wo sie stehen und was sie machen sollten.
Auch von der Location hatte ich so gut wie nichts mitbekommen. Ich hatte gesehen, dass die Feier in einem Gebäude stattfinden würde, das einem Schloss glich und der Saal wunderschön und gross war, aber der Rest strich an mir vorbei. Ich konnte mich einfach nicht auf das hier und jetzt konzentrieren, egal wie sehr ich mich versuchte zusammen zu reissen.
In der ganzen Zeit war Santos der aufmerksame Mann, wie ich ihn nun mal kannte. In der Kirche warf er mir immer wieder besorgte Blicke zu, lächelte mich aber auch an um mir zu zeigen, dass ich nicht alleine war. Bei der Location wich er dann überhaupt nicht mehr von meiner Seite und gab mir somit den Halt und die Sicherheit, die ich im Moment am meisten brauchte.
Als wir dann wieder in der Villa waren, hatten wir uns etwas zu Essen bestellt und machten es uns draussen auf der Terrasse gemütlich, bevor es zum Junggesellenabschied gehen würde, aus dem ich mich aber raus hielt. Ich wollte Nathalie mit meiner Laune nicht den Abend verderben und fand es darum besser, wenn ich hier blieb, auch wenn sie strickt dagegen war.
„Morgan?“ wortlos drehte ich mich auf dem Bett um und richtete mich auf, als Nathalie das Zimmer betrat. „Bist du dir sicher, dass du hierbleiben möchtest? Ich würde mich freuen, wenn du doch mitkommst, aber ich verstehe auch, wenn es dir zu viel wird.“ und wieder ein Mensch mehr in meinem Leben, der so rücksichtsvoll war. „Ich bleibe lieber hier.“ entschuldigend sah ich Nathalie an, aber sie erwiderte meinen Blick mit einem verständnisvollen Lächeln.
„Wir Frauen machen uns dann mal auf den Weg, aber die Jungs sind noch hier.“ schwach lächelnd nickte ich. „Viel Spass.“ „Werden wir haben. Ruf an, wenn du etwas brauchst.“ ich nickte, obwohl ich das garantiert nicht machen würde. Nathalie sollte ihren letzten Abend in Freiheit geniessen und sich nicht mit mir herumschlagen müssen.
Einen Moment sah ich dabei zu, wie sie die Tür schloss und wollte mich gerade hinlegen, als sie schon wieder geöffnet wurde und Santos dieses Mal reinkam. „Wie geht es dir?“ wortlos zuckte ich mit den Schultern. Wie sollte es mir nach gestern schon gehen? „Die Jungs gehen gleich los. Wir haben also das Haus für uns.“ verwirrt runzelte ich meine Stirn, während er sich neben mich setzte. Erst jetzt sah ich, dass er eine Jogginghose und Shirt anhatte.
„Du gehst nicht mit?“ „Als ob ich mit ihnen mitgehe, wenn es meiner Freundin nicht gutgeht.“ bei seinen Worten beschleunigte sich mein Herzschlag, aber gleich kam das schlechte Gewissen in mir hoch. Meinetwegen sollte er den Junggesellenabschied seines Bruders nicht verpassen. „Ich komme schon klar. Geh ruhig.“ stur schüttelte er seinen Kopf. Für so eine Diskussion hatte ich wirklich keine Geduld.
„Santos.“ fing ich seufzend an. „Mir geht es soweit gut.“ darauf hob er nur eine Augenbraue. „Mir geht es mehr oder weniger gut.“ korrigierte ich mich. „Ich weiss es zu schätzen, dass du für mich da sein möchtest, aber meinetwegen wirst du nicht Bens Junggesellenabschied verpassen. Ich komme wirklich klar, also geh mit ihnen mit.“ skeptisch sah mich Santos an. „Bitte, geht und hab deinen Spass. Feier den letzten freien Abend deines Bruders mit ihm.“ wieder sah er mich an, ehe er nach einigen Sekunden wortlos aufstand und im Ankleidezimmer verschwand.
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Morgan - Rache und Liebe
Roman d'amourTeil 6 der Everett-Reihe Morgan hatte eine einfache Aufgabe: Sie sollte sich an Santos ran machen und Informationen über die G.A. sammeln. Nachdem die G.A. ihre Familie vor fünf Jahren zerstört hat, sinnt sie nach Rache. Fest entschlossen diese auc...
