20; Eisberg

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Dylan

Das braunhaarige Mädchen lehnte sich an mich und ich war mehr als erleichtert darüber, dass sie meine Geste nicht erschreckt sondern eher ermutigt hatte. Gott, ich mochte dieses Mädchen viel zu sehr. Ich hätte niemals damit gerechnet, so ein Mädchen wie Kira jemals zu treffen. Denn sie war nicht wie die anderen Mädchen, die ich aus meiner Highschool kannte. Sie war umgeben von einer Eisschicht, die niemand zum schmelzen bringen konnte. Sie war wie ein Schatz, den man erst nach langem Suchen findet und auch dann erst lange Zeit braucht, um den Code zu knacken.

Doch, wie sie hier neben mir stand, dicht an meinen Körper gedrängt, sich Halt suchend an mich lehnte, da realisierte ich erst, dass ich vielleicht diese Eisschicht zum schmelzen bringen konnte, oder wenigstens zum bröckeln. Denn ich war nicht die Titanic, ich würde nicht an einem Eisberg zerschmettern. Genug philosophiert.

Kira sah zu mir hoch und lächelte mich mit ihrem zauberhaften Lächeln an. Ich erwiderte ihr Lächeln ohne zu zögern. Sie schaute wieder nach unten und holte etwas aus ihrer Tasche, die an ihrem rechten Arm baumelte. Eine Kamera.

"Kannst du mich nochmal hochheben, damit ich Fotos machen kann?" Fragte sie und ich sah trotz des grellen Lichts der Scheinwerfer, wie sie rot wurde. Also hob ich sie erneut nach oben und setze sie auf meine Schultern.

Nachdem sie genug Fotos geschossen hatte, drehte sie die Kamera nach unten und fotografierte somit mein Gesicht, welches wie immer, wenn ich in ihrer Nähe war, ein Grinsen zeigte. Ich ließ sie wieder nach unten und nahm ihr die Kamera aus der Hand, um ein Foto von uns beiden zu machen.

Eine Weile lauschten wir nur den Liedern und dem Kreischen der Fans, bis ein langsames Intro eines Liedes begann.

"Wie heißt der Song?" Fragte ich Kira und sie runzelte überlegend die Stirn, was verdammt nochmal niedlich aussah.

"Eighteen." Ich nickte verstehend und beobachtete die jungen Sänger, welche eigentlich gar nicht so schlecht sangen. Ich verstand nicht, wieso sie eigentlich von manchen Menschen so gehasst wurden. Natürlich war es nicht jedermanns Musikgeschmack, aber wiederum auch nicht so schlimm, dass man es nicht einen Abend lang ertragen könnte. Im Prinzip das gleiche, wie bei Justin Bieber.

I got a heart and I got a soul, believe me, I use them both

Zugegebenermaßen war das Lied echt schön.

I have loved you since we were eighteen, long before we both thought the same thing

Ich hörte Kira neben mir leise mitsingen und beobachtete einfach ihre Lippen, während ich weiterhin den Klängen des Liedes lauschte. Ihre Lippen waren wunderschön.

Living love in slow motion motion motion

Ihre Lippen bewegten sich perfekt synchron zu den lyrics und ich fragte mich, wie sich wohl anfühlten. 

Nachdem der Song unter lautem Gejubel zum Ende kam, begannen auch schon die nächsten Klänge eines anderen langsamen Liedes, woraufhin die Fans vollkommen ausrasteten und gar nicht mehr aufhören wollten zu brüllen, bis einer der Sänger mit seinem Solo begann.

"Und wie heißt das?" Kira schmunzelte leicht und dachte wieder mit gerunzelter Stirn nach.

"Little things."

"Ich dachte, du bist kein Directioner, wieso kennst du alle Lieder?"

"Der Name der Songs steht immer auf dieser Leinwand da." Sie deutete mit einer Hand auf eine der vielen Leinwände, die nun wirklich den Namen des Liedes zeigten. Das Lied wurde nur von der Gitarre des blonden Bandmitgliedes begleitet, doch es hörte sich einfach nur schön und beruhigend an.

"Wie heißt der Typ mit der Gitarre?"

"Niall."

"Er hat einen irischen Akzent."

"Liegt wohl daran, dass er Ire ist."

"Er singt chonce anstatt chance."

"Solltest du auch mal anfangen, du Halbire." Ich zog überrascht die Augenbrauen in die Höhe.

"Ich habe noch nie einen Iren getroffen. Abgesehen von meinem Vater natürlich."

"Wenn wir von Elena zum Backstagebereich gezerrt werden, wirst du einen waschechten Iren kennenlernen, glaub' mir."

"Aber Halbiren sind doch besser, nicht wahr?" Ich zwinkerte ihr kurz zu.

Your hand fits in mine like it's made just for me

Ich nahm die Hand des braunhaarigen Mädchens und beobachtete, wie sich ihr Gesichtsausdruck veränderte und sich automatisch zu einem glücklichen Lächeln verzog.

I want let these little things slip out of my mouth, but if I do it's you it's you they add up to, i'm in love with you, and all this little things

Ich sah Kira wieder von der Seite an und versuchte die Tatsache zu ignorieren, dass ich sie erst seit einer halben Woche kannte, denn das zählte nicht. Es zählte nur das hier und jetzt. Und hier und jetzt stand sie neben mir, hielt ihre Hand in meiner und lächelte alleine wegen dieser Tatsache. Das, und nur das, zählte.

But you're perfect to me
...
If I let you know I'm here for you, maybe you love yourself like I love you
...
I'm in love with you, and all your little things

Mit diesem Song war das Konzert beendet, doch Kira und ich standen einfach nur da und schauten uns in die Augen. Selbst als sich die Halle nach und nach leerte, blieben wir stehen. Während die Menschen nach und nach die Halle verließen, lehnte sich das braunhaarige Mädchen wieder an meine Schulter und ich betrachtete die Glasdecke über uns, durch die man wunderbar die Sterne am dunkelblauen Himmel erkennen konnte.

Und da bemerkte ich, dass ich mich in dieses braunhaarige Mädchen, welches vielleicht niemals schmelzen würde und anscheinen Geheimnisse hatte, die sie mir niemals anvertrauen würde, verliebt hatte.

Alive - Dylan O'Brien AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt