35; Masterplan

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Kira

Am nächsten Morgen wachte ich zu früh auf. Es war gerade mal halb fünf, als ich die Augen aufschlug und einen Blick zu dem Wecker auf meinem Nachttisch warf. Ich setzte mich seufzend auf und fuhr mit einer Hand durch meine von der Nacht verstrubbelten Haare. Durch die Spalten der Rolladen schienen bereits die ersten Sonnenstrahlen dieses Montags. Laut der Wetterapp würde es, unpassend zu meiner derzeitigen Stimmung, sonnig und bis über 20 Grad werden, was hier wirklich selten geschah.

Ich zog die Rolladen so leise wie möglich hoch, um Mum nicht zu wecken, die bestimmt keine Lust hatte, vor halb sieben aufzustehen. Man konnte die Sonne knapp über dem Horizont erkennen und sie schenkte mir jetzt schon irgendwie eine angenehme Wärme. Ich ließ meinen Blick von unserem Garten bis hin zu dem kleinen Wald, der ein paar Meilen vor dem See lag, gleiten und stützte meine Ellbogen auf der Fensterbank ab, legte den Kopf auf meine Hände. Die Gedanken von letzter Nacht wollten mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Sie durchströmten mich wie Blitzschläge.

Ich würde mich wieder verändern, das würde ich ganz sicher. Nicht nur, weil ich es so den Menschen leichter machte, die ich liebte, sondern auch, weil ich es für mich selbst so entschieden hatte. Ich wollte nicht mehr so sein wie ich das letzte halbe Jahr gelebt hatte. Nun hatte ich die Zeit gehabt, um zu trauern und es auch weiterhin zu tun, aber es trotzdem nicht mehr den Mittelpunkt meines Lebens sein zu lassen.

Dylan würde zwar heute wieder nach New Jersey fliegen, doch ein Teil von ihm würde bei mir in London bleiben. Ein Teil von ihm würde mich niemals verlassen. So, wie Logan es getan hatte. So, wie Dylan es mir gesagt, ja sogar versprochen hatte.

Es wird ein Loch in deinem Herzen sein, aber es ist gleichzeitig auch ein besonderer Platz, den nur er dort hat. Du wirst glücklich sein, du wirst ihn nicht vergessen und glücklich sein. Du wirst leben.

Ich würde endlich wieder leben.

"Wonach riecht es denn hier?" War Mum's erster Satz, als sie in die Küche geschlurft kam und sich den restlichen Schlaf aus den Augen rieb.

"Speck und Rührei." Antwortete ich und wendete den Speck in der Pfanne, damit er von beiden Seiten anbriet.

"Und der Tisch ist auch schon gedeckt... sag mal, war dir langweilig oder wieso sieht es hier aus, als würde die Queen zu Besuch kommen?" Sie setzte sich an den Tisch und betrachtete ihn überrascht. Ich musste mir ein Grinsen verkneifen und kam mit der Pfanne an den Tisch, damit ich Mum Speck und Rührei auf den Teller schütten konnte.

Ich stellte die Pfanne wieder auf den Herd und zuckte mit den Schultern. Die Toasts sprangen aus dem Toaster und ich fing sie noch gerade so auf, bevor sie auf den Boden klatschen konnten. Ich legte sie in den Brotkorb und gesellte mich zu ihr an den Tisch.

"Zu meinem Masterplan gehört doch auch, dir das Frühstück zu machen." Grinste ich und schnappte mir eine Scheibe Brot.

"Zu welchem Masterplan?" Ihr Gesichtsausdruck war bombe.

"Naja... du weißt ja, dass ich in den letzten Monaten nicht wirklich nun ja... ich war." Begann ich. "Also habe ich einen Entschluss gefasst. Du hast mir doch immer gesagt, dass ich loslassen muss und mir selbst eine Chance geben soll und... ich glaube, dass ich das jetzt endlich kann." Ich spießte ein Stück Speck auf meiner Gabel auf und schob es mir in den Mund, während sich Mum's Gesichtsausdruck aufhellte.

"Kira, das ist -" Sie stoppte mitten im Satz und legte ihre Hand auf meine. "Das ist so wunderbar." Sagte sie schließlich und lächelte das schönste Lächeln, das ich je bei ihr gesehen hatte. "Ich bin so stolz auf dich!" Ich spürte, dass meine Wangen rot wurden und musste ebenfalls lächeln.

Als ich gerade den letzten Teller aus der Spülmaschine und in das dafür vorgesehene Regal geräumt hatte, klingelte es an der Haustür. Mum sprang sofort von ihrem Platz auf der Küchenbank auf, wo sie bis gerade Zeitung gelesen hatte, und ging durch den Flur zur Haustür. Ich schloss derweil die Spülmaschine und trocknete meine Hände an einem Küchenhandtuch ab.

Ich hörte zwei vertraute Stimmen aus dem Flur und lugte um die Ecke. Elena kam auf mich zu und umarmte mich, bevor sie mir ein Lächeln schenkte und ins Wohnzimmer eilte, Mum folgte dicht hinter ihr. Ich schaute den beiden verwirrt nach und drehte meinen Kopf wieder Richtung Haustür, nur um Dylan dort mit einem Rucksack auf dem Rücken und einer Reisetasche in der linken Hand stehen zu sehen, das altbekannte Grinsen auf seinem von Muttermalen übersäten Gesicht.

"Hey." Sagte ich als Begrüßung und er streckte mir seine freie Hand entgegen, damit ich meine in seine legte.

"Ms Lockwood, Sie sehen heute ja wieder fantastisch aus." Er lächelte und drückte meine Hand leicht, während ich errötete. "Fantastisch rot, um genau zu sein."

"Hör auf, so glücklich zu sein." Schmollte ich und nickte auf die Tasche.

"Dann tu du nicht so, als wäre das ein Abschied für immer." Erwiderte er und schüttelte lächelnd den Kopf. Ich nickte leicht und musste ebenfalls lächeln. Er hatte recht.

Der Flughafen war für einen Montagmorgen ziemlich überfüllt und ich musste mich erstmal zurechtfinden, bevor ich Dylan zeigen konnte, wo wir hin mussten. Elena und Mum hatten sich, auf Elenas Wunsch hin wohlgemerkt, in ein Café begeben, damit wir uns, wie die beiden es so schön ausgedrückt hatten, würdig voneinander verabschieden konnten. Ich hatte nur die Augen verdreht und Dylan an der Hand weitergezerrt, während sich ein Grinsen auf sein Gesicht schlich.

"Sag mal," Begann er und versuchte anscheinend, die Situation hier zu überblicken. "Kennst du dich hier überhaupt aus?"

"Ja, ich fliege von hier in den Ferien immer nach New York zu meiner Grandma." Antwortete ich und scannte die Anzeigetafeln, welche die nächsten Flüge anzeigten, mit meinen Augen ab. Eigentlich kannte ich mich hier überhaupt nicht aus. Mum organisierte das Flugzeug-Zeug immer und ich interessierte mich ehrlich gesagt herzlich wenig für solche Sachen, also war es bisher kein wirkliches Problem gewesen. Nur heute musste ich mein nicht vorhandenes Können unter Beweis stellen und das klappte nicht wirklich.

Ich seufzte. "Okay.... eigentlich bin ich kein Flugzeugfan und so, aber ich glaube, dein Flieger kommt in zwanzig Minuten."

"Das wollte ich hören." Grinste er.

Alive - Dylan O'Brien AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt