„Du sahst letztens so aus, als würdest du jeden Moment in Tränen ausbrechen."
„Ich bin okay", log ich. „Du solltest bei Rana sein."
Er schnaubte leise und schüttelte den Kopf. „Rana interessiert mich nicht, Ayla. Das weißt du."
Ich wollte ihm glauben. Ich wollte es so sehr. Aber die Bilder von Rana, wie sie ihn berührte, brannten sich in meinen Kopf. „Dann tu doch nicht so", flüsterte ich, und meine Stimme brach. „Tu nicht so, als wäre da nichts."
Azad sah mich an, und in seinen Augen lag so viel Schmerz, dass ich fast wieder weich wurde. „Ich tue das nicht für mich, Ayla. Du weißt, warum ich das tun muss."
Er trat noch näher, so nah, dass ich seinen Duft riechen konnte. „Glaubst du, mir geht es anders? Jedes Mal, wenn ich sehe, wie du dich mit Mansur unterhältst oder wie er dich beschützt, will ich ihn zur Seite schieben. Aber wir können das nicht, Ayla. Nicht jetzt."
Ich runzelte die Stirn. Vor eine wollte ich es nicht – jetzt will er es nicht. Was passiert hier?
„Vor einer Woche warst du anderer Meinung. Hat Rana deine Meinung geändert?" fragte ich, meine Stimme schärfer als beabsichtigt.
Er schwieg für einen Moment, bevor er leise sagte: „Wir halten durch. Bis das alles vorbei ist. Bis ich einen Weg finde, dich aus diesem Chaos zu holen."
Ich schaute ihn irritiert an. „Das war nicht meine Frage."
Azad presste die Lippen aufeinander, als würde er etwas mit sich selbst ausmachen. Dann plötzlich – anstatt zu antworten – hob er eine Hand und strich mir sanft über die Wange. Seine Berührung war warm, vertraut.
„Ayla ..." Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Ich weiß, dass es weh tut. Mir tut es auch weh. Aber du musst mir vertrauen."
Ich spürte, wie meine Kehle eng wurde. „Wie soll ich dir vertrauen, wenn du mich nicht einmal ehrlich antwortest?"
Sein Blick flackerte für eine Sekunde – so schnell, dass ich es vielleicht nur eingebildet hatte. Dann beugte er sich vor, seine Stirn fast an meiner.
„Ich bin hier, oder nicht?" hauchte er. „Ich stehe vor dir. Nicht vor ihr."
Meine Lippen bebten. Ich wollte stark bleiben, aber sein Duft, seine Nähe ... sie machten es unmöglich.
„Ich hasse es, dich mit ihr zu sehen", gestand ich schließlich, und meine Stimme brach.
Azad schloss kurz die Augen, als würden meine Worte ihn genauso verletzen wie mich. Dann legte er beide Hände an meine Wangen und zwang mich, ihn anzusehen.
„Und ich hasse es, dich so zu sehen", sagte er leise. „Aber es wird nicht für immer so sein. Glaub mir."
Ich wollte glauben. Ich wollte es so sehr. Doch tief in mir nagte die Angst. Angst, dass dieses „Nicht für immer"
doch länger dauern würde, als ich ertragen konnte.
Gerade, als ich etwas erwidern wollte, ging plötzlich die Tür auf, und eine kleine, aufgeregte Stimme durchbrach die angespannte Stille.
„Ayla!"
Ich drehte mich überrascht um und sah Can hereinkommen – mit einem riesigen Grinsen auf dem Gesicht und in seinen kleinen Händen einen Teddybären und einen Strauß weißer Lilien. Mühsam hielt er alles fest, fast so, als wären die Sachen zu groß für ihn.
„Die sind für dich!" verkündete er stolz und streckte mir die Blumen entgegen.
Mein Herz zog sich zusammen. Ich war für einen Moment sprachlos, bevor ich mich leicht zu ihm herunterbeugte und vorsichtig die Blumen entgegennahm. „Für mich?"
Can nickte eifrig. „Ja! Azad hat gesagt, dass er dir eine Freude machen will, aber ich durfte sie dir bringen!"
Mein Blick wanderte langsam zu Azad, der immer noch dort stand und mich beobachtete. In seinen Augen lag etwas, das ich nicht greifen konnte.
Can hielt mir nun auch den Teddybären hin. „Und der ist auch für dich! Der ist ganz weich!"
Ich nahm den Plüschbären vorsichtig entgegen und fuhr mit den Fingern über das weiche Fell. „Danke, Can."
Er strahlte mich an. „Magst du ihn?"
Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Ja, sehr."
Er drehte sich kurz zu Azad um. „Hab ich das gut gemacht?"
Azad lachte leise und strich ihm über den Kopf. „Ja, Kleiner. Du hast das perfekt gemacht."
Can klatschte begeistert in die Hände, bevor er sich wieder zu mir drehte. „Ich mag dich, Ayla!"
Mein Herz wurde warm. „Ich mag dich auch, Can."
Er grinste zufrieden. „Okay! Dann male ich euch später ein Bild!"
Mit diesen Worten drehte er sich um und lief fröhlich aus dem Restaurant, als wäre das gerade das Selbstverständlichste auf der Welt gewesen.
Sobald er verschwunden war, wurde es wieder still zwischen Azad und mir. Ich sah auf die Blumen in meiner Hand, dann auf den Teddybären, und schließlich hob ich langsam den Blick zu ihm.
„Can, er ist gerade alleine nach draußen gerannt."
„ keine Sorge. Draußen sind 2 Securitys von Can."
Eine Moment war stille. Dann brach ich es.
„Warum?" fragte ich leise.
Azad atmete tief durch. „Weil ich weiß, dass es dir die Tage zu viel war. Und weil ich dir eine Freude machen wollte."
Ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte. Die Wut, die ich die ganze Woche über in mir getragen hatte, war immer noch da – aber jetzt mischte sich etwas anderes dazu. Etwas Weiches, etwas, das ich nicht benennen wollte.
„Ayla ..." Seine Stimme war leise, fast bittend.
Ich schluckte schwer. „Sag mir einfach die Wahrheit, Azad. Warum bist du wirklich hier?"
Er schaute mich irritiert an. „Denkst du, ich will dich damit bestechen?"
Ich sagte nichts, weshalb er weitersprach. „Ayla, ich weiß nicht, was wir sind, aber ich weiß, dass wir weder Freunde noch Fremde sind."
Er strich eine Strähne aus meinem Gesicht. „Hast du Lust, mit mir zusammen zu backen?"
Ich schaute ihn irritiert an, weil es so unerwartet kam. Mein Herz raste wie das eines kleinen Kindes.
„Aber Rana–"
Er unterbrach mich. „Nichts mit Rana. Ich hole dich morgen ab. Dann kannst du endlich mein neues Zuhause sehen."
Seine Augen glänzten. Ich spürte, wie sehr er sich ein Ja von mir wünschte.
Meine Eltern waren immer noch nicht da, und mein Bruder auch nicht. Ich wäre morgen sowieso zu Hause, weil Merve am Abend zu mir kommen wollte. Es passte also. Aber zu ihm nach Hause? Moment mal ...
„Was, wenn uns jemand sieht? Was, wenn dein Vater uns sieht?"
„Mein Vater wird nichts sagen. Und nein, ich werde aufpassen, dass uns keiner sieht."
Ich hoffte auch, dass mich niemand aus meiner Familie oder entfernten Verwandtschaft irgendwo sieht.
„Okay, dann perfekt. Bis morgen, meine Perle."
Er gab mir einen Kuss auf die Wange, weshalb ich kurz zusammenzuckte. Dann ging er einfach weg.
Gott sei Dank war niemand im Restaurant, nur die Mitarbeiter in der Küche. Meine Wangen erröteten.
Dieser Idiot.
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i hate you
RomansaAyla durchlebte eine anspruchsvolle Schulzeit, in der jemand, den sie zutiefst liebte, ihr Herz Stück für Stück brach. Im Laufe der Zeit wandelten sich ihre Gefühle zu Hass, und sie setzte alles daran, ihn in der Zukunft zu vermeiden. Dennoch hatte...
