CHERYLIch klingelte bei einer der Wohnungen in der Baker Street. Ohne, dass die Sprechanlage Roses Stimme dröhnte, wurde der Buzzer an der Tür gedrückt und ich konnte rein.
Ich lief die Treppen zu Roses Wohnung auf und ließ mich in ihre Arme fallen, bevor ich anfing zu weinen. Verdattert dirigierte Rose uns ins Wohnzimmer.
»Hier. Zieh die an. Der Boden ist noch nicht beheizt.«, sie reichte mir ein Paar Pantoffeln. Süß. Der rechte zeigte SpongeBob, der andere Patrick.
Rose strich meine zerzausten Haare aus meinem Gesicht, bevor sie mich mit hochgezogenen Augenbrauen ansah.
»Wen muss ich umbringen? Wem darf ich mit einem Skalpell durch die Kehle schlitzen? Wem darf ich ein Säbelmesser durch den Magen jagen?"
Ich lachte. »Gerne meinem Vater.«
Der Fakt, dass Rose eine Messersammlung hatte, mit 45 verschiedenen Klingen, die an einem zwei Meter langen Magneten über ihrer Küchentheke aufgereiht waren oder überall in ihrer Wohnung versteckt waren, machte ihre gespielte Drohung eigentlich nur ernster.
Jetzt sah sie verdattert und verwirrt aus.
»Sean? Ihr seid doch gut miteinander... oder etwa nicht?«
»Nein, nicht Sean. Edward."»Edward? Der Edward? Dein Bio-Vater Edward?«, ihre Augen weiteten sich zu der Größe eines LKW. "Was will der denn von dir? Ich dachte, ihr habt keinen Kontakt mehr?"
»Ja!«, ich schniefte.
»Und jetzt habt ihr Kontakt oder wie?«»Nein, Mamma hatte heute morgen angerufen, wollte brunchen gehen und dann waren wir da und aus dem nichts war da mein Vater.«
»Ich schätze mal, es ist nicht so gelaufen, wie deine Mutter es wollte.«, Rose stand auf und lief in die umliegende Küche.
»Nein.«»Schieß los.«, ich hörte, wie sie dampfendes Wasser aus einem Wasserkocher irgendwo hin schüttete und noch etwas aus ihrem Vorratsschrank holte.
»Wir hatten wenig miteinander gesprochen. Zuerst hat er mich mit dem größten Bitch-Face angesehen, so von wegen 'Als ob jemand wie sie Medizin studieren kann'. Dann meinte er, er wollte mich besser kennenlernen und da hatte ich kein Bock mehr und habe dem einfach mal meine Meinung gesagt.«
Rose kam aus ihrer Küche zurück, zwei Tassen Earl Grey in beiden Händen und eine Packung Shortbread unter einem Arm.
»Was genau hast du ihm gesagt?«, sie stellte die Tassen auf dem Kaffeetisch ab und öffnete die Packung.
»Hab' dem gesagt, dass er seine Fresse aus seinem Arsch nehmen kann und in die Realität zurückkommen sollte, statt von mir zu erwarten, dass ich ihn wieder als meinen Vater annehme.«
»Seine Fresse aus seinem Hintern?«, sie hob eine Augenbraue. »Das hast du nicht allen Ernstes gesagt, oder?«
»Doch, ich hab' dem klar und deutlich gesagt, warte, ich zitiere - wenn du denkst, dass du nach 16 Jahren deinen Hintern hierher bewegen und ein Brunch-Date mit Mamma und mir verlangen kannst, um mich besser kennenzulernen, und so glaubst, dass ich dich als meinen Vater wieder anerkenne, dann würde ich dir raten, deinen Kopf aus deinem Arsch zu nehmen und dich der Realität zu wenden. Erst recht, wenn du dir lieber einen Sohn statt mich gewünscht hättest - gesagt.«
»Aua.«, Rose blickte verletzt und mitleidig.
»Es sollte ihm wehtun.«, ich zuckte nur mit der Schulter, als ich die Tasse an meine Lippen brachte und einen großen Schluck trank. Der Tee war alles andere als abgekühlt, aber bei dem Wetter...
»Aber musste das mit dem Sohn sein?«, sie schob sich einen Shortbread in den Mund.
