Ich wusste nicht, wohin mit mir. Alle waren weg – meine Mama, mein Papa, mein Bruder und Merve. Ich erstickte in meinem Schmerz. Mir fiel nur eine einzige Person ein.
Mansur.
Mit zitternden Händen rief ich ihn an. Er ging sofort ran. „Hey, Sonnenschein, was—" Ich schluchzte. „Bitte hol mich hier ab." Es schmerzte sogar zu sprechen. Meine Kehle war wie zugeschnürt. „Ayla, wo—"
„Mansur, bitte hol mich einfach nur hier ab."
Ich sendete ihm meinen Standort und lief so schnell ich konnte von Azads Apartment weg. Als wäre alles nicht schlimm genug, fing es auch noch an zu regnen. Ich suchte nach einem Unterstand, doch fand keinen.
Mir war kalt, und ich zitterte am ganzen Körper. Ich sah ein Auto vor mir anhalten, was mich für einen Moment erleichterte. „Ayla, steig ein." Nein. Bitte nicht er.
Azads Auto stand direkt vor mir, das Fenster heruntergelassen. Ich drehte mich sofort weg und ging weiter. Doch er fuhr langsam neben mir her, rief mir immer wieder zu, ich solle einsteigen.
Ayla, nicht hingucken, einfach weitergehen. Oh nein. Er stieg aus. „Ayla." Er griff nach meinem Handgelenk. Der Regen prasselte unaufhörlich auf uns nieder, und seine Kleidung war bereits völlig durchnässt.
„Bitte." Er flehte mich an.
Doch ich sah ihn nicht an.
„Bitte, Ayla, lass es mich erklären. Nur wir beide." Ich riss mich los und lief weiter. „Lass es nicht so enden, Ayla. Ich hasse es, Menschen aus dem Nichts zu verlieren." Ich blieb stehen. Drehte mich langsam um.
„Aus dem Nichts? Ist das dein Ernst?"
Er strich mir eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht. Ich schlug seine Hand weg. „Ayla. Bitte komm mit mir. Du wirst krank in dieser Kälte."
Ich schüttelte den Kopf.
„Geh weg. Und komm nie wieder." Sein Blick war leer. Fehlend. „Ich kann dich vollkommen verstehen, ich schwöre es dir. Aber bitte, Ay—"
„Ayla."
Mansur. Er stand hinter Azad. Ich war ihm so dankbar, dass er genau in diesem Moment gekommen war. Azad sah ihn irritiert an. „Was machst du hier?"
Mansur ignorierte ihn und ging direkt auf mich zu. Er streckte mir seine Hand entgegen.
„Komm, wir gehen."
„Ayla, du gehst nirgendwo hin." Bevor ich reagieren konnte, mischte sich Mansur ein. „Junge, was zur Hölle ist falsch mit dir? Siehst du nicht, in welche Lage du sie gebracht hast? Ich bin hier, weil sie mich gerufen hat."
Azad schaute mich an. War das Schmerz in seinem Blick? Oder Enttäuschung?
„Ayla... hast du ihn angerufen?"
Ich zitterte. Ich brachte kein Wort heraus. „Sie schuldet dir keine Antwort. Und jetzt verpiss dich, Sivan." Mansurs Stimme war ernst. Wow.
„Pass genau auf, was du sagst, Mansur. Deine große Klappe wird dir nichts nützen, wenn ich dir und deinem Onkel alles nehme." Die Lage spitzte sich immer weiter zu. Ich konnte das nicht mehr ertragen und ging einfach los.
Mansur folgte mir.
„Ayla, wenn du mit ihm gehst, schwöre ich dir, dass du mich nie wieder sehen wirst." Für einen Moment zögerte ich. Dann aber lief ich weiter. Mansur öffnete mir die Tür seines Autos, und ich stieg ein. Als wir losfuhren, stand Azad noch immer im Regen.
Die ganze Fahrt über liefen mir die Tränen. Mansur fragte nicht, warum oder wie es dazu gekommen war. Er blieb einfach nur still. Ich wusste nicht einmal, wohin er mich brachte. Aber das war in diesem Moment das Unwichtigste.Als wir endlich ankamen, führte er mich in sein Zimmer. Ich sollte mich ausruhen. Ich legte mich auf sein Bett und versuchte zu schlafen.
Schule? Das war mir gerade egal. Er hatte jetzt auch Geld. Einen guten Job. Eine eigene Wohnung. Das hatte er mir am Ende der Fahrt erzählt. Ich würde ihm immer dankbar sein. Nach drei Stunden wachte ich auf. Es war mittlerweile 15:00 Uhr. Mein Magen fühlte sich leer an.
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i hate you
RomanceAyla durchlebte eine anspruchsvolle Schulzeit, in der jemand, den sie zutiefst liebte, ihr Herz Stück für Stück brach. Im Laufe der Zeit wandelten sich ihre Gefühle zu Hass, und sie setzte alles daran, ihn in der Zukunft zu vermeiden. Dennoch hatte...
