Wir saßen jetzt schon seit Stunden zu viert im Konferenzraum. 98 % der Zeit diskutierten wir – und für die restlichen 2 % fanden wir eine Lösung. Ich hatte meiner Mutter längst Bescheid gegeben, dass ich später kommen würde. Wir waren alle komplett im Stress, und draußen wurde es langsam dunkel.
Mein Magen knurrte.
„Ich geh mir was zu essen holen. Wollt ihr auch was?"
„Hol mir einfach das, was du auch nimmst," meinte Mansur.
„Dich hab ich nicht gefragt."
„Frech."
„Nicht nötig. Sag, was du willst – ich bestelle es für uns alle", kommentierte Azad, ohne mich anzuschauen.
„Alles gut, ich brauche eh frische Luft."
„Es ist fast dunkel."
Er ließ es wohl nicht los.
„Ich komm mit," sagte Rana plötzlich, was mich ehrlich gesagt überraschte.
Also gingen wir los. Erstmal zu Smiley, um für alle Pizza zu holen, und dann noch kurz zu Aldi für Getränke. Ich hätte es nie gedacht, aber allein mit Rana unterwegs zu sein, war gar nicht so schlimm. Sie war entspannt und normal – kein bisschen anstrengend.
„Oh, warte kurz, ich muss noch was für Azad holen."
Ich folgte ihr. Wohin wollte sie jetzt? Azad würde doch wohl nicht ernsthaft Salat essen, während wir uns Pizza gönnten. Als sie mit Zitronen zurückkam, schaute ich sie verwirrt an.
„Wofür brauchst du die?"
„Keine Ahnung. Er meinte nur, ich soll welche besorgen."
Na gut, was auch immer. Wir zahlten und gingen zurück. Zum Glück lag die Firma direkt neben diesen ganzen Läden – und ich hatte die frische Luft echt gebraucht.
„Sag mal, Ayla... Kennst du Azad vielleicht länger, als du zugibst?"
Nicht schon wieder.
„Wie kommst du jetzt darauf?"
„Ist doch offensichtlich."
Ich seufzte. „Wir waren mal in einer Klasse. Schlimmste Zeit meines Lebens."
Rana lachte. „Wegen ihm?"
„Oh ja, wegen ihm."
Zurück in der Firma aßen wir erst mal gemeinsam. Mansur und Rana erzählten ihre lustigsten Kindheitsgeschichten, und ich war ihnen echt dankbar – sie sorgten wenigstens für ein bisschen Lockerheit.
„Erzählt mal was über euch," meinte Rana schließlich.
Ich ignorierte den Kommentar absichtlich, damit Azad antworten musste.
„Gibt nichts zu erzählen," kam es trocken von ihm.
„Ayla hat gesagt, dass ihr zusammen in einer Klasse wart. Da gibt's doch bestimmt—"
„Rana, ich glaube, wir sollten langsam weiterarbeiten. Sonst sitzen wir hier bis morgen früh." Antwortete er ernst.
„Ja..." sagte Rana leise und senkte den Blick auf den Tisch.
Mein Herz zog sich zusammen. Sie sah so verloren aus, so müde. Ich hasste es irgendwie, sie so zu sehen.
Was zum Teufel stimmt nicht mit ihm?! Warum kann er nicht einfach normal mit ihr reden?
Ich wollte etwas sagen, irgendetwas, um sie aufzumuntern, aber die Worte blieben mir im Hals stecken.
Mansur hingegen kümmerte sich um nichts außer um sein Essen. Ich beschloss, es ihm gleichzutun und tat so, als hätte ich von dem kurzen Schlagabtausch nichts mitbekommen.
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i hate you
RomanceAyla durchlebte eine anspruchsvolle Schulzeit, in der jemand, den sie zutiefst liebte, ihr Herz Stück für Stück brach. Im Laufe der Zeit wandelten sich ihre Gefühle zu Hass, und sie setzte alles daran, ihn in der Zukunft zu vermeiden. Dennoch hatte...