»Ja, hallo? Mein ganzes Leben besteht daraus, mich an meinem Vater zu rächen.«
»Immerhin weißt er jetzt, dass er an zweiter Stelle steht, wenn es um deinen Daddy geht...«
»Dritter.«
»Bitte was?!«»Henry Cavill! Weißt du nicht mehr? Daddy Cavill! Und Rhysand!«
»Rhysand? Wo kommt der auf einmal her? Ich bin Team Tamlin.«
Unsere klitzekleine Schwärme Runde wurde durch das nervige Klingeln an Roses Tür unterbrochen. Sie zog eine Grimasse.
»Adrik.«
Ich verdrehte meine Augen. "Warum immer er, wenn ich mal da bin?!«Ste stand auf, klopfte die Krümel von ihrer Hose ab und meinte nur: »Naja, er kündigt sich an... und du kommst wie der Wind... wann immer du willst. Und manchmal ist es eben Zufall, dass ihr zur gleichen Zeit da seid.«
Sie ging zu ihrer Tür und buzzte ihren großen Bruder ins Haus.»Rate mal, wer seinen besten Freund wieder hat!!« Ich musste nicht hinschauen, um zu sehen, wie Roses Herz vor Adriks Nase anfing zu brechen und zu wissen, dass Rose ihm ins Gesicht schlagen wollte.
»Wow.«, murmelte Rose nur, als sie ihn rein ließ und beide ins Wohnzimmer gingen.
Adrik blieb wie erfroren am Türrahmen stehen, als er mich erblickte.»Wenn da nicht Little Miss Vaterkomplex ist.«
Ich schmiss Roses Pantoffel nach ihm und Patricks Lächeln traf seine Stirn.»Das tat weh!«, Adrik hob den Pantoffel auf und schmiss ihn zu mir zurück, mit der Intention, mich zu treffen, aber Rose ging zwischen uns und fing den Pantoffel mit einer einzigen Bewegung aus der Luft.
»Ich halte das nicht mehr aus, ihr beiden. Adrik ist kaum eine Minute hier und schon schmeißt du wie Feyre Archeron einen Knochen nach Amarantha, einen Schuh nach Adrik.«
»Feyre hatte blonde Haare, keine roten.«, nun schleuderte ich SpongeBob in Adriks Richtung, welchen er aber auffing.
Rose seufzte. »Gut, dann klärt das. Meinetwegen, kloppt euch, aber wehe, mein Kaffeetisch geht kaputt. Ich gehe duschen.«, sie mache eine abweichende Geste und bog um die Ecke.»Wer ist Tamlin und wer ist Freye?«, Adrik schaute seiner Schwester hinterher.
»Feyre, nicht Freye.«, verbesserte ich.»Und wer ist das?«
»Sind Hauptcharaktere aus einer von Roses Lieblingsbüchern. Sie wartet darauf, dass das nächste Buch nächsten Mai rauskommt. Aber das ist im Moment unwichtig.«, ich verschränkte meine Arme vor meiner Brust.»Hmm.«, Adrik stellte seine Sachen ab und setzte sich mir gegenüber.
»Was würdest du davon halten, wenn ich mich bei dir entschuldige für das mit dem Vaterkomplex, weil ich es nicht getan habe und ich heute großzügig drauf bin?«, Adrik verschränkte, wie ich, seine Arme vor seiner Brust.
»Haha.«, zumindest wollte er sich entschuldigen.
»Cheryl. Es tut mir leid. Ich hätte deinen Vater nicht erwähnen sollen... so sehr ich es auch wollte.«, den letzten Satz hatte er nur so gemurmelt, ich konnte ihn dennoch hören.
»Wie bitte?«
»Nichts. Und ich würde einen Waffenstillstand vorschlagen.«Ich runzelte die Stirn. »Waffenstillstand?«
»Ja... für Rose, weil sie das mit uns beiden nicht mehr aushält. Natürlich nur, bis sie sich vollständig von Luc löst.«
Ich hielt mich zusammen, um nicht zu lachen. Die Chance, dass Rose sich vollständig von Luc lösen würde, war so hoch, wie wenn man ohne Verhütung nicht schwanger werden konnte.»Alles klar.«, ich hielt ihm meine rechte Hand aus und er nahm sie.
»Bis Rose sich vollständig von Luc löst.«
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Never Hated You More
RomanceHAYNES #2 Ihr Hass steigert sich von Tag zu Tag. Genau wie ihr verlangen. ~ Eine Medizinstudentin. Ein Kardiologe. Ein Hass, der sich zwischen ihnen ausbreitet... Cheryl Kenney schwelgt zwischen Abschlussprüfungen und Seminaren und kommt kaum noch...