39; Unerwünschte Verwandtschaft

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Dylan

Ich glaube, ich hatte mich noch nie so sehr auf Weihnachten gefreut. Mittlerweile stand fest, dass Kira, ihre Mutter und Elena einen Tag vor Heiligabend ankommen würden. Da Kiras Großmutter in New York lebte, verbrachten sie dort die Weihnachtstage und würden danach nach New Jersey kommen.

Der Rest des Jahres war mir so unendlich lang vorgekommen. Doch die Freude hatte mir geholfen durchzuhalten, bis ich Kira wiedersehen würde.

Ich trug gerade Einkaufstüten vom Auto ins Haus, als ich einen Geruch aus der Küche wahrnehmen konnte, der mich dorthin lockte. Ich stellte die Tüten auf dem Küchentisch ab und drehte mich um in der Erwartung Julia zu sehen, doch zu meiner Enttäuschung war es nicht meine Schwester, die gerade Plätzchen für Weihnachten backt.

"Dylan, du bist schon wieder da." Sprach meine Mutter und drehte sich zu mir um, während ich die Vorräte in den Kühlschrank stopfte.

"Und du leider auch." Erwiderte ich zähneknirschend und ihre Miene veränderte sich.

"Ich weiß, dass du mir nicht viel vertraust -"

"Ich vertraue dir überhaupt nicht."

"Lass mich bitte ausreden." Sagte sie und fasste sich mit einer Hand an die Schläfe. Ich verschränkte meine Arme vor der Brust und zog die Augenbrauen hoch.

"Dann sag, was du zu sagen hast und verschwinde verdammt nochmal wieder aus meinem Leben, denn ich will dich nicht hier haben und auch wenn Julia es dir nicht ins Gesicht sagt, sie will dich genauso wenig hier haben wie ich."

Sie senkte ihren Blick und ich bildete mir ein, Tränen in ihren Augen aufblitzen zu sehen. "Ich hatte einen guten Grund zu gehen." Sprach sie mit einem Zittern in der Stimme.

"Und der wäre?"

"Ich war schwanger." Ich riss erstaunt meine Augen auf, das hatte ich nicht erwartet. Ich war ein Säugling gewesen, als sie gegangen war und somit hatte ich kaum Erinnerungen an sie, aber warum sollte sie abhauen, weil sie schwanger war?

"Du warst schwanger." Wiederholte ich ihre Worte und lehnte mich gegen den Kühlschrank. "Aber das ist doch kein Grund zu gehen."

"Wenn der Vater des Kindes nicht dein und Julias Vater ist, dann schon." Sagte sie und hob ihren Kopf wieder.

"Du hast ihn betrogen, na super." Sprach ich monoton. "Also habe ich einen Halbbruder oder eine Halbschwester."

"Halbschwester."

"Und wo ist die jetzt?"

"Sie lebt nicht in Amerika, ich habe sie nach der Geburt zur Adoption freigegeben." Ich starrte sie ungläubig an.

"Warum zur Hölle hast du das getan? Dieses Mädchen musste ohne ihre Eltern und ohne zu wissen, wo sie herkommt, aufwachsen? Wieso?"

"Weil ich eigentlich zurückkommen wollte, aber warum hätte dein Vater mich zurücknehmen sollen? Ich hatte ihn betrogen."

"Ja, warum hätte er das tun sollen." Ich schüttelte meinen Kopf. "Das entschuldigt deine Entscheidung kein bisschen, beide Entscheidungen nicht."

"Dyl, ich bin deine Mutter." Sie wollte nach meiner Hand greifen, doch ich zog sie schnell weg.

"Nenn mich nicht Dyl." Zischte ich. "Es gibt nur eine Person, die mich so nennen darf und das bist ganz sicher nicht du."

Sie zog ihre Hand zurück und auf ihrem Gesicht machte sich ein enttäuschter Ausdruck breit.

"Und du kennst mich nicht, okay? Kein bisschen und ganz ehrlich, es ist mir scheiss egal wieso du gegangen bist. Ich will dich einfach nicht in meinem Leben haben. In meinem Leben ist gerade alles so perfekt wie es nur sein kann, ich brauche dich nicht, okay? Hast du das jetzt verstanden?" Ich stieß mich vom Tisch ab und war gerade dabei, die Küche zu verlassen, als die Frau, die angeblich meine Mutter war, noch etwas sagte,

"Willst du denn gar nicht ihren Namen wissen?"

Ich blieb im Türrahmen stehen, drehte mich jedoch nicht um, als ich ein knappes Ja von mir gab, schließlich steckte doch noch ein wenig Neugierde in mir.

Sobald sie den Namen ausgesprochen hatte, fuhr ich auf dem Absatz herum und starrte sie ungläubig an.

Das konnte nicht wahr sein.

Das durfte einfach nicht wahr sein.

Es musste ein Zufall sein.

Ein dummer Zufall.

Mein Mund stand offen und ich schlug meine Hände hinter meinem Kopf zusammen, mein Brustkorb zog sich schmerzvoll zusammen, während ich ihre Worte zu verarbeiten versuchte.

"Nein, nein, nein." Murmelte ich immer wieder und musste mich mit beiden Händen am Türrahmen abstützen.

Meine Mutter runzelte ihre Stirn. "Was ist los, Dyl?"

Ich verengte meine Augen zu Schlitzen und sie verstand auch ohne Worte, dass sie mich am besten ab jetzt wirklich nicht mehr so nennen sollte.

"Bitte geh jetzt. Sofort." Ich zeigte zur Tür und sie schenkte mir noch einen letzten verwirrten Blick, bevor sie die Küche verließ.

Ich ließ mich auf einen Stuhl fallen und hatte die Tatsache, dass das Eis in den Einkaufstüten bereits angefangen hatte zu schmelzen, vergessen.

In diesem Moment klingelte mein Handy und ich sah ein Bild von Kira auf dem Bildschirm aufleuchten. Ich blickte es erstarrt an und wartete darauf, dass sie auflegte und die Mailbox ranging. Ich konnte jetzt nicht mir ihr reden, obwohl das wahrscheinlich das schlauere in dieser Situation gewesen wäre...

Ich zuckte leicht zusammen, als ich ihre Stimme auf die Mailbox sprechen hörte:

"Hey, Dyl. Ich wollte nur fragen, ob es dir und Julia gut geht. Tut mir leid, falls ich gerade irgendwie zu einer falschen Zeit anrufe... naja... Bis bald.... Ich liebe dich."

Ich schluckte den Klos in meinem Hals hinunter und vergrub meinen Kopf in den Händen, bevor ich die Nachricht wieder abspielte und sich Tränen in meinen Augen bildeten. Bei ihren letzten Worten schlich sich dann doch eine Träne über meine Wange, obwohl ich mein bestes versucht hatte, sie zurückzuhalten.

Wenn meine Mutter tatsächlich die Wahrheit gesagt hatte, bedeutete das, dass - oh Gott. Mein Herz blieb für einen Moment lang stehen, nur um dann wieder wie ein Hammer gegen meine Brust zu donnern.

"Das darf einfach nicht wahr sein."

Denn wie wahrscheinlich war es, dass meine Halbschwester den Namen Kira Lockwood trug und nicht meine Kira Lockwood war?

Alive - Dylan O'Brien AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt