Kapitel 12

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Weil Merve die Einzige von uns ist, die einen Führerschein hat und gerade nicht fahren kann, aufgrund ihrer Lage, sind wir im Auto geblieben. „Alle Jungs sind gleich", sagte sie weinend. „Ja, das sind sie wirklich." Ihre Wimperntusche war total verschmiert, weshalb ich versuchte, sie unter ihrem Auge wegzuwischen. „Merve, weinst du ernsthaft für diesen Hund? HALLO?! Es ist nur ein verdammter Scheißkerl." Sie schmunzelte, was mich irritierte. „Was ist los?" „Ich weiß, ich habe es dir oft genug gesagt, aber du bist echt nicht gut darin, zu trösten." Ich schubste sie leicht. „Ernsthaft?!"

Plötzlich klopfte es am Fenster. Azad. Merve war dabei, die Fenster runterzudrücken, aber ich hielt sie schnell auf. „Bist du verrückt? Er ist genauso ein Hund wie sein Freund!" „Das Fenster ist zwar nicht offen, aber ich höre dich, Ayla." Ich ignorierte seinen Kommentar. „Merve, fahr los." „Was, Ayla?" „LOS!!" Azad klopfte erneut. „Es ist wichtig, verdammt!" Als wäre das nicht genug, kam plötzlich Erion an der anderen Fensterscheibe. „Merve, komm raus, ich muss mit dir sprechen." Merve sah mich direkt an, und ich schüttelte den Kopf. „Merve, nein. Fahr einfach los." „Aber Ayla, vielleicht war das gar nicht so-" „Es war auch nicht so, wie es aussah! Komm raus, ich werde dir alles genauer erzählen." Rief Erion. Ich sah Merve warnend an. Sie gab mir einen entschuldigenden Blick und ging raus. „MERVE!" schrie ich ihr noch hinterher, bevor sie die Tür schloss. Ich seufzte genervt. Sie wurde verdammt nochmal gerade betrogen. Wie kann sie noch mit ihm sprechen? Ich wäre an ihrer Stelle nicht mal bereit, ihn anzusehen. Außerdem war es klar, dass alle Jungs gleich sind.

„Willst du nicht rauskommen?" Ich sah Azad, der immer noch vor dem Fenster stand, vernichtend an. „Warum? Ein Problem?" Er warf kurz einen Blick nach links und dann wieder zu mir rüber. „Komm raus, und ich erkläre dir, wie die Situation eigentlich war." Obwohl mein Ego zu groß war, um jetzt auszusteigen, wollte ich doch wirklich wissen, was eigentlich Sache war. Also entspannte ich mich und ging raus. Durch die ganze Situation bemerkte ich nicht einmal seinen Stil. Er trug ein schwarzes Hemd und eine schwarze Hose. Er sieht wirklich... gu- ehm hässlich aus.

„Los, erzähl mir die Lügen", sagte ich und schloss die Autotür. „Lügen? Also, Urteilen solltest du wirklich lassen, Frau Novak." „Ich verurteile nicht. Ich sage nur, was ich gesehen habe." Er sah mich einen Moment an und nickte dann kurz. „Ok. Sehr überzeugend bist du. Willst du wirklich hier rumstehen?" Was sollte ich denn sonst machen? „Soll ich tanzen oder was?" Er schmunzelte. „Lieber nicht. Lass uns am Strand entlanggehen." „Ich bin mir sicher, dass Merve gleich da ist. Es ist nicht nötig." „Bist du dir wirklich sicher?" Nein, um ehrlich zu sein. So wie es aussieht, wird deren Gespräch auch nach Stunden nicht enden.

„Willst du jetzt anfangen zu erzählen?" Ja, er hat es geschafft. Wir gehen jetzt am Strand entlang. Es ist alles so komisch. Mein damaliges Ich würde sich so freuen, diese Situation zu erleben, aber ja, die Betonung liegt auf "damaliges Ich". Jetzt würde ich ihn am liebsten im Meer ertrinken lassen. Ich weiß selbst nicht, wie es nach all den Jahren dazu kommen konnte. „Das Mädchen ist seine Cousine." Was? „Wie meinst du das?" „Sie hängt aber an ihm, und sein Vater verkuppelt die beiden auch ständig." Scheiße. „Wieso waren sie heute zusammen da? Und wieso warst DU" Ich zeigte mit meinem Zeigefinger auf ihn und beendete meinen Satz. „auch da?"

„Erion wollte ihr klar machen, dass er bereits jemanden hat und den Rest seines Lebens auch mit ihr verbringen möchte. Deshalb hat er sie gebeten, hierher zu kommen." Irgendwie ergibt alles jetzt Sinn. „Aha." Er blieb stehen. „Nur Aha?" fragte er. „Was soll ich denn sonst sagen?" „Du hast verdammt nochmal Erion an den Haaren gezogen und mich dabei auch noch geklatscht, ohne überhaupt zu wissen, was Sache ist, und dazu sagst du nur Aha?" Ich verstehe seine Intention nicht. (Doch, tue ich) „Falls sie eine Entschuldigung von mir erwarten, dann kann ich Ihnen eins klar machen, Herr Sivan das werden sie niemals bekommen." sagte ich und ging weiter.

„Warum lachst du?", sagte ich, als er wieder neben mir stand und der Sonnenuntergang langsam begann. „Es ist wirklich verrückt, wie sehr du dich verändert hast." Will er mich gerade wieder beleidigen? „So hässlich war ich damals auch nicht." Ich weiß nicht warum, aber immer wieder kommt das Thema von damals mit ihm zusammen hoch. Ich fühle mich dann immer so anders und irgendwie.. traurig. „Das meinte ich damit nicht, und außerdem bist du trotzdem noch hässlich." entgegnete er mit einen schmunzeln. Ich dachte, dass ich nur daran denke, ihn zu ertränken, aber irgendwie klingt das jede Sekunde mehr nach einer Tat. „Echt? Hier, dein „Hässlich" und eklige Entenfuß!" schrie ich und schubste ihn ins Wasser.

Nachdem er ins Wasser gefallen war, ging ich einfach weg und versuchte, Merve zu erreichen. Statt ihre Stimme zu hören, landete ich immer in der Mailbox. Ich hasse Beziehungsdrama. Ich weiß zwar nicht genau, wo ich hingehe, aber immer geradeaus zu gehen, scheint eine gute Idee zu sein, oder? Also ging ich geradeaus. Ich sah schon die Hütte, die ich auch am Anfang gesehen hatte, als ich mit Merve dort stand. Aber diese teuren Autos waren davor nicht da, da bin ich mir sicher. Ich ging also in die kleine Hütte, die ein kleines Restaurant ist, in der Hoffnung, dort Merve zu sehen. Bevor ich richtig hineinging, sprach mich ein alter Mann an. „Hallo, Sie müssen Ayla sein, richtig?" Sein Gesicht kommt mir bekannt vor, aber woher? Und warum kennt er meinen Namen? „Ja, das bin ich", nickte ich. „Gut, ich bin Azads Vater." Kein Wunder, dass seine Augen und Gesichtszüge mir so bekannt vorkamen. Als er seine Hand zu mir ausstreckte, nahm ich sie und schüttelte sie mit einem Lächeln im Gesicht. „Schön, Sie kennenzulernen." „Ja, Sie auch. Wissen Sie, wo Azad gerade ist?" Bevor ich sprach, bemerkte ich schon einen Schatten hinter mir.

"Ich bin hier", sagte eine raue Stimme. Ich drehte mich um und sah ihn mit seinen nassen Haaren und Kleidern, was ihn einfach noch attraktiver machte - was?! Das habe ich gerade nicht gedacht. "Wieso gehst du nicht ans Handy?", fragte seinen Vater. Azad sah ihn gefühllos an, als wäre er ein Fremder, der ihn gerade nervt. "Mein Handy ist kaputt", antwortete er knapp. "Wie, dein Handy ist kaputt? Wenn ich dich anrufe, musst du immer rangehen! Besorg dir einen neuen." Wieso konnte flippt er so aus? "Ayla, geh bitte rein", sagte Azad plötzlich. Ich folgte seinem Befehl und ging hinein. Ich verstehe überhaupt nichts mehr. Er hat Geld, und sein Vater sieht total reich aus. Wieso verdammt nochmal arbeitet er in der Bäckerei mit mir? Ich wollte nicht lauschen, aber die Neugier in mir war stärker.

"Wieso zum Teufel sind deine Klamotten nass? Du siehst aus wie ein Penner", bekommt er gerade wegen mir Ärger? Shit. „Wieso tauchst du immer überall auf, wenn ich einmal nicht rangehe? Wie oft soll ich noch sagen, dass du mich in Ruhe lassen sollst?!" schrie Azad. Die Beziehung zwischen ihnen war eindeutig nicht gut. "Du bist mein Sohn! Ich mache mir Sorgen, wenn du mal nicht rangehst", entgegnete sein Vater. Azad lachte bitter. "Genau, wenn ich mal weg bin, dann ist doch alles gut, oder? Dann musst du das alles, was du dein verdammtes Leben lang getan hast, nur für Can machen." Danach hörte ich nur einen Klatsch. Ich wusste sofort, dass Azad getroffen wurde, und ging vor Sorge und Schock sofort wieder zu ihm.

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Voten bitte nicht vergessen

A.

i hate youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt