Kira
Heute
Schweißgebadet wachte ich auf. Vereinzelte Haarsträhnen klebten an meinem Gesicht und mein Atem ging nur stoßweise. Es war unerträglich heiß in meinem Zimmer. Kurzerhand öffnete ich das Fenster so weit wie es ging und tapste leise, um Mum nicht zu wecken, die Treppe hinunter in die Küche. Nachdem ich mir ein Glas Wasser am Wasserhahn aufgefüllt hatte, lehnte ich mich an die Spüle und warf einen Blick auf das Fenster gegenüber von mir, wo sich leicht mein Umriss widerspiegelte. Wage konnte ich erkennen, dass meine Haare unordentlich von meinem Kopf abstanden und sich wild lockten. Getrocknete Tränen befanden sich auf meinen Wangen und ich bemerkte erst beim Anblick meines geschafften Äußeren, dass meine Augen ein wenig vom weinen juckten.
Albträume. Ich hasste diese verdammten Albträume. Ich träumte nicht viel, zumindest konnte ich mich selten an meine Träume erinnern. Doch wenn ich mich erinnerte, dann nur an meine Albträume. Zum Beispiel an den von heute Nacht. Ich hatte noch einmal genau und detailliert erlebt, was in der letzten Nacht von Logan geschehen war. Das Schlimme daran war, dass es sich so real angefühlt hatte. Als hätte ich die Momente kurz vor Logan Tod noch einmal erlebt. Als wären Zeitreisen möglich. Meine Albträume tauchten immer dann auf, wenn ich sie am wenigsten gebrauchen konnte. Gerade begann ich loszulassen, war ein wenig im Versuch die Vergangenheit hinter mir zu lassen. Doch dann kam ein einziger Albtraum, der das wieder zunichte machen konnte.
Ich beschloss, wieder nach oben zu gehen. Ich würde nicht mehr einschlafen können, aber das war egal. Morgen beziehungsweise heute, da es halb drei war, war Samstag, also keine Schule. Kein Grund früh aufzustehen. Das Fenster ließ ich offen. Sollten die Mücken doch rein kommen. Ich dachte nach.
Über Grandma, die uns bald besuchen kommen würde. Über Elena, die sich tierisch über meine Zusage, morgen mit ihr ins Kino zu gehen, gefreut hatte. Über Mum, die still mit ihrem einzigen Kind mitlitt und mit ihrem Latein am Ende war. Über Logan, der viel zu viel und vor allem Zeit verloren hatte.
Und letztendlich auch über Dylan, den Jungen, der mir nicht glaubte und mich in einer gewissen Hinsicht besser kannte als Logan es je getan hatte. Ich hatte ihn erst einmal getroffen, nur ein paar Worte mit ihm gewechselt, aber wie sagt man so schön: Blicke sagen mehr als Worte es je könnten. Und da war ein gewisses Etwas. Dylan hatte Etwas an sich. Diese braunen Augen sagten so viel. Etwas, das mich neugierig machte. Und ich war darauf aus, es herauszufinden. Ich würde ihn wiedersehen. Elena würde ihn bestimmt mit ins Kino schleppen. Und dann würde er mich womöglich wieder so komisch anschauen.
Am nächsten Morgen ging ich vor meiner Mutter in die Küche und machte Frühstück. Nicht, weil ich Lust dazu hatte. Es war wie mit dem aufräumen. Ich tat es, damit ich überhaupt etwas tat. Mum schlurfte wie immer mit zerstreuten Haaren und Augenringen in den Raum und sah mich erstaunt an, als sie mich bemerkte.
"Kira? Wieso bist du schon wach, es ist Sechs Uhr morgens an einem Samstag." Murmelte sie und drückte auf den Einschaltknopf der Kaffeemaschine.
"Ich konnte nicht schlafen." Gab ich nur zurück und lehnte mich gegen den Kühlschrank. Mum strich sich die Haare aus ihrem Gesicht und sah mich mit einer besorgten Miene an.
"Ein Albtraum?" Ich nickte langsam und erntete ein Seufzen von Mum. Sie setzte sich an den gedeckten Tisch und ich tat es ihr gleich. Da ich ihr jetzt genau gegenüber saß, konnte sie mir ganz genau in die Augen sehen. Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. "Willst du mir davon erzählen?" Ich zuckte mit den Schultern.
"Eigentlich ist es eher eine Erinnerung, die ich geträumt habe. Nichts, was mein Hirn sich ausgedacht hat." Sagte ich schließlich.
"Welche Erinnerung denn?" Ich schluckte den Klos in meinem Hals hinunter.
"Die schlimmste meiner Erinnerungen." Mum schien zu verstehen, was ich damit meinte.
"Vielleicht musstest du wegen Elena wieder daran denken und dein Unterbewusstsein hat es dann so verarbeitet." Meinte sie nach einer Weile.
"Wegen Elena?"
"Ja. Ich weiß, dass du dich immer schuldig fühlst, wenn du auch nur einen klitzekleinen Moment glücklich bist. Du denkst, wieso solltest du diese Chance haben und Logan nicht?" Ich starrte sie verblüfft an. Sie war wohl doch meine Mutter und kannte mich besser als ich dachte. "Aber soll ich dir einen guten Rat geben?"
Ich riss, überrascht über ihre sprachliche Gewandtheit am frühen Morgen, die Augen auf.
"Du verdienst es glücklich zu sein. Kira verdammt nochmal, Logan hat sich das für dich gewünscht. Du sollst ihn nicht vergessen, aber du sollst auch nicht für immer an deiner Trauer festhalten. Du sollst dein Leben leben. Das hat Logan zu dir gesagt. Das hat er sich verdammt nochmal für dich gewünscht. Also wieso befolgst du nicht seinen letzten Wunsch? Wenn du schon nicht auf mich hörst, dann auf Logan." Ich sah auf meine Hände, während sie sprach. Sie hatte recht. Anscheinend hatte sie gehört, was Logan in seinen letzten Atemzügen zu mir gesagt hatte.
"Ich versuche es ja, aber -"
"Aber dann musst du an ihn denken und, dass es unfair ist. Du kannst leben und er nicht. Du bist gesund und er nicht. Für dich gibt es Hoffnung und für ihn nicht." Mum machte kaum Pausen zwischen ihren Sätzen. "Aber Kira, das Leben ist nicht fair, sonst wäre Logan noch bei uns, sonst wäre dein Vater ein Vater gewesen und sonst wäre was weiß ich noch alles anders. Kira, bitte erfülle ihm seinen letzten Wunsch. Ich kann nicht mehr ertragen wie du so vor dich hin vegetierst." Bei ihrer letzten Wortwahl musste ich etwas lächeln. Ich seufzte tief und blickte von meinen Händen auf.
"Ich werde es versuchen." Sagte ich entschlossen. Mum lächelte zufrieden.
"Du wirst es schaffen, Kira." Entgegnete sie. "Für ihn. Für Logan."
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Alive - Dylan O'Brien AU
Teen Fiction"Es wird ein Loch in deinem Herzen sein, aber es ist gleichzeitig auch ein besonderer Platz, den nur er dort hat. Du wirst glücklich sein, du wirst ihn nicht vergessen und glücklich sein. Du wirst leben." Kira Lockwood hatte ein großes Herz und eine...
