„Alles klar, Mama, mach dir keine Sorgen." Meine Eltern fahren für ein paar Tage zu meiner Tante. Wegen der Schule kann ich nicht mit, aber mein Bruder wird später nachkommen. Er ist sowieso kaum zu Hause, also würde es keinen Unterschied machen, ob er da ist oder nicht. Mama hat bereits mit Merve gesprochen, damit sie auf mich aufpasst. Wir haben abgemacht, dass ich ein paar Nächte bei ihr und sie ein paar Nächte bei mir übernachtet. Meine ältere Schwester ist im Urlaub, also blieb uns keine andere Wahl.
Als ich mich von meinen Eltern verabschiedete, schrieb ich schnell Mansur zurück:
»Dein Job hört sich doch toll an. Wirst langsam Geschäftsmann. Aber ey, vergiss nicht, wer deine Freunde waren, bevor du reich wurdest.«
Er versucht ständig, mich zu überreden, mit ihm zu arbeiten. Sein reicher Onkel ist kürzlich in die Stadt gezogen, und Mansur hat direkt einen besser bezahlten Job durch ihn bekommen. Angeblich will sein Onkel ihn fördern, weil er ihn mit einer seiner Cousinen verkuppeln möchte. Das glaube ich ihm sofort.
In letzter Zeit sind Mansur und ich uns besonders nahegekommen. Er lenkt mich ab, ohne es zu merken. Ich lag auf meinem Bett und starrte die Decke an. Ganze zwei Monate hatte ich ihn nicht gesehen, bis er plötzlich in meinem neuen Arbeitsplatz auftauchte – mit einem anderen Mädchen. Es war nicht Leyla, sondern jemand anderes. Sie war wunderschön und trug teure Kleidung, die sie wohlhabend wirken ließ. Aber ihre Art ging mir direkt auf die Nerven. Es kostete mich alles, meine Wut zu unterdrücken und mich zusammenzureißen, um meinen Job nicht gleich zu verlieren.
Während ich in Gedanken schwelgte, vibrierte mein Handy:
»Nein, niemals. Du wirst immer in meinem Kopf und meinem Herz bleiben.«
Ich musste leicht schmunzeln. Seit wann sind meine Landsmänner so romantisch?
»Schleimer 🙄«, schrieb ich zurück.
Er tippte sofort weiter:
»Ayla, ich habe eine Bitte. Morgen findet eine Feier statt. Frag mich nicht, was genau – mein Onkel hat wieder irgendeinen Anlass zu feiern. Dafür brauche ich eine gut aussehende Frau an meiner Seite. Hast du morgen Abend Zeit?«
Was? Wie bitte? Meine Eltern sind gerade weg, und ich soll direkt etwas tun, was ich nicht tun sollte?
»Moment mal. Dein Onkel wird das doch niemals gut finden. Was ist mit deiner Cousine, Herr Amiri?«
»Lass das mein Problem sein. Also gut, dann sehen wir uns morgen. Ich hole dich um 18:00 Uhr ab. Keine Widerrede. Tschüss.«
Das ist doch nicht sein Ernst.
»Mansur! Ich habe afghanische Eltern! Wie soll ich das bitte anstellen? Die sind zwar nicht da, aber ich kann doch nicht sofort so einen Mist bauen! Und was soll ich überhaupt anziehen? MANSUR, ANTWORTE MIR!«
Er kam online.
»Madame, kannst du bitte aufhören, mich anzuschreien? Atme ein und aus. Stell dir einfach vor, du gehst zu einer Hochzeit, und zieh dich entsprechend an. Oder warte, ich lasse dir morgen ein Kleid zukommen. Sei einfach um 18:00 Uhr fertig.«
Das war nicht mein Ziel! Er überfordert mich total.
»STOPP! Hör auf damit. Du bist Student, du brauchst das Geld! Wenn du weitermachst, erzähle ich deinem Onkel morgen, dass du auf eine seiner Töchter stehst!«
Er schickte nur Lach-Smileys. Er nimmt mich überhaupt nicht ernst.
Als ich später Merve davon erzählte, meinte sie, dass sie morgen mit Erion zu einer ähnlichen Feier eingeladen ist. Es überraschte mich, dass es sich um dieselbe Veranstaltung handeln könnte. Mansur ignorierte meine Nachrichten, also konnte ich Merve nicht sagen, wo genau wir hingehen würden.
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i hate you
RomanceAyla durchlebte eine anspruchsvolle Schulzeit, in der jemand, den sie zutiefst liebte, ihr Herz Stück für Stück brach. Im Laufe der Zeit wandelten sich ihre Gefühle zu Hass, und sie setzte alles daran, ihn in der Zukunft zu vermeiden. Dennoch hatte...
