Kapitel 28

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Morgan

Wenn es eine Person gab, die ich abgrundtief hasste, dann war es ich selbst. Ich verstand nicht, wieso ich mich so von Mason hatte bedrohen lassen und den Auftrag übernahm. Hätte ich mich gegen ihn gewehrt, ihm einmal die Stirn geboten, dann hätte ich Santos nie verletzt.

Santos. Der wohl aufmerksamste und rücksichtsvollste Mann, den ich je kennengelernt hatte. Ich wünschte mir, dass unser erstes Treffen wirklich nur Zufall gewesen wäre und nicht von mir geplant. Ich wünschte mir, dass ich ihn nie so verletzt und mit ihm gespielt hatte. Wenn alles anders gelaufen wäre, dann hätte ich ihn niemals verletzt und ihn wie ein normaler Mensch kennenlernen können.

Ich hasste mich nicht nur dafür, dass ich Santos das alles angetan hatte, sondern auch, weil ich Mason umgebracht hatte. Auch wenn er nie gut zu mir war, mich an seine Männer verkauft hatte und mich regelmässig schlug, war er trotzdem meine Familie. Er war das einzige an Familie, was ich noch hatte und durch seinen Tod hatte ich niemanden mehr.

„Du bist stark und schaffst das.“ murmelte ich. In den letzten zwei Monaten redete ich mir das immer ein, obwohl ich genau wusste, dass ich nicht stark war und es auch nicht schaffen würde. Wieso sonst stand ich mitten in der Nacht am ende des grossen Piers am Geländer und sah runter auf das schwarze Meer. In meiner Hand hielt ich eine Wodkaflasche, dessen Inhalt ich fast komplett getrunken hatte.

Vielleicht war es der Alkohol, der mich völlig verzweifeln liess und mich hierher führte. Vielleicht hatte ich auch einfach genug davon meine Gefühle zurück zu halten. Egal was der Grund war, es war eigentlich völlig egal. In diesem Moment fühlte ich mich genau wie vor zehn Jahren, als ich einfach nicht mehr konnte und meinem Leben ein Ende setzen wollte.

Innerlich wusste ich, dass es keinen Grund gab sich umzubringen, aber wie sagte man so schön: wenn man es einmal wollte, dann wollte man es immer wieder. Auch wenn man sich gesund und mental fit fühlte, genügte auch nur ein kleiner Zwischenfall um alles wieder kaputt zu machen und die grausamen Gedanken in einem hochkommen zu lassen, von denen man dachte, sie nicht mehr zu haben.

Ich hasste mich abgrundtief für meine Fehler und hatte niemanden, der mir helfen konnte damit klar zu kommen. Wenn ich Santos an meiner Seite gehabt hätte, dann wäre er nun bei mir und hätte mich davon abgehalten mich an der Laterne festzuhalten und auf das Geländer zu klettern. Wenn er bei mir gewesen wäre, dann hätte er solange auf mich eingeredet, bis er mich davon überzeugt hatte mir nicht das Leben zu nehmen.

Aber hier war kein Santos. Ich sah nicht die grünen Augen, die mich immer wieder in ihren Bann zogen und auch nicht sein Lächeln, mit dem er mich um den Finger wickelte und mich in den siebten Himmel katapultierte. Santos war nicht hier um mich davon abzuhalten in das Meer zu springen.

Tief durchatmend schloss ich meine Augen und atmete die kühle Luft ein. „Morgan?“ eine Gänsehaut überzog meinen Körper, als ich seine Stimme hinter mir hörte. „Ich wusste, dass du kommen wirst.“ sagte ich mit einem Lächeln auf den Lippen. „Du wirst mich davon abhalten einen grossen Fehler zu begehen.“ langsam öffnete ich meine Augen und sah runter auf das Wasser.

„Du irrst dich.“ irritiert runzelte ich meine Stirn, als ich ein leises Klicken hörte. „Es ist mir egal, was du mit mir gemacht hast. Du hast deinen Bruder umgebracht und den Tod verdient.“ kaum hatte Santos die Worte ausgesprochen, ertönte ein lauter Knall, der mir den Boden unter den Füssen entriss. Noch während ich nach vorne in die Tiefe fiel, spürte ich den Schmerz in meinen Bauch, der mir innerhalb einer Sekunde das Bewusstsein raubte.

Schwer atmend öffnete ich meine Augen und richtete mich im Bett auf. Seit zwei Monaten träumte ich entweder von Santos, wie er mir die Schuld an Masons Tod gab und mich erschoss oder von dem Moment, als ich meinen Bruder erschoss und Santos mit der Waffe bedrohte und ihm sagte, dass er verschwinden sollte. Seit zwei Monaten konnte ich nicht richtig durchschlafen, aber daran war ich selbst schuld.

Morgan - Rache und LiebeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt