Kapitel 15

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Mein Herz raste, obwohl ich nichts von diesem Jungen jemals erwarten dürfte! Er ist ein herzloser Mensch, genau wie damals! Ich war fast dabei zu glauben, dass er sich wenigstens ein bisschen ins Positive verändert hat. Durch den ganzen Schock vergaß ich, mich von meiner Chefin zu verabschieden, die angeblich nicht mal wirklich die Chefin ist. Ich versuchte im Internet nach seinem Vater zu suchen und fand direkt die Fabrik. Bevor ich mir aber sicher war und die Bäckerei verließ, sah ich dasselbe Logo und eine Karte auf dem Tisch der Chefin. Das machte mich sicher, dass er sich anscheinend dort aufhält und Menschen, die einfach nur Brot nach Hause bringen wollen, von ihrer Arbeit kündigt.

Noch zwei Stationen, dann werde ich da sein und diesen widerlichen Hund zur Rede stellen. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe, aber Mansur antwortet auf keine meiner Nachrichten. Was genau haben die beiden für einen Konflikt gehabt? Weshalb wurde Mansur ausgerechnet von der gesamten Bäckerei geworfen?

Moment...

Es ist, weil Mansur mich anscheinend verarscht? Nein. Das würde überhaupt keinen Sinn ergeben! Warum würde er so etwas für mich tun? Warum zum Teufel ist er überhaupt wieder in meinem Leben aufgetaucht?! WIESO!!

Nachdem ich endlich ankam, wollten die Sinceritys mich nicht reinlassen. „Sagen Sie Azad, dass ich Ayla bin." Die Frau ließ es nicht zu und sagte, ich würde ohne eine Karte hier nicht reinkommen und Menschen ohne Termine seien unerwünscht, vor allem wenn man sie noch nie hier gesehen hat. Was soll ich nun tun? Einen Termin für ein kurzes Gespräch mit diesem Widerling organisieren? Einen Scheiß tue ich.

„Gut, dann muss ich es anders machen." Ich rannte weg und sprang von dem Checkgerät rüber und nahm direkt den Fahrstuhl, der gerade aufging. Während sich die Fahrstuhltür langsam schloss, betete ich, dass die Security es nicht rechtzeitig schaffen würde, sie offen zu halten. „STOPP!! SIE KÖNNEN NICHT EINFACH REIN!!" Ich hörte das ganze Piepen und sah als Letztes, dass sich viele Securities zusammen sammelten.

Shit..

Moment... ich weiß doch gar nicht, in welchem Stockwerk er sich befindet. Scheiße! Obwohl egal, ich fahre einfach dorthin, wo es hingeht, und frage in der Etage nach seinem Büro. Wie es aussieht, hat er sich wohl doch für das Geld seines Vaters entschieden. Seine Worte haben nicht mal ein Stück die Wahrheit entsprochen. Tja. Männer halt... Moment, kann ich ihn überhaupt einen Mann nennen? Bei dem Gedanken fiel ich in Gelächter aus.

Irgendwen muss ich doch jetzt fragen. Wo sind überhaupt all die Menschen hin? Hier sieht es luxuriöser aus als die reichen Gebäude in den Filmen und Serien. Egal, wenn Azad keinen Verstand und keine Reife besitzt, besitzt er wenigstens jetzt lilafarbene Scheine. Ich hielt direkt eine Frau an. „Entschuldigung, wissen Sie, in welcher Etage und welchem Raum sich Azads Büro befindet?" Sie grinste leicht. „Sie meinen bestimmt HERRN Sivan." Ja, ja, Herr. „Genau." „Genau in dieser Etage, nur müssen Sie jetzt geradeaus, dann nach links, und direkt vor Ihnen sehen Sie dann sein Büro." Ich bedankte mich und sprang los. Warum zum Teufel finden mich diese Securities nicht?

Da habe ich es endlich. Als ich seinen Namen auf dem Schild vor seinem Büro sah, kam all die Wut, die sich bis jetzt angesammelt hatte, wieder hoch. Ohne zu klopfen ging ich rein, und wie erwartet saß er an einem Tisch mit einem schwarzen Anzug. „WAS SOLL DER SCHEIẞ, AZAD?!" schrie ich und ging auf ihn los. Er sah gar nicht überrascht aus. Er stand auf und kam in meine Richtung. „Warum hast du Mansur gekündigt?! Schmeckt das Geld, Azad? Schmeckt es? Hast du vergessen, dass es nicht so einfach ist, einfach so etwas zu bekommen? Manche müssen hart arbeiten, um einen Cent zu verdienen." Statt etwas zu sagen, starrte er mich einfach nur an. „SAG WAS!" schrie ich ihm ins Gesicht und schubste ihn nach hinten.

„SAG VERDAMMT NOCHMAL WAS! Haben deine Lügen nicht gereicht? Gott sei Dank habe ich dir nie vertraut. Anscheinend bist du doch ein Vater Söhnchen, das nur–" „Es reicht," sprach er endlich. Ich glühte vor Wut und bemerkte erst jetzt, wie nah ich ihm eigentlich war. Ich ging einen Schritt zurück. „Sag, warum du das getan hast." „Wie hast du mich gefunden? Hat dir die Chefin das gesagt?" wich er meiner Frage aus. „Internet. Bitte, feuere jetzt direkt die Chefin auch noch nicht." „Rede keinen Unsinn hier, Ayla," sprach er und sah mir tief in die Augen. „Dann sag mir, wieso du das getan hast. Was hast du für ein Problem mit Mansur?" Er blieb stumm.

„Wieso sagst du nichts?!" Er sah auf den Boden. „Du weißt gar nichts," sagte er ruhig. „Dann sag es mir!" „Ich kann's nicht. Aber eins kann ich dir sagen: Mansur geht's gut, und er wird schnell einen neuen Arbeitsplatz finden. Wenn nicht, dann werde ich ihm dabei helfen." Ich verstehe es nicht. Wieso will er ihn weg haben? Was macht es ihm aus, wenn er dort arbeitet? „Warum? Du arbeitest doch nicht mehr dort! Was bringt es dir, wenn er jetzt nicht mehr dort arbeitet?" Er sah mich an, und ich spürte plötzlich ein Kribbeln im Bauch. „Vieles."

Für einen Moment blieb ich still, und die Atmosphäre fühlte sich plötzlich so komisch an. Ich räusperte mich. „Gut, Azad Sivan. Jetzt hast du nicht nur einen Mitarbeiter weniger, sondern gleich zwei," sagte ich und ging direkt weg.

Während ich schon im Flur war, schrie er mir hinterher, dass ich es nicht tun würde. „Doch, werde ich. Und falls es nicht klar war: Ich kündige, HERR SIVAN!" schrie ich und ging noch schneller. Dabei bemerkte ich gar nicht seine Schritte und spürte plötzlich seine Hand auf meinem Gelenk. „Das wirst du nicht. Du brauchst diesen Job!" Ich sah ihn irritiert an. „Auch wenn! Es geht dich überhaupt nichts an," schrie ich ihm ins Gesicht. „Soll ich das Gehalt höher machen?"

Das ist doch nicht sein Ernst! Jede Sekunde könnte meine Faust sein Gesicht treffen. „Denkst du ernsthaft, ich würde das Geld, das jetzt von dir kommt, überhaupt noch annehmen? Denkst du wirklich, dass ich so geldsüchtig bin, Azad? Jedes Mal, wenn ich denke, dass du deine egoistische Art nicht schlimmer machen könntest, toppst du's immer mehr!" Er sah mich einfach nur leer an, und plötzlich fühlte ich mich schlecht. Ich sah ihn einen kurzen Moment an und ging dann fort.

Während ich auf den Fahrstuhl wartete, kam schon sein Vater aus dem dritten Fahrstuhl heraus. Das erste, was er bemerkte, war ich, und sein Blick veränderte sich von hart zu einem weichen Blick. „Ayla, mein Kind. Was machst du hier?" Ich lächelte ihn an und bemerkte Azads Blick noch auf mir. „Hallo, Herr Sivan. Ich war nur kurz hier, um mich von Azad zu verabschieden, da er jetzt nicht mehr in der Bäckerei arbeitet." Ich sah aus dem Augenwinkel, wie Azad auf uns zukam.

"Komm doch ein Kaffee mit mir und meinen Sohn trinken." Ich weiß nicht wer dieser Mann ist. Aber er jetzt im Vergleich zu letztes Mal ist ein großer unterschied. Ich war dabei es abzulehnen da sprach Azad. " Nein. Ist nicht nötig. Sie hat einen wichtigen Termin und muss jetzt gehen." Immer nur lügen mehr kann dieser Junge nicht.

Während ich letztendlich aus dem Gebäude herausging, atmete ich tief durch. „Was für ein Tag," sagte ich vor mich hin. Die Securitys machten nichts, als ich an ihnen vorbeiging. Ich checkte nochmal mein Handy, um zu sehen, ob Mansur meine Nachrichten schon gesehen hatte. Nichts.

Während sich das Parkhaus schloss, sah ich dort Azads Auto stehen. Nein, Ayla, das tust du jetzt nicht. Als dort ein Mitarbeiter stand, tat ich so, als hätte ich meine Parkkarte im Auto vergessen. Er ließ mich ohne weiteres rein. Ich denke, er hatte selbst einen harten Tag und wollte mit niemandem diskutieren. Da habe ich wohl Glück gehabt.

Ich nahm meinen Schlüssel, den ich dabei hatte, und zerkratzte sein schönes, schwarzes Auto, das wohl gerade frisch geputzt war. Es fühlte sich so gut an, diesem Jungen endlich das anzutun, was er immer mit mir gemacht hat, nur eben mit seinen Gegenständen. Jungs lieben ja ihre Autos, und ich bin mir sicher, dass er genug Geld hat, um sich einen neuen zu holen.

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Voten und kommentieren nicht vergessen!!

Ein paar Sachen sind unklar, ich weiß. Wartet nur auf das nächste Kapitel, da werdet ihr mehr erfahren. Ich sage nur eins: Dramaaa!

i hate youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt